Am Samstag hat die Redaktion Verbrochenes mal wieder alles richtig gemacht. Vom Bundesligaspiel in Frankfurt hielten wir uns fern, stattdessen besuchten Joinsen und ich die Amateure von Werder, die jetzt U23 heissen und um einen Platz in der nächste Saison eingeführten Dritten Liga spielen. Dazu müssen sie in der oberen Hälfte der Tabelle landen und nicht mehr als ein anderes Zweitteam einer Profimannschaft vor sich haben.
Wer voreilig dem Link gefolgt ist, weiss, dass Werders Zweite doch tatsächlich Erster ist.
Das liegt an ihrem Sieg im Spitzenspiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf, dem wir beiwohnen durften. Fussball auf Platz 11 ist eine wunderbare Sache. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, dass fast alle Sachen, die in der Bundesliga nerven, dort nicht stattfinden. Keine Bullen im Block, keine Dauerbeschallung, kein Sicherheitswahn. Statt mit Abtasten wurden wir mit einem “Herzlich Willkommen!” begrüßt. Das Spiel verbrachten wir locker plaudernd und mit drei Fortunen hinter uns, die nonstop relativ lustigen Blödsinn über das Spiel redeten. Auf der Bank bei Fortuna sitzt Norbert Meier, dem ich die ganze Zeit “Lass dich fallen, Norbert!” zurufen wollte, es dann aber doch ließ, auch mangels Anlass. Die Leute hinter uns hatten zwischendrin ein Streitgespräch mit einem ihrer Ersatzspieler, der sie aufforderte, das Team zu unterstützen, statt die Auswechslung des wirklich miesen Markus Anfang zu fordern. Zwanzig Meter weiter hatte man sich auf den Linienrichter eingeschossen. Das schöne an nur 1300 Zuschauern ist ja, dass das Gepöbel auch ankommt.
Schiedsrichter Trautmann glänzte durch das beherzte Anschreien von renitenten Spielern. Die wiederum liessen es sich im Gegenzug nicht nehmen, zwei falsche Einwürfe nacheinander zu performen. Als ein anderes Mal der Ball nach einer Verletzung zurück zu den Bremern geworfen wurde und sich ein Düsseldorfer dem nun den Ball annehmenden Spieler recht früh näherte, glänzte Sandro Stallbaum mit dem Spruch des Tages: “Geh da weg!” rief er ihm zu. Muss man zwar dabei gewesen sein, um drüber zu lachen, aber die dreiste Aufforderung an den Gegner, nicht anzugreifen, dürfte im Fussball selten sein.
Während Bremer bundesligabedingt nur wenige da waren (was zwei szenekundige Beamte nicht fernhielt), hatten die Fortunen einen ganz guten Auftritt. Etwa 300 Menschen standen im hübsch beflaggten Block gegenüber und boten ihr Ultraprogramm, das zwischendrin einige mir unbekannte Teile hatte und ansonsten vor allem durch durchgehende Melodien überzeugte. Geht natürlich noch viel besser, aber angesichts einer Niederlage gegen Werder II war das schon hübsch.
Das Spiel unserer Mannschaft gefällt mir auch immer gut, denn da versammeln sich Hochtalentierte, die einen gepflegten Ball spielen. Gewonnen haben wir mit 2:0, was ich angesichts zahlreicher teilweise auf groteske Art vergebenen Chancen in der zweiten Halbzeit angemessen finde.
Nach dem Spiel guckten wir im Saal Bundesliga, was dann relativ frustrierend war. Ich hatte überlegt, ob ich mich hier nochmal über die Unfähigkeit der Schiedsrichter und offensichtlich auch der Regeln selbst aufrege, die nicht in der Lage sind, den überlegenen Fussballern auch zu ermöglichen, überlegenen Fussball zu spielen und stattdessen Tretertruppen regelmässig mit ein paar lauwarmen gelben Karten davonkommen lassen. Mache ich aber nicht.
Auf dem Heimweg konnten wir noch 3 junge Leute im Ultrastil sehen, die bereits mit dem Beseitigen der Düsseldorfaufkleber beschäftigt waren. Und das, obwohl sie uns völlig unbekannt waren. Die Jugend zeigt also bereits bemerkenswerten Einsatz, super.

6 comments
Comments feed for this article
Trackback link
http://www.verbrochenes.net/2008/02/24/spitzenreiter-2/trackback/
25. Februar 2008 at 16:06
jH
hm. schön und lustig, da wär ich gerne dabei gewesen :/
26. Februar 2008 at 09:01
C.H.
Und wie ist die Geschichte mit Stallbaum nun ausgegangen? Hat der Fortune angegriffen oder nicht?
26. Februar 2008 at 09:20
Joinsen
Er war so frech und hat tasächlich angegriffen. Wie der Zweikampf dann ausging, weiß ich nicht mehr, da ich so lachen musste.
26. Februar 2008 at 12:37
Wede
Ja, Amateurfußball hat schon was. War vor ein paar Wochen in Osterholz-Scharmbeck. War auch sehr nett. Geht ihr regelmäßig hin? Dann würd ich mich mal ganz frech anschließen beim nächsten Mal.
26. Februar 2008 at 15:30
Bonde
Wenn die Profis nicht spielen, ich selbst nicht spiele und ich nicht unter Schmerzen im Bett liege, gehe ich eigentlich immer hin. Immer!
26. Februar 2008 at 23:45
Joinsen
Eigentlich.