Iran 1, Germany & Israel 0

Die Jerusalem Post kommentiert die Entscheidung, Ashkan Dejagah wieder für Deutschland spielen zu lassen.

Bringing him back solely on the basis of a declaration against discrimination will only pave the way for future boycotts of Israel and give a totally undeserved victory to the bigots in Teheran. At this point, the score is clearly Iran 1, Germany and Israel 0.

Warum er nicht in Israel spielen wollte bleibt weiterhin unklar.

(dpa) Für seinen Verzicht auf den Einsatz in der deutschen U-21-Nationalmannschaft im Spiel in Israel gab es nach Aussage des Profi-Fußballers Askan Dejagah keine politischen Motive. «Meine Gründe sind rein persönliche», sagte der Spieler des VfL Wolfsburg «stern.de» und dem «Hamburger Abendblatt». Er haben es für sein Familie getan, erklärte er.

Heisst das jetzt, dass nicht er der Antisemit ist, sondern seine Familie es nicht akzeptieren kann, dass er gegen Juden Fussball spielt? Oder aber heisst es, dass seine Familie im Iran mit Repressalien zu rechnen hätte, hätte er gespielt?
Trifft ersteres zu, wäre auch verständlich, warum über die Motive nichts genaueres gesagt wird. Unverständlich aber, warum Dejagah weiter für Deutschland spielen darf.

Trifft letzteres zu, müsste das allerdings zu einer Debatte über den Iran und seine Politik führen. Die bleibt aber gänzlich aus. Dass ein Staat womöglich die Familie eines Fussballers bestrafen würde, wenn er gegen Israel Fussball spielt, scheint nicht zum Skandal zu taugen. Stattdessen wird das als eine Art feststehende äußere Rahmenbedingung akzeptiert. Anstatt das Unrecht anzuklagen und den Vorfall in eine Debatte über das weitere Vorgehen gegenüber den Iran einzubringen, fokussiert man sich auf den Spieler und erklärt dann den eigenen Bankrott. So geschehen u.a. in der taz:

Omid Nouripour: Er versucht nur, sich an die iranischen Gesetze zu halten.

Ach so!

Omid Nouripour: Vielleicht findet sich eines Tages ein Held, der dieses Zeichen setzt – hoffentlich dann mit einer anderen privaten Situation im Rücken. Aber wenn Spieler wie Dejagah nicht die Kraft haben, sich gegen das gesamte iranische Establishment zu stellen, dann kann man die nicht mit der großen Moralkeule verhauen.

Wenn Bundestagsabgeordnete diese Kraft auch nicht haben und schulterzuckend auf einen “Helden” warten, ist das natürlich peinlich. Wobei jetzt zu diskutieren wäre, ob es um fehlende Kraft oder mangelnden Willen geht. Ich schwinge jedenfalls gerne die Moralkeule und würde ganz besonders Herrn Nouripour mal vor die Füsse kotzen. Dabei steht er nur repräsentativ für die ganze deutsche Politik in dieser Sache und ich bin nur gerade über sein Interview gestolpert. Schweifen wir aber noch ein Stück in Richtung Nouripour ab:

Ich habe auch zwei Pässe, den deutschen und den iranischen. Wenn ich im Bundestag sitze, ist es für mich selbstverständlich, dass ich Deutscher bin. Das Existenzrecht Israels ist auch mein Primat der deutschen Außenpolitik. Wenn ich aber als Abgeordneter einer offiziellen Delegationsreise nach Israel fahren würde, hätte das für mich im Iran rechtliche Konsequenzen. Aber soll ich jetzt mein Mandat abgeben?

Heisst das jetzt, dass der Mann selbst nicht nach Israel reisen würde? Ich maile ihm mal.

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