September 2007

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Kürzlich hatten wir hier ein Video mit Abu Bakr Rieger verlinkt, in dem er vor Moslems spricht, Zitat:

„Wie d Türke hend au mir Deidsche in dr Geschichde scho ofd für oi guade Sache kämbfd, obwohl i zugebe muss, dess moi Großvädr bei unserem gmoisame Haubdfoid nedd ganz gründlich ware.“

Ja, schade eigentlich. Schade auch, dass ihm niemand den Allenschen Baseballschläger über die Rübe zieht. Stattdessen durfte man jetzt erfahren, dass der Mann auch stellvertretender Vorsitzender des „Islamrats“ ist, somit also zumindest versucht, seine Glaubensgenossen zu repräsentieren.
Der „Islamrat“ war und ist ganz vorne dabei, wenn es zum runden Tisch zu Schäuble geht, der passenderweise genau vor einem Jahr das erste Mal zusammen trat.

Schäuble äusserte da schon einen Wunsch, der in Person von Abu Bakr Wirklichkeit geworden zu sein scheint:

Auf der anderen Seite erwarte er, dass die Muslime in Deutschland „deutsche Muslime“ werden, schrieb er in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Das Video bei Youtube ist inzwischen verschwunden. Verständlich, denn als stellvertretender Vorsitzender sollte man sich solche Äusserungen vielleicht sparen, wenn man denn mit der deutschen Regierung noch was erreichen will. Das Herunterspielen fällt auch schwer, wenn die ganze Halle sich dazu in Sportpalastmanier einen zurecht brüllt und, falls sie zugehört hat, offensichtlich nichts gegen Riegers Vernichtungsphantasien einzuwenden hat.
Doch was war mit dem Übersetzer los, hat er vielleicht beschönigt? Ein wieder aufgetauchtes Video enthüllt, was wirklich gesagt wurde. Und zwar hier.

Naja, so lustig ist es auch nicht.


Nachtrag:
Der gute Mann hat ja auch eine eigene Internetseite.

Der Vorwurf eines Antisemitismus wird in einschlägigen Kreisen immer auch gerne mit angeblich maßloser Kritik an Israel belegt. Das ist hier schwierig. Die Positionen der Islamischen Zeitung zum Thema Israel sind differenziert, passen nicht ins gewünschte Bild und müssen deswegen verschwiegen werden. Die Idee eines Kampfes zwischen dem Judentum und dem Islam wird von der Zeitung überhaupt abgelehnt. Kritische Hintergründe über Hisbollah oder Hamas erscheinen in der Zeitung immer wieder und konterkarieren das Bild der Redaktion von angeblich zur Selbstkritik und Besonnenheit unfähigen Extremisten. Die Ächtung menschenverachtender Selbstmordattentate in Israel ist eine ebenso klare wie unbequeme Linie der inhaltlichen Ausrichtung der Zeitung.

Na gut, der Vorwurf „eines“ Antisemitismus lässt sich ja jetzt anders belegen. Und wer braucht „menschenverachtende Selbstmordattentate“, wenn er doch mal in den Geschichtsbüchern nachschlagen kann, wie man industriell und effizient morden kann? Wahrscheinlich wird Abu Bakr das intern auch mal angesprochen haben, dass man mit so Kleinstmorden einfach nicht weiter kommt.

Fussek

Herr Peters vom Dorf machte mich gerade auf ein interessantes Programm aufmerksam. Und zwar lädt man sich hier den TVU-Player herunter, sucht sich im Programm dann „GOL TV“ heraus und kann in diesem Moment in annehmbarer Qualität Schalke vs. Hertha sehen. Morgen dann Leverkusen gegen Bayern. Das ersetzt zwar nicht Premiere, ist aber für den lauen Freitagabend immer mal zu gebrauchen.

Na klar, es gibt bestimmt viel bessere Alternativen, aber wir bloggen hier ja nichts gut recherchiertes, sondern das, was uns gerade in die Birne und die Tastatur kommt. Prost.

Wie Adams und Heskey

Unsere Korrespondenz im Norden Englands wurde erst kürzlich eingerichtet, kann aber schon jetzt mit wesentlichen Erkenntnissen über das eigentümliche Leben der Inselbewohner aufwarten. Hier ein kurzer Auszug:

Achja, um noch eine Frage zu beantworten, mit meinen Fussballkuensten ist leider im Moment kein Staat zu machen, ich habe in England nur einmal gespielt bis jetzt, und das war auch sehr englisch: In einer Halle mit Steinfussboden, lange Baelle nach vorne, rugbyaehnliche Tacklings, Torwaerte a la Robinson, jeder Schuss ein Treffer, und doch ziemlich mieses Niveau! Nun denn, ich bin natuerlich vom Futsal ein ziemlich gepflegtes Passspiel gewohnt, davon war da nicht mal im Ansatz was zu erkennen. Echt wie hinten Tony Adams, Mittelfeld wird gleich ueberbrueckt und vorne dann Heskey, fand ich ja echt lustig, dass die wirklich auch so spielen wie ihre Nationalmannschaft!

Herrlich!

garganta profunda

Dass es im spanischen Fernsehen einen mehrstündigen Expertentalk für Promigeschichten gibt, die wohlbemerkt noch nicht einmal Frauke Ludowig in ihren täglichen zehn Minuten „Exklusiv“ verarbeiten würde, ist die eine Sache. Es schmerzt zwar, gestandenen Männern dabei zuzusehen, wie sie minutenlang ernsthaft über den Oldtimer-Sammelwahn eines skandinavischen Kronprinzen (?was weiß ich!) oder Victoria Beckhams neue Frisur diskutieren, aber es gibt Schlimmeres. Ja, das gibt es. Nämlich im spanischen Fernsehen! Und damit meine ich nicht die Hardcore-Pornos, die jeden Abend nach Mitternacht auf mehreren Free-TV-Kanälen zu sehen sind. Auch nicht die Tatsache, dass „Dawson€™s Creek“ und „Baywatch“ mit Folgen aus den mittleren 90er Jahren noch die intellektuellen Highlights im offenen Fernsehen zu sein scheinen.

Was ich nämlich gestern auf Kanal „Cuatro“ mit ansehen musste, wow.. Es war ungefähr 19.48 Uhr MESZ, als in der halbwegs seriösen Quizshow „Money Money“ (in gewohnt spanischem Englisch „Munni, Munni“) die Frage gestellt wird, welcher „denn der meist verkaufteste Pornofilm aller Zeiten sei“. Wir so hä, versteh ich nicht. Meinen die da jetzt so was wie „9 ½ Wochen“ mit Kim Basinger oder was? Ist ja doch eher ein harmloser Erotik-Streifen, aber was will man um diese Zeit erwarten, es ist ja schließlich erst ZEHN VOR ACHT! Pustekuchen! Die meinten tatsächlich einen Porno. In Deutschland hätte es diese Frage vielleicht um 3.47 Uhr nachts auf 9Live gegeben, die Antwort wäre „Gina Wild – Jetzt wird es schmutzig 4 “ Durchgefickt“ gewesen, der Moderator wäre entlassen worden und danach hätten sich alle Beteiligten kräftig geschämt. Während es in Deutschland beim „es hätten ja“ bleibt, gucken in Spanien tatsächlich haufenweise Kinder zu, und die richtige Antwort heißt
Garganta profunda„, was so viel bedeutet wie „Tiefer Rachen„.

Vielmehr kann ich dazu nicht sagen. Außer vielleicht: Kartoffeln sind einfach so verdammt unentspannt!

Nachdem ich lange nichts mehr vom Eurofighter gehört hatte, geisterte am Wochenende die Meldung durch die Zeitungen, dass das Ding noch teurer wird als gedacht. Als Grund werden erhöhte Material- und Arbeitskosten genannt, aber überall taucht auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf.

Kann mir das mal jemand erklären?

Deutschland kauft Flugzeuge. Deutschland erhöht die Steuern. Und dadurch werden die Flugzeuge für Deutschland teurer?

Schwuppdiwupp, das ist doch ganz einfach. Wir sponsieren doch schon länger Einrittskarten für Flüchtlinge, da machen wir eben ein Foto, und dann laden wir das hoch.

Stopp, wartet eben noch, da fehlt noch ein Zitat von Klaus-Dieter: „Werder ist auch stolz darauf, mit Aktionen wie diesen einen Beitrag für stärkere Integration und gegen Rassismus zu setzen.“ Sauber. Und ab die Post.

Bürgerinformation

Genau wie dieser Eintrag war der Zettel überschrieben, den ich heute im Brifkasten fand. Obwohl der Durchschnittsbürger dass vielleicht nicht so denkt, kann es sich dabei durchaus um ein gewerbliche Notiz handeln, schließlich sind Bürger immer auch potenzielle Kunden oder einfach Opfer, denen man das Geld aus der Tasche ziehen kann. Oder die Altkleider. Die spendet man seit eh und je an das rote Kreuz, obwohl auch da nicht immer die vermutete Direkthilfe stattfindet.

Doch die Sammlung, für die der kleine Zettel wirbt, hilft noch nicht einmal indirekt Bedürftigen, trotz eines weißen Kreuzes auf rotem Grund. Denn ganz, ganz kleingedruckt steht es da: „Es  handelt sich um eine gewerbliche Sammlung. Verantwortlich: Sammelzentrum Bremen Der Umwelt zuliebe“ Man könnte angesichts der ganzen Aufmachung von irreführender Werbung sprechen. Aber nein, vorher sollte man den Zettel zuende lesen. Ganz unten steht: Keine Werbung!

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist in seiner Aufbauzeit und noch bis zum Ende der sechziger Jahre maßgeblich von früheren SS-Angehörigen geprägt worden, von Personal aus dem Reichssicherheitshauptamt, der Organisationszentrale des Holocaust, sowie von Leuten, die Polizeikarriere im Dienste von Massenmord-Kommandos und bei der Geheimen Feldpolizei im Zweiten Weltkrieg gemacht hatten.

So seien nationalsozialistische „Zigeuner“-Karteien unter ähnlichen Namen („Landfahrer“) bis in die achtziger Jahre von der Polizei fortgeführt, Sinti und Roma in Fachzeitschriften und Vorträgen auch beim BKA als arbeitsscheu und kriminell veranlagte stigmatisiert worden.
Der personellen Kontinuität zwischen Referatsleitern und Abteilungsleitern des Reichssicherheitshauptamtes und des Bundeskriminalamtes entsprach das polizeifachliche Denken und das Fortwirken „kriminalbiologischer“ Auffassung über die genetische Veranlagung zum Verbrechertum. Erst allmählich wurden diese Vorstellungen, die auch die hausinterne Publizistik bis in die siebziger Jahre bestimmten, durch Auffassungen ohne rassistische Färbung abgelöst.

FAZ

(Es ist 0538 Uhr)

Ich arbeite seit drei Wochen Nachtschicht, bin also von 2150 bis 0630 unterwegs. Normalerweise gehe ich dann gegen 0730 schlafen, wache zwischen 1530 und 1700 wieder auf. Dann bin ich ein bisschen wach, um zu essen, zu duschen und am Rechner rumzuhängen. Wenn ich nicht ganz so lange geschlafen habe oder mich trotzdem wieder müde fühle, lege ich mich dann nochmal eine gute Stunde hin, um dann um 2100 herum wieder aufzustehen und anschliessend zur Arbeit zu fahren.
Am Wochenende bin ich meist freitags (um 0600 war Feierabend und Wochenende) noch recht lange auf und schlafe etwa 6 Stunden bis Samstag morgen. Samstag abend schliesslich bin ich todmüde und schlafe eine Nacht durch, wobei sich am Sonntag abend das oben beschrieben Spielchen fortsetzt und ich schliesslich wieder arbeiten gehe.
Heute war es nun ein bisschen anders. Ich saß bis 0200 mit den schönen Menschen bei Wein und Brettspielen, und ich war am Ende unglaublich müde. Beste Voraussetzungen also, um nun mal richtig gut zu schlafen. Wie man sieht, hat das nicht geklappt. Nach etwa 2,5 Stunden wachte ich wieder auf und konnte nicht wieder einschlafen. Nun werde ich noch eine Weile wach sein (ich verspüre Heissdurst auf heissen, überzuckerten Tee), dann nochmal sehr wenige Stunden schlafen und irgendwann zum Fussball gehen. Abends kann ich mich wohl zeitig wieder hinlegen oder umfallen. Für das sehnlich erwartete Wochenende ist das irgendwie zu wenig Ereignis. Ich bin verärgert.
Danke für eure Aufmerksamkeit.

Standpunkte

Heute wurde mir gesagt, dass dieses und ein anderes Blog im Hinblick auf Israel „etwas einseitig“ seien. Das ist recht zutreffend. Worüber ich mir dann Gedanken gemacht habe sind Standpunkte und Überzeugungen. Einseitigkeit ist ein negativer Begriff, weil er impliziert, dass man andere diskussionswürdige Sichtweisen verschweigen oder ausser Acht lassen würde. Im Nahostkonflikt ist es nun aber so, dass man nach umsichtiger Analyse zu dem Schluss kommen muss, dass die einen Recht haben und die anderen nicht. Das zu bestreiten, ist legitim. Allerdings wird selten in der Sache widersprochen, sondern die meisten Leute sind fest davon überzeugt, dass niemals einer Recht hat und der andere nicht.
Das äussert sich dann in der Popularität von Zitaten wie diesem

„Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null – und das nennen sie ihren Standpunkt.“ – Neben Einstein auch David Hilbert und Leonhard Euler zugeschrieben
Wikipedia

Standpunkte sind unpopulär. Für einen Naturwissenschaftler wie Einstein macht das Zitat noch Sinn, allerdings wird seine Bedeutung allzu oft auf die Politik und andere Bereiche übertragen, eben genau in dem oben erwähnten Dogma, dass Standpunkte allgemein schlecht wären. Ablesen lässt sich das u.a. am Beispiel George W. Bushs. Der sagte

„You’re either with us or against us in the fight against terror.“

So redet einer, der von sich überzeugt ist, wie auch die amerikanischen Neocons Menschen sind, die von sich, ihren Ideen und ihrem Gesellschaftsmodell überzeugt sind. Eigene Überzeugungen sind ihren Kritikern aber wohl oftmals ein Greuel. Sich wie in diesem Beispiel angezeigt zu entscheiden, ob man in dem nicht zu bestreitenden oder wegzudiskutierenden Konflikt zwischen Westen und Islamisten nun der einen oder der anderen Partei zugeneigt ist, ob man sich einen demokratischen Irak wünscht oder die Scharia, das ist dem gewöhnlichen Diskursfreund nicht möglich. Er ist mehr oder weniger gegen Krieg und mehr oder weniger gegen Terroristen, und irgendwo dazwischen siedelt er sich dann an.

Die Beispiele sind nun provokant gewählt, aber sie machen meiner Meinung nach das Problem am deutlichsten. Ich selbst habe oft genug meinen Standpunkt bei verschiedensten Sachen ändern müssen (Zitatemassaker, diesmal Nietzsche: „Der denkende Mensch ändert seine Meinung“), wer aber von vornherein keinen Standpunkt bezieht, mit dem kann man auch nicht diskutieren und der hat auch keinen Punkt, von dem aus er denken könnte.

Nachwort: Es passiert mir öfter mal, dass ich eine Idee habe, dann irgendwie drauflos schreibe, gegen Ende merke, dass mein Beitrag direkt ins Nirgendwo führt, keine Struktur hat oder irgendwas fehlt, aber dann habe ich entweder keine Lust mehr, sehe keinen Ausweg aus dem intellektuellen Dilemma, oder ich habe keine Zeit mehr. Dieses Mal sind es alle drei Probleme. Ich drücke jetzt trotzdem auf Veröffentlichen. :)

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