Juni 2007

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Ein toller Sender, wenn irgendwas im Königreich passiert. So kam ich auch gestern abend wieder auf diese Welle und schaute mir eine sehr breite Berichterstattung über die vereitelten Anschläge in London an, obwohl ich eigentlich schlafen sollte. Und da in der Zwischenzeit niemand am Fernseher war, war BBC World eben gerade immer noch eingestellt, eine Reportage über das seit numehr zehn Jahren zu China gehörige Hongkong wurde geboten.

Um drei Uhr sollten dann Nachrichten kommen. Dazu gehört bei den Briten ein mehrminütiger Vorpann, in dem die Sendungen des Tages, das Wetter, historische Ereignisse und sonstiges Allerlei vorgestellt werden. Dazu läuft das wohlklingende BBC-Jingle und eine angespannte Erwartungshaltung baut sich auf. Die letzten Sekunden werden mit Hundersteln heruntergezählt, immer schnellere und basslastigere Musik und dann ist es endlich soweit –

– ein Reiseshopping-Sender geht auf Sendung und mir auf den Geist. Wie kann man nur so grausam sein?

PS: Hat vielleicht jemand das BBC-World Jingle?

Was eigentlich schon jeder wusste, wird nun zumindest teilweise offiziell: Die bisherigen Dopinggeständnisse der Radprofis waren nicht mehr als lächerliche Appetithappen, und man hätte es kaum ertragen können, wenn es dabei geblieben wäre. Erik Zabels Eingeständnis zum Beispiel, ein einziges Mal für 256 (sic!) Deutsche Mark EPO eingekauft zu haben, um es auf Grund der schlechten Bekömmlichkeit nach einer Woche gleich wieder abzusetzen – zum Totlachen!

Das findet wohl auch Jörg Jaksche, ein an und für sich sympathischer Zeitgenosse des Radsports, dessen Interview mit dem Spiegel in diesen Tagen für reichlich Wirbel und Aufklärung sorgt. Falls es euch auch nur einen Hauch interessiert, lest bitte das hier, auch wenn es Spiegel Online ist. Vorweg: Ja, es ist genauso, wie man es sich gedacht hat. Um euch nur ein paar Krumen vom saftigen Brotlaib vor die Füße zu werfen:

Ein Unrechtsbewusstsein herrsche nicht in der Szene, so Jaksche: „Es ist pervers, aber das Doping-System ist gerecht, weil alle dopen.“

Die guten Leistungen – auch dank Epo-Unterstützung – brachten Jaksche einen Vertrag beim Team Telekom ein. Auch dort konnte er sich weiter auf medizinische Hilfe verlassen. Teamchef Walter Godefroot sei eingeweiht gewesen. „Die Mannschaftsleitung wusste alles. Es war ein fest installiertes System“, so Jaksche. „Godefroot ging es nicht darum auszuschließen, dass jemand dopt, sondern dass er ungeschickt dopt.“

Oder so ungeschickt ist, gar nicht zu dopen. Vor der Tour de France 1999 hatte Jaksche aus Furcht vor Razzien und Kontrollen Doping abgesetzt. Und kam als 80. in Paris an. Seine Hilflosigkeit beschreibt er so: „Du hoffst von Tag zu Tag, dass das Tempo langsamer wird. Du musst dich mehr anstrengen, und du erholst dich schlechter. Ich konnte nirgends mithalten und kam mir komplett überflüssig vor. Zum Schluss hatte ich Angst, sogar auf einer Eisenbahnbrücke abgehängt zu werden.“

Zugegeben, Erik Zabel hat in der Gesamtwertung der Tour de France im Mittel auch nie einen Platz oberhalb der 80 belegt. Aber Zabel ist eben auch kein „ausgewiesener Bergfahrer“, wie man so schön sagt, sondern ein Sprinter, der sich auf den Flachetappen verausgabt. Außerdem hätte er wohl kaum nein gesagt, wenn er damit allein gewesen wäre, auch nicht nach einer Woche Bauchschmerzen.

Zum Schluss noch ein Sahnehäubchen:

Ob er weiter dopen würde, wenn er nicht auf der Fuentes-Liste gestanden hätte?

„Ich würde es wahrscheinlich tun, so egoistisch bin ich schon“, sagte Jaksche.

Irgendwie erfrischend.

Der einzige Wermutstropfen an der Enthüllungsstory ist eigentlich, dass Jörg Jaksche auch nur ein Mensch ist und hofft, durch seine Bezeugungen glimpflich davonzukommen. Angesichts der Tatsache, dass er seine Kollegen ordentlich anschwärzt und sich selbst keinen Deut fairer verhalten hat, wäre das nicht sonderlich verdient. Trotzdem schön, dass sich endlich wer getraut hat.

Nun ja, es ist doch nicht abwegig zu behaupten, dass diese Aufnahmen und diese Aufnahmen auf die gleichen bescheuerten Reflexe medial verbundener Idioten zurückzuführen sind, oder?

Optisches

Ich spiele gerade ein wenig mit dem Header herum, ausserdem ist demnächst ein Update der Software fällig. Falls die Seite also gerade scheisse aussieht oder gar nicht funktioniert, bewahrt bitte Ruhe und ruft die Polizei.

Zuwachs

Findige Nutzer werden es bereits in der Blogroll entdeckt haben, jetzt wo es Inhalt gibt sei hier noch einmal gesondert darauf hingewiesen: In Essen bloggt man jetzt auch, am liebsten über Streetart und Fussballkrams. Ist aber trotzdem lesenswert.

Ich lese gerade „Die Nacht von Lissabon“ von Erich Maria Remarque, von dem ich bisher nichts gelesen hatte. Von vielen bemerkenswerten Stellen finde ich die lustigste nicht wieder. Sie lautete etwa „Wissen sie, warum die Deutschen Stiefel so lieben? Weil sie immer tief im Dreck stehen.“ Na gut, im Original klang es viel besser, aber ich finde die Stelle einfach nicht mehr.

Schwarz lächelte. „Wie die Deutschen Stiefel lieben!“ „Sie brauchen sie“, sagte ich. „Sie waten in soviel Dreck.“

Dafür eine andere:

„Es ist eine merkwürdige Sache mit der körperlichen Überlegenheit. Sie ist die primitivste, die es gibt, und hat nichts mit Mut und Männlichkeit zu tun. Ein Revolver in der Hand eines Krüppels kann sie zunichte machen. Sie ist eine Sache von Pfunden und Muskeln, weiter nichts – aber trotzdem fühlt man sich gedemütigt, wenn man ihrer Brutalität begegnet. Jeder weiß, dass wirklicher Mut anderswo beginnt, und dass das Muskelpaket, das herausfordert, da wahrscheinlich elend versagen würde – trotzdem suchen wir nach lahmen Erklärungen und überflüssigen Entschuldigungen und fühlen uns jämmerlich, wenn wir ablehnen, zum Krüppel geschlagen zu werden. Ist das nicht so?“

Ich nickte. „Sinnlos, aber deshalb besonders kränkend.“

Der Telekommunikationskonzern Nokia Siemens Networks baut in Deutschland 2290 Stellen ab.

Na, das ist ja noch ne Weile hin.

Jetzt ist es bald so weit, und ich freue mich wie ein kleines Kind:  Am 6. Juli kommt die neue Platte von Tocotronic, und nach allem was ich weiß wird sie wunderbar. Darin bestärken mich die Berichterstattung von Spiegel online und intro. Hinzu kommt das geniale Video zum genialen Song Kapitulation.

Unfassbar

Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach (CDU), wirft der polnischen Führung hingegen mangelnde Dankbarkeit gegenüber Deutschland vor. „Deutschland hat sich immer wieder für Polen eingesetzt. Undank ist der Welt Lohn. Polens Regierung sollte dankbar sein“, sagte Frau Steinbach

FAZ

Verbrochenes.net sagt exklusiv, woran Frau Steinbach dachte.

Besonders für die als „Lebensraum“ vorgesehenen annektierten Gebiete hatte Hitler einen „volkstumspolitischen Kampf“ angekündigt. Dies bedeutete im Detail, dass dieser Raum „entpolonisiert“, „entjudet“ und vollständig „germanisiert“ werden sollte. Die nationalsozialistischen Entscheidungträger planten deshalb, sämtliche Polen und Juden in das Generalgouvernement zu deportieren und stattdessen Volksdeutsche aus den verschiedensten Teilen Europas dort anzusiedeln

[…]

Im Ergebnis waren alle Angehörigen der polnischen Intelligenz in den vom Deutschen Reich annektierten Gebieten bis zum Frühjahr 1941 entweder getötet, in Konzentrationslagern inhaftiert oder zur Zwangsarbeit verschleppt worden.[23] Zusätzlich wurden sehr viele Polen umgesiedelt. Allein im Warthegau betraf dies in dem Zeitraum vom 1. April 1941 bis zum 31. Dezember 1943 etwa 200.000 Menschen.[24] Von etwa 670.000 polnischen Zwangsarbeitern, die zwischen 1939 und 1943 nach Deutschland verschleppt wurden, stammten allein 450.000 aus dem Wartheland, 124.000 aus Westpreußen und 71.000 aus Ostoberschlesien.

[…]

Zum Zeitpunkt des deutschen Angriffs gab es in Polen ungefähr 3.474.000 Juden, was fast 10 % der Gesamtbevölkerung entsprach. Nur etwa 10 % überlebten den Holocaust; zumeist nur deshalb, weil sie in das Ausland geflüchtet waren.

Alles aus Wikipedia.

Dass man sowas heute sagen kann, erinnert mich an Doppeldenk.

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