Bilder aus Israel VII: Synagogenbunker

In Haifa besuchten wir die Synagoge einer reformierten Gemeinde. Weltweit sind etwa ein Drittel der religiösen Juden in Gemeinden dieser Prägung organisiert, in Israel stellen die reformierten Synagogen jedoch einen wesentlich geringeren Anteil. Wie wir von zwei ausgesprochen freundlichen Damen erfuhren, liegt der hauptsächliche Unterschied zu orthodoxen und konservativen Juden in der praktizierten Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Der Gottesdienst wird gemeinsam gefeiert und Frauen können Rabbinerinnen werden. Weitere Unterscheidungsmerkmale liegen in der weniger strengen Beachtung der in der Thora überlieferten Glaubensgesetze.

Die Synagoge, in der wir zu Gast waren, sah von außen und innen aus wie das Gemeindehaus einer modernen christlichen Gemeinschaft in Deutschland auch. Am Hang gebaut erstreckte sie sich über vier oder fünf Stockwerke. Neben dem Raum, in dem die Gottestdienste gefeiert werden, gab es eine Küche, Büros und einen Kindergarten.

Die hier untergebrachten Kinder waren wohl am meisten betroffen, als im Sommer 2006 die Stadt vom Libanon aus mit Raketen beschossen wurde. Bei Alarm mussten sie in Windeseile nach unten in den Bunkerraum und dort stunden-, manchmal sogar nächtelang ausharren. Das obige Bild zeigt eine Wand des Bunkers.

Die Leitern führen zu Luken, über die man irgendwie nach draußen kommt, wobei ich nicht genau weiß, ob man hinter den Türen noch durch irgendwelche Tunnel kriechen muss, um nach darußen zu kommen. Am linken Rand sieht man einen Teil einer großen dieselbetriebenen Maschine, mit der die Luft gefiltert werden kann. Dies wird nötig, sobald der Raum mit Hilfe der runden Scheiben versiegelt wird, etwa bei Giftgasalarm.

Wie die beiden Damen uns beschrieben, war es schon eine wahre Qual, den Kindern spielerisch beizubringen, wie sie gegebenenfalls auch alleine durch die Luken klettern könnten. Sich dann ganz echt und aus purer Lebensnotwendigkeit über lange Zeiträume in dem Bunker aufzuhalten ist logischerweise eine nochmals höhere Beanspruchung. Deshalb wurde der Raum so schön wie möglich gestaltet. Tatsächlich haben wir auch noch einen wesentlich hässlicheren Bunker von innen gesehen. Die Wände, Luken und Dichtungen sind mit Motiven aus Geschichten der jüdischen Tradition bemalt. In dem großen Rundbogen findet sich aber auch, als vorläufig letztes Element der Geschichte der Juden, die Flagge des modernen Staates Israel wieder.