Verbotshysterie

“Als standardisierte Untertanen werden wir nur noch alkoholfreie Getränke ohne Zucker – und ohne Geschmack – zu uns nehmen, selbstverständlich nicht rauchen. Wir werden uns in die Augen sehen und fragen: Wo ist der Rausch geblieben?” Der Traum jeder Herrschaft von der Berechenbarkeit des Menschen, so Sofsky, wäre damit wahr geworden, das verwaltungsmäßige Optimum erreicht.

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In der dazugehörigen Fotostrecke gibts ein Symbolfoto für fettes ungesundes Essen. Da musste ich daran denken, dass es vor 50 Jahren wahrscheinlich noch ein Ideal war, fett zu essen und reichlich auf der faulen Haut zu liegen. Heute könnte sich das jeder mehr oder weniger erlauben, es ist aber gesellschaftlich geächtet. Stattdessen isst man Vollkorn und geht, wenn man nichts zu tun hat, joggen.
Das erscheint mir ein Fortschritt zu sein, ausgelöst durch Wohlstand und gekennzeichnet von Vernunft.

Rauchen ist eigentlich eine völlig sinnlose Beschäftigung, es gibt keinen “Rausch” oder “Lust” oder sonst etwas dabei zu gewinnen, es geht um Sucht. Das war Thomas Mann vielleicht noch nicht so klar, aber heute weiss man das. Das gesellschaftliche Umdenken ist also wiederum in einem Zuwachs an Wissen begründet. Dass es in die Politik durchschlägt, ist in einer halbwegs funktionierenden Demokratie zu erwarten. Dass es das in kleinkarierten Verboten tut, ebenfalls.

Vielleicht ist Gesundheit für Soziologen und Kulturschreiber einfach nicht sexy genug, um als Wert an sich ernstgenommen zu werden. Von ganz links wird man die Entwicklung sicher als Optimierung des Humankapitals und perfiden Plan der Ausbeuter deuten. Und bei der Bahamas den Umstand, dass sich sowas gesellschaftlich vollzieht, als volksgemeinschaftliche antisemitische Volkskörperoptimierung deuten.

Menschenfreunde sind sie alle nicht.

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