Der ehrenwerte Dr. Joseph!

Heute, 2245 ZDF:

“Das Goebbels Experiment”, von der New York Times als “faszinierender Dokumentarfilm” gelobt, zeigt das Leben des Joseph Goebbels (1897-1945) schillernder und beunruhigender, als es die gängige Beschreibung Goebbels als Propaganda-Genie oder “Reichslügenbold” nahe legt.

Der Film zeigt, wie sich Goebbels von seinen Anfängen als radikaler “völkischer Sozialist” bis zum Selbstmord mit Frau und Kindern ständig neu inszenierte und “erfand”. “Das Goebbels Experiment” bringt den Zuschauern die Karriere eines modernen Medien-Politikers auf ungewöhnliche Weise nahe - verzichtet wird auf jeden Kommentar; nur Goebbels spricht aus seinen Tagebüchern, die er von 1924-1945 ununterbrochen und exzessiv führte (Erzähler: Udo Samel).

Ganz großes Tennis. Über deutsches Kriegsgerät:

“Mordsbiester, die alles hinhauen.”

Über einen schlechten “jüdischen” Roman:

“Da könnte man zum Antisemit werden, wenn man es nicht schon wäre!”

Über Hitler:

“Man muss ihn einfach gern haben.”

Südländer

Ach, könnte ich mir doch auch Zitate merken! Kracher gab es jedenfalls genug. Als diplomierter Haar-in-der-Suppe-Finder will ich aber auch noch “irgendwie was Kritisches” sagen: Ich fürchte, die Rezeption läuft nicht gut. Der Knopp-geschulte ZDF-Seher sortiert sowas wahrscheinlich routinemäßig in die Personen-fixierte “Männer machen Geschichte”-Ecke ein. Man möchte fast Strukturalist werden.

Insgesamt: Interessant!

Ich fands ganz groß, so möchte ich mit Fernsehen lernen. Ist mir dann auch recht, dass arte diese Art der Dokumentation übernimmt.

Wobei eine gewisse Grundbildung ja einfach da sein muss. Wie man die im Fernsehen vernünftig vermitteln kann - keine Ahnung.