Wenn man im letzten Herbst dem Rauschen im Blätterwald lauschte, so wurde einem auch ohne besonders viel Vorwissen über die Belange der Pflanzenwelt klar, dass es hier am gären ist. Gerade unter Bäumen ist die Unzufriedenheit groß über die Menschen und ihr Machwerk. Nicht nur die Menschen selbst werden immer größer, auch ihre Gebäude überragen viellerorts jahrhundertealte Holzriesen. Um die Menschen auf ihr selbstherrliches Verhalten aufmerksam zu machen und diesem entgegen zu wirken, nutze die Baumwelt bisher stets gewaltfreie Formen des Protests: Sie übten zivilen Ungehorsam und standen einfach im Weg herum, wofür sie nicht selten mit dem Leben bezahlen mussten, sie legten testamentarisch fest, dass ihr Zellstoff nur zur Herstellung von Umweltschutzbroschüren hergestellt werden dürfe und schlossen gelegentlich Pakte mit freundlich gesonnnenen Menschen, die dann ihrem Eigeninteresse entgegen Lobbyarbeit für die Bäume trieben. Erfolgreich war das alles nicht.
Nicht verwunderlich ist daher die Tat eines Baums in den mittleren Jahren in Bremen. Im Viertel ließ er sich einfach fallen und riss ein menschengemachtes Verkehrsschild mit in den Tod. Ob Menschen zu Schaden kamen ist zur Stunde nicht bekannt. Noch lange nach dem Attentat lagen Teile des Baums umher, sodass der Betrieb im Lokal Piano nicht ganz ungestört ablaufen konnte. Um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, hatten Sicherheitskräfte den Körper mit Kettensägen zerlegt, damit er keinen weiteren Schaden anrichte.
Der Baum war Zeit seines Lebens auch bei Menschen sehr beliebt und führte ein normales, unauffälliges Leben. Ob er Kinder hinterlässt ist nicht bekannt. Es wird abzuwarten sein, ob die totale Aufopferung im Kampf gegen die Menschheit ein Einzelfall bleibt oder ob das Bremer Vorbild Schule macht. Wenn ja, dann Gnade uns Gott.

No comments
Comments feed for this article
Trackback link
http://www.verbrochenes.net/2008/02/22/radikalisierung/trackback/