Juli 2007

You are currently browsing the monthly archive for Juli 2007.

I Man muss das Volk bei Laune halten. Das wusste einst der fußlahme Doktor, in den letzten Jahrzehnten Günther Koch und auch wir können uns dem heute nur anschließen. Wem dieser Ratschlag allerdings weitgehend unbekannt zu sein scheint, ist das ZDF: Jüngst überraschten deren Intendanten mit der Ankündigung, die verbrochenes.net-Lesern hoffentlich unbekannte Sendung „Dreckige Lustige Musikanten“ aus ihrem Programm streichen zu wollen. Eine Speerspitze, die auch mitten in unsere Herzen rammt – allzu präsent sind die heimeligen Wohlfühlabende mit Rosamunde Pilcher und den wulstigen Landschaften Cornwalls, die wir in der Vergangenheit zusammen abgehalten haben. Die „Lustigen Musikanten“ sind sicherlich ein anderer Schuh; Solidarität ist trotzdem gefragt, wenn man sich im Kitsch- und Harmoniefanclub der Öffentlich Rechtlichen zu Hause fühlt.

Deshalb rufe ich alle auf, sich in der neu gegründeten Terrorzelle rund um den gefürchteten Rebellen Heinz Georg Kramm zu scharen, seinen Worten zu lauschen und später dann das staatliche System ohne Rücksicht auszuschalten! Auf in den Krieg, ihr lustigen Rentner!

II Anderes Thema – nachdem ihr zumindest auf den ersten Blick erfolgreich das ZDF-Studio zertrümmert habt, könnt ihr die angespitzten Krückstöcke jetzt gern wieder aus der Bildröhre ziehen. Am Wochenende war ich nämlich zu Besuch in Berlin, und ich muss sagen, man verliert da leicht den Überblick. Keine Ahnung, ob ich überhaupt schon mal so richtig verstanden habe, wie groß Deutschlands Hauptstadt wirklich ist. Ich war bestimmt schon fünf Mal zu Gast an der Spree, aber erst jetzt muss ich einsehen, dass die Stadt tatsächlich den Status einer Metropole inne hat.

Allein die Tatsache, dass es belgische (!) Cafés gibt, ich für 5! (geschrieben: fünf!) Euro eine üppige Mahlzeit (als Vorspeise Frischkäse in Blätterteig (große Portion), als Hauptgericht Pizza Prosciutto e Funghi(mittlere Größe)) in einem italienischen Restaurant bekommen habe, man in der Stadt von denkwürdigen Plätzen zu denkwürdigen Plätzen eilt, eine große Vielzahl von Leuten bestaunen kann, die „ihr eigenes Ding durchziehen“ (was immer das heißen mag) oder man beim Versuch scheitert, die unzähligen Berliner Bahnhöfe aufzuzählen.. Berlin Hauptbahnhof! Berlin Zoo! Berlin Alexanderplatz! Berlin Friedrichstraße! Berlin Ostbahnhof! Berlin Spandau! knallt es einem um die Ohren, so dass man gar nicht hinterherkommt. Sehr fein übrigens auch die Graffiti-Szene, die wirklich jeden Winkel vollgeballert hat und ihren Teil zum Ganzen beiträgt. Schmunzeln musste ich über den via Schablone angebrachten Slogan „Plakatieren verboten – Schablone geht klar“. Ohne in Jubelarien auszubrechen, haben mich die Szenarien jedenfalls ordentlich fasziniert.

Eine Frage zum Schluss noch: Wieviel würdet ihr für einen Knopf bezahlen? Ich meine tatsächlich einen gewöhnlichen Hosenknopf, zum Annähen und so. Also?

Weil wir keine Zeit haben. Denn zwei Drittel von uns ziehen um und ein Drittel ist im Urlaub. Somit ist hier vorerst nicht viel zu erwarten. Das lässt sich aber vielleicht anderswo ausgleichen.

Viele lustige fußballbezogene Videos kann man bei Lizas Welt angucken.

In Assindia kommentiert man derweil ach-so-emanzipierte Ultras und ihr Frauenbild oder zeigt gleich Fußballernazis.

Schockierende Wahrheiten über unscheinbare westafrikanische Schurkenstaaten gibt es hier nachzulesen.

Hier gibt es den Gipfel der Geschmacklosigkeit. Bald werde ich hier das Pali-Tuch-Project ausrufen, in dem gesammelte Keffiyeh-Sichtungen aufgeführt werden.

Auf den ersten Blick überraschend, passt hier doch eigentlich alles bestens zusammen.

Wie Fernsehen funktioniert und sich entwickelt, lernt man bei Niggemeier.

Das muss jetzt aber reichen. Eben habe ich beim Einpacken meinen ersten Stundenplan der Oberstufe gefunden. Spooky!

Und noch einen hinterher, nachdem der Dalai Lama wohl nicht nur mir die Tage ziemlich auf die Nerven gegangen ist: Guru der Antimoderne.

Jetzt, wo das neue Harry Potter Buch veröffentlicht wurde, haben sich überall in Großbritannien und den USA nachts lange Schlangen vor den Buchläden gebildet. Sie alle waren sehr gespannt, wie die Geschichte wohl zuende gehen würde. Was liegt da also näher, als einfach mal hinzufahren und es ihnen, während sie noch in der Schlange stehen und auf das Buch warten, per Megaphon vorzeitig mitzuteilen? Genau solche Gemeinheiten, plus ein ähnliches Programm im Internet, kann man sich hier angucken. Auch die Videos sind teilweise recht lustig. „You ruined my life“ ist das größte Lob, das ausgesprochen wird.

Anlässlich der richtigen Bezeichnung des Dalai Lama als „weltliches und geistliches Oberhaupt der Tibeter“ fragte ich mich, wie häufig es wohl vorkommt, dass die religiöse Kompetenz mit einer geistigen durcheinander gebracht wird. Die deutsche Sprache gibt dazu trefflich Gelegenheit, und tatsächlich:

Allein in der Wikipedia kann all gemeinschaftliche Arbeit nicht verhindern, dass sich dort in acht Artikeln der beliebte Fehler eingeschlichen hat. Wie oft man sonst noch den Papst mit diesem Titel geschmückt sieht, ist gar nicht abzuzählen. Wobei ein geistiges Oberhaupt ja an und für sich eine feine Sache wäre, dann müsste man sich seine Gedanken nicht mehr selbst machen, sondern könnte sich an den philosophischen Führer halten. Aber den geistlichen Oberhäuptern mag ich diesen Job dann auch nicht überlassen.

In Wirklichkeit ist das gar nicht der Führer. Der Führer hat inzwischen – in Hamburg – einen Beruf gefunden, der seine Qualitäten noch besser zur Geltung bringt. Seht selbst!

One of the Kassam rockets exploded outside the western Negev’s Sapir Academic College, lightly wounding a female student. The second rocket landed near a Sderot school, causing several people to suffer shock and damaging a number of cars in the vicinity.

Another rocket landed in an open area near a western Negev kibbutz. No one was wounded and no damage was reported.

Magen David Adom medics treated the victim at the scene before evacuating her to Barzilai Hospital in Ashkelon. Islamic Jihad claimed responsibility for the attacks.

Jerusalem Post

Mal eben mit offenen Augen durch die Neustandt gecheckt, und schwuppdiwupp neue Aufkleber entdeckt. Diese werben, wenn auch mit anderer Domain, für diese Seite, auf der sich die antispezietistischen (falsch!!!) antispezisistischen oder auch antispeziesistischen (sagen wir einfach antispe) Aktivisten aus Bremen vorstellen. Ziel des Ganzen scheint zu sein, das zugegebenermaßen äußerst coole Antifa-Logo und den dazugehörigen Style auch für Leute nutzbar zu machen, die die Herrschaft, die von Menschen über Tiere ausgeübt wird, als ein bekämpfenswertes Übel dieser Welt ansehen. Dieses Anliegen wird natürlich auch noch mal schön zu Papier gebracht:

Wir sind gegen jegliche Ausbeutung und Misshandlung von Tieren zu unserem Nutzen. Wir sind davon überzeugt, dass die Haltung und Tötung von Tieren zu Unterhaltungszwecken und zur Herstellung von Lebensmitteln und Kleidung falsch ist.

Kein Individuum soll eine Ware sein. Deshalb wollen wir eine Gesellschaft, in der auch Tiere leidfrei und selbstbestimmt leben können. Unser Ziel ist daher, die Unterdrückung des Tieres durch den Menschen abzuschaffen. Dies ist aber nicht losgelöst vom gesellschaftlichen Ganzen möglich.

Unser Ziel ist es, die Unterdrückung des Tieres durch den Menschen, die auf einer speziesistischen Herrschaftsvorstellung gründet, aufzulösen.

Willkommen ist jede und jeder, der sich aktiv gegen Leid und Unterdrückung von Tieren einsetzen möchte.

Ungern stelle ich diese Frage, weil ich Angst habe, dass sie an mich zurückfällt, aber: Gibt es nicht wichtigeres zu tun oder zu denken? Was solls, ich freue mich über eine weitere sicher unterhaltsame Ansammlung von interessanten Menschen, mit denen ich gerne mal ein Rührtofu essen würde.

Mein Opa erzählte mir kürzlich, wo er seine Ausbildung gemacht hat. Louis Saemann Elektrogedöns, General-Ludendorff-Straße. Im Ausbildungsvertrag sinngemäß: „Der Auszubildene verpflichtet sich, Mitglied der Hitlerjugend zu sein und auf eigene Kosten ein Fahrrad zu unterhalten.“ Die Straße heißt heute nach einem antisemitischen Bürgermeister Bremens, die Firma gibts immer noch.

Neulich überlegten wir anlässlich einer crazy Kampagne mal wieder, wie viel Spaß man als Mitarbeiter einer Werbeagentur haben muss. Genau dieser Gedanke kam mir jetzt wieder, als ich mit meiner guten BSAG unterwegs war. In den Bussen des Unternehmens soll man neuerdings ab acht Uhr abends vorne einsteigen. Damit man sich das gut merken kann bedarf es natürlich eines knackigen Slogans, der sich am besten reimt. Ein bisschen Hirnrissigkeit kann auch nicht schaden, dann reden die Leute darüber. Das Ergebnis erfüllt alle Bedingungen: „Ab 20 Ühr zur Fahrertür!“

Jetzt könnte sich die Agentur zurück nach vorne lehnen, eine Nase nehmen und das Werk wirken lassen. Dieser Wirkung helfen noch Mitarbeiter in leuchtenden Jacken nach, die Gummibärchen an die auf die Busse wartenden Menschen verteilen und ihnen den neuen Einstiegmodus erklären. Doch sie haben etwas vergessen, was alle Mühen umsonst machen könnten. Die Gummibärchen gehen zwar nur an die Fahrgäste der Busse, doch der Bremer an sich ist aufmerksam und will gerne auch die neueste Regel einhalten.

So saß ich neulich in einer dieser neuen Bahnen, bei denen der Fahrer nur noch fahren und keine Karten mehr verkaufen muss. Eine Frau kommt rein, geht nach vorne, und versucht ihr Ticket durch den Sprechschlitz vorzuzeigen: „Man muss die abends doch neuerdings vorzeigen, oder?“ Darauf der Fahrer, sehr gereizt: „Nein, nur in den Bussen!“ Es muss also noch mal korrigiert werden, ich bin gespannt auf den Slogan …

« Older entries