Kürzlich stieß ich auf einen Text von Dietmar Dath in der Phase2. Er heisst “Über Kaputtmachbarkeit - Brennende Fragen Eurer Bewegung”. Gemeint ist hier die linksradikale Bewegung, zu der die Phase2 gehört.
Dath schreibt so eindeutige und schöne Sätze wie diese hier:
Es genügt die angeregte, von konkreten Erlebnissen ausgehende, zunächst tastende und vage, dann womöglich romanhaft ausschweifende Phantasie darüber, wie man effektiv zuschlagen, einzelne und verstreute Aktionsformen ineinander greifen lassen könnte – die Kommunikationswege des Feindes beschönigend, seine Versorgung und Verstärkung behindern oder das System zur overextension, zur ungeplanten Selbstüberdehnung seiner ordungsstiftenden und aufstandserstickenden Operationen zwingen. Wenn man sieht, wie kopflos der Apparat mitunter agiert, wo solche Phantasien keimen, macht das nicht nur Laune, sondern bringt auch auf weiterführende Ideen.
[...]einerseits finden 82 Prozent von uns, die Interessen der Mehrheit werden von »der Politik« nicht beachtet, 47 Prozent, dass Wahlen »die Politik« überhaupt nicht (!) beeinflussen und 80 Prozent wünschen Volksbegehren und Volksentscheide, also Plebiszite, auch auf Bundesebene – andererseits aber sind 82 Prozent »mit der Arbeit von Bundespräsident Horst Köhler zufrieden«, einem in debil süddeutschem Zungenschlag vor sich hin lallenden ehemaligen Klinkenputzer der oligarchischen IWF-Weltkotze, den man in Berlin abgestellt hat, damit es einen gibt, der gelegentlich die im Gegensatz zu ihm selbst immerhin von relativ vielen Verarschten gewählte Regierung anraunzt.
So etwas antworten die, anstatt korrekt: »Leck mich am Arsch, Fragebogen, mir hat man soeben Bahn, Strom, Zigaretten und allgemeine Lebenshaltungskosten zum wiederholten mal verteuert, ich hab andere Sorgen als die Legitimationskrise irgendwelcher Speichellecker.«
Ich kann mir keinen schöneren Aufruf zum Widerstand gegen das herrschende System vorstellen als Daths Text. Er vermischt politische Analyse mit einer witzigen Bloßstellung des deutschen Polittheaters und, das ist das Seltene, das Bemerkenswerte, er hinterlässt den Leser nicht in Frustration und Deprimierung, sondern zeigt auch gleich die persönlichen Möglichkeiten auf.
Doch wer mag dieser Mann sein, der sich da in einer antideutschen Zeitschrift als Staatsfeind geriert? Dietmar Dath ist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung festangestellt. Die nennt sich selbst “Zeitung für Deutschland”, andere nennen sie gern das “Sprachrohr des deutschen Großkapitals”. Dath nennt sie “die bürgerliche Zeitung, die meine Miete bezahlt”.
Jedenfalls kann man sich sicher sein, dass die Redakteure im FAZ-Politikressort einen wie Dietmar Dath für völlig geisteskrank halten müssen. Derweil schreibt er im Feuilleton. Herrlich.
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Toll!
Aber.
Problem 1: Was hat es zu bedeuten, wenn ich beim Lesen eines erneut zuverlässig klarsichtigen Dath-Textes so vor mich hin denke, dass ich von so einem eigentlich ganz gerne repräsentiert würde?
Problem 2: Wenn so einer im FAZ-Feuilleton schreiben darf, tut er das eigentlich zum Ärger oder zur Belustigung der Polit-Redaktion? Soll heißen: Macht er einen Unterschied und für wen?
Wahrscheinlich ist, dass es beim Schubsen egal ist, wer dabei worüber lacht. Sounds sehr nach Freiheit.
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Zu Problem 2:
Ist das nicht eigentlich auch egal? Fakt ist, dass ein bekennender Kommunist (und wer seine Bücher, insbesondere Dirac, gelesen hat, weiss, dass er es ist..) in der FAZ im Feuilleton äußerst bissige Artikel platzieren darf, die so gar nicht in das Bild passen, dass die meisten von dieser Zeitung haben.
Dath ist ein begnadeter Schreiber und darüber hinaus noch auf der richtigen Seite, was will man unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen mehr?

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