Nachdem beim Initiator des heutigen 1. Internationalen Day des Denglish schon die praktischen und einfach nachvollziehbaren Vorzüge der Verwendung von Anglizismen zu finden sind, möchte ich nun einen weiteren hinzufügen: Die Verwendung fremdsprachiger Wörter hilft, den Gedanken der Nation zu überwinden.
Warum gerade die Sprache? Fragt man einen Nationalisten, was die Deutschen denn zu einer Gemeinschaft eint, wird er viele Dinge nennen, die angesichts von 80 000 000 Individuen aber schwerlich als Gemeinsamkeiten zu halten sind. Es bleibt schließlich die deutsche Sprache, die seit dem 19. Jahrhundert zunehmende Verbreitung gefunden hat, nachdem bis dahin allerlei Idiome und Dialekte überwogen.* Eine Möglichkeit wäre nun, einfach seine eigene Sprache zu sprechen, die frei von nationaler Identifikation ist. Leider versteht einen dann keiner mehr, und es ist ja durchaus ein gewichtiges Argument, dass es ein echter Vorteil ist, eine Sprache zusammen mit möglichst vielen zu sprechen.
Die Alternative ist, die Sprache nach und nach zu verändern und sie so ihrer Nationalität zu berauben. Dabei macht es wieder wenig Sinn, Fantasiewörter einzufügen. Geeignet ist eine Sprache, die griffige Wörter bereithält, einfach einzudeutschen ist und eine große Verbreitung vorweist. Zu guter letzt sollte sie eindeutig vom Deutschen abzugrenzen sein. Englisch bietet sich an.
Eine mit Anglizismen durchsetzte Sprache ist ein Bollwerk gegen nationalistischen Irrsinn. Wenn der nächste Leader nichtdeutsche Minderheiten disst, und behauptet, sie seien volksfremder Scum, soll die Masse in laughter schwelgen und einen Riot gegen ihn und seine Idioten starten.
Also macht mit, alles ist erlaubt: Surfen gegen Deutschland, bloggen gegen Deutschland, hacken gegen Deutschland, dissen gegen Deutschland, rappen gegen Deutschland, trampen gegen Deutschland, dancen gegen Deutschland, talken gegen Dreutschland, chillen gegen Deutschland, sprayen gegen Deutschland, ceossen gegen Deutschland, relaxen gegen Deutschland, sogar managen und shoppen gegen Deutschland und zu guter letzt raven gegen Deutschland. Viel Spaß!
*Zum Thema der Genese der Nation und ihrer Ikonen kann ich empfehlen: Hobsbawn, Eric J.: Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780, für 2€ hier zu erhalten.
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Den Ansatz finde ich wunderbar. Allerdings muss man bedenken, dass eine Entwicklung der Sprache zu einer einzigen gegen Gott geht. Immerhin war es der göttliche Wunsch, dass es mehrere Sprachen gibt, um sich nicht verständigen zu können.
Gibt es da Ansätze, die das widerlegen? Ich will ja nicht in die Hölle kommen
Interessanter ist, was dieser Teil der Bibel tatsächlich bedeuten könnte. Eine weltweit einheitliche Sprache, wäre ein Segen. Oder? -
Auch gut in Sachen Nationalismus: “Die Erfindung der Nation” von Benedict Anderson, auch wenns schon etwas aelter ist.
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