Überlebenswichtig

Giovanni di Lorenzo schreibt auf der ersten Seite der aktuellen “Zeit” über die Nazi-Ausfälle von Günther Oettinger. Dabei schreibt er:

Die Trauer über das Schicksal vergewaltigter Mütter oder Großmütter [...] oder die fahnenselige Begeisterung für die Nationalmannschaft sind Gefühle, die niemand mehr klein zu halten versuchen sollte, auch wenn ihr Missbrauch jederzeit möglich bleibt. Sie sind Selbstverständlichkeiten, ohne die kein Volk auf Dauer leben kann.

Zussammengefasst: Ohne nationalfahnenselige Begeisterung kann kein Volk überleben. Ich fordere die Überprüfung dieser These. Verbieten wir diesen “fahnenseligen” Mist und sehen, was passiert. Kleiner Gesetzesentwurf, vom zuständigen Referenten zu überarbeiten:

Der Verkauf, Besitz und das öffentliche Zeigen von Symbolen der BRD oder anderen deutschen Staaten ist verboten und wird mit Geldstrafe nicht unter 2000€ bestraft.

Und dann hoffen wir mal, dass sich di Lorenzos düster gemeinte Prophezeiung erfüllt. Wie genau das dann vonstatten geht, bleibt vorerst offen. Stirbt der deutsche Volkskörper bzw. seine Einzelteile sofort, wenn er über 60 Jahre keine Schland-Fahne zeigen darf? Verfällt zu Staub wie sonnenbadende Vampire? Oder kommt dann ein fröhlicher Revoluzzer, der aus der gut überstandenen Fahnenabstinenz überzeugend schliesst, dass das mit der Nation auch alles nicht nötig tut und entlässt Bremen in die Unabhängigkeit?
Ich fürchte allerdings, dass schon das Fahnenverbotsgesetz zur völkischen Revolution führen wird. Doch lassen wir den Experten für das deutsche Volk an seinem Geburtstag zu Wort kommen.

“Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein Blut für die Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden. Ich werde dem deutschen Volk keine Träne nachweinen.”

Frei nach di Lorenzo möchte ich “Existenz” hier als “das Recht auf Fahnen” interpretieren.