Den nachfolgenden Bericht habe ich für die Parole de la Racaille geschrieben.
3. August 2007: TSV 1860 München II – FC Bayern München II 3:2
Das Derby der Münchener Amateurmannschaften war allemal Grund genug, meinen Aufenthalt in dieser Stadt noch um ein paar Stunden zu verlängern. Das Spiel fand im Stadion an der Grünwalder Straße, mir bislang nur aus Erzählungen Älterer bekannt, statt. Das Stadion ist extrem baufällig und sollte eigentlich längst abgerissen werden, doch wird es in München einfach gebraucht, an die 100 Spiele finden dort jährlich statt.
Mein Gastgeber Volker und ich kamen also voller Vorfreude aus den Katakomben der U-Bahn und hörten sofort die Schlachtgesänge der Bayern über den Platz schallen. Ein etwa 150 Leute starker Mob der nominellen Gästefans war gleichzeitig mit uns angekommen und schob sich nun singend an uns vorüber. Dazu eine ganze Horde von Zivis, die auf unserer Straßenseite direkt an uns vorbeigingen und denen man auch ohne Knöpfe im Ohr ihre Profession an der Nase ansehen konnte.
Mit gebührendem Abstand folgten wir der Gruppe, die Insiderinformationen zufolge durch den Gruppenurlaub der Schickeria kleiner war als sie hätte sein können. Am Treffpunkt der Sechziger kam es dann zu einer ersten kurzen, heftigen Auseinandersetzung, bei der wohl auch allerlei Gedöns durch die Luft flog. Die bayerische Polizei war mit maximal entmenschlichten Robocops am Start, die die Lage unter Kontrolle brachten. Zahlenmäßig hätte es für die Bayern ohne Polizei auch richtig scheiße ausgesehen. Direkt vor der Stehgerade der Löwen gab es dann noch mal einiges Gepöbel, so richtig passierte da aber wohl nichts.
Das in einem Wohngebiet gelegene Stadion ist wirklich großartig: Die 1860er besetzten die Stehhalle genannte Gegengerade, die eine hervorragende Akustik bietet. Rechts von den Supportern war auch für uns noch ein Sitzplatz frei, fast alle Fans standen jedoch trotz vorhandener Sitzgelegenheit. Um uns herum saßen noch ein paar Hopper. Die eine Kurve ist wegen Bauschäden gesperrt, in der anderen standen einige Hundert Anhänger der Blauen. Die Bayern standen uns gegenüber am unüberdachten Rand der Haupttribüne. Sie waren mit grob geschätzten 1000 Leuten am Start, den Rest der 6660 Zuschauer stellten die Sechziger. Diese hervorragende Bilanz für ein Amateurspiel war nicht etwa, wie ich zuerst annahm, der Tatsache geschuldet, dass die Profis noch Sommerpause hatten. Bei 1860 gibt es eine starke Initiative von Freunden des Grünwalder Stadions, die die Arena ablehnen und mit einem guten Konzept die Leute zu den Amateuren locken und da dann richtig rocken.
Das Gerocke der Blauen war dann auch ziemlich brachial und suffig, aber dennoch in der Lautsstärke und Konstanz beeindruckend. Sie präsentierten einige Spruchbänder, die wir von unserer Warte aus nicht lesen konnten. Das hätten sie sich allerdings auch sparen können, denn die Roten kannten den Inhalt bereits. So wurde der Spruch “München wird nur rot, wenn euer Blut fliesst” mit “Das Einzige, was hier fliesst, ist eure Stadionmiete” gekontert. So wurde jedes der drei oder Spruchbänder passend beantwortet, sehr coole Aktion. Akustisch waren die Bayern ganz okay, aber nicht überragend.
Das Spiel und die Reaktionen darauf waren für den neutralen Beobachter durchaus spektakulär anzusehen. Nachdem 1860 zunächst 1:0 in Führung gehen konnte, drehte Bayern den Spielstand in ein 2:1 um. Schließlich gewann 1860 durch zwei schnelle Tore in der Schlussphase des Spiels, was die Stimmung in der Stehhalle zum Überkochen brachte.
Genug Zeit zum Feiern nach dem Spiel war vorhanden, denn unorthodoxerweise wurden die Heimfans mit einer Blocksperre belegt. Nach ihrer Aufhebung hatten es einige sehr eilig, die hatten wohl noch was vor.
Danke an Volker für deine Gastfreundschaft, die den Vergleich mit Berichten aus Athen nicht scheuen muss.
Nachtrag: Hab gerade noch mal beim Kicker den Termin des Spiels nachgeguckt, damit das hier auch alles vernünftig archiviert ist, wenn ich schon dabei bin kann ich deren (sehr, sehr kurzen) Spielbericht hier auch verlinken.
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Athen ist wohl in jeder Hinsicht eine andere Liga, aber München bedankt sich seinerseits beim freundlichen Gast und für die netten Worte!




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