Januar 2008

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„Hätte ich niemals Kokain genommen, wäre es überhaupt keine Frage, wer der Beste aller Zeiten war: Ich. Ich hätte dreimal so gut sein können.“

Maradona

Wörter

In der englischen Ausgabe meines Lieblingsbuches habe ich gerade eine tolle Kategorie gefunden: Deutsche Lehnwörter in der Weltsprache. Vielleicht sagen diese knapp 400 Wörter mehr als tausend Worte über die Funktion Deutschlands als Segen für die Welt. Aber: Wenn man die kriegerischen und faschistoiden Schöpfungen der Dichter und Denker mal ausklammert, hat man es hier mit einer astreinen Kandidatenliste für das schönste Wort in deutscher Sprache vorliegen. Nur Kapitulation wurde vergessen.

Nachtrag, 21:14: Mir fällt gerade auf, dass auch Machtergreifung auf der Liste steht. So ein Zufall. Wozu brauchen die Deutschen einen Holocaustgedenktag? Der ganze Kalender ist voller Gedenktage in Deutschland.

So sieht das aus, wenn wir Ultras nach Hessen fahren.

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Casino

Joe Pesci und Robert De Niro diskutieren über ihr persönliches Verhältnis. De Niro führt ein Casino in Las Vegas, Pesci ist ein brutaler Schläger und gefährdet so das Geschäft.

oder: Warum es so wichtig ist, dass sich führende Fangruppen antifaschistisch positionieren

In den Achtziger Jahren waren deutsche Stadien kein guter Ort für selbstständig denkende Menschen. Viele Fanszenen waren zumindest latent nationalistisch und ihrem Gepräge nach sehr deutsch: vereinsmäßig organisiert, volkstümlich, männlich, suffig, dumm. Vielerorts, auch in einigen Ecken des Weserstadion, kann auch heute noch ein beklemmendes Gefühl aufkommen.Die Fankurven und die Menschen, die sie formen, weisen oftmals Eigenschaften auf, die man leider unwillkürlich mit Faschismus in Verbindung bringen muss, fast alle in der Wikipedia genannten Eigenschaften werden erfüllt: Gewalt spielt eine große Rolle, je gewalttätiger Gruppen sind, desto wahrscheinlicher sind dem Führerprinzip nachempfundene autoritäre Machtstrukturen. Dazu kommt ein naturalistischer Sozialdarwinismus, so hörte ich kürzlich tatsächlich die Argumentation, die Ernennung von Capos in einer Gruppe sei natürlich, wie überall im Tierreich und auch bei den Menschen der vergangenen 10000 Jahren hätten sich die Leistungsträger an die Spitze gesetzt. Nationalismus ist stets präsent, Antisemitismus tritt wie Herpes immer wieder auf, ebenso ein Rassismus, der angesichts zahlreicher ausländischer Leistungsträger in eigentlich allen Vereinen nur durch unglaubliche Dummheit zu erklären ist. Dazu kommt Superiorismus gegenüber den Gegnern, der zwar nicht immer ganz ernst gemeint ist, aber letztlich das fürchterliche Bild nur vervollständigt.

Man kann sich also fragen, warum unser Lieblingssport nicht immer die tolle menschen- und völkerverbindene Kraft entfaltet, die ihm so oft zugeschrieben wird. Fußball zieht Menschen, nicht selten sozial Benachteiligte, an, die gerne Teil einer starken Masse sind. Umgeben von Tausenden Gleichgesinnten schreien sie ihren Verein nach vorne. Ihnen entgegen stehen die anderen, der gegnerische Verein und sein Anhang. Fast seitdem es den Fußball gibt, messen sich nicht nur die Mannschaften auf dem Platz im sportlichen Wettkampf, auch auf den Rängen vergleicht man sich, verbal und nonverbal. Dabei steigen solche in den Hierarchien auf, die laut sind und ordentlich austeilen können und außerdem gewisse Führungsqualitäten aufweisen. Es gibt klare Regeln, wer wo stehen darf und wer was entscheidet.

Dieses Gefüge, das sich über die Jahre entwickelt hat, spricht wiederum (vielleicht gar nicht fußballinteressierte) Menschen an, die auch von faschistischen Menschenfängern immer wieder gesucht und gefunden werden. Sie suchen Stärke, Einheit, Führerschaft, Zusammenhalt, Macht. Wenn diese Menschen Teil der Fanszenen werden, dann werden sie geprägt. Andererseit prägen auch sie die Fanszene. Und da sie potenziell faschistischen Ideologien anhingen, hielten und halten diese immer wieder Einzug in den Kurven.

Im Zuge der Ultrabewegung kam es in Deutschland vielerorts zu einem Generationenwechsel. Die Fans verlangten sich selbst wesentlich mehr ab als noch zuvor, als Fan-Sein meistens auf die Wochenenden beschränkt blieb. Die Fans beschäftigten sich mehr mit ihrem Verein und auch mit sich selbst. Ihre Organisation wurde zunehmend professioneller, und angesichts ihrer durch Kommerzialisierung und Repression aufgezwungenen (fan-)politischen Betätigung entstand auch ein Bewusstsein für eine sonstige politische Position. Diese Erkenntnis wurde unterschiedlich umgesetzt. Anders als in vielen Fanszenen Italiens gab es in Deutschland anfangs kaum die klare Aufteilung in links- und rechtsextreme Gruppen. Viele schrieben sich auf die Fahne, unpolitisch zu sein: Football without politics, wir können alle zusammen feiern, auch wenn einige dabei sind, die unter der Woche Ausländer jagen. Und wenn dann die Gegner als Juden, Zigeuner oder beliebige Nichtdeutsche bezeichnet wurden, in der Absicht, sie zu beschimpfen, wurde mit einer gewachsenen Kultur argumentiert. Diese ist so ziemlich allen deutschen Stadien zweifellos vorhanden, doch unpolitisch ist man dennoch nicht, wenn man mitschreit oder auch nur tolerant danebensteht. Und so rutschten viele Szenen aus oben genannten Gründen nach rechts, weiterhin eifrig beteuernd, Politik spiele im Stadion keine Rolle. Und wenn die Nazis erst mal richtig da sind, ihre Ideologie mit der Gruppenkasse verbreiten und das Gruppenfanzine zum Stürmer machen, kriegt man sie auch nicht mehr weg, unpolitisch sein wird zur Überlebensstrategie, im wörtlichen Sinne.

Die Erkenntnis, dass alles Handeln und Nicht-Handeln politisch ist, erfordert also mehr als ihre vehemente Verneinung. Sie erfordert eine ausgiebige Reflexion über die Ziele, die man (fan-)politisch erreichen will, und die Grundsätze, unter denen dies geschehen soll. Dazu sollte dann gehören: Alles, was wir machen, machen wir ohne Nazis und solche, die es werden wollen. Solange es nur wenige von ihnen gibt, kann eine solche klare Positionierung der relevanten Gruppe(n) schon reichen, um langfristig ein Stadion ohne Naziproblem zu haben, und als Nebeneffekt eine Stadt mit weniger Nazis als sonst, denen mit dem Stadion ein wichtiger Rekrutierungsraum fehlt. Wenn man Pech hat, gibt es in Stadt und Verein bereits einen gefestigten Stamm nationalistischer Hohlbratzen. Leider befreit das nicht von der Aufgabe, bei seinen Grundsätzen zu bleiben.

Eben war ich in einem Laden (ich weigere mich, „Club“ zu schreiben), an dem ich eigentlich das meist sehr sympatische Publikum schätze, das sich nämlich ein bisschen abseits von Discoproleten und Schicken-Leuten-die-
vor-noch-schickeren-zittern bewegt. Aber heute war es furchtbar.

Es hätte mich nicht gewundert, wenn auf dem Weg zur Toilette auf einmal jemand mit Messer und Gabel in der Hand vor mir gestanden und mit nervösem Zucken begonnen hätte, sich die Filetstücke aus meinem Wanst zu schneiden. Ungefähr 80% der Menschen sahen nämlich genau so aus:

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Das macht dann irgendwie alles nicht soooo viel Spass.

Das abgebildete Kunstwerk befindet sich an der Wand eines Nebengebäudes der Jugendherberge in Tel Aviv, in der wir einige Nächte sehr komfortabel verbrachten. Wenn man so etwas sieht, ist man immer wieder verblüfft, wenn man sich wieder ins Bewusstsein ruft, dass man sich gerade geografisch in einer Region befindet, in der es für Homosexuelle meist wenig zu lachen gibt. Ich möchte allerdings mal annehmen, dass man solche Ausdrücke schwuler Kultur eher nicht in Jerusalem findet. Jerusalem gilt als religiöses Zentrum, während Tel Aviv von sich behaupten kann, Hauptstadt der modernen, westlich orientierten Kultur in Israel zu sein.

Ich trags ganz vorneweg mal nach, für die marodierenden Horden Demointeressierter, die hier über Google reinkommen: Demobericht und Diskussion bei Indymedia.
Und wenn ihr schon hier seid, guckt doch auch mal beim Antifacamp vorbei.

Ich sags vorneweg: Ich will an Kleinigkeiten herummäkeln.

Morgen findet in Osterholz-Scharmbeck, einer Kleinstadt vor Bremen, eine Antifa-Demo statt. Die Beschreibung ist kurz zitiert, einen längeren Aufruf finde ich nicht, vermutlich gibt es keinen.

Antifaschistische Demonstration in Osterholz-Scharmbeck

Am 26. Januar findet in Osterholz-Scharmbeck unter dem Motto: „Nazis raus aus den Köpfen und aus den Parlamenten“ eine Antifa-Demo statt. Los geht es um 14 Uhr am Bahnhof. Nach der Demo ist ab 20 Uhr noch ein Konzert im KUZ (Am Kleinbahnhof).
Im Wahlkreis 60 (Osterholz), zu dem auch Osterholz-Scharmbeck zählt, kandidiert übrigens der Verdener Neonazi Sven Wellhausen für die NPD.
Achtung, die Demo findet um 14 Uhr statt, nicht um 17 Uhr!

http://bremen.antifa.net/

OHZ

Auf dem Flyer Plakat unten kann man lesen, wogegen sich diese Demo wendet: „Demonstration gegen den Antritt rechter Parteien bei den Landtagswahlen in Niedersachsen 2008″.

Es geht also nicht darum, gegen Nazis an sich zu demonstrieren. Noch weniger geht es darum, sich gegen deren Inhalte zu wenden. Es geht auch nicht gegen die Existenz rechtsextremer Parteien, namentlich vielleicht eben der NPD, es wird kein Verbot gefordert. Man benennt noch nicht einmal die Nazis, gegen die es gehen soll.
Stattdessen wird mit der Formulierung „rechter Parteien“ weiter Interpretationsspielraum gelassen. Will man Landtagswahlen ohne CDU? Oder nur ohne die NPD? Warum dann „gegen den Antritt“ und nicht gegen die NPD oder einfach gegen Nazis, die es in Niedersachsen zuhauf gibt, Parteiorganisation hin oder her?
Wie kommen linksextreme Gruppen dazu, sich ausgerechnet an Landtagswahlen zu klammern?

Oben ist von Parlamenten die Rede, die nazifrei zu halten seien. Das ist zwar immerhin eine Parole gegen die Nazis, klingt aber genauso arg nach Linkspartei und DGB.

Grundsätzlich ist mir die Idee, sich gegen Nazis auszusprechen, in welcher Form auch immer, natürlich sympathisch. Genau deswegen wundere ich mich aber, warum offensichtlich über ganze zwei Sätze, die man zur Mobilisierung schreibt, nicht mal ein bisschen nachgedacht wird bzw. warum so etwas dabei herauskommt.

So winkt es mir bei FAZ.net entgegen. Das ist ein harter Schlag für Loddar. Bisher hatten nur alle vernünftigen Leute davon abgesehen, ihn zu verpflichten. Wenn es nun auch für die Theokraten nicht reicht, muss man sich vielleicht langsam Sorgen machen. Nicht Sorgen um Lothar selbst, sondern um das Vergnügen, das er uns machen würde, trainierte er eine medienwirksam positionierte Mannschaft.
Vielleicht, aber das ist nur eine vage Hoffnung, klettert er aber auch in der Unsympathenskala nochmal ein bisschen. Das ist, wenn man vom Iran ausgeht, schwierig, aber doch möglich. Ein bisschen nördlich von uns ist schliesslich ein Job frei.


Nazi-Skandal im RTL-„Dschungelcamp“

Ein handfester Nazi-Skandal erschüttert das RTL-„Dschungelcamp“. Laut „Bild“-Zeitung salutiert der Dschungelcamp-Bewohner DJ Tomekk in einem Video, das dem Blatt nach eigenen Angaben exklusiv vorliegt, mit dem Hitlergruß und singt dazu „Deutschland, Deutschland über alles“.

Weiterhin sage der 31-Jährige zum Ende des Videos: „So viele Ausländer hier im Haus.“ Laut „Bild“ wurde das Video in einem australischen Hotel aufgenommen – am Morgen der Abreise ins Camp.

Mit dem Vorfall konfrontiert, sagte RTL-Sprecher Christian Körner der Zeitung: „Das sind schwere Vorwürfe gegen DJ Tomekk. Generell ist ein solches Verhalten für RTL nicht tolerierbar. Wir werden sehr schnell handeln, damit er sich selbst dazu erklären kann.“ RTL zog demnach am Dienstagabend die Reißleine und warf DJ Tomekk aus seiner Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ raus.

Quelle

Haha, oh Gott, ich kann das alles nicht fassen. Hoffentlich hatte er das Geld so bitter nötig wie Eike Immel!

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