Ökonazi

Ich bin ein Ökonazi. Gestern war ich mit einem Drittel meiner Familie im für Ostfriesen feindlichen Ammerland gelegenen Nachbardorf Eis essen. Die Eisdiele dort liegt an einer mittelstark befahrenen Straße, die unglückseligerweise die Autobahn mit einem sehr gut frequentierten Bikerlokal verbindet. An einem Samstag ist auf dieser Straße so gut wie nichts los, aber bei gutem Wetter kommen im Minutentakt Motorräder, einzeln oder im Rudel, vorbei. Die Kreuzung, die sie dann hinter sich haben und das Bikerlokal, auf das sie sich freuen, geben den Anlass zu einem lautem Aufheulen der Motoren direkt vor der Eisdiele.

Man unterhält sich also, beziehungsweise: ich erzähle. Und eine Erzählung von mir dauert nun einmal länger als die vom Takt der Maschinen vorgegebenen Minute. Und Unterbrechungen führen grundsätzlich dazu, dass ich erst einmal meine 30 Sekunden brauche, bis es weitergehen kann.

So ist es völlig verständlich, dass ich richtig angepisst war, als der vierte Mopedfahrer, der mich unterbrach, auch noch mal ordentlich am Sound drehte, als er uns passierte, wie um mich persönlich zu ärgern. Ich unterbrach meinen Vortrag und wandte mich dem Thema “Lärmbelästigung durch Motorradfahrer” zu: “Diese Motorradfahrer sind auch einfach nur assozial, bei dem Lärm kann sich ja kein Mensch unterhalten!” -

“Nein, die sind gar nicht asozial.” - Ich schaute die Frau an, die sich mich in meiner Wut unterbrochen hatte. Sie schlürfte mit ihrem Mann an einem Cappucino. “Das eben war mein Sohn, und der ist ganz bestimmt nicht asozial.” Und zu allem Überfluss ihr Mann: “Und er saß auf meinem Motorrad.”

  1. Nur weil man nicht lange genug still ist, bis deine Geschichten mal zu Ende sind, ist man noch lange nicht asozial.

    Fühl dich gedisst, Digger!

  2. Volle Zustimmung!

  3. Im Dienste der guten Story mal einen kleinen Rüffel einzustecken ist doch völlig ok!

    Sehr unterhaltsam geschrieben.