Man muss das auch mal andersherum sehen. Am Ende jedes Maschinengewehrs, das zufällig vorbeifahrende Menschen zerfetzt, da steht doch auch ein Mensch. Einer, der eine Entscheidung gefällt hat und dann danach gehandelt hat. Zweifellos ist es ein böser Mensch; aber derlei Zuschreibungen sind gemeinsam mit dem Gedanken, dass Menschen selbst entscheiden, was sie tun oder lassen, verloren gegangen. Heute ist jeder wahlweise von seinen Genen, seinem Hirn, seiner Geschichte oder der seiner Eltern, seiner Religion oder seiner Kultur, den Produktionsverhältnissen oder – noch besser – von seinem Gewissen in Haft genommen worden. Was Menschen so tun, tun sie, weil sie gar nicht anders können.

Palästinenser morden eben, weil die Besatzung so furchtbar ist, und dann ist es auch kein Mord, sondern eine Verzweiflungstat. Oder ein Torpedieren von Friedensverhandlungen. Man betrachtet das nur noch im Kontext und nicht mehr für sich: Jemand stoppt mit seinem Gewehr ein Auto, erschießt die vier Insaßen und fährt weiter. “Eine Tragödie”, sagt Obama dazu, als ob das Ereignis unausweichlich gewesen wäre. Die Umstände sind eben so, die Leute sind eben so, heißt das. Keine autonome Entscheidung der Täter und ihrer Auftraggeber wird anerkannt und kritisiert.

Und dann die Phrasen, hinter denen die schreckliche Wirklichkeit verschwindet: Man verurteilt die Tat. Aufs Schärfste. Ein Anschlag. Und dann kommt der Kontext hinterher, damit man die Tat auch verstehen kann. Dabei führt das alles dazu, dass man die Tat eben überhaupt nicht mehr verstehen kann, sie wird völlig ungreifbar: Eine Straße, nachts, ein Auto mit Menschen, ein anonymer Täter, der mit einem Maschinengewehr vier Fremde einfach umschießt, er schießt aus einem fahrenden Auto und Washington ist weit weg.

Guido Westerwelle lässt sein “aufs Schärfste” ins Englische so übersetzen: “in the strongest possible terms.” Mit den stärksten möglichen Ausdrücken also. Dabei bleiben diese dann aus: Er behauptet eine scharfe Verurteilung und unterlässt sie genau dadurch. Die stärksten möglichen Ausdrücke und Begriffe bleiben in der Schublade. Die Tat an sich nicht wahrzunehmen, sondern nur ihren Kontext, führt schließlich dazu, dass ein brutaler vierfacher Mord gemeinsam mit der Ankündigung von Bautätigkeiten abgeheftet wird.

Die Unfähigkeit, moralische Urteile zu fällen, also zum Beispiel einen Mord als einen Mord zu verurteilen, ist auch die Triebfeder der häufigen Nazivergleiche. Wie soll man Menschen klar machen, dass es dezidiert böse Menschen und Taten gibt, wenn nicht mit dem Hinweis auf Nationalsozialismus, Massenmord und millionenfaches beabsichtigtes Leiden? Dabei spielt es gar keine Rolle, ob es tatsächlich um schlimme Menschen und Taten geht oder ob es sich um Projektionen handelt. Auch Antisemiten sehen das Böse am Werk, deshalb ist ihnen der Nazivergleich so nah.

Es ist der Postmoderne geschuldet, dass nicht nur moralische Begriffe verschwinden, sondern auch eine objektive Beschreibung der Realität an sich für unmöglich gehalten wird. Wäre es common sense, dass ein Mord ein Mord ist und sonst gar nichts, dann wäre auch die Wahrnehmung des Nahostkonflikts eine andere, da man dann das Verhalten der Konfliktparteien objektiv bewerten würde. Da aber eine objektive Bewertung von postmodernen Beobachtern ganz explizit ausgeschlossen wird, ist ein Mord kein Mord mehr, sondern ein politisches Manöver wie viele andere auch.

Überhaupt, die Friedensgespräche: Wie sie enden werden, kann man bei den Nahost-Experten nachlesen. Wie sie begonnen haben, steht schon fest: Mit vier Toten.

Zum selben Thema:
The fine art of gernalism

Wenn in Deutschland über den Nahostkonflikt berichtet wird, muss es immer so aussehen, als sei man unparteiisch. Letztlich sind dann aber doch immer die Israelis schuld. tagesschau.de zeigt schon im Anlesetext, wie es geht:

Nach dem Anschlag auf jüdische Siedler im Westjordanland hat der israelische Siedlerrat das vorzeitige Ende des Baustopps angekündigt. Ursprünglich sollte bis Ende September im Westjordanland nicht gebaut werden. Die Ankündigung dürfte die Friedensgespräche in Washington erheblich belasten.

Es ist nicht die Ermordung von vier Israelis, die die Friedensgespräche belasten, sondern die Ankündigung, Häuser zu bauen. Und da es ein jüdischer Rat ist, der dies beschlossen hat, handelt es sich dabei natürlich nicht um eine politische Entscheidung, sondern um ein perfides Manöver: “Der Rat der jüdischen Siedler im Westjordanland nutzt den Anschlag bei Hebron auf seine Weise.”

Nur wer den Text bis zum Ende liest, über eine Audioabspielmöglichkeit hinaus, könnte sich eventuell ein realistisches Bild von der Lage machen. Man könnte dort lesen, dass die palästinensischen Unterhändler abziehen wollen, wenn wieder gebaut wird – und sich fragen, wieso Israel nach dem Terroranschlag von Hebron weiter verhandeln möchte. Man könnte sich den einzigartig langmütigen Apell von Schimon Peres auf der Zunge zergehen lassen: “Die Terroristen werden keinen Erfolg haben. Sie sind eine Katastrophe für ihr eigenes Volk und eine Gefahr für unser Volk. Wir werden nicht mit Terroristen Verhandlungen führen, sondern mit denjenigen, die den Terror ablehnen.” Dann würde man sich sicher fragen, wie da wohl die Chancen stehen, solche Gesprächspartner zu finden.

Das alles ist natürlich nicht nötig, wenn die Erklärungen weiter oben nur allzu gut zu dem passte, was man schon immer wusste.

Vor einigen Monaten brachte die taz einen antisemitischen Text von Iris Hefets, in dem die Autorin sich über das Gedenken an den Holocaust lustig machte. Anschließend gab es eine kurze Debatte, dann die groteske Verweigerung einer Debatte durch die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl, und schließlich entschied die taz, dem Hass auf Israel eine Serie zu widmen.

Außerhalb dieser Serie beschäftigt die Zeitung eine antisemitische Bloggerin, die Studentin Kübra Yücel. Auf deren Konto geht der bisher heftigste rassistische und antisemitische Ausfall der Zeitung. Yücel präsentierte dummdreist die These, dass “die ethnische Herkunft von ‘weißen’ Israeliten” die Ursache der Probleme im Nahen Osten sei. Ironischerweise benennt sie das Problem als “rassistische Politik Israels”, nachdem sie sich gerade selbst explizit als Rassistin geoutet hat. Und während man noch fassungslos darauf guckt, was diese Zeitung alles veröffentlichen mag, legt alle paar Tage ein weiterer Kommentator nach. Heute ist es der Redakteur Stefan Reinecke.

Um gleich klarzumachen, dass es bei der Serie zur Israelkritik nicht darum geht, was tatsächlich im Nahen Osten passiert, also zum Beispiel um Israel, trägt sie den Titel “Unser Israel”. Da kann natürlich jeder ungeachtet der Fakten einfach was von seiner Oma erzählen, und so ähnlich kommt es dann auch. Der Autor, nicht ganz untalentiert, führt seine Tante in der Rolle der guten Deutschen ins Feld. Die gute Dame war ängstlich, versuchte, nichts falsch zu machen, und ihre Erkenntnisse passten in einen Satz. Die Tante, die hier für die Deutschen steht, war also herzensgut und dumm. Reinecke, Fuchs der er ist, ist dagegen schlau. Zwar bewundert er seine Tante für ihre “geradlinige Erkenntnis”, lehnt diese aber gleichweg ab. Schließlich meinte seine Tante, sie hätte kein Recht, über Israel zu urteilen. Reinecke dagegen will nicht nur das Recht haben, er sieht sich sogar in der Pflicht. Nur warum?

Er ist ein Deutschnationaler. Er benutzt dieselben Wörter und dieselbe Argumentation, die man so schon hunderte Male von denen gehört hat, die ihr Deutschsein nicht mehr mit den Verbrechen der Deutschen beschmutzt sehen wollen. “65 Jahre nach Kriegsende” sind es jetzt schließlich, und Stefan Reinecke ist nicht nur Deutscher, er ist gleich “Deutscher 2010″. Und überhaupt, die Deutschen, sie sind “in einem Schuld-Sühne-Komplex” gefangen, noch. Dass die NS-Vergangenheit historisiert wird und ferner rückt, ist “keine Gefahr, [...] sondern eine Chance”. Er beklagt eine gefühlte “Freundespflicht gegenüber Israel”.

Nicht Martin Walser, nicht die Junge Freiheit, keine Burschenschaft und kein Gast bei Opas Fünfundneunzigstem redet so, sondern ein Redakteur der sich links verstehenden taz. Wie kann das sein, wie kommt dieses originär rechte Gerede in eine linke Zeitung, was will der Redakteur?

Wenn die deutsche Geschichte so entsorgt wird, dann geht es im nächsten Schritt stets gegen die Juden. Der Parlamentskorrespondent der taz ist ein Antisemit, der sich erst selbst einen Berechtigungsschein ausstellen muss, bevor er loslegen kann. Er meint, er könne “gelassen und nüchtern” gegen Israel sein, womit er sich von denen absetzen will, die nicht gelassen sind, sondern ganz unlinks und untazig verkrampft. Mit einer ist-doch-alles-selbstverständlich-Haltung wirft er die altbekannten Lügen noch einmal neu auf: Apartheid, Araber als Bürger zweiter Klasse, blabla. “Man kann das nicht ignorieren, auch nicht aus vermeintlich guten Gründen” schwallt er daher und unterstellt denen, die an Israel nichts auszusetzen haben, sie würden die bösen Taten der Juden ignorieren. Das will er abstellen, stattdessen sollen die Deutschen endlich erwachen.

Vom Nahen Osten kann und will der Kommentator keine Ahnung haben, weil das nicht sein Thema ist – sein Thema ist seine Tante, ihr Judenknacks und Deutschlands Heilung davon. Also phantasiert er, Netanjahu und sein Außenminister Lieberman würde man ohne Scheu “rassistische Demagogen” nennen, wenn sie denn in Moldau oder Österreich regieren würden und nicht in Israel. Abgesehen davon, dass er sie damit gerade selbst so genannt hat, hat er natürlich recht: Die beiden sind jüdische Politiker, natürlich würden der “Kreuzberger Kinder-Stürmer” (Broder) und seine Kameraden sie als Demagogen beschimpfen, schließlich ist das ein bekanntes antisemitisches Ressentiment.
Dass Österreich und Moldawien nicht von Feinden umgeben sind, die immer wieder Krieg gegen sie angefangen haben und das auch für die Zukunft ankündigen – geschenkt. Schließlich kann man davon ausgehen, dass Lieberman und Netanjahu sowieso einfach jemand anders unterdrücken würden, wenn mal keine Araber da wären. Die autochthonen Österreicher unter der Fuchtel der rassistischen jüdischen Politiker, und “keiner hätte Scheu” das auch mal auszusprechen – so sehen deutschnationale feuchte Träume aus.

Eine “streng zionistisch erzogene Freundin” lässt der vermutlich streng deutsch erzogene Reinecke raunen, das Land verwandle sich in eine Diktatur. Das findet er selbst nicht haltlos und unsinnig, sondern “übertrieben” und redet dann, ganz nüchtern und gelassen, über “furchterregende Kampagnen gegen NGOs”. Gut zu wissen, was ein taz-Redakteur, der über Selbstmordattentate und Vernichtungsdrohungen kein Wort verliert, dann tatsächlich furchterregend findet: Gesetzesinitiativen, die von NGOs verlangen, ihre Finanzen transparenter zu gestalten.

Etwas bizarr wird das Geseier, wenn er “die Libertären, Weltoffenen” lobt, die Israel verlassen, weil der Judenstaat so furchtbar geworden ist. Die gehen natürlich, wohin denn sonst, nach Berlin. Und erfreuen sich an der libertären BRD, wo es kaum Steuer und noch weniger Staat gibt. Genau.

Das Beste kommt zum Schluss: Genüsslich Nüchtern und gelassen prophezeit der Autor den Untergang des jüdischen Staates. “Auszehrung und Ermüdung” werden die Juden heimsuchen, wenn sie ihr nationales Projekt nicht aufgeben und ihren Küstenstreifen zum nächsten Araberstaat umfunktionieren lassen, damit der taz-Fuchs zufrieden ist. Für ihn ist Israel keineswegs die sichere Heimstatt der Juden, kein Zufluchtsort für Millionen aus aller Welt, schon gar kein wirtschaftliches, kulturelles und religiöses Zentrum – für ihn ist Israel ein “Flugzeugträger der USA”, die wiederum sind ohnehin “im Abstieg” und so soll es bald auch mit Israel zuende sein.

Zuletzt hat Reinecke noch einen Wunsch an seine Landsleute und Volksgenossen.

In Israel deutet viel darauf hin, dass die systematische Unterdrückung auf die Dauer die eigene, offene Gesellschaft zerstört. Die Generation meiner Tante konnte das nicht sagen. Wir sollten es, ohne Hochmut und mit viel Selbstdistanz. Das können wir von uns verlangen.

Ein großes Opfer, dass das deutsche Volk von sich selbst verlangen kann, in der Tat: Israelkritik als letzte heroische Tat in einer postheroischen Gesellschaft.

Schon im Titel steckte die Feinderklärung ganz verschmitzt: “Feigheit vor dem Freund”. Und am Ende ist klar, was die taz nun fordert: Die Deutschen sollen den Juden gegenüber nicht mehr so feige sein. In Verbindung mit der Drohung, dass ihr Staat untergehen wird, wenn sie sich nicht endlich bessern, weckt diese Forderung genau die Erinnerungen, deren Ende Reinecke eingangs so vehement gefordert hat.

Kein Zufall.

Warum man eigentlich Partei für Israel ergreifen sollte, fragen sich manche. Dabei muss man gar nicht Partei für Israel ergreifen, man muss sich nur der Wahrheit verpflichtet fühlen.

Ich befinde mich in einem ständigen Staunen darüber, wie unglaublich die Lügen sind, die Antisemiten sich erst ausdenken, dann selbst glauben und schließlich auch noch publizieren. Fassungslos stieß ich heute auf diesen Eintrag bei CiFwatch, die sich mit dem Diskussionsbereich der Website des “Guardian” beschäftigen, wo sich linksliberale Antisemiten und ihre Freunde treffen.
Auf der Website der Zeitung war ein Foto erschienen, auf dem zu sehen ist, wie ein israelischer Soldat an einer Infusion für einen am Boden liegenden Mann arbeitet. Die Bildunterschrift jedoch behauptete das genaue Gegenteil: Der Mann am Boden würde total ignoriert.

Diese Leute schreiben unter ein Foto das Gegenteil von dem, was tatsächlich darauf zu sehen ist. Derlei antisemitische Lügen sind offenkundig. Man muss nicht politisch sein, um die Lüge und ihre Motivation zu erkennen.
“Jeder Evidenz ins Gesicht zu lügen,(…) das ist die Wahrheit der Antisemiten” formulierte die Bahamas ganz richtig und traf damit einen faszinierenden Punkt. Während man viel über die antisemitische Ideologie, ihre Rolle und ihre Geschichte lesen kann, wird eine wichtige Tatsache als selbstverständlich betrachtet und dabei beinah vergessen: Das, was Antisemiten gegen die Juden und ihren Staat sagen, ist unwahr. Es ist nicht etwa eine falsche Auslegung gewisser Tatsachen, es ist schlicht und ergreifend unwahr.

Natürlich ist das eine Binse, schließlich wäre der Antisemitismus berechtigt, wenn die Schauermärchen über Juden auch nur 1% Wahrheitsgehalt hätten. Aber die Auseinandersetzung mit den Feinden Israels muss da, wo sie nicht ohnehin mit Waffengewalt ausgetragen wird, eine um die Wahrheit sein. Das effektivste Argument gegen Antisemiten ist nicht, dass ihre Äußerungen antisemitisch sind – das bestreiten sie ohnehin mit großer Lässigkeit – sondern, dass sie unwahr ist.

Eigentlich ist das hier die Stelle, an der ein launiger und wie immer optimistischer Saisonausblick steht. Aber eben begab es sich, dass ich, nachdem ich die Überschrift schon ersPONnen hatte, auf eine sehr sehr traurige Nachricht gestoßen bin. Hugo Almeida möchte Werder verlassen und redet auch drüber. Im Worum übersetzt man ihn so:

… habe keine konkreten Angebote
… möchte noch einige Jahre im Ausland spielen, bevor ich zurück nach Portugal wechsle
… Ich behalte den Wunsch, in einer anderen Liga zu spielen, nicht für mich. Ich habe bereits mit den Verantwortlichen von Bremen darüber gesprochen.
… Also Abschied wahrscheinlich? Ich fühle mich gut hier, ich bin glücklich, aber ich muss in Ruhe warten, was da kommt und dann entscheiden was für mich und den Verein am Besten ist.
… Aber ich kann sagen, dass es am Wahrscheinlichsten ist, nicht mehr in der Bundesliga diese Saison aufzulaufen? Ja, lass uns sagen, dass das am Wahrscheinlichsten ist. Ich sehe da Gesprächsbereitschaft von Bremen (mich ziehen zu lassen). Zeit ist gekommen, aber bin ruhig. Wenn ich am Ende noch ein Jahr bei diesem Club bleiben müsste, würde ich mich wie immer reinhauen
… ich möchte gerne nach England oder Spanien, am Besten wäre für mich aktuell Spanien, in die Liga will ich wechseln.

Was für ein infamer Verrat! Dabei haben wir alle ihn geliebt. Das ist jetzt natürlich vorbei, ich will das Schwein nicht mehr sehen! Als ob es so wichtig wäre für einen jungen und talentierten Fußballer, auch zu spielen und als ob es auf Werder Bremens Bank nicht immer schön gewesen wäre! Als ob ein Kerl wie Hugo gut nach England passen würde! Aber gut, das muss er alles selber wissen. Bisher bietet leider nur Lazio Rom. “Rom oder Bremen, Hauptsache England” wird Hugo sagen und dem Wechsel hoffentlich zustimmen.

Wechsel! Dieses schäbige Spiel. Mein armes Herz wird ein weiteres Mal gebrochen werden, wenn Diego demnächst nach Wolfsburg wechselt. Wenn ich ihn nicht mehr haben kann, soll ihn auch kein anderer haben! Aber so läuft das im Fußball nicht. VW wird sich den kleinen Sympathieträger einiges kosten lassen, nachdem sie Ballack nicht bekommen haben. Irgendeinen Grund braucht man ja, um beim Wolfsburgspiel in der Sportschau nicht doch eben Bier holen zu gehen anstatt VW-Logos anzugucken.

“Ich hab Vertrag”, das bringt das ganze große Elend auf den Punkt. Mesut Özil gibt seit seinem Urlaub nur noch zu Protokoll, dass er hier sei, weil er einen Vertrag hat, den er respektiert. Lies: Er ist nur noch deshalb hier, sonst wäre er woanders, aber es geht halt nicht. Er hat Vertrag. Er würde das nicht sagen, wenn ein Wechsel in den nächsten Tagen nicht mehr möglich wäre. Dann würde er nämlich sagen: Ich habe noch große Ziele mit Werder Bremen und freue mich auf die neue Saison. Tut er aber nicht. Derweil wird ein Wechsel immer unwahrscheinlicher. Für Werder wäre beides zu verkraften, also ein Wechsel oder ein Bleiben. Allerdings sollte Özil dann bis zum ersten Heimspiel irgendwas nettes über Werder sagen, sonst werde ich nämlich grantig. Und eine ziemlich gute Saison sollte er spielen, sonst wird er nämlich ausgepfiffen. Der gemeine Fan versteht auch nicht, dass Özil 85 Minuten rumstehen kann, bis er dann die beiden entscheidenden und brillanten Pässe spielt. Der gemeine Fan pfeift dann nach der 50., mit Özils aktueller Vertragssituation eher nach der 15. Minute.

Auf der Habenseite können wir vielleicht demnächst einen neuen Brasilianer verbuchen, jedenfalls wenn es nach Per Mertesacker geht. Der hat in der BILD bereits verkündet, dass Allofs Wesley erstens für nötig hält und zweitens auch sagt, dass der Wechsel tatsächlich passieren wird. (“Er sagt, dass Wesley kommen wird und wir diesen Spieler brauchen.”) Da jubelt natürlich das Managerherz, wenn der Gegenseite in den Verhandlungen klar gemacht wird, dass man den Spieler wirklich dringend braucht und den Wechsel auf jeden Fall machen wird. Vielleicht muss Mertesacker ja jetzt die Million, die Santos nach dem Interview mehr verlangen sollte, selbst zahlen. Merte, der Experte. Auch kluge Fußballspieler sind eben sehr dumm. Vielleicht ist aber Mertesacker auch nur sauer, weil er bei Werder Bremen bleiben muss. Anscheinend ist das schließlich ein sehr hartes Los.

Vielleicht hat die BILD die Informationen aber auch aus ihm rausgepresst und damit gedroht, sonst eine ähnliche Kampagne gegen ihn zu fahren wie gegen Marko Arnautovic. Der muss sich inzwischen täglich beschimpfen lassen, unter anderem von Mario Basler. Der warf ihm ganz sinnbefreit schonmal “null Pflichtspiele, null Tore” vor, was zu diesem Zeitpunkt wirklich triftig ist. Dabei bin ich davon überzeugt, dass der Mann ein Zuckerstück ist, eine Granate, ein Supermann. Ihr werdet es erleben.

Aber was wird denn nun mit der Saison?

Das weiß doch jetzt noch keiner! Außer mir. Werder wird unter den ersten Fünf landen. Bisher gibt es keine Abgänge, dafür aber einen vielversprechenden Neuzugang. Die jungen Spieler sind wieder ein bisschen besser geworden, allen voran Aaron Aaron Hunt. Marko Marin wird eine gute Saison spielen, er ist ehrgeizig. Pizarro und Frings werden älter, aber eine gute Saison haben beide noch in den Knochen. Borowski wird schwerlich eine noch schlechtere Saison hinlegen können als die letzte, und sein Potenzial ist bekanntermaßen in der Kategorie “Interesse von Bayern”. Vermutlich deshalb (und wegen Wesley) durfte Niemeyer nun auch endlich gehen. In der Abwehr fehlt Naldo, das könnte ein richtiges Problem werden, wird es aber nicht. Alles wird gut mit Naldo. Noch im August steigt er wieder ins Mannschaftstraining ein und dann wird alles immer besser.
Auf den Außenpositionen sind wir mit Fritz sehr gut, mit Boenisch hoffnungsvoll und mit Pasanen gut besetzt. Wer da ständig rummeckert soll sich mal bei den anderen Bundesligavereinen umgucken. Und für Boenisch gilt auch, dass die nächste Saison auf jeden Fall besser wird als die letzte. Und in der sind wir bekanntlich Dritter geworden.

Die Konkurrenz schläft auch nicht, in Wolfsburg und Schalke wird wieder mit den Millionen geworfen. Wenn ich in Gelsenkirchen wohnen würde, würde ich übrigens mal nachfragen, warum die Stadt den Verein mit 20 Millionen rettet, damit der dann ein paar Monate später 30 Millionen in neue Fußballspieler investiert. Das Fußballgeschäft ist ein ungerechtes, aber wir sind trotzdem besser als alle anderen. Hamburg hat eine schlechte Mannschaft und kann unter der Woche auch noch ausschlafen. Warten wir mal ab, ob die dieses Jahr wirklich wieder gegen uns antreten wollen. Ich teile da diese Prognose.

Leider hängt bei uns doch viel davon ab, ob Özil bleibt und wenn ja, in welcher Verfassung er das tut. Wenn er bleibt, spielt er um einen neuen, großen Vertrag. Das wäre ganz gut, auch wenn ich dann in den nächsten zwei Monaten erstmal wenig von ihm erwarte. Kommt es so, spielen wir ganz oben mit um die CL-Plätze. Wichtig ist auch, dass wir die CL-Quali gegen Genua schaffen, damit wir nicht wieder tausend Spiele in der Europa League machen müssen, die dann die Kraft für die Bundesliga rauben. Geht Özil und kommen wir in der EL weit, wird es in der Bundesliga zum Kampf um Platz 5, vielleicht Platz 4. Viel tiefer wird es nicht gehen, weil wir eine eingespielte Mannschaft mit guten und ehrgeizigen Spielern haben, vom Trainer gar nicht zu reden. Meister wird sowieso Bayern, Quell ewiger Langeweile.

Gespannt bin ich auf Wolfsburg, wo Hoeneß hilflos Geld verprasst. Der Trainer spricht kein Deutsch, Dzeko hat keinen Bock und wie Diego in ein rasantes 4-3-3 passen soll, wie McClaren es in Enschede spielen ließ, weiß keiner. Wenn die Einkaufspolitik des Managers dem Trainer die Taktik diktiert, geht das meistens schief. Wenn Leute wie Diego und Dzeko in einer Mannschaft spielen, geht das meistens gut. Wir werden sehen.

Dortmund wird Sechster und dann wundern sich da alle, weil sie schon wieder im Größenwahn delirieren. Aber bald ist ja der CL-Sieg von vor 13 Jahren abbezahlt.

Genua. Seit der Auslosung habe ich schreckliche Angst vor Sampdoria Genua. Das ist ziemlich irrational, weil ich nichts über sie weiß, außer dass sie Vierter in Italien waren und Cassano irgendwie ein berühmter Stürmer ist. Dazu habe ich Angst vor Merte-Prödl, die bis Dienstag vielleicht noch keine gute Abwehr bilden können. Und wie bitter wäre das nach dem Endspurt in der vergangenen Saison, jetzt zu scheitern. Die anderen Male waren es Basel und Zagreb, Genua ist mindestens eine Nummer größer. Andererseits ist der italienische Fußball auch nicht mehr das, was er mal war (nämlich: gut). So langsam weicht meine Angst einer vorsichtigen Zuversicht.

Für die Zukunft des Vereins wäre die Qualifikation unglaublich wichtig, denn wenn sie verpasst wird und wir dieses Jahr nicht die direkte Qualifikation für das nächste Jahr schaffen, dann sind die fetten Jahre hier erstmal vorbei. Wie die fetten Jahre aussahen und wie teuer der Kader geworden ist, lässt ein Blick auf die Bilanzen deutlich werden. Wiederum im Worum hat jemand das aufgelistet. Damit diese Entwicklung jetzt nicht abrupt zurück gedreht wird, muss Werder in die Champions League kommen.

Sommerloch

Wir befinden uns im Sommerloch, also der nachrichtenlosen Zeit in der Mitte des Jahres. Die Nachrichtenproduzenten machen Urlaub und lassen uns allein zurück. Das macht aber nichts, weil die Nachrichten im Rest des Jahres auch nicht gehaltvoller sind. Seien es die beliebigen schlaumeierisch aufbereiteten Agenturfetzen bei Spiegel Online oder die im lässigen Plauderton hingerotzten Eigenmeinungen in den linken Medien (ICH MEINE DICH, “KONKRET”) – ich verschwende meine Zeit in 90% der Fälle, in denen ich Nachrichten aufrufe. Und, soviel sei hier preisgegeben, ich rufe die Nachrichten oft auf. Ihr dagegen habt es besser. Ihr sitzt in Euren heimeligen Sofas auf grünen Wiesen, genießt das Leben und lest dann einfach nur das, was wirklich interessant ist.

Zum Beispiel den Text von “Les Madeleines” in der Jungle World von heute, der für Euch Geizhälse noch nicht online ist. (Inzwischen schon.) Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Konzept der sogenannten Definitionsmacht. Die Definitionsmacht soll allen Menschen in linken Zusammenhängen die Macht geben, alles als sexuellen Übergriff auf sich selbst zu definieren, was sie möchten, mit verschiedenen Konsequenzen, auch für den von ihnen ebenfalls bestimmten Täter. Klingt wahnsinnig, ist es auch. Kann man, wenn man das erste Mal davon hört, nicht so richtig glauben, stimmt aber. Wie wahnsinnig es aber wirklich ist und wie absurd die eigenen Publikationen der Definitionsmachtfreundinnen und -freunde sind, das kann man jetzt bei den Les Madeleines nachlesen. Wenn man die Jungle World kauft. Oder bis Sonntag wartet.

Ebenfalls in der Jungle kann man mal wieder innovative Nahostberichterstattung lesen. Nachdem die libanesische Armee das Feuer auf israelische Soldaten in Israel eröffnet hatte, frohlockt Hannah Wettig im Blatt, dass “der Libanon sich an eine Hauptforderung der Israelis inzwischen hält. Nicht mehr die Kämpfer der Hizbollah patroullieren an der Grenze, sondern Soldaten der libanesischen Armee.” Man kann sich die Jubelstürme in Israel geradezu vorstellen, dass man da jetzt endlich von den Richtigen erschossen wird. Klasse auch, wie man diese beiden Sätze hintereinander schreiben kann: “…dem folgte an der Nordgrenze die Attacke der libanesischen Armee. Im Libanon befürchtet man, der Angriff aus Israel könne ein Test für einen neuen Krieg gewesen sein.”

Hier läuft alles noch nach der guten alten Ausrede: “It all started when he hit me back!” Was wirklich war, ist schnell zusammengefasst.

Die englischsprachigen Blogger zum Thema lesen gerade alle Jeffrey Goldbergs Überlegungen und Interview-Fetzen zu einem möglichen Angriff Israels oder der USA auf die iranischen Atomanlagen. Das ist sehr interessant zu lesen, weil der Mann mit vielen Leuten gesprochen hat, die entweder wissen, wovon sie reden, oder die selbst an den Entscheidungen beteiligt sein werden. (Auch von denen wissen manche, wovon sie reden, zum Glück.)
Und während ich beim Lesen so dachte, dass das ja echt interessant ist, blieb ich hinterher doch mit wenig mehr Wissen als vorher zurück. Die Israelis wollen nicht, dass der Iran die Atombombe bekommt. Die Amerikaner wollen das auch nicht. Ob Sanktionen funktionieren werden (Antwort: vielleicht), ist nicht Goldbergs Thema. Es ist die Frage, ob jemand andernfalls die Atomanlagen bombardiert. Die USA könnten das tun und sagen, dass es durchaus erwogen wird, aber man glaubt ihnen nicht so richtig, weil Obama nicht der Typ dafür ist. Die Israelis könnten es vielleicht durchführen, sind sich aber auch noch nicht sicher, ob es denn, falls möglich, erstrebenswert ist. Schließlich würde es weitreichende Folgen haben, zunächst mal ein Krieg mit Hamas und Hisbollah, dazu diplomatischer Ärger mit der ganzen Welt inklusive den Amerikanern.

Vielleicht ist die Erkenntnis aus Goldbergs Artikel, dass weder die Sachlage klar ist, noch die Entscheidungen gefallen sind. Alles bleibt möglich. Ein plausibler Zeitplan scheint zu sein, dass zum Jahreswechsel eine Entscheidung gefällt wird und der Militärschlag dann im Frühjahr oder Sommer durchgeführt würde.

Einen lauten Aufschrei, mit dem der Tod der an Massenvernichtungswaffen werkelnden Ingenieure beklagt wird, wird es dann auch bei Spiegel Online geben. Auf welchem Niveau sich das meistbesuchte deutsche Nachrichtenportal bewegt, kann man ganz gut nachvollziehen, wenn man Niggemeiers Headline-Sammlung liest. Wäre alles doppelt so lustig, wenn wir es hier nicht mit einem deutschen Leitmedium zu tun hätten, das sich auch als solches versteht. Spiegel-Autoren geben sich stets allwissend, sie belehren die Leserinnen über den Gegenstand ihres Artikels. Dabei halten sie gekonnt die Distanz zum Gegenstand und heben sich und damit auch ihre Leserinnen über denselben hinaus. Es ist dieser Stil, der die Millionen von Nahost-Experten hervorbringt, die vor Deutschlands DSL-Anschlüssen herumwuseln. Wer Ulrike Putz gelesen hat, kann niemanden, über den sie geschrieben hat, mehr ernst nehmen. Nicht die Israelis, nicht die Islamisten in Gaza und Libanon und erst recht nicht Ahmadinedschad in Teheran.

Denn man versteht dann alles und jeden, und natürlich versteht man, dass alles was sie machen irgendwie irrational motiviert ist, und auch dafür hat man Verständnis. Das ist das Wichtigste: Wer den Spiegel gelesen hat, der hat Verständnis dafür, dass alle immer alles falsch machen. Die einen weil sie arm sind, die anderen wegen des Holocaust. Man versteht, dass Homöopathie nicht funktioniert, man versteht aber auch, warum alle trotzdem in die Apotheke rennen und Globuli kaufen.

Wir sollten also eigentlich dankbar dafür sein, dass das im Text behauptete Allwissen bei SPON zumindest in der Headline glaubwürdig dementiert wird. Dabei macht gerade diese Mischung das Angebot so attraktiv. Mit der Lesekompetenz eines Achtjährigen kann man bei SPON zum Experten für alles mögliche werden. Der große Bescheidwisser-Stil macht es möglich. Und der neueste Klatsch und Tratsch liest sich auch gleich viel besser, wenn man ihn in einem Qualitätsmedium liest. Dass die ganze Panorama-Redaktion von BILD eingekauft wurde, interessiert da nicht weiter.

Paradedisziplin ist natürlich die deutsche Politik. Da raunen sich die Redakteure einen zusammen, interpretieren die Verlautbarungen aus den Parteien bis ins kleinste Detail, befragen dann noch den Hausmeister vom Willy-Brandt-Haus und zitieren ihn als “Quelle aus der Partei”, fertig ist ein Text, der seinem Leser das schöne Gefühl gibt, die große Politik verstanden zu haben. Er ist jetzt in der Lage, zwei Stunden später eine Prognose zur Politik abzugeben, die gut informiert daherkommt. Das ist einerseits schlecht, weil das eigene Denken bei dieser Art von Berichterstattung ausfällt. (Was bei einem Magazin noch akzeptabel ist, nicht aber bei der oft einzigen täglichen Nachrichtenquelle.) Und andererseits, weil viele Artikel so mies sind wie die von Ulrike Putz und die Leute, die sich bestens informiert wähnen und selbstgerecht daherschwadronieren, keine Ahnung haben oder geradewegs falsch informiert sind.

Zuletzt: Was Intifada und Friedensprozess so mit sich gebracht haben. Der sogenannte Friedensprozess und die beiden Intifadas in Palästina haben dazu geführt, dass Israelis und Palästinenser nichts mehr miteinander zu tun haben, sie haben keinen Kontakt mehr zueinander. Das ist das Gegenteil von dem, was Oslo mal versprochen hatte. Es führt auch dazu, dass die jungen Menschen in Gaza offenbar noch negativer gegenüber Israel und Juden eingestellt sind als die älteren.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Verteidiger der Hamas wie zum Beispiel Helga Baumgarten einmal beim Wort zu nehmen. Ihre Erzählung ging jahrelang ungefähr so: Die Hamas war mal radikal, aber jetzt geht sie denselben Weg wie die Fatah und ist deshalb ein guter Partner für Verhandlungen.
Wenn man nun sieht, dass der Judenhass offenbar in der neuen Generation noch schlimmer ist als in der davor, wird das alles schwer vorstellbar. Das macht aber für Leute wie Baumgarten nichts, weil natürlich Israel dran schuld ist, dass die Welt gar nicht so ist, wie Baumgarten sie beschrieben hatte.

Judith Butler hat der Jungle World ein Interview gegeben. Das hätte sie lieber nicht tun sollen. Die postmoderne Philosophin führt vor, wie ihr und ihren Anhängern beim Dekonstruieren und Relativieren der Realität dieselbe abhanden gekommen ist.

2006 hatte Butler gesagt, dass sie Hamas und Hisbollah für progressiv und links halte, mehr noch, die antisemitischen Banden seien “Teil einer globalen Linken”. Zu der sich Butler offensichtlich auch selbst zählt, daran kann es keinen Zweifel geben. Butler, Jüdin und eine Ikone der Gender Studies, bekannte Kämpferin für die Rechte der sexistisch Diskriminierten, erklärt also zwei frauenfeindliche, schwulenhassende Organisationen von Antisemiten zu ihren Bündnispartnern.

Noch medienwirksamer war ihre Weigerung, einen Preis für Zivilcourage von den Organisatoren des Berliner Christopher-Street-Days entgegenzunehmen. Sie äußerte, dass die Macher sich nicht ausreichend vom Rassismus distanzieren würden und nahm auch gleich Partei für einen alternativen CSD, der in Kreuzberg stattfindet. Zu beiden Vorfällen äußerte sie sich nun im Interview, das per eMail geführt wurde.

Über den CSD, den sie nicht mag, sagt sie:

“Hampels Gruppe Maneo stellt Homophobie und homophobe Gewalt als etwas dar, das allein in Minderheitengruppen anzutreffen sei. Das bringen zumindest die politischen Aktionen, Stellungnahmen und Berichte der Gruppe zum Ausdruck.”

Die Interviewerin beweist ihr umgehend das Gegenteil und zitiert eine Stellungnahme, in der Maneo sich ganz anders äußert. Daraufhin behauptet Butler, es seien doch nicht die politischen Aktionen, Stellungnahmen und Berichte, in denen sie das Problem erkannt habe, sondern “verschiedene Bemerkungen, die Mitglieder der Organisation gemacht haben”, die sie natürlich nicht näher spezifiziert, und “verschiedene Arten, wie sie das Problem umrahmen”.

Frau Butler lehnt die Gruppe Maneo also ab, weil da mal irgendwas gewesen ist, was sie aber nicht benennen kann; sie verurteilt die Gruppe öffentlich aufgrund von Hörensagen. Doch es kommt noch besser. Im Zeitungslayout liegen die beiden Aussagen praktischerweise direkt nebenbeinander, deshalb auch hier noch einmal das Zitat von oben.

Butler 1.
Maneo stellt Homophobie und homophobe Gewalt als etwas dar, das allein in Minderheitengruppen anzutreffen sei.

Nach der nächsten Frage:

Butler 2.
Jedenfalls habe ich nie gesagt, dass Maneo behauptet, Homophobie finde sich nur bei Mi­grantInnen.

Dass der Unterschied von MigrantInnen und Minderheitengruppen hier etwas aussagt, ist nicht anzunehmen. Aber Butler interessiert (ihr) Geschwätz von gestern ohnehin nicht: Es ist nicht so wichtig, wer was wann gesagt hat, als vielmehr zu fragen, ob Maneo die Bandbreite von Menschen, die auf der Straße, bei der Arbeit oder an der Grenze diskriminiert werden, abbildet.

Es soll also eine Gruppe für alle geben, eine Parade für alle. Dass bei dem anderen, alternativen CSD, die Schwulen z.B. aus der CDU nicht erwünscht sind, weiß Butler auch. Sie fordert Einigkeit, aber zur den Bedingungen ihrer Freunde aus Kreuzberg, nimmt also einfach nur Partei für die andere Parade, und gibt das schließlich auch zu:

[Man] “muss nicht nur Gruppen wie GLADT, ­ReachOut und LesMigraS aktiv einbinden. Es bedeutet auch, sich genau an diesen Gruppen zu orientieren[...]“

Migranten und Migrantinnen nehmen bei Butler die Avantgardestellung ein, sie sollen die Bewegung anführen. Und sie tun das einzig und allein wegen ihres Migrationshintergrundes, und nicht etwa weil diese Gruppen sich durch besonders kluge Texte, durch erfolgreiche Strategien oder besondere Persönlichkeiten hervorgetan hätten. Butler tischt den allerletzten identitären Scheiß auf.

Ein weiteres atemberaubend blödsinniges Konzept ist das des “Homonationalismus”. Laut Butler können wir in der westlichen Welt “den Anstieg des sogenannten Homonationalismus beobachten, also der Vorstellung, dass Freiheiten für Homosexuelle vor nicht-europäischen ImmigrantInnen geschützt werden müssten.”

Dass diese Vorstellung völlig richtig ist, ist offensichtlich. Es sind gerade die Zumutungen des Islam, die die Freiheitsrechte vieler Menschen bedrohen, und dazu gehören natürlich auch Homosexuelle. Darüber ließe sich sachlich diskutieren, aber Butler hat sich sämtliche Migranten als Schutzbefohlene geradezu angeeignet und zieht mit Phantasiebegriffen wie dem des “Homonationalismus” gegen jede Kritik an allem, was mit ihnen zu tun hat, zu Felde. Man kann sich sicher sein, Butler würde Kritik am Döner Kebap als “Küchennationalismus” brandmarken. So banal ist das.

Zu Beginn des Interviews behauptet Butler, für die Kriege in Afghanistan und dem Irak habe es “rassistische Begründungen” gegeben – eine Behauptung, die sie mit keinem Wort untermauert, und die angesichts der tatsächlichen Begründungen, ob man die glauben will oder nicht, völlig absurd erscheint.

Aber es wird bald schlimmer.

Ich habe einen jüdischen Familienhintergrund. Viele meiner Verwandten wurden während des Genozids durch die Nazis umgebracht, der sich auch gegen Sinti/Roma, Homosexuelle, KommunistInnen, Behinderte und WiderstandskämpferInnen richtete. Vielleicht war ich deswegen mein ganzes Leben lang interessiert an Widerstands­koalitionen und dem Kampf gegen die Gewalt des Staats.

Butler wirft ermordete Kommunisten mit ermordeten Juden in einen Topf und ignoriert die völlig unterschiedlichen Gründe für den Holocaust und für Morde an politischen Gegnern. Sie kann das, weil sie keine Ahnung vom Antisemitismus hat, weil sie sich nicht für die Ideologie, die hinter dem industriellen Mord steht, interessiert. So kommen absurde Behauptungen zustande, wie die eines Genozids gegen die Kommunisten oder die Homosexuellen. Ein Völkermord an Anhängern einer Weltanschauung? Natürlich ist das eine Relativierung des Holocausts, und natürlich ist es historischer Blödsinn. Butler bricht alles auf den Staat herunter, der angeblich die deutschen Morde begangen hat, und ignoriert dabei, dass der Staat damals längst dem wütenden Mob anheim gefallen war.

Und über welchen Staat sollte man wohl reden, nachdem man gerade alle Morde der Nationalsozialisten der Institution Staat zugerechnet hat? Natürlich über den jüdischen Staat: “Ich bin Teil einer wachsenden Gruppe der jüdischen Linken, die den illegitimen Einsatz staatlicher Gewalt durch Israel kritisiert”. Und weiter: “Für einige von uns ist die Kritik Israels vielmehr ein Weg, jüdische Werte wie Gerechtigkeit, ein friedliches Zusammenleben und soziale Gleichheit zu bewahren.” Israelkritik als Feel-Good-Strategie, selten wurde der Fetisch-Charakter, den Israel für seine Kritiker hat, offener eingestanden.

Später im Interview geht es dann um ihre Eingemeindung von Hamas und Hisbollah in die globale Linke. Die Arme fühlt sich schlecht behandelt. Dabei fällt vor allem auf, wie sie sich trotzdem niemals von den beiden Gruppen distanziert, wie sie kein schlechtes Wort über die antisemitischen Kindermörder verliert und stattdessen im Angesicht der totalitären Hassprediger die liberale Unschuld gibt.

habe ich gesagt, dass – deskriptiv gesehen – diese Bewegungen in der Linken zu verorten sind, doch wie bei jeder Bewegung muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sie unterstützt oder nicht.

Natürlich würde sie nie über Organisationen wie die Republikaner oder die katholische Kirche sagen, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, ob er sie unterstützt. Derart liberal geht sie nur mit den Feinden Israels um.

Sogar eine Diskussion wäre gestattet: “Man könnte viel darüber sagen, wie diese Bewegungen entstanden sind und was ihre Ziele sind.”

Dann würde man herausfinden, dass sie zum Kampf gegen die Juden in Palästina entstanden sind und ihr Ziel die Vernichtung des jüdischen Staats sowie der Mord an Juden in aller Welt ist, oder?
Nein: “Das würde bedeuten, sie als Bewegungen gegen Kolonialismus und Imperialismus zu verstehen.”
Ach so. Israel, dessen jüdische Bewohner zum Teil schon seit Jahrhunderten dort gelebt haben, zu einem großen Teil aus den arabischen Ländern geflohen sind, zu einem anderen Teil erst 1990 aus der SU ausreisen konnten und zu einem anderen großen Teil vor, während und nach dem Holocaust aus Europa geflohen sind – dieses Israel ist so weit weg von Kolonialismus und Imperialismus, dass Butlers Behauptung nur irgendwo zwischen Ahnungslosigkeit und Antisemitismus verortet werden kann.

Es geht weiter um Hamas und Hisbollah:

“Jede Analyse müsste auch die gesellschaftlichen Dimensionen und den Ort der Gewalt im Kampf dieser Gruppen mit einbeziehen.”

Sind mit den gesellschaftlichen Dimensionen die für die arabische Welt außerordentlich hohen Lebensstandards in Israel, Gaza und Westbank gemeint? Und ist mit dem Ort der Gewalt ein Schulbus oder ein Altenheim gemeint? Vermutlich nicht.

Ich verstehe, dass es in Deutschland schwer ist, zwischen einer Kritik beispielsweise der israelischen Besatzung und Antisemitismus zu unterscheiden.

Für Butler ist es immer wichtig, wo und wer über eine Sache nachdenkt, wichtiger als die Sache selbst jedenfalls. Die Deutschen dürfen also zu einem anderen Ergebnis kommen als sie selbst, und sie sieht es ihnen nach. Und sie weigert sich standhaft, den Antisemitismus der Feinde Israels auch nur anzuerkennen:

Wenn Hamas und Hizbollah antisemitische Positionen vertreten, dann sind sie unbedingt abzulehnen. Doch man muss genau analysieren, ob in der Kritik Israels Antisemitismus im Spiel ist oder nicht. Die Vorstellung, dass jede Kritik an Israel antisemitisch ist, lehne ich ab. [...] Im Bezug auf Hamas und Hizbollah bedeutet das, zu diskutieren, ob ein gewalttätiger Widerstand akzeptabel ist, und ich selbst habe mich entschieden, gewaltlosen Widerstand zu unterstützen.

Sie selbst verweigert diese Analyse, dabei wäre sie angesichts der Aussagen und Taten der Terrorgruppen so einfach. Aber es bleibt dabei: Kritik an nichtwestlichen Menschen oder Gruppen kommt Butler nicht über die Lippen und schon gar nicht in die Tastatur. Sie würde lieber tot umfallen als explizit und mit eigenen Worten zu sagen, dass ein Selbstmordanschlag auf einen Linienbus nicht akzeptabel ist.

Später bemerkt sie immerhin, trotz Konjunktiv, dass ihr Gerede Blödsinn ist:

Es wäre mindestens paradox, wenn ich als queere Jüdin mich für Hizbollah und Hamas aussprechen würde, wie das in der Taz nahegelegt worden ist.

Wie gesagt hat sie selbst die beiden in der globalen Linken verortet, in einer Bewegung also, zu der sie zweifelsfrei selbst gehört.

Das Interview dreht sich noch eine Weile um Butlers Liebe zum Orient, mit einigen grotesken Ergebnissen. Wo sie vorher zum Beispiel die westliche Welt zusammenfasst, um ihr “Homonationalismus” vorzuwerfen (“In den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden, um nur ein paar Länder zu nennen…”), verbittet sie sich eine Verallgemeinerung in der islamischen Welt:

Sie haben »islamische Länder« erwähnt. Ich würde zunächst zurückfragen, ob es nicht enorme Unterschiede gibt, beispielsweise zwischen dem Iran und Ägypten, und ob wir nicht differenzieren sollten zwischen Ländern mit einer großen muslimischen Gemeinde und denen, die ausschließlich durch das islamische Gesetz regiert werden.

Ein Vergleich zwischen Holland und Iran wäre also “homonationalistisch”, weil der Iran dabei so schlecht wegkommt bzw. weil Holland dabei gut wegkommt; eine Differenzierung zwischen Not und Elend, also Iran und Ägypten, ist dagegen zwingend notwendig. Wenn Butler selbst vergleicht, kommt so etwas dabei heraus:

So gibt es etwa auch in den USA Morde an queeren Jugendlichen, und manchmal werden diese Taten von der Polizei und den Gerichten nicht ernst genommen. In Lateinamerika gibt es Versuche, die Straßen für transsexuelle Menschen sicher zu machen und ein Ende der Polizeigewalt zu erreichen.

Während es also in den USA “manchmal” Justizversagen gibt und das schlecht ist, gibt es in Lateinamerika “Versuche”, etwas besser zu machen, und das ist gut. Das ist die ganz große Kunst des Relativierens: Natürlich ist in den USA die Situation der Homosexuellen viel besser als an den allermeisten Orten in Lateinamerika. Aber das würde Butler, Stichwort “Homonationalismus”, niemals zugeben. Sie betont die Versuche auf der einen Seite und verurteilt die Ausnahmen von der Regel auf der anderen. Das ist eine Strategie wie sie Politiker verwenden, aber nicht Wissenschaftler.

Zum Ende glänzt die Dame noch einmal mit einem Satz über die Islamophobie:

Der Begriff »Islamophobie« versucht also die Möglichkeit zu bieten, darüber nachzudenken, wie »der Islam« zur Quelle von Angst und Panik wird

Das wäre in der Tat schön, wenn die Vertreter des Islamophobie-Begriffes zum Beispiel über Flugzeuge in Hochhäusern, Bomben in U-Bahnen und abgeschnittene Ohren und Nasen nachdenken würden. Stattdessen versuchen sie, die Islamophobie mit dem Antisemitismus gleichzusetzen und offenbaren damit ihren eigenen Antisemitismus. Denn wer heute behauptet, die Angst vor dem Islam sei dem Antisemitismus ähnlich, der insinuiert, dass Juden einen Anlass für den Hass gegen sie geliefert hätten, so wie radikale Islamisten vorgeführt haben, dass sie aus Motiven, die in ihrem Selbstverständnis als Moslems liegen, zum Massenmord bereit sind.

Es ist die Rückkehr zum Historikerstreit, in dem behauptet wurde, der Judenmord hätte einen rationalen Kern gehabt. Die Angst vor dem Islam, die bekanntermaßen an runde Tische und nicht nach Auschwitz führt, hat durch und durch rationale Gründe. Wer diese Angst nun mit dem Judenhass gleichsetzt, unterstellt auch diesem rationale Gründe. Und das ist antisemitisch.

Im Sommerloch starren die Medien in die große Leere, und die Leere starrt zurück in die Medien. Nicht so bei verbrochenes.net. Hier die drei großen Sommertipps für Spiel, Spaß und Stress.

1. Die ganz abgefuckte Tour: Pfandbons bei Kaiser’s liegenlassen.

2. Im Bekanntenkreis fragen, wer denn eigentlich der bekannteste deutsche Kanzler war. Im Regelfall lautet die Antwort ‘Helmut Kohl’ und ist falsch. Anschließend kann den Befragten Geschichtsvergessenheit und den Deutschen allgemein ein verlogener Umgang mit der eigenen Vergangenheit vorgeworfen werden. Auf den sehr richtigen Einwand, Hitler habe die Demokratie schließlich umgehend abgeschafft und damit auch der demokratischen Institution Kanzlerschaft faktisch ein Ende gesetzt, weshalb er völlig zu Recht heute nicht als Kanzler bekannt ist, sollte man mit höhnischem Gelächter reagieren und das Thema wechseln.

3. Als neues Thema bietet sich dann die Planung eines Mordes an. Spielt das ruhig mal durch. Zunächst braucht Ihr ein Opfer. Emotional ist es am einfachsten, wenn es sich um jemanden aus dem entfernteren Bekanntenkreis handelt, der oder die Ihr nicht besonders mögt. Desto entfernter die Bekanntschaft ist, umso weniger wahrscheinlich ist es, dass Ihr in den Fokus der Ermittlungen geraten werdet. Falls Ihr tatsächlich ein Mordmotiv gegen die Person hättet, spielt das am Ende auch der Polizei in die Karten.

Ist die Person nun ausgesucht, muss das genaue Vorgehen geplant werden. Ein Giftmord erscheint zunächst sehr attraktiv, schließlich vermeidet man so das unmittelbare Morden und muss im Idealfall gar nicht mehr anwesend sein, wenn es mit der bemitleidenswerten Zielperson zuende geht. Dabei ergeben sich aber weitere Probleme, nämlich die Beschaffung des Gifts und schließlich die Zuführung in den Körper des Feindes. Schön wäre natürlich, wenn das Gift in der Nahrung ohne Geschmack und Geruch untergeht und eine geringe Menge reicht. Ob man derlei Gift aber bekommen oder herstellen kann, das bleibt zu ermitteln. Hat man es erst einmal, kann man die vergiftete Nahrung per Post schicken und hoffen, dass der Empfänger es probiert. Mir schwebt da aus irgendeinem Grund Honig vor.
Aber da tut sich selbst für hartgesottene Mörder und solche, die es werden wollen, ein moralisches Dilemma auf: Was, wenn dritte Personen davon essen oder trinken? Wohl dem, dem das ganz egal ist. Ihm würde ich die Postvariante ans Herz legen, das ist eine schöne saubere Lösung. Wer ohnehin oft nah an seinem Opfer ist, kann es auch direkt vergiften, aber wie gesagt: Nähe zum Opfer ist der direkte Weg in die Ermittlungsakten. Und gerade als Ersttäter unterlaufen einem noch so einige Fehler, an denen man dann scheitern könnte. Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit.

Gift ist gut, aber der Königsweg zum Menschenmord bleibt die Schusswaffe. Da besteht das Problem der Beschaffung freilich auch. Es wird noch vergrößert dadurch, dass man bei der Beschaffung mit anderen Menschen sprechen muss, ein Treffen vereinbaren und so weiter und so fort. Und wo findet man Waffenhändlerinnen, denen man vertrauen kann? Es ist schwierig. Spricht man eine vergebens an, gibt es wieder eine Person mehr, die weiß, dass man selbst eine Waffe kaufen wollte. Vom Wissen bis zur Aussage ist es oft nur ein kleiner Schritt. Der Weg ins Ausland zum Waffenkauf scheint attraktiv, ist aber mit weiteren Risiken behaftet. Trotzdem ist die Beschaffung einer Schusswaffe sicher möglich und auch erstrebenswert.

Hat man nun das Schießgewehr, geht die Suche nach einem geeigneten Tatort los. Hier ist man natürlich vollständig von den Gewohnheiten des Opfers abhängig. Ein verlassener Ort ist am besten. Aber man sollte auch vor dem direkten Weg nicht zurückschrecken. Einfach mal nachts um halb fünf (im Winter) die Wohnungstür eintreten, die Sache erledigen, und dann schnell verschwinden. Es ist nachts, es ist dunkel und man vermummt sich natürlich. So ist das Risiko, erkannt oder gar gefasst zu werden, geringer als man denkt. Bei manchen Wohnorten geht das besser als bei anderen, das muss man dann sehen. Die Flucht könnte erst durch unbesiedeltes Gebiet, vielleicht einen Wald, führen, sodass man erst weit weg vom Tatort überhaupt erst wieder sichtbar wird. Falls ein solches Gebiet sogar als Tatort in Frage kommt – umso besser. Wichtig ist, dass kein irgendwie dokumentierbarer Kontakt zum Opfer aufgenommen wird. Man sollte also darauf verzichten, es irgendwohin zu locken oder anderen eitlen Blödsinn zu veranstalten. Man muss aus dem Nichts in den Alltag des Opfers stürmen und genauso schnell wieder daraus verschwinden.

Nun gut, es ist widerlich, aber wir müssen auch darüber nachdenken: Stichwaffen. Sie sind sehr leicht und unverdächtig zu bekommen und erledigen ihre Aufgabe bei fachgerechter Benutzung in Sekundenschnelle und sehr leise. Im Endeffekt läuft der Rest (Ort, Zeit, Flucht) ähnlich wie bei einer Schusswaffe, ausgenommen das Schießen auf große Entfernung. Wer das beherrscht und das nötige Gewehr dazu besitzt, wird aber bei entsprechender Tat ohnehin bald befragt und eingelocht. Den Mord mit einem Messer aber muss man sich auch zutrauen, hier tritt das größte Problem beim Morden offen zu Tage: Kann ich das überhaupt? Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, in den meisten Fällen dürfte die ehrliche Antwort ein klares Nein sein.

Die schönsten Morde sind die mit unkonventionellen Lösungen, zum Beispiel ein manipulierter Fallschirm. Aber auch mit einem geklauten Auto kann man einiges machen, besonders wenn das Opfer Fußgängerin oder Fahrradfahrer ist. Wenn es am Ende nach Fahrerflucht aussieht, gibt es vielleicht gar keine Mordkommission. Wenn die körperlichen Verhältnisse stimmen, ist auch ein Ersticken oder ein Erdrosseln gut machbar. Gewissen Charme hat ein Fenstersturz, keinen Stil hat hingegen das Erschlagen. Wer bei der Planung eines Mordes ein Erschlagen in Erwägung zieht, der sollte gar nicht erst planen, sondern sich direkt im Gefängnis melden. So bleibt auch das Opfer am Leben.

Die Planung eines Mordes ist ein faszinierender Spaß. Für Begriffsstutze und Strafverfolger sei erklärt, dass die Planung etwas anderes ist als die Durchführung. Die Planung macht morbide Freude, die Durchführung ist ein schreckliches Verbrechen.

Derzeit wird viel über Mesut Özils eventuellen Abschied vom SV Werder Bremen diskutiert. Zwar hat sich bisher noch kein Interessent gemeldet, aber spekuliert wird reichlich. Nachdem vor einem Jahr Diego für 26 Millionen nach Turin gegangen ist und viele Fans sich über die angeblich zu niedrige Ablöse geärgert haben, beginnt das Spiel nun von vorne. Wieviel ist ein Spieler wert? Klar ist, dass die Ablöse eines Spielers sich leider nicht nach den Wünschen der Fans des abgebenden Vereins berechnet.

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Sobald das Angebot (zusammen mit dem Gehalt für ein Jahr) die Summe übersteigt, die Özils Dienste für ein Jahr wert sind, muss das Angebot vernünftigerweise angenommen werden. Wenn Werder nun also beispielsweise 10 Millionen Euro geboten bekommt und Özil vielleicht zwei Millionen verdient, dann wären das 12 Millionen Euro, die man mehr auf dem Konto hat, wenn er verkauft wird. Ist es besser, Özil für ein Jahr zu haben, als 12 Millionen Euro zu haben? Darüber könnte man diskutieren. Wenn aber jemand Summen von 25 Millionen nennt, dann kann jeder erkennen, dass diese Summe viel zu hoch ist und Werder auch für deutlich weniger verkaufen müsste.

Die Frage, was ein Spieler Wert ist, erscheint zunächst ein bisschen heikel und steht im Ruch des Menschenhandels. Dabei ist das denkbar einfach. Die Ablöse, also das Geld, das für die Auflösung des alten Vertrage bezahlt wird, spiegelt die Summe wieder, die dieser Vertrag noch wert gewesen wäre. Genauer gesagt: die Summe Geld, die der abgebende Verein durch das Bestehen des Vertrags noch verdient hätte. Natürlich weiß das keiner vorher, also muss Werder hier schätzen, was sie mit Özil noch verdienen würden. Und diese Schätzung ergibt den Wert des Spielers: Die Summe, die er in der restlichen Vertragslaufzeit mutmaßlich noch einspielen würde. Übersteigt das Angebot eines anderen Vereins diese Summe, ist es vernünftig, das Angebot anzunehmen.

Ein Wettbieten mehrerer Vereine, die die Ablöse so nach oben treiben, ist nicht denkbar. Özil wird sich zunächst auf einen Verein festlegen, und der würde dann die Ablöse mit Werder aushandeln.

Was die Champions League Qualifikation angeht, macht Allofs eine interessante Rechnung auf: Wenn wir die (ohne Özil) verpassen, sind 15 Millionen Euro verloren. Wenn also klar wäre, dass wir es mit Özil schaffen und ohne ihn nicht, dann müsste Özils Ablöse erstmal die 15 Millionen plus das, was er den Rest der Saison noch einspielen würde, betragen. Es ist aber nicht klar, dass wir Özil für die Qualifikation brauchen, genau genommen wird er am Anfang der Saison und kurz nach der WM vielleicht sogar sehr schlecht in Form sein, wer weiß das schon.

Ich halte 16 Millionen für eine realistische Summe. An Özils Stelle würde ich allerdings noch ein Jahr warten, das Jahr kann er gut gebrauchen und wenn es wie erwartet gut läuft, verdient er auf diese Art und Weise im Endeffekt auch kurzfristig mehr Geld als wenn er jetzt wechseln würde. Andererseits ist es möglich, dass er jetzt durch die WM ein besonders gutes Image hat, das ihn für andere Vereine noch interessanter macht. Sie könnten dann sagen, dass sie den WM-Star verpflichtet haben. Da Özils WM aber lange nicht so glanzvoll war, wie so mancher in Deutschland denkt, könnte dieser Effekt auch gering sein.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der des Sponsors. Nike hat Özil zu einem Werbeträger aufgebaut, dabei eigene Spots mit ihm produziert und vor dem Pokalfinale eine Özil-Statue vor ihrem Flagship-Store in Berlin aufgestellt. Der Sponsor pumpt also viel Geld in die Person Mesut Özil. Damit wird es vermutlich wahrscheinlicher, dass er auch in Zukunft in einem Nike-Trikot aufläuft. Die großen Stars verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes mit Sponsoring-Verträgen. Robben ging von Chelsea zu Real zu Bayern und blieb dabei immer bei Adidas-Vereinen. Kaka ging von Mailand nach Madrid, Hauptsache Adidas. Ballack spielte immer für Adidas-Vereine.
Nun gut, Messi und Ronaldo sind Gegenbeispiele, bei denen der Spieler einen anderen Werbepartner hat als der Klub, aber natürlich wäre es für Nike schöner, wenn Mesut auch bei einem Nike-Verein spielen würde. Mal gucken!

Eisenpimmel ist easily die beste Band der Welt und war das auch schon, bevor sie ihr erstes Musikvideo fertiggestellt hatte. Nun ist auch noch ein Video da, und das einzige, was daran zu bedauern ist, ist dass Michael Jackson es nicht mehr sehen kann. Thriller war eine Sache, aber “Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken” ist nochmal eine ganz andere. Wenn Eisenpimmel singen, halten Sozialstaatsdebatteure und Altpunker gleichermaßen die Fresse. Döp döp döp! Döp döp döp!

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