Am Sonntag spielte Tocotronic im Schlachthof. Der Saal war nicht ganz ausverkauft, und das Publikum hätte man vielleicht als erstes auf die Frankfurter Buchmesse geschickt, wenn es einen nach dem Weg zum nächsten Kulturevent gefragt hätte. Der Alterdurchschnitt lag in etwa bei dem der Band, was ja für die Künstler vielleicht auch ganz schön ist. Allerdings waren vieler der beschriebenen Leute nicht in der Lage, sich trotz hochintelligenter Texte einmal gehen zu lassen. Die Besucher auf der Empore ließen sich teilweise erst gegen Ende dazu bewegen, sich zu erheben.
Das Konzert war trotz sehr ähnlicher Setlist wie beim Premierenkonzert in Hamburg grundsätzlich verschieden von ebendiesem. Die Band ließ es wesentlich rockiger angehen, was natürlich dadurch begünstigt wurde, dass die Lieder mittlerweile als allgemein bekannt vorrausgesetzt werden können. Mir gefielen die dezenten Variationen, wenn ich mir auch gerade am Anfang nicht immer sicher war, ob Tocotronic sich nicht gerade einfach verspielt hatte. Wieder waren die Videos als Hintergrund zu einigen Liedern phänomenal anzusehen. Neu und besonders beeindruckend eine in Endlosschleife gegen eine Spiegelwand springende Labormaus bei Imitationen
Akustisch bestand - wieder einmal - das durch und durch bewegende an diesem Abend in den monumentalen Klanggebäuden, die die Musiker im Saal errichteten. Anhand der Albumversionen der Lieder wohl kaum zu erahnen und auf Tonträger vielleicht gar nicht fassbar ließen sie fast alle anderen sinnlichen Eindrücke verschwinden. Erstmals derart live interpretiert, hat Tocotronic Free Hospital ins Konzertprogramm aufgenommen - eine Bereicherung. Das Konzert schloss mit Explosionen ab, optisch mit Rauch und grellgelbem Scheinwerferlicht in Szene gesetzt und in einem fuminanten Krach aus Rückkopplungen und Schlägen gegen alle möglichen Bühnenrequisiten ausklingend. Schließlich stand auf der Leinwand nur noch das Wort Kapitulation.
Nachtrag 1: Bilder


Nachtrag 2: Video
Den Support Act hatte ich gar nicht erwähnt, weil er irgendwie nicht in meinen Textfluss passte. Er nannte sich Troy von Balthazar und machte recht anspruchsvolle Indie-Musik mit elektronischen Hilfsmitteln. Bei youtube steht jetzt ein Video von einem Teil seines Auftritts, nicht gerade das beste Lied, das er vortrug. Die Reihe impossible - impropable - impossible gefällt mir aber - somehow.
Tags: bremen, kapitulation, konzert, schlachthof, tocotronic

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