Kapitulation (2)

Wie auch hier bereits zu lesen war, hat die Schickeria München sich in eine ziemlich unangenehme Situation gebracht. Neben vielen neuen Stadionverboten wurden auch die Dauerkarten entzogen, und das nicht nur SM Mitgliedern, sondern vielen anderen auch.
Am vergangenen Wochenende gab es dann zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus Ultradeutschland. (Bspw. hier, hier, hier und hier.)

Ich hätte zu der ganzen Solidaritätswelle zwei Anmerkungen.

1. Warum gibt es wohl “Kollektivstrafen”? Nicht, weil das irgendwer für gerecht hält, auch nicht weil es jemand zur Prävention für nötig hält. Das scheint mir ein weit verbreiteter Irrglaube zu sein, dass die Menschen in den Vorstandsetagen wirklich bösartig seien. Die einfache Wahrheit ist, glaube ich, dass die Schickeria dem Uli und dem Kalle ganz massiv auf die Eier geht. Mit den Ultras hat man ständig nur Probleme. Der neueste Parkplatzvorfall ist dabei noch die Krönung. Die entsprechenden Schlagzeilen über Bayernfans kann Uli nicht gebrauchen. Und warum sollte er die SM überhaupt noch ins Stadion lassen?
Was die an Eintrittsgeld zahlen, muss man dreifach für die nächste Pyroaktion an die UEFA zahlen. Davon abgesehen gibt es tausende Glückliche, die deren Plätze auch gern einnehmen wollen.
Was die an Liedern und Stimmung bringen wollen, gefällt dem Rest der Kurve so wenig, dass von ihnen auch da nichts Großartiges ausging. Vielleicht haben sie mal kurz bei Andi Brück nachgefragt, der ihnen dann bestätigt hat, dass die SM sowieso niemand leiden kann und er erst recht nicht.
Auch als Bastelgruppe braucht man die Ultras nicht. Erstens waren sie da sowieso nicht übermäßig aktiv und zweitens hat man dafür auch andere, Club12 zum Beispiel.

Also: Der FC Bayern kann diese Leute zu nichts gebrauchen, hat aber regelmäßig Ärger mit ihnen. Sie rauszuschmeissen ist völlig nachvollziehbar.
Angesichts solcher Überlegungen ist die Frage, ob hier überhaupt noch von Kollektivstrafen die Rede sein sollte. Denn die Schickeria-Mitglieder werden nicht ausgeschlossen, weil sie für den Vorfall gemeinsam verantwortlich gemacht werden und dafür nun bestraft würden, sondern aus oben genannten Gründen.

2. Vielleicht liege ich damit völlig falsch, vielleicht hat das alles ganz andere Gründe. Für die Konsequenzen spielt das aber auch keine Rolle. Derzeit liest man zum Thema öfter ganz griffige Parolen wie “Ultras - niemals aufgeben” und Überlegungen, wie es denn weitergehen könnte. Man könnte ja eine neue Gruppe gründen oder dies oder das. Ich kann mir aber schwer vorstellen, warum die Schickeria-Leute das noch umsetzen sollten. Wie kann man jetzt wieder in die Kurve gehen und sein “Tralala, FCB i hob di lieb” singen? Das kann doch niemand mehr ernsthaft wollen. Ich habe mich schon vorher gefragt, wie eine Gruppe wie SM beim FC Bayern überhaupt existieren kann. Der Verein gehört zu 10% Adidas, kaum einer ist so perfekt vermarktet wie er, nur wenige dürften so ein beschissenes Restpublikum haben, die Vereinsführung samt Fanbeauftragten ist schon immer gegen die SM, wahrscheinlich könnte man die Aufzählung noch weiterführen, wenn man sich auskennt.
Sollte die SM nun “nicht aufgeben” und “weiterkämpfen”, wäre das zwar vordergründig sehr ehrenhaft und edel. In Wirklichkeit ist der Kampf aber schon lange verloren. Und ausserdem gibt es nichts mehr, wofür man kämpfen könnte.

Fazit: Ich würde da einfach nicht mehr hingehen.

  1. Sehr guter Gedankengang. Aber die Frage ist für mich, was würdest Du tun wenn es in Bremen mal soweit wäre ? Deine Liebe einfach aufgeben ? EInfach von einem großen Teil Deines Lebens weggehen ? So scheiße die Vereinsfunktionäre und “Bosse” einen behandeln, es bleibt ja eigentlich Dein Verein . Ich denke nicht,dass man einfach so aufhören kann zu seinem Verein zu gehen .

    Bene

  2. “Was die an Eintrittsgeld zahlen, muss man dreifach für die nächste Pyroaktion an die UEFA zahlen.”

    Da die UEFA für das Abbrennen von dutzenden Bengalos gerne Strafgelder in Höhe von z.B. sagenhaften 5000 euro erheben, passt das nicht ganz bei immerhin über 500 Mitgliedern der SM. So billig kommt man ja dann doch nicht ins Stadion. Aber natürlich sind Zuschauereinnahmen der Hintertortribüne kein wesentlicher Faktor für das Budget des FCB.

    _Nachvollziehbar_ ist das Verhalten des FCB schon, man weiss ja wie die Funktionäre (nicht nur beim FCB) ticken. Und so ein Fall kam denen grade recht um endlich die lästige SM loszuwerden.

    Bedenklich sehe ich aber eine Tendenz sich auch anderswo auf ähnliche Weise seiner Fangruppen zu entledigen. Wenn es darum geht möglichst viele Stimmen zu finden, die irgendwelche ultragruppen scheisse finden, müssten ziemlich alle Fankurven im Lande radikal umbesetzt werden.
    Daher kann weder Schadenfreude noch irgendwelches Verständnis (im Sinne einer Tolerierung des Ausschlusses) das Mittel sein, das der in welcher Form auch immer bestehende (oder auch degenerierte) Fankultur helfen kann.

    Und ja, die SM ist wirklich beim falschen Verein. Aber in ihrem Selbstverständnis und ihren vielfältigen Versuchen etwas authentisches auf die Beine zu stellen sind sie mMn vorbildlich. Insofern wirklich schade um diese Gruppe,

  3. Falls aus meinem Beitrag irgendeine Wertung spricht, ist das nicht beabsichtigt. Mein eigentliches Ziel war eine Analyse der Vorgänge, die meinem Eindruck nach bisher einfach vergessen wurden, da man sich zu sehr auf den aktuellen Vorfall und die scheinbaren Reaktionen darauf konzentrierte.
    Dass mir das alles nicht gefällt, dürfte klar sein. Aber es ist halt so, wie es ist.

    Gegen den modernen Fussball - 20 Kilo Rauch gegen Bielefeld!

  4. “Neben vielen neuen Stadionverboten wurden auch die Dauerkarten entzogen, und das nicht nur SM Mitgliedern, sondern vielen anderen auch.”

    Stadionverbotsentzug, das ist wirklich die Hölle. Wer schreibt den Scheiß hier eigentlich?

    :D