Kapitulation

Gestern fand im Übel und Gefährlich in Hamburg das erste Konzert statt, bei dem Tocotronic Lieder aus ihrem neuen Album Kapitulation vorstellte. Ich war da.

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Zuvor war ich noch nie bei einem Konzert dieser Band, und ich bin nachhaltig beeindruckt. Klar sind die Lieder ganz große Klasse, aber kaum eine Band bekommt das auch auf der Bühne so hin, jeder Griff sitzt, und die Abmischung war ein wahres Wunderwerk. Die Band, allen voran Sänger Dirk von Lowtzow, bringt eine Emotionalität rüber, die auf mich sehr persönlich gewirkt hat, weil sie keinen Wert darauf legt, dass andere es wirklich mitkriegen, was sie gerade fühlen. Komplettiert wurde das Ganze von einer simplen Lichtshow in den Farben blau, rot und weiß, sowie einer Leinwand, auf die verschiedene Kunstwerke projiziert wurden: Mal waren es nur einzelne Worte, wie etwa der Titel der neuen Platte (zu dem es auf der Bandseite eine längere Meditation gibt, Manifest genannt), mal simple Bilder oder aufwändigere Artworks, und schließlich wussten anspruchsvolle Videoclips zu gefallen.

Nervig war leider ein gutes Zehntel des Publikums in den vorderen Reihen, das, sobald alle Instrumente ihre volle Gewalt entwickelten, das Pogen nicht sein lassen konnten und sich den Rest der Zeit mit Crowdsurfen vertrieben, als gebe es bei den Texten nichts zu hören. Denn etwas wurde mir gestern klar, nämlich wie Tocotronic es etwa bei Führe mich sanft schafft, einen Sturz aus schönstem Krach mit einem Gefühl von innerer Ruhe zu verbinden.

Die neuen Lieder, die etwa ein Drittel der gespielten Stücke ausmachten, waren natürlich das, worauf alle gewartet hatten. Sowohl der Band als auch dem Publikum konnte man aber schnell eine Mischung aus Erleichterung und Begeisterung anmerken: Sie sahen, das es gut war. Meine Favoriten waren Verschwör dich gegen dich und Kapitulation. Bei erstgenanntem Titel fällt es mir schwer, den Inhalt wiederzugeben. Soundmäßig bewegen sich die Jungs hier jedenfalls fast gefährlich Richtung Mando Diao, doch zumindest mich haben sie damit voll und ganz überzeugt. Kapitulation ist, wie ein mit mur begeisterter Freund es ganz schön ausdrückte, ein gutgelauntes Lied nach dem Motto “Steh auf, wenn du am Boden liegst”, nur dass es halt sagt: “Bleib doch einfach liegen!” Im Publikum kam Sag alles ab logischerweise am besten an, das Lied kann man sich seit einigen Wochen bei myspace anhören. Ich erinnere mich, dass mich Aus meiner Festung, Luft und Imitationen ebenfalls ziemlich beeindruckten, auch wenn ich kaum etwas Inhaltliches dazu sagen kann. Wer die Tracklist zur Hand nimmt, kommt schnell zu dem Schluss, dass Tocotronic hier ganz offenbar ein neues Meisterwerk gelungen ist.

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Der Abend endete nach 1 1/2 Stunden und zwei Zugaben zu altbekannten Klängen und mit vielen je nach Gefühlslage offenen oder zu einem seligen Lächeln geformten Mündern.

  1. Bei youtube steht mittlerweile ein Video, das bei Pure Vernunft darf niemals siegen aufgenommen wurde. Den Ton ist überwiegend ziemlich schlecht, aber als Eindruck sollte es reichen: Klick!

  2. Jetzt hab ich noch eine schlechte Aufnahme von Kapitulation gefunden. Klick!

  3. Wär das schön, wenn das das offizielle Video zum Lied wäre…