Ganz nah dran

Das Spiel des SVW war zu Ende, und so konnte man sich endlich einer weiteren wichtigen Nebensache zuwenden: Geld. Sehr viel Geld, es ging um Milionäre, die offenbar niemals selbst fernsehen und so die Reichweite des Mediums leicht unterschätzen. Oder so töricht waren, den Machern von “24 Stunden” zu glauben. So ließen sie sich filmen, wie sie sich in ihrem psychedelisch parkettiertem Wohnzimmer untereinander Bilder vom letzten Italien-Urlaub zeigten. Dazu der Sprecher aus dem Off: “Milionäre bleiben gerne unter sich, so kommt kein Neid auf.”

Definitiv ein Grund, sich diese Sendung einmal näher anzuschauen. Auf der Seite von sat1 wird man fündig. Zunächst gelingt es den Machern eindrucksvoll, vom Text abzulenken, der zwischen die zahlreichen Bilder gequetscht wurde. Die spektakulär bebilderte Liste der Titel der vergangenenen Jahre liest sich wie ein Lexikon der Randerscheinungen des postmodernen Lebens:

  • Die Waldmenschen
  • Brautschau in Fernost
  • Das wars – die Bestatter
  • Irrsinn in der Tiefkühltruhe
  • Die Jagd nach den Stromdieben
  • Endstation Loveparade
  • Abgetaucht im Flußpferdhaus
  • Neues aus Pornoland!
  • Die Hitfabrik – Modern Talking hautnah
  • Verrückte Welt – Leben in der Psychiatrie

Wenn man bei dieser Endstation angekommen ist, kann man sich endlich den Texten in der Mitte zuwenden, und wird dort erschreckt, dass sich der Lumpenjournalismus auf perfide Art cross-supportet. Die Sendung erhielt “unter anderem den AXEL SPRINGER-NACHWUCHSPREIS und den DEUTSCHEN FERNSEHPREIS.” Bei letzterem fragt man sich dann doch, wie das angehen kann. Der Grund ist schnell gefunden: “Die Themen sind nicht unbedingt spektakulär, aber die Kamera ist immer ganz nah dran.” Das kann ich nur bestätigen. Die Frau des einen Milionärs hatte unglaublich dünne Ärmchen. Wenn da mal kein Neid aufkommt.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Jan.

  1. Wie die werten Herren Telekommander schon wussten: “Weil Sie es sich wert sind, heute im Hungerlook”

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