Bilder aus Israel VI: Shabbat Shalom

Das Bild ist nun echt kein Meisterstück der Fotografie, aber es hat, wie Kuratoren zu sagen pflegen, eine Geschichte zu erzählen. Die Sonnenstrahlen, die das Hochhaus in der Nähe eines Parks im Norden Tel Avivs bescheinen, sind die letzten eines Freitagabends. Schon wenige Minuten später trifft nur noch diffuses Licht den Putz. Dann ist Shabbat, der Sonntag für die Juden, der mit unserem Samstag zusammenfällt.

Bei strenger Auslegung der Glaubensgesetze ist der Shabbat ein sehr ruhiger Tag. Es gibt reichliche Vorschriften, was man machen darf und was nicht, und wenn dann doch, in welchem Umfang. Die sich mit dem Untergang der Sonne einstellende Ruhe war uns von unserem Amateurreiseleiter als ein ganz besonderes Spektakel angepriesen worden. Es war dann aber doch ziemlich langweilig, weil lebhafter als angekündigt.

Der gute Mann war nämlich bei seinem ersten Aufenthalt in Jerusalem gewesen, einer Stadt, die wesentlich mehr von der Religion geprägt wird als Tel Aviv. Unser Profireiseleiter sagte uns auf Nachfrage, dass etwa ein Fünftel der Israelis den Shabbat einhalten, wobei auch bei ihm wild aus der Luft gegriffene Zahlen nicht unwahrscheinlich waren. Bei Betrachtung des abendlichen Stadtbilds kam es jedenfalls hin. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, wie viel Rücksicht auf die Minderheit genommen wird. Die Geschäfte haben, wie wir es ja auch kennen, geschlossen. Zusätzlich wird aber der ÖPNV (dieses Wort wollte ich schon immer mal benutzen) eingestellt und es gibt Kuriositäten wie Shabbat-Aufzüge, die in jeder Etage halten, damit man nicht den Knopf drücken muss. Und die Tür schließt vollautomatisch und unbarmherzig, was ganz schön gefährlich ist für Menschen, die sich abgewöhnt haben, die Warnhinweise in Fahrstühlen zu lesen.