Fan-Kongress in Leipzig

Samstag morgen um acht ging es mit 5 Bremern und Bremerin auf nach Leipzig. Mit eigenwilligem Fahrstil schleuste uns das Fanprojekt dabei im Osten ein, wo noch exakt solange nach dem Tagungsort gesucht wurde, bis dort das Mittagessen beendet war. D’oh!
Nach der Ankunft an der Uni Leipzig konnte man noch eine Weile herumstehen und Leute angucken. Einen genaueren Blick riskieren wollte wohl unser Hamburger Freund, der sich unter dem Vorwand, mit Wilko zu sprechen, ganz nah heranschlich. Das war mir jetzt aber unangenehm! Wenig später flüchteten Pavel und ich in den Hörsaal, wo nun Begrüßung und Eröffnung anstanden. Wenig später kam auch Wilko dazu und machte uns darauf aufmerksam, dass wir schon wieder hinter HH saßen. Verflixt! Von Kommentaren aus dieser Richtung begleitet begann dann die Veranstaltung.

Pressegenosse Stenger vom DFB, der Leipziger Bürgermeister und andere redeten getragen daher. Als - wie danach noch viel zu oft - von Missverständnissen und wenig förderlichen Aussagen der Beteiligten die Rede war, nutzte ein Hamburger die Gelegenheit für einen Einwurf. Sätze von Wolfgang Holzhäuser im Programmheft wie “Fan kommt eben nicht von fanatisch” oder “Unmutsbezeugungen gehören natürlich zum Fan-Tun. Auch wenns manchmal eine gelbe oder gar rote Karte wert wäre.” kamen hier nicht sonderlich gut an. Stenger begrüßte die offenen Worte.

Nach viel weiterem Begrüßen und Sabbeln kam dann endlich unser Präsident. Vermutungen, nach denen er einschweben würde, bestätigten sich nicht, er kam dann doch durch die Tür. Die Verzögerungen dabei, verursacht durch zahlreiche Medienmenschen, erhöhten die Spannung ungemein. Auf präsidentielle Anweisung hin schob Stenger seinem Chef nun höchstpersönlich die Kameras aus dem Gesicht. Zwanziger hielt völlig frei sprechend eine engagierte Rede. In Bezug auf die Stadionverbote sprach er vom Begriff des Rechts und von Rechtskultur, zu der dann auch ein Rechtsempfinden gehöre. In Bezug auf die Stadionverbotssituation kann das nur heissen, dass diese als völlig ungerecht empfunden wird und geändert werden muss. Aber so deutlich wird man in Eröffnungsreden nicht. Wo Willkür herrscht auf das Recht hinzuweisen, und das als Präsident, hat aber bereits völlig ausgereicht, mich zu überraschen.
Positiv fiel auch auf, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Stimmen Rassismus und Gewalt nicht als ein und dasselbe Problem behandelte, sondern erst auf das eine und dann das andere einging.
Zwanziger scheint derjenige zu sein, der die Probleme tatsächlich ernst nimmt und einen “konstruktiven Dialog” (ich kanns nicht mehr hören) wirklich will. Sein Funktionärs-Apparat dagegen machte mir sehr oft den Eindruck, zu dieser Veranstaltung verdonnert worden zu sein, sowieso alles besser als die Fans zu wissen und eigentlich nichts ändern zu wollen.

Nach Zwanzigers Rede gabs eine Kaffeepause. In der Cafeteria wurde mir eröffnet, dass es Kaffee nur mit den nötigen (Lebensmittel)Marken gebe. Alles wie früher hier, dachten wir uns. Es stellte sich dann heraus, dass die Marken schlicht schon alle waren als wir uns angemeldet hatten und dieses Konzept damit ohnehin gestorben. Wir aßen dann, bis es nicht mehr ging.

In dieser Pause fiel uns auch noch das bemerkenswerteste unter vielen bedruckten T-Shirts auf. “Djihad München” stand darauf, hinten ergänzt um “Unser Kampf gegen Stadionverbote”. Gegen irgendwas kämpfen, das ist schon wichtig. Übereinstimmenden Berichten zufolge war der Träger nicht zurechnungsfähig und konnte keine ganzen Sätze sprechen, was nicht verwundert. Noch mehr verblödete Blaue gibts hier.

Nächster Punkt auf der Tagesordnung war nun die Arbeit in den sogenannten Foren. Ich besuchte das zum Thema “Fankulturen”, wo zunächst einmal weiter geredet wurde. Moderiert von einem Menschen vom kicker, redeten dieses mal Leute von BAFF/Pro Fans, der Fanbeauftragte von Aachen und andere, die ich vergessen habe, über Fankultur und Kommerzialisierung.
Mich ärgerte bereits, dass hier wieder ständig über Missverständnisse, die es gäbe, über Anregungen, die man der Gegenseite geben müssen und über konstruktiven Dialog dahergeschwallt wurde. Als ob es keine völlig klaren Gegensätze gibt. Als ob z.b. bei der u.a. diskutierten Problematik der Spielansetzungen und gestückelten Spieltage nicht völlig klare Fronten gibt. Die Liga verdient ihr Geld übers Fernsehen, nicht über die paar Leute, die zum Auswärtsspiel fahren wollen. Wo deshalb die Interessen liegen, ist völlig offensichtlich und nicht Gegenstand von Missverständnissen. Hier ging es besonders um die Sonntagsspiele, die man anders hätte legen können.
Später am Abend erzählte noch jemand, dass von der DFL jemand auf dem Kongress war, dessen Aufgabe es ist, die Rechte für die Spiele ins Ausland zu verkaufen. Der versuche nun zum Beispiel, ein Stuttgartspiel auf den Sonntag zu kriegen, weil es dann in Mexiko zur Mittagszeit läuft und die Mexikaner dann ihre Landsmänner beim VfB sehen können. Nach eigenen Angaben hat er damit aber bisher nie Erfolg gehabt.
Der Interessenkonflikt zwischen Vereinen und aktiven Fans zieht sich eigentlich durch die gesamte Kommerzialisierungsschiene, von Spielansetzungen über Riesenwerbung bis Fanartikelverkauf. Zu letzterem war zu hören, dass in Gladbach die “Auswärtsdeppen” T-Shirts verboten wurden, da das Vereinsemblem benutzt wurde. Kennen wir doch irgendwoher…

Die Diskussion vollends aufs Comedyniveau gezogen hat dann jemand von der Brigade Nord, die insgesamt von mir den Lächerlichkeitspreis des Kongresses bekommt. Dieser merkwürdige Typ sagte nun erstmal, dass Hannover 96 schon zum größten Teil dem Hauptsponsor und “Medienunternehmen” gehöre, was nicht stimmen kann, da der Verein immer über 50% der Profiabteilung besitzen muss (wie ein DFL-Mensch dann auch anmerkte). Aber man muss ja nicht alles wissen, um irgendwo “was Kritisches” zu labern.
Es wurde noch besser: Fussball sei nicht zum Geldverdienen erfunden worden, sondern für was “Geselliges” und so weiter. Sekundiert wurde kurz darauf ausgerechnet von Braunschweig, nicht minder dämlich: Die Entwicklung des Fussballs sei “pervers”, der Einstieg von Red Bull eben die Spitze dieser “Perversion”. Verantwortlich sind natürlich auch gewisse Leute und, wen wunderts, die kommen vom FC Bayern. Denn Franz Beckenbauer, der ist ja Berater von Red Bull da, solche Leute regelten solche Dinge doch.
Ich kenne jetzt die Entstehungsgeschichte des Rads nicht so genau, behaupte aber, dass es nicht zum Geldverdienen erfunden wurde, sondern zum Rollen von irgendwas. Nun käme niemand auf die Idee, die Kommerzialisierung der Autoherstellung zu beklagen, ausser vielleicht dem riechenden Hannoveraner. Wer ein bisschen nachdenkt wird auch zustimmen können, dass die totale Vermarktung lukrativer Gesellschaftsfelder dem System nach folgerichtig und nicht im Gegenteil pervers ist. Was für ein Denken hinter der zwanghaften Personalisierung (hier auf Franzerl) steht, will ich hier nicht schon wieder ausbreiten ;)

Das Forum teilte sich dann auf in vier AGs. Eine sollte eine Präambel für einen Forderungskatalog schreiben, die anderen zu den Themen Spielansetzungen, Fanutensilien/Material und Kommerzialisierung/Versitzplatzung arbeiten. Ich wählte die falsche und fand mich nun mit stolzen fünf anderen Leuten in der Präambel wieder. Neben der bekannten BAFF-Dame aus Bremen fand sich noch jemand von den Ultras Nürnberg, dann ein Vertreter von unsere Kurve, deren T-Shirts mich recht schnell dazu nötigten, von der “Deutschen Kurve” zu sprechen. Dazu noch Leute aus Cottbus, Lautern und Stendal (Werderfan), deren Funktion und Antrieb ich bezeichnenderweise wieder vergessen habe.
Nach ein wenig Diskussion, in die der Kurvenmensch mich hauptsächlich dadurch zog, dass er die Aussagen vom BN-Ekel lobte und in der Präambel verwerten wollte, ging es dann bald daran, um einzelne Formulierungen zu streiten, was extrem ermüdend war. Es gab zwei Vorentwürfe, der von der Deutschen Kurve war ziemlich mies und weichgespült, dagegen stand einer von Annika, der aber auch nicht alle überzeugen konnte. Also wurde ganz neu geschrieben, mit sechs Leuten ein komisches Unterfangen.

Erwähnenswert ist noch der missratene Zeitplan dieses ersten Tages. Von 1300 bis 1515 ging die Begrüßung und Eröffnung samt Kaffeepause. Dann wurde noch eine gute Stunde in den Foren geredet, bis dann irgendwann gegen 1700 die Arbeitsgruppen zusammenfanden, um dann eine ganze Stunde zur Arbeit zu haben, die die meisten dann noch ein wenig verlängerten.

Das Abendessen war ziemlich mittelmässig, die Pommes (wichtig!) ungenießbar und die Zeit knapp. 0 Punkte dafür.
Zehn Punkte gibts dagegen für die Wohnung, die das FP gemietet hatte und wo wir nun einen kleinen Zwischenstop machten. Im TV präsentierten Bohlen und Anhang gerade das schlechteste Stück Popmusik, das ich in den letzten Jahren gehört habe.
Zu dritt fuhren wir dann zur Abendveranstaltung von “Wir sind Ade”, wo Filme gezeigt wurden und diskutiert wurde. Wir setzten uns allerdings zielgenau in den Biergarten. Da wurde - hauptsächlich von BAFF - wieder stundenlang in großer Runde diskutiert. Gähn. Interessant war es, sich die Hannoveraner noch ein wenig anzugucken. Das Highlight im BN-Haufen bildet dabei der gefürchtete Messergnom, der mangelnde körperliche Präsenz das ganze Wochenende über mit einem am Gürtel getragenen Klappmesser auszugleichen versuchte. Hi-larious!
Der Abend war dann noch ganz nett, bis es irgendwann hiess “Bullen! Bullen!”. Die kamen dann auch tatsächlich, Abteilung Robocops, griffen sich einen heraus und waren wieder verschwunden, die ganze Aktion hatte vielleicht 40 Sekunden gedauert. Wirklich gut gemacht, das muss man sagen. Auslöser soll Ärger von Einheimischen mit der Polizei gewesen sein, vor der dann jemand in den Biergarten flüchtete.
Bald darauf fuhren wir zurück. Die Taxifahrerin erzählte uns noch, dass es ihr “früher” auch besser ging. Das werde auch alles übertrieben, sie hätten ja nicht gehungert oder sowas. Auf Nachfrage sagte sie, dass mit der Stasi ja auch nur Wenige zu tun gehabt hätten. Nur wirtschaftlich lief es irgendwann halt nicht mehr so. Interessant!

Die Nacht war zu kurz, Frühstück gab es keins, und draussen war es ganz schön. Diese Faktoren im Zusammenspiel mit meiner Erkenntnis, dass mein Mitwirken an einer Präambel völlig sinnlos sein würde, brachten mich dazu, mich von der AG abzusetzen, wie es der Nürnberger offensichtlich schon getan hatte, und den Vormittag draussen rumzuhängen. Klüger wärs vielleicht gewesen, sich die Expertenrunde zu den Stadionverboten anzugucken, inklusive Wilko Superstar.
Da die Anti-Diskriminierungsgruppe den Sonntag nur noch dazu nutzen wollte, sich die FARE-Ausstellung anzugucken, anstatt noch irgendwas selbst zu erarbeiten, hatte ich Bremer Begleitung, die sich auf so einen Blödsinn auch nicht einlassen wollte.
Herumsitzend und glotzend fragt man sich dann z.B., wer da so total nach Ossi aussieht und dessen Verein offensichtlich blau-weiß ist. Magdeburg oder Chemnitz…. Nee, war Hertha BSC.
Als ich um 1300 die Pressekonferenz angucken wollte wurde uns erzählt, dass das nicht vorgesehen und deshalb kein Platz für uns sei. Eine Weile hörte ich mir noch die zufriedenen Stimmen durch die offene Tür an, gab dann aber auch auf.

Ein wenig später kam es zu der Präsentation der Ergebnisse der Foren. Größtenteils sind das Forderungen an DFL und DFB, die schon ungefähr 100 gestellt wurden und keines Fankongresses bedurft hätten. Im Bereich Stadionverbote scheint sich aber etwas zu bewegen, die Richtlinien sollen überarbeitet werden, siehe Presse. Die ganze Runde wurde vom Stadionsprecher der Länderspiele moderiert, der mich ein wenig an den Florian Silbereisen bei Switch erinnerte.
“Ich bin Stadionsprecher bei der Nationalmannschaft. Und natürlich bin ich auch FAN von der Nationalmannschaft. Ich denke mal, ihr auch? ? (herausfordernd) ? ?” - Negative Reaktion aus dem Publikum. :(
Zu erwähnen ist noch die AG “Zukunftswerkstatt” die genau so aussah, wie der Name auch klingt. Grün und sehr pädagogisch. Die meiste Redezeit wurde darauf verwendet, sich selbst zu loben, auf die hohe Frauenquote in der Gruppe (Toll! Frauen!) hinzuweisen und ganz bestimmt zu klingen. Ihre Forderungen sind klar: Alle sollen Zukunftswerkstätten einrichten! Regional, versteht sich. Wir sollen auch Fussball spielen mit der Polizei und sowas. Für Pyro soll es einen “Block im Block” geben, wo dann abgesprochenerweise gezündet werden darf. Das klingt nach furchtbarer Reglementierung? Quatsch, man darf sogar noch selbst entscheiden, wann gezündet wird. So sehen Kompromisse aus.
Ein schlimmer Missstand ist für Zukunftswerktätige auch der Mangel an festen Regeln für Auswärtsspiele. Darum soll es eine “Auswärtsordnung” geben, wo so etwas festgelegt wird. Ohje!

Hatte ich da gedacht “joo, bitte noch mehr regeln!”, so dachte der Fanbeauftragte aus Halle ein Braunschweiger Allesfahrer ein bisschen später dasselbe. Der hatte am Tag zuvor schon mit der Aussage, in Halle gebe es kein Problem mit Rassismus oder Rechtsradikalen, für große Erheiterung gesorgt.
Nun saßen wir also alle wieder im großen Hörsaal und hörten die Ergebnisse aus dem Antidiskriminierungsforum. Na gut, eigentlich hatten die eh nur eine knappe Stunde am Samstag geredet und präsentierten hier einfach ein verwurstetes Gesprächsprotokoll als Ergebnis, aber egal.
Nachdem die nun einige Forderungen einbrachten, nach denen Rassismus, Diskriminierung und dementsprechende Aussagen bspw. in allen Stadionordnungen verboten werden sollen und auch anderswo eine strengere Regelung für solche Vorfälle gefordert wurde, war es dem Mann aus Halle Braunschweig zuviel. Er erhob sich und rief mit viel Pathos in die Runde, dass es ihm jetzt auch reiche und er DIE FANS jetzt mal was fragen müsse: “Wollt ihr wirklich noch mehr Regeln!??” Die Antwort war ein eindeutiges Ja. „Schade“, dürfte er sich gedacht haben, „ich rufe doch so gerne mal „Neger“, das muss doch wohl noch erlaubt sein.“

Nun fehlte nur noch die Antwort aus dem Länderspieleforum, die uns nicht interessierte. Also reisten wir ab, ich hatte auch langsam wieder die Nase voll von Fussballtheater. Auf dem Rasthof Allertal begegneten uns noch Kunstwerke der Ultrakultur. Die Nase vorn hatte hier eindeutig UGE.

Insgesamt lässt sich der Kongress als größtenteils ergebnislose Laberveranstaltung bewerten, trotz des vermuteten Ergebnisses bei den Stadionverboten. Da wirds wohl ein bisschen gerechter zugehen, wieviel sich in der Realität tatsächlich ändern wird, mag ich aber nicht einschätzen.
Was mir dieses Mal noch besonders aufgefallen ist, ist die Entwicklung des Engagements für die entsprechenden Themen. Bei einigen Gruppen habe ich den Eindruck, dass die “Arbeit” an diesen Themen, all die Kongresse und Aktionen, inzwischen zu einem Selbstzweck geworden sind, der das Hobby Fussball erweitert um die Aspekte “Politik und Recht”. Am Samstag sagte jemand: “Eigentlich willst du ja nur deinen Spaß beim Fussball haben und engagierst dich dafür, dass die Zustände dabei wieder etwas erträglicher werden, aber wenn da nichts bei rumkommt, hast du auch langsam keine Lust mehr.”
Das scheint mir für viele nicht zu stimmen. Ob jetzt was dabei rauskommt oder nicht, man ist zufrieden, wenn man schöne Diskussionen hatte, das Medieninteresse hoch war und möglichst viele Leute ins Fernsehen gebracht hat. Von den tatsächlichen Problemen kriegt man eh wenig mit, weil man im Stadion selbst nicht aktiv ist, sondern halt drumrum. Und dann stehen da Hippies, deren Verein leider zu tief für bundesweite SVs spielt und keine nennenswerte aktive Gruppe hat, vor den Kameras und referieren über die Fortschritte bei Stadionverboten und Fanmaterial. Naja.
Das mag der Sache dienlich sein, wenn man denn jahrelanges Kongressieren und Sabbeln für ein paar lau geänderte Richtlinien für eine sinnvolle Sache hält.
Die Fähigkeit, sich hier über das eigene Tun und die eigenen Ergebnisse soweit klar zu werden, dass man vielleicht auch mal Sachen abbricht und der anderen Seite sagt “Das bringt nichts.”, ist überhaupt nicht mehr vorhanden. DFB, DFL und Polizei könnten “die Fans” solange hinhalten wie sie wollen, weil die von diesem “Dialog” inzwischen leben. Alles worauf sie hinarbeiten sind Zugeständnisse von den Bossen. Sie müssen also zwangsweise immer wieder angerannt kommen oder das Ganze aufgeben. Letzteres geht allerdings nicht, weil man es eben so lieb gewonnen hat. Ein furchtbares Dilemma, glücklicherweise nicht meins. Allen anderen viel Spaß in Wien :D

Disclaimer: Alle Zitate sind grob aus der Erinnerung geschrieben, also bestenfalls “sinngemäß” zu verstehen, häufig aber auch einfach erfunden. Genau genommen gilt das für den ganzen Text.

Nützliche Links zum Thema finden sich hier.

Falls mir noch was Interessantes wieder einfällt, werde ich es in neuen Posts nachtragen.

  1. Hurra, ein Bericht!

    Du solltest unbedingt häufiger Kongresse besuchen, gerne auch ohne Fußballbezug. Das Essen wird dabei generell überschätzt. Die Enttäuschung ist zwangsläufig.

    Weil es blöd wäre, wenn ich als Nicht-Kongress-Besucher Dir als Teilnehmer erklären wollte, warum es sinnvoll ist, immer wieder auch und gerade mit doofen, wenn nicht gar feindlichen Leuten zu labern; weil ich in Wien sowieso viel Spaß haben werde, und zwar mit freundlichen Menschen; weil ich Dich mit dem Richtigen im Falschen, das es nicht gibt und worüber Du eh schon informiert bist, nicht weiter belästigen will; und weil ich nicht länger darauf herumreiten will, dass es dennoch einen Unterschied macht, ob das real Existierende mehr oder weniger erträglich ist (schlecht für die Revolution, schon klar) - deshalb will ich an dieser Stelle mal eine Frage loswerden, die sich mir angesichts einer inzwischen weit verbreiteten Haltung in Ultra-Kreisen zunehmend stellt (und die mit Deinem Text selbst nichts zu tun hat, aber hey!, auf der Suche nach klaren Antworten schaue ich immer gerne hier vorbei):

    Wieviel echte Auseinandersetzung einerseits steckt hinter der Option Totalverweigerung bzw. “Sehenden Auges in den Untergang” bzw. “Nach uns die Sintflut” und wieviel Bequemlichkeit bzw. Mackertum bzw. Fehleinschätzung der eigenen Position wie auch Relevanz?

    Wenn die Hippies die Realos sind, wer sind dann die Fundis und wozu?

  2. Ich bin gar nicht enttäuscht, ausser natürlich in Bezug auf das Essen. Hier war ich allerdings durch einen Fan-Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung vor der WM auch vorbelastet. Da gabs richtig gutes Buffet und Bier. Alles für lau und soviel man wollte. Hach… Solche Kongresse würde ich jederzweit wieder besuchen.

    Dass du und die deinen in Wien viel Spass haben werdet, erwarte ich auch. Wie gesagt, auf solchen Kongressen hat man ja völlig ergebnisunabhängig immer viel Freude, ich hatte das im Text angedeutet, es nur etwas anders beurteilt. Ich war auch diesmal selbst mehr aus Unterhaltungsgründen angereist.

    Natürlich ist es auch toll, wenn “das real Existierende” schöner wird, allerdings geht es in Sachen Fankultur (als umfassenden Begriff) trotz der Bemühungen bergab, das ist ja ganz offensichtlich Fakt in den letzten Jahren. Es wird jetzt auch keine Wende geben und ob sich bei den SVs überhaupt was wirksames tut, ist völlig offen.
    Deshalb halte ich es auch für eine ziemlich schwierige Aufgabe, mir zu erklären warum das alles trotzdem “sinnvoll” gewesen ist. Du kannst es ja mal versuchen!

    Die Revolution würde ich angesichts des Pöbels, der sie machen müsste, jetzt nicht gaaaaanz so gut finden.

    Nun zu den einfachen Antworten auf schwierige Fragen:

    Ich sehe diese Einstellung in Ultrakreisen leider überhaupt nicht weit verbreitet. Wenn es denn so wäre, würde ich wiederum sagen, dass dahinter ein gutes Stück Erfahrung steht, was auch zwangsläufig Auseinandersetzung bedeutet. Und das auf einer Ebene, auf der sich alle anderen überhaupt nicht bewegen, weil sie da gar nicht hinwollen. Weil sie eben nicht mit den Vereinen um winzige Zugeständnisse feilschen müssen, ausgesperrt werden usw. usf.

    Die wahre Auseinandersetzung, im praktischen Sinne, findet eben nicht auf Kongressen statt.
    Wer dann aus sehr vernünftigen Gründen irgendwann resigniert und sagt “Es hat keinen Sinn, weil es keinen Sinn haben kann“, und das auch theoretisch begründen kann, dem dann Bequemlichkeit und Mackertum vorzuwerfen, finde ich … nicht gut.
    Wer demnach etwas fleissiger und weniger selbstbezogen ist, der kann die Sache noch weiter mitmachen, sehr löblich.

    Wenn dann damit angefangen wird, “weiter durchzubrechen” anstatt immer weiter zurückgeprügelt zu werden, ändere ich gerne meine Meinung.

    Inwiefern die eigene Position und Relevanz falsch eingeschätzt wird, kann ich jetzt nicht beurteilen. Man hat ja gewisse Druckmittel und könnte dem ganzen Laden schon erheblich in die Suppe spucken, wenn man denn wollte.

    Von Realos und Fundis zu sprechen halte ich für ziemlich sinnlos, weil es nicht nur um die Einstellung zu der Auseinandersetzung geht, sondern auch um völlig verschiedene Lebenswelten im Mikrokosmos Fussball.

    Kurz kann man aber sagen, dass man Fundi sein kann, um ehrlich zu sich selbst und zu der Sache zu bleiben.

    !

  3. Der Hallenser Fanbeauftragte war n Braunschweiger Allesfahrer (Braunschweig Family oder so). Mann, Bonde, das stand sogar aufm Shirt.

    Nebenbei kann ich ja nix dafür, dass ihr euch vor mir hinter Wilko verstecken wolltet.

    Bäh!

  4. ICH hatte das sofort angenommen, gewisse andere Leute sprachen so selbstverständlich von der Halle-Variante, dass ich das einfach mal geglaubt habe. :(

  5. hallo bonde!

    vielen dank für deinen ausführlichen bericht vom wochenende. deinen artikel kann man so schreiben, muss man aber nicht.

    viele deiner kritikpunkte hast du sicherlich exklusiv, einige andere wurden allerdings auch explizit geäußert, sei es auf der PK, sei es in den gruppen, gegenüber der presse oder direkt dem DFB gegenüber. um mal auf einige einzugehen: missratene zeitplanung, fehlende ansprechpartner, viel gelaber und gesabbel (hier sind aber v.a. auch fanvertreter unangenehm aufgefallen).

    einige sind aber schlicht und ergreifend falsch.

    die AG diskriminierung traf sich z.B. eben nicht nur am samstag für eine stunden, sondern (in teilen) auch noch den ganzen sonntag morgen, eben weil uns gerade wichtig war nicht nur so wenig zeit zur verfügung zu haben. da war es eher mangelndes interesse seitens vieler fans über dieses thema, welches mich geärgert hat. da gehen szenen zu viert in “fankulture” oder “spannungsfelder”, nunja.

    ist ja jetzt aber auch nicht so wichtig. wichtig ist die frage der erwartungshaltung und die frage der umsetzung. niemand ist beim DFB “angerannt” gekommen, es gab ein angebot zum gespräch, welches abzulehnen in meinen augen falsch gewesen wäre.

    welche schlüsse und reaktionen jeder selbst nach diesem wochenende zieht variiert, so wie die verschiedenen szenen. und wenn die einen mit dem was (eventuell) umgesetzt zufrieden sind und versuchen mit weiteren gesrpächen mehr rauszuholen; die anderen sich endgültig verarscht vorkommen, den bruch mit jeglicher instutution vollziehen und nur noch ihr ding durchziehen, komme was wolle, bitte, find ich beides nicht unsympathisch.

    es gab genau ein positives “ergebniss”:

    es gab konkrete zusagen. auch wenn es von der presse teilweise falsch zitiert wird. spahn sagte, “wir werden das umsetzten”. das ist in diesem falle die änderung der SV richtlinien in elementaren punkten. wenn das nicht passiert, nun denn, dann haben es einige sicher schon vorher gewusst, du kannst dir allerdings sicher sein, dass ich mich dann nicht mehr mit eben jenen herren an einen tisch setze.

    das mag nicht viel sein. aber ich erinnere mich noch an mein erstes gespäch vor einigen jahren mit hohen herren des dfb. nach diesem gespräch hätte es auch nur die optionen aufgabe oder attentat/untergund geben dürfen. aufgeben ist aber nicht so meins und im untergrund hätte ich meinen lebensstil einschränken müssen.

    und noch was persönliches: wenn du genau hingehört hättest, hättest du auf der PK nicht nur “zufriedene” stimmen gehört. aber manchmal geht man auch lieber schneller weg, wenn man eh nur das hören will, was man auch erwartet. und auch wenn mein verein leider in den niederungen des fussballs gestrandet ist, maße ich mir doch an über die probleme, die sich aktiven fans stellen, bescheid zu wissen und dementsprechend berichten zu können. polizei- / ordnerwillkür gibt es tatsächlich auch bei uns. ich besitze zusätzlich noch einen 2., vielleicht sogar 3.verein, die ich auch recht regelmässig besuche.

    des weiteren -und jetzt halt dich fest- bundesweite SVs gelten auch in der oberliga NO-O.

    ach ja: und von fortschritten bei fanmaterial habe ich nun wirklich nirgends gesprochen. ganz im gegenteil.

    hippieske grüße
    endi

  6. @Bonde:

    Danke für die Antwort! Sicherlich, wer nach ausführlicher Auseinandersetzung irgendwann beschließt, dass es so nicht geht, der kann es lassen. Das ist nachvollziehbar. Offenbar unterscheidet sich unsere Einschätzung in Bezug auf das Maß an Auseinandersetzung, die bisher stattgefunden hat. Ich rede hier schließlich nicht von Dir oder “Bremen” speziell, sondern von einem allgemeinen Eindruck von Ultra-Land, der natürlich falsch sein kann.

    Bequemlichkeit und Mackertum unterstelle ich dort, wo der Dialog (sorry!) verweigert wird, man zugleich aber nicht erkennen kann, aus was genau eigentlich die angeblich jahrelangen Bemühungen, mit denen man ja guten Willen bewiesen habe, bestanden haben sollen. Und zwar abseits vom Spruchbänder malen, obwohl dagegen an sich nichts zu sagen ist. Wenn als zusätzliche Begründung dann immer wieder von “unseren Weg gehen” oder “Idealen der Bewegung” gesprochen wird, dieselben Leute aber an keiner Stelle sagen wollen, was sie damit meinen, kommt bei mir akuter Phrasen-Verdacht auf - analog zu den von Dir gewürdigten “Missverständnissen”. Vielleicht sollte ich bestimmte Fanzines oder Foren einfach nicht mehr lesen oder zumindest weniger ernst nehmen.

    Der derzeit hier und dort aufflackernde Grad an Selbstverständigung und Reflexion dessen, was man da eigentlich treibt, existiert ja noch nicht sooo lange. Da frage ich mich eben, wie konstant und zielorientiert die bisherigen Bemühungen gewesen sein können. Allerdings ist das mal eine Entwicklung der Fankultur (wenn auch nur eines kleinen Teils davon), die absolut positiv ist, und mit der man künftig was anfangen könnte. Egal, ob man dann mit z.B. dem DFB redet oder deshalb gerade nicht.

    Auch was die Interessen angeht, haben wir offensichtlich schon ganz verschiedene theoretische Herangehensweisen. Es ist bestimmt oft hilfreich, auf prinzipielle Unvereinbarkeiten hinzuweisen. Damit muss man dann umgehen. Dennoch sehe ich Interessen generell nicht als etwas Eindeutiges oder Statisches.

    Letzteres ist auch ein Grund, warum ich Weitermachen sinnvoll finde. Zudem ich die Alternativen Aufgeben oder Untergrund wie Endi sehe ;)
    (Das “!” am Ende hat mich übrigens etwas verunsichert.)

  7. Liest sich alles recht vernünftig, allerdings hättet ihr das gleiche tun sollen wie wir: Am Sonntag einfach nicht mehr hingehen. Ich hab selbst den Fehler begangen am Samstag zu versuchen mich ernsthaft in die Diskussion einzubringen, war aber sinnlos, allein wegen den Göttingern… euer Pavel wirds bestätigen können.
    Wir mussten dann zwangsweise nochmal am Sonntag nachmittag hin um unser Fanprojekt davon zu überzeugen endlich die Zelte abzubrechen, was wir dann bei der Vorstellung der Zukunftswerkstatt auch geschafft haben bzw die Zukunftswerkstatt hat uns die Arbeit abgenommen. Damit war bei uns Schluss.
    Danke nochmal für den Hinweis zu dem BN-Typen, den haben wir glatt vergessen bei unserer Preisverleihung (1. Preis: Tower mit seinen 30 Gladbachern; 2. Preis: Der Wuppertaler; 3. Preis: Besoffener Aachener am Sonntag; Preis fürs Lebenswerk: 2 BAFF-Typen, ein kleiner Dicker mit rotem T-Shirt, ein großer Dünner mit komischer Schiebermütze und seltsamer Brille).
    Nach 4 Jahren Pause von solchen Kongressen werden wir uns erstmal weitere 4 Jahre von solchen Veranstaltungen fernhalten.
    Obwohl man natürlich auch sagen muss, dass euer Auftritt auch jedes mal ein Bild für die Götter ist… Vorneweg die Mule… hintendran 4 oder 5 Typen… Wäre auch fast ein Preis wert!

  8. Hier ist ja viel los…

    @Nürnberg:

    Die Gladbacher sind auch noch dafür zu ehren, dass sie wie nur wenige äußerlich dem Fan-Bild der Medien entsprachen und es deshalb mit Zwanziger aufm Foto in jede Zeitung geschafft haben.

    Ich habe letztens was gelesen, dachte eigentlich es ginge um die Türkei oder so:

    Die - ländlichen - Sitten können so weit gehen, dass Frauen und Kinder nach den Männern essen und eine Frau nur im Abstand hinter den Männern hergehen darf.

    Wars doch Nürnberg? :D

    @Endi:

    “schlicht und ergreifend falsch” sieht sicher anders aus. Im Programm war für dieses Forum nur der Samstag zum Arbeiten vorgesehen. Wenn Einzelpersonen (”in Teilen”) dann Sonntag auf eigene Faust weitermachen, ist das schön. Und wenn Teilnehmer vom Samstag mir das so erzählen, wie es auch im Programmheft steht und ich das hier reinschreibe, ist das nicht falsch.

    Mit “angerannt kommen” meine ich nicht konkret diesen Kongress, sondern das ganze Prinzip der “Fanarbeit”. Man muss sich immer wieder an diese Institutionen wenden, und evtl. gibts als Reaktion darauf (!) auch mal eine Einladung vom DFB.

    Wenn ich keine Lust mehr habe, die PK von vor der Tür zu belauschen, während es drumrum immer lauter wird und ich nur die Hälfte höre, dann hat das wenig mit selektiver Wahrnehmung zu tun, sondern mit entnervt aufgeben und mieser Planung vom DFB.

    Ob Fortschritte oder Nicht-Fortschritte, ich hatte allgemeiner gesprochen, dich sowieso nicht persönlich sondern symbolisch erwähnt, sollte irgendwie klar sein.
    Falls bei den bevorzugten Interviewpartnern Leute dabei waren, die öfter mal für Tifo sorgen, SV hatten/haben, in Gewahrsam waren oder sonstwo konkrete Konflikte mit dem modernen Fussball hatten, sollte mich das wundern.

    @Südländer:

    Tja, über den Rest vom Uldrafescht kann ich jetzt nichts sagen, sind natürlich mehrheitlich geistige Totalausfälle, für die ich auch gar nicht sprechen kann.

    Bequemlichkeit unterstelle ich übrigens da, wo der eigene Lebensstil der wichtigste Faktor bei eigentlich sachlichen Entscheidungen ist. Prost!

  9. Ich bin ewig und unsterblich! Ich bin da um Welten aufzufressen und bin besonders wild auf zartes Kinderfleisch! …Ich treibe euch alle in den Wahnsinn und werde euch töten!