Olmert in Berlin. IDF nach Gaza?

Der israelische Ministerpräsident ist gerade in Berlin. Allerdings bekommt man davon nichts mit. Sowohl bei FAZ.net als auch bei SpOn ist auf der Hauptseite nichts davon zu sehen. Die Suchfunktion schmeisst immerhin bei der FAZ einen Artikel von morgen aus, dessen Lektüre aber kostenpflichtig ist. Die Internetausgabe der Jerusalem Post zitiert ihn, aber nicht in Sachen Deutschland. Hängt alles damit zusammen, dass die politischen Gespräche erst morgen beginnen, wundert mich aber trotzdem.
Tagesschau.de fällt aus dem Rahmen und berichtet bereits heute. Und das relativ interessant.

Heute nun erklärte Olmert in Berlin, seine Regierung habe der Armee freie Hand gegeben, das Vorgehen im Gaza-Streifen zu verschärfen. “Unsere Sicherheitskräfte haben die Erlaubnis, alles Nötige zu unternehmen, um die Lage zu ändern”, sagte er. Vizeregierungschef Haim Ramon drohte sogar mit einer gewaltsamen Entmachtung der Hamas. “Es wird ein paar Monate dauern, vielleicht ein Jahr”, sagte er. “Aber am Ende wird es die Hamas als Terror-Organisation nicht mehr geben.”

Im exzellenten Blog von Yaacov Lozowick liest man Ähnliches.

He claims the goals will be to de-fang the Palestinian ability to wage terror from Gaza; to get rid of the Hamas government; to create a situation similar to the West Bank where Israeli tactical intelligence gathering is smooth, uninterrupted, local, and highly efficient; and to change the status of the Egyptian-Gaza border so that someone reliable really controls it.

Es steht also zu erwarten, dass die IDF demnächst massiv im Gaza-Streifen aktiv werden. Die Anführer der Terroristengruppen verstecken sich offenbar schon.

According to Al-Quds, after Haniyeh was reportedly placed at the head of Israel’s assassination list, Hamas security took steps to increase security around the heads of the organization, especially Haniyeh. “Only a few of Haniyeh’s bodyguards know where he is,” the sources said.

Falls man die Herrschaft der Hamas in Gaza tatsächlich beseitigen will, ist die interessante Frage, was danach kommen soll. Eine von den Israelis durchgesetzte Herrschaft der Fatah und damit die Wiederangliederung ans Westjordanland erscheint unrealistisch. Mahmud Abbas steht ohnehin schon im Ruf, zu viel mit den USA und Israel zusammen zu arbeiten. Ausserdem ist fraglich, ob das überhaupt die Probleme lösen würde, deretwegen man die Hamas jetzt bekämpfen will.

Eine erneute Besatzung wäre ein Rückschritt und würde viele Opfer fordern. Andererseits würde sie den Israelis um den Gazastreifen herum wieder ein sicheres Leben ermöglichen. Und das ist schliesslich das Ziel.

Ein weiteres Gedankenspiel beinhaltet eine internationale Schutztruppe in Gaza, was für Israel natürlich komfortabel wäre. Aber wer ist schon so hirnverbrannt, sich freiwillig diesen Alptraum aufzuhalsen?

Ägypten jedenfalls nicht, obwohl manche das gerne sehen würden. Für Israel wäre auch das eine sehr gute Lösung, zumal man damit den Gazastreifen langfristig vom Westjordanland trennen könnte, somit die bisherigen Pläne für einen palästinensischen Nationalstaat zurück in der Schublade verschwänden und für das Westjordanland eine andere Lösung gesucht werden könnte. Ein Traum für die israelische Rechte.

Wie man sieht, sind alle guten Lösungen unmöglich und alle möglichen Lösungen schlecht. Und ob man von denen eine erreicht, steht auch nochmal auf einem anderen Blatt.
Man darf gespannt sein, wie sich Jerusalem entscheidet. Regierung und Armeeführung haben auch noch den verpatzten Sommerkrieg von 2006 im Gepäck und wissen sehr genau, dass sie den nächsten Krieg gewinnen müssen. Nicht nur für ihr eigenes politisches Überleben, sondern vor allem, um das Abschreckungspotential der IDF wiederherzustellen. Dass es einen nächsten Krieg geben wird, ist sicher.

  1. hm. das ist allerdings intäräsant!

  2. Die FAZ schreibt bei mir ab. ;)

  3. Noch eine sehr interessante Analyse von Benjamin Weinthal zu den deutsch-israelischen Beziehungen vor dem Hintergrund des Olmert-Besuchs:

    Berlin’s ambiguous relationship with Israel