Land der Polizeipräsenz

Wenn jemand eine Reise tut, und dann nach Deutschland kommt, dann hat er ganz sicher tonnenweise Sachen, über die er oder sie sich ärgern kann. In Bremen bieten sich zur Zeitgleich zwei Events als Projektionflächen für den ersten Kulturschockhass an: Hinter dem Bahnhof die Bundeskaninchenshow in der Stadthalle, vor dem Bahnhof eine Bühne, auf der mit Breakdance für das “Land der Ideen” geworben werden soll.

Wesentlich härter auf die Probe gestellt wird meine Toleranz durch die unglaubliche Polizeipräsenz und die totale Sicherheitshysterie, die man hierzulande verspüren kann. Wir sind jetzt eine Woche in Israel gewesen. Dort habe ich, wenn man einmal die Jerusalemer Altstadt und das Umfeld des Flughafens ausklammert, etwa ein Dutzend Polizeiautos gesehen. In Israel! In Bremen habe ich diese Zahl, ebenfalls unter Nichtberücksichtigung des Flughafens und der umkämften religiösen Heiligtümer dieser Stadt, bereits nach 48 Stunden erreicht, und dazu gesellte sich noch ein Bully der Feldjäger. Während des Urlaubs war ich weit davon entfernt, Angst zu haben, weder vor Terroristen und noch vor ordinären Straßengangstern fürchtete ich mich. Wir haben zusammen mit hunderten Leuten in einem Lokal gesoffen, in dem vor viereinhalb Jahren ein Selbstmordattentäter drei Menschen tötete und 60 verletzte. In Bremen wird immer noch über die Discomeile geredet, wo sich bei einer Schießerei und einigen Messerstechereien Gangmitglieder ans Leben gingen.

Es ist sicher keine rosa Welt, die man im Gelobten Land vorfindet. Aber es ist doch schockierend, dass man in Deutschland trotz wesentlich besserer Ausgangslage offenbar nicht imstande ist, sich ein schönes Leben zu machen, die Polizei Polizei sein lässt und auf Assis, die mit unserem Leben nicht klar kommen, einfach mal scheißt. Und deswegen lache ich nur über Kaninchenzüchter, die armen Willis. Die humorlose Angst vor China im Land der Ideen erledigt sich dann fast von selbst.