Ein Wunder, wie lange es gut gegangen ist: das Ultra’-Rumgespiele. Die Sonnenbrille auch bei Dauerregen auf die Akne-Fresse schieben, lattenstramm mit den Pöbelarmen rudern und schön den Dicken markieren, ohne sich dabei in ernsthafte Gefahr zu begeben, all das hat in den letzten Jahren meist reibungslos funktioniert.
Zugegeben, ich finde dieses Teenager-Hobby auch mit 22 Jahren noch klasse, weil es quasi die “Räuber und Gendarm”-Version für Teenager verkörpert und dabei gerade noch ohne Erwachsenen-Features wie Waffen, böse Verletzungen und so auskommt. Kurzum: Um ein echter Mann zu werden, springt einem diese Hürde förmlich ins Gesicht (und irgendeine Hürde muss man schließlich immer nehmen).
Lirum larum, Holzpistolen waren gestern, heute herrscht Krieg, wenn man dem Augenzeugenbericht eines Nürnberger Fanbeamten trauen mag (Quelle):
Hallo, da momentan viele Gerüchte kursieren möchte ich ein paar Infos geben. Wer es vergessen hat, ich bin einer der Fanbeamten und war selbst kurz danach am Tatort.
Gegen 08.40 Uhr wurde ein Bus des Supportersclub überfallartig von Insassen zweier Busse aus München angegriffen. Mehrere Personen wurden zusammengeschlagen und erlitten nach bisherigem Stand leichtere Blessuren. Es wurden dann auch Flaschen in den Bus geworfen. Dabei wurde die Frau des Busfahrers am Kopf getroffenen. Sie mußte mit einem Schädelbruch ins Krankenhaus geflogen werden. Der derzeitige Zustand ist stabil; leider sind aber Folgeschäden in Bezug auf die Sehkraft zu befürchten.
Alle Insassen der beiden Busse wurden festgenommen. Mehrere Personen werden im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt.
Es wurde ein Verfahren wegen schweren Landfriedensbruch und schwerer Körperverletzung eingeleitet. Ob es sich um Mitglieder der Ultra Gruppe Schickeria handelt, die für den Angriff verantwortlich sind, wurde noch NICHT offiziell bestätigt! Die offizielle Webseite ist aber derzeit nicht erreichbar
Teile von zwei Bussen Bayern-Fans (vermutlich der Fan-Gruppierung Schickeria angehörig) greifen also auf einem Rastplatz Insassen eines Nürnberger Fan-Busses an und verletzten dabei die Frau des Busfahrers durch einen Flaschenwurf schwer. Nun muss man anmerken, dass solche Würfe bei Aufeinandertreffen von Fan-Gruppen leider Gottes immer mal wieder vorkommen, auch in Bremen (Anm.:Flaschen sind neben Feuerwerksmunition noch die scharfkantigsten Ultra’-Spielzeuge). Ich habe mich in den letzten Jahren ständig gewundert, dass dabei nie jemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.
Des Weiteren findet die Maßgabe, normale Fans nicht mit Ultra’-Gehabe zu belästigen, zumindest in Bremen eine gewisse Akzeptanz. Auf Nürnberger Seite handelte es sich jedoch keineswegs um Ultras, sondern um einen Bus des Supporters Club’s (= zwei getrennte Paar Schuhe). Von einem “fairen Ding” kann folglich keine Rede sein.
Worüber ich eigentlich schreiben möchte, ist das dünne Eis, auf dem sich das wochenendliche Treiben abspielt. Oft geht es gut, aber plötzlich macht es zack!, und man steht mitten in der Scheiße. München erlebt derzeit mit Sicherheit sein Worst Case Scenario. Die Presse, der Schickeria in den letzten Jahren wohl bis mäßig gesonnen, räumt den Fans keinerlei Kredit mehr ein.
In einem kurzen Statement der Süddeutschen Zeitung wird außerdem deutlich, dass das zu Grunde liegene Spiel sein jähes Ende gefunden hat: Das hässliche Wort Haftbefehl taucht gleich an mehreren Stellen auf. Dass die Schickeria weiterhin als “radikale Gruppe” bezeichnet wird, ist schon fast zu vernachlässigen. Aber allein die Vorstellung, jemanden lebensgefährlich oder wenigstens schwer verletzt zu haben und einen echten Haftbefehl in den Händen zu halten, lässt mich erschaudern. Weit weit weg von meiner persönlichen Situation, mögt ihr alle denken. Und doch sind manche von uns dem Scherbenhaufen in der Vergangenheit näher gewesen, als sie heute vielleicht meinen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Münchner am Samstag tatsächlich “gezielt Straftaten begehen wollten”, viel eher tut es wahrscheinlich schon ein “Boah guck ma’, da sind Nürnberger, lass’ rauf da”, mehr nicht, und plötzlich stehen da sechs Haftbefehle auf der Haben-Seite. Wie oft habe ich solche Sprüche in Bremen gehört?
Was man als Ultra’ aus diesen Ereignissen mitnehmen sollte, ist wohl die Erkenntnis, dass die Spielwiese ihre Grenzen hat. Weder haben die betroffenen Münchner Mitleid verdient, noch sollte man es der Öffentlichkeit gönnen, weiter unbestraft auf ihrem “die Fans werden radikaler”-Scheiß herumreiten zu dürfen. Oder haben sie Recht?
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Endlich ein Beitrag zur leidigen Diskussion zu diesem Vorfall im Internet der nicht nur aus Standardphrasen alà “Solodarität mit SM” (die sie nicht verdienen) oder “Gegen Stadionverbote” besteht.
Warum verfolge ich eigentlich die NWU Diskussion trotzdem weiter? -
Schwupp! So isses Blond!
Guter Beitrag Schiffi, kann ich so unterschreiben. -
Wunderbar, dass du darüber schreibst. Was meiner Meinung nach fehlt ist ein gewisser Kodex, der klar macht was geht und was nicht geht. Aber dazu fehlt mir wohl auch ein wenig die Einsicht.
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Teenager – Hobby? *Räusper*
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Pingback from Verbrochenes on 21. Mai 2007 at 12:29

8 comments
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