Februar 2008

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Freizeitspass

Wer einem ICQ6 Nutzer ” %020000000s ” schreibt, bringt damit dessen ICQ zum abstürzen. Ob es dann dauerhaft kaputt ist, weiss ich nicht, in meiner Kontaktliste hatte nur einer ICQ6. Und der ist jetzt offline.
Hier gibts Hilfe.

Nachdem sich trotz mindestens eines erwähnenswerten Ereignisses mehr als zwei Monate lang gar nichts mehr in der Antira-Rubrik des SVW getan hat, die inzwischen unter dem griffigen Titel “Anti-Diskriminierung” steht, ist dort seit heute die Ankündigung eines Vortrages über “die Geschichte der Juden im deutschen Fußball und bei Werder Bremen” zu finden. Dozenten sind Dr. Swantje Schollmeyer und Harald Klingebiel. Letztgenannten kann man als Haus- und Hofhistoriker des Vereins bezeichnen, bei seiner letzten größeren Arbeit beschäftigte er sich mit der Spielstätte der Bremer, dem Weserstadion. Der Vortrag passt ins Bild, seit einiger Zeit beschäftigt sich Werder endlich mit seiner Vergangenheit. Wie gut das gelingt kann man entweder bei besagtem Termin oder in der aktuellen Sonderausstellung zum gleichen Thema im Wuseum sehen.

Die Veranstaltung findet am Freitag, den 22. Februar um 19h im Medienraum der Ostkurve statt.

In den Kommentaren wurden wir auf eine interessante Studie aufmerksam gemacht:

Berlin (dpa) - Eine große Mehrheit der Jugendlichen in der Bundesrepublik ist stolz darauf, deutsch zu sein. Nach einer am Montag in Berlin veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Zwangsarbeiter-Stiftung bekannten 34 Prozent der 14- bis 18-Jährigen, sehr stolz zu sein.

52 Prozent sagten, sie seien etwas stolz, deutsch zu sein. Nur 9 Prozent waren weniger und 3 [drei!] Prozent überhaupt nicht stolz. Nach den Gründen für ihren Stolz gefragt, fielen den Jugendlichen allerdings die Antworten schwer. 21 Prozent sagten sogar, sie wüssten es nicht. 14 Prozent führten an, Deutschland sei ein tolles Land. 13 Prozent waren von seiner wirtschaftlichen Stärke beeindruckt.

Nur jeweils 6 Prozent führten ihr Stolzsein auf eine gute Politik und darauf zurück, in einem Rechtsstaat mit guten Bürgerrechten zu leben.

Konkret gefragt, gaben 86 Prozent der Jugendlichen im Widerspruch zu anderen Forschungsergebnissen als Grund an, in Deutschland gebe es gute Bildungschancen. 82 Prozent begründeten ihren Stolz mit dem deutschen Sozialstaat, und 73 Prozent meinten, Deutschland sei ein multikulturelles und tolerantes Land.

In der Minderheit, die gar nicht stolz ist, meinten 28 Prozent, Nationalitäten seien egal, alle Menschen seien gleich. 18 Prozent begründeten ihre Ablehnung mit der deutschen Nazi-Vergangenheit.

Zum Glück hat man den 95%, die mindestens ein wenig stolz auf Deutschland sind, offensichtlich noch ein paar suggestiv-verdächtige Fragen gestellt. Dass Deutschlands “Tollsein” als Begründung für Stolz taugen soll, rechtfertigt einen Blick ins Wiktionary:

toll (Deutsch)

Adjektiv

Bedeutungen:

[1] teilweise veraltet, teilweise regional: einfältig, anmaßend, verrückt, geistesgestört, besessen, schizophren

[2] an Tollwut erkrankt, tollwütig

[3] umgangssprachlich: großartig, unglaublich (Ausdruck der Bewunderung), sagenhaft

[4] abfällig in Anlehnung an [1], abwertende Beurteilung: einfältig, anmaßend, idiotisch, verrückt, schwachsinnig, geistlos, sinnlos

Es ist wieder da, the amazing pflastersteine, das Bruderblog aus Essen. Die Autoren versprechen zu bleiben und unterstreichen dies mit gleich zwei Beiträgen binnen Sekunden, in denen es jeweils um Dummheit beim Fußball geht. Wer regelmäßig in Stadien geht, braucht keine schlecht gemachte Volkszeitung, um etwas zum Bloggen zu haben. In der Sommerpause gucken wir dann Galileo, im Winter lachen wir zusammen mit israelischen Wissenschaftlern über ihre dummen deutschen Kollegen oder schütteln im Gleichtakt den Kopf.

Diesdas

Bei der FAZ habe ich gerade gelesen, wie das mit dem konstruierten Skandal um den Stasifan Christel Wegner eigentlich wirklich passiert ist.

Zugleich vertrat er [Gregor Gysi] die Auffassung, Frau Wegner habe wissen müssen, dass ihre Äußerungen der Partei schaden: „Das heißt, sie wollte uns schaden.Und das sieht doch sehr komisch und eher nach Verfassungsschutz aus.“

Der VS wird auch immer perfider. Jetzt bezahlen sie also schon ein DKP-Mitglied dafür, zu erzählen, wie sich die DKP den Kommunismus vorstellt. Warum das dem Gysi plausibler erscheint, als dass die Wegner besoffen von lauter Medienaufmerksamkeit ein bisschen zu ehrlich war, weiss ich wirklich nicht.
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Wo ich ja eh nur verlinken wollte: Bei der Achse des Guten ist man sich nicht zu schade, Gysi wegen des abhanden gekommenen SED-Vermögens anzugreifen, als ob der in den letzten Jahren nicht genug andere Hits gelandet hätte und als ob man nicht kurz vorher gerade Steuerhinterziehung als vernünftige Entscheidung gepriesen hätte. Da frage ich mich doch, ob ich nicht lieber SED-Vermögen auf die Seite schaffe, als Steuern in der BRD zu hinterziehen.
Ich fühle mich da als Leser immer ein bisschen persönlich beleidigt, wenn intelligente Leute mir so eine unverschämte Lagerberichterstattung (direkt von der FDP) anbieten. Wer jetzt zuerst “Selbstschuldwasliestedaauch” schreit, gewinnt 50 Cent.

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Lustiger gehts bei der Titanic zu:

„Greise Straftäter lachen über den Staat“

Nach dem Überfall zweier Rentner auf einen arglosen Gymnasiasten fordern Politiker und Kriminologen „spürbare“ Konsequenzen für greise Gewalttäter. Von einem Volksmusikverbot über Rentenkürzung bis hin zu Sterbehilfe reichen die Vorschläge


Ein TITANIC-REPORT von S. Gärtner und O. Nagel

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Aber es wird noch besser: Hapoel hat am Sonntag das Derby gegen Maccabi Tel Aviv gewonnen!
Fabio Junior, früher in Bochum aktiv, schoss erst in der 87. Minute die 2:1 Führung und in der Schlussminute das 3:1. Hapoel ist damit nun punktgleich mit Maccabi und zwei Punkte vor den Abstiegsrängen. Zur Erinnerung: In der Hinrunde hatte Hapoel nur ein einziges Spiel gewonnen, schönerweise auch das Derby. Im neuen Jahr gab es jetzt schon 4 Siege, 1 Unentschieden und 3 Niederlagen. In der israelischen 12er-Liga werden drei Runden gespielt, was erstens bescheuert ist und zweitens noch einen langen Abstiegskampf für Hapoel bedeutet.

Glückwunsch an die Ultras Hapoel und die verwunderte Frage, warum da Maccabifans auf der Webseite zu sehen sind, und was die wohl singen.

Be suspicious!

Was ich anders sehe als die Befreier: Es waren nicht nur Bismarck, Willhelm II und Hitler, die die Deutschen verführten; die Deutschen in ihren Vereinen und an ihren Stammtischen wollten verführt werden, groß werden und die Welt das Fürchten lehren. Viele wollen das bis heute. Das Deutschtum ist keine Krankheit, sondern eine Kultur.

Heute vor einem Jahr verstarb Tanja, Gott habe sie selig, am selben Tag hob sich verbrochenes.net aus der Taufe. Den Moment, in dem dieses Blog nun ein Jahr alt wurde, feierten die Autoren von 88,2% seiner Beiträge mit einem eigens arrangierten Konzert von Egotronic. Im Laufe des heutigen Tages erwarten wir zahlreiche Glückwünsche in den Comments und auf der nonvirtuell zwischenmenschlichen Ebene. Doch uns ist völlig klar, dass es nichts umsonst gibt und dass anspruchsvollen Lesern wie ihr es seid eine simple Aufforderung wohl kaum zum aktiv werden reichen wird.

Zunächst einmal ist es vielleicht hilfreich, wenn wir wissen, mit wem wir überhaupt reden. Wenn wir eines aus dem amerikanischen Wahlkampf lernen können, dann die überwältigende Wirkung der Nennung des Herkunftsortes der Adressaten auf ihre Einstellung gegenüber dem Redner. Ich grüße also ausdrücklich unsere Leser in Israel, den USA, England, Irland, Argentinien, Finnland, Dänemark, Norwegen, Polen, Österreich, Schweiz, Russland, Deutschland, Neuseeland, Spanien, Frankreich, Belgien, Mallorca und Indien, wobei letztere mit ersteren identisch sein dürften.

Wie ihr merkt, wissen wir wo ihr wohnt. Und nicht nur das. Wir wissen welches Betriebssystem ihr nutzt, welchen Browser und mit welcher Bildschirmauflösung ihr das Blog betrachtet. Das ist langweilig. Viel spannender ist, warum ihr zu uns kommt. Bei denen, die Suchmaschinen nutzen, ist das oft besonders lustig.

Wann kommt ihr zu uns? Abends. Zwischen ein Uhr nachts und zehn Uhr morgens schlaft ihr vernünftigerweise überwiegend. Zwischen 13 und 20h kommen gleichmäßig viele, von neun bis Mitternacht ist Rush Hour. Habt ihr keine Freunde, die ihr besuchen könnt?

Inzwischen kann man nämlich nicht mehr davon ausgehen, dass ihr uns als Freunde habt, so viele uns persönlich zugeneigte Menschen gibt es gar nicht. Anfangs hatten wir zwischen 1 und 22 Besuchern am Tag, das wäre noch im Rahmen regionalistischer Netzwerke durchgegangen. Am 27. Februar bemerkte uns erstmals jemand aus der großen weiten Welt, verlinkte uns prompt und bescherte uns damit satte 126 Menschen, die einen Beitrag über Jan Ullrich lesen wollten. Niemand wollte uns längerfristig treu bleiben, am 4. März kamen wieder nur neun Menschen zu uns. Am 6. März wurde Herbert Kujan geboren. Am 7. März hatten wir bis dato nicht wieder erreichte 2874 Besucher, dank Herbert. Vielleicht aber auch dank BILDblog, wo man einen Artikel zum Thema deutsche Opfer in Bild und TV verlinkte. Noch Monate später waren Echos dieses Besucherbebens zu spüren, das uns unerwartet getroffen hatte. Von da an machten wir feinste Qualitätsarbeit und biederten uns in der antideutschen Szene an. Außerdem streuten wir immer mal wieder Texte für die deutsche Ultraszene ein, in der ein nicht zu stillener Hunger nach Berichten von Fankongressen und Gedanken zur politischen Ausrichtung von Fangruppierungen herrscht. Inzwischen freuen wir uns über eine ganze Menge Stammkunden (ja, für uns seid ihr Kunden) und möchten euch an dieser Stelle ganz besonders für eure Treue danken.

In Haifa besuchten wir die Synagoge einer reformierten Gemeinde. Weltweit sind etwa ein Drittel der religiösen Juden in Gemeinden dieser Prägung organisiert, in Israel stellen die reformierten Synagogen jedoch einen wesentlich geringeren Anteil. Wie wir von zwei ausgesprochen freundlichen Damen erfuhren, liegt der hauptsächliche Unterschied zu orthodoxen und konservativen Juden in der praktizierten Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Der Gottesdienst wird gemeinsam gefeiert und Frauen können Rabbinerinnen werden. Weitere Unterscheidungsmerkmale liegen in der weniger strengen Beachtung der in der Thora überlieferten Glaubensgesetze.

Die Synagoge, in der wir zu Gast waren, sah von außen und innen aus wie das Gemeindehaus einer modernen christlichen Gemeinschaft in Deutschland auch. Am Hang gebaut erstreckte sie sich über vier oder fünf Stockwerke. Neben dem Raum, in dem die Gottestdienste gefeiert werden, gab es eine Küche, Büros und einen Kindergarten.

Die hier untergebrachten Kinder waren wohl am meisten betroffen, als im Sommer 2006 die Stadt vom Libanon aus mit Raketen beschossen wurde. Bei Alarm mussten sie in Windeseile nach unten in den Bunkerraum und dort stunden-, manchmal sogar nächtelang ausharren. Das obige Bild zeigt eine Wand des Bunkers.

Die Leitern führen zu Luken, über die man irgendwie nach draußen kommt, wobei ich nicht genau weiß, ob man hinter den Türen noch durch irgendwelche Tunnel kriechen muss, um nach darußen zu kommen. Am linken Rand sieht man einen Teil einer großen dieselbetriebenen Maschine, mit der die Luft gefiltert werden kann. Dies wird nötig, sobald der Raum mit Hilfe der runden Scheiben versiegelt wird, etwa bei Giftgasalarm.

Wie die beiden Damen uns beschrieben, war es schon eine wahre Qual, den Kindern spielerisch beizubringen, wie sie gegebenenfalls auch alleine durch die Luken klettern könnten. Sich dann ganz echt und aus purer Lebensnotwendigkeit über lange Zeiträume in dem Bunker aufzuhalten ist logischerweise eine nochmals höhere Beanspruchung. Deshalb wurde der Raum so schön wie möglich gestaltet. Tatsächlich haben wir auch noch einen wesentlich hässlicheren Bunker von innen gesehen. Die Wände, Luken und Dichtungen sind mit Motiven aus Geschichten der jüdischen Tradition bemalt. In dem großen Rundbogen findet sich aber auch, als vorläufig letztes Element der Geschichte der Juden, die Flagge des modernen Staates Israel wieder.

Chaoze One

Wenn die “Böhsen Onkelz” die sozialdemokratischste aller Nazi-Bands sind, dann ist Chaoze One ihre Entsprechung auf der linksradikalen Schiene.

Der Rapper aus Süddeutschland ist gesellschaftskritisch und spricht die sozialen Probleme im Land an.

wie jeden abend steht sie brav am herd und kocht
sie macht das wirklich gern auch wenn der alte immer motzt
denn sie liebt ihn ja, und das gehört sich doch so
frau wird von klein an schon für die küche erzogen
eigentlich hatte sie sich das anders vorgestellt

So singt er im Lied “Aufprall” und man muss nicht lange überlegen, wo man das wohl alles schon einmal besser gesehen hat: Jeden Sonntag im Tatort werden solche Zustände vorgeführt und kritisiert. Das ist Teil des gesellschaftlichen Diskurses, dessen Funktion Chaoze One durchaus durchschaut hat, wie er im selben Lied zeigt:

internet & tv wirkt wie arsen auf die masse
wohl dosiert, damit hier keiner rebelliert

Was ihm aber offenbar nicht bewusst ist, ist, dass er selbst Teil dieses Diskurses ist, dass er denselben Job wie der Tatort oder die taz macht. Er bedient alle Klischeethemen, soziale Kälte, Überwachung, Armut, Konsumfixierung, Kriminalität und so weiter, und er steht damit mitten in der Gesellschaft.
Das kann er sich auch nicht vor Augen führen, denn er hält die Gesellschaft und den demokratischen Diskurs schliesslich für schlecht. Er lehnt den Diskurs ab, ohne das zu begründen und sieht nur eine Lösung für all die Probleme, natürlich auch ohne das begründen zu können.

jump jump fi da revolution / what’s di solution? REVOLUTION!

Revolution wofür? Das kann er natürlich nicht beantworten, und würde man ihn fragen, das Phrasengewitter wäre sicher nicht auszuhalten. Dass es von allen politischen Seiten alle möglichen Antworten auf die Probleme gibt, muss man aber ignorieren, will man sich als besonders radikal und durchblickerisch geben, die Revolution als einziges Mittel ausrufen aber keinerlei Argumente dafür nennen.

Wahrscheinlich kennt er seine Schwäche, liest man auf seiner Homepage doch einen herbeizitierten Freispruch vom Oberschmock im deutschen Hiphop:

Oder wie Hannes Loh passend in der Intro verfasst hat: “Er ist kein Phillie MC, der das wunde Gewissen rotgrüner Gutmenschen mit kitschigem Antifa- Gesülze salbt, er ist kein Autonomer, der rappt, er ist ein Rapper, der autonom denkt und reimt.” Und das merkt man. Meint Hannes.

Das Leugnen hilft aber wenig, wenn im nächsten Satz eine andere Lobpreisung die Wahrheit schön andeutet:

Selbst der Übersteiger aus dem Herzen von St. Pauli formuliert hochtrabend: “der junge Rapper (…) hat den Support durch andere nicht ernsthaft nötig. Musikalisch und textlich oberstes Level, und fürwahr hat das Einmann-HipHop-Projekt das Zeug dazu, zu einem der besten Acts in diesem unseren Lande zu werden”.

Nun wäre das ja alles schön und langweilig, wenn da nicht dieser radikale Anspruch wäre, den der Künstler und seine Fans offensichtlich stellen. Wo man Chaoze One abseits von Sozialromantik politisch verorten soll, lässt sich auf seiner Homepage erahnen. Gerne hat er auf einer Konferenz der DKP und ihres Jugendverbandes, der SDAJ teilgenommen. Das erste, was dazu zu sagen ist, ist natürlich eine Distanzierung. Das finde ich vernünftig, wenn man sich mit der selbsternannten deutschen Jugend trifft. Die Teilnahme bedeute “nicht automatisch eine Mitgliedschaft in einer der beiden Gruppen.” Also fährt man mal hin, aus einem schlechten Grund: “Nachdem wir erfuhren wer die weiteren Diskussionsteilnehmer sein werden fanden wir die radikale, außerparlamentarische und erst recht schwarzgeblockte Ecke zu unterbesetzt“.
Da fragt man sich, wo die überall noch hinfahren müssen, wenn das das Kriterium ist. Und natürlich, was die radikale Apo-Schwarzblockecke denn inhaltlich so zu bieten hatte. Das erfahren wir leider nicht, aber wir können ganz beruhigt sein, der Rapper hat “Akzente gesetzt”:

So hat Chaoze dann auch direkt in seiner ersten Wortmeldung die Kontroverse entbrannt und sowohl beim NPD Verbotsverfahren als auch beim anstehenden 1. Mai Akzente in der Diskussion gesetzt.

Die Nachricht auf der Homepage beinhaltet also folgende Infos: Er war bei der DKP, ist aber nicht in der DKP; er war da, weil sonst keiner wie er dagewesen wäre, und er hat eine Meinung zum Thema, über das diskutiert wurde; die ist aber nicht wichtig genug, um sie uns auch mitzuteilen.
Das ist nicht nur elend, das sieht auch elend aus.

Klarer ist seine Meinung zu amerikanischen Soldaten. Wo die sind, will er nicht auftreten. 2006 hatten die Veranstalter eines Heidelberger Volksfest bei ihm angefragt, ob er dort nicht auftreten wolle. Will er nicht, weil er und seine Kollegin sich “als Kriegsgegner empfinden. Insofern scheint unsere Absage schlüssig.” Tut sie nicht, ist sie auch nicht, aber jetzt erklärt er mal, warum er nicht nicht für die Amis singen mag.

Gerade durch die zeitliche Nähe zum Jahrestag der antiamerikanischen Anschläge vom 11. September 2001 möchten wir jedoch betonen, dass es uns nicht um den urdeutschen durch die Niederschlagung des Naziregimes erlernten antiamerikanismus Reflex geht sondern um die pure Abneigung gegenüber allen Streitkräften dieser Welt. [...] Nichtsdestotrotz stehen wir weder der Bundeswehr noch den US Streitkräften für ein Gastspiel zur Verfügung.

Mit antifaschistischem Gruß
Chaoze One

Nun kann man schwerlich Antifaschist sein und sich dem schwarzen Block zurechnen, wenn man Gewalt ablehnt. Pazifist wird er also kaum sein. Wieso dann die Ablehnung gegenüber “Streitkräften“? Vielleicht ist die Gewalt nur dann gut, wenn man sie selbst ausüben kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Vielleicht findet sich in der Gleichsetzung von Bundeswehr und US Army doch der vorauseilend geleugnete “urdeutsche Reflex”.
Vielleicht ist Chaoze One aber auch einfach nur ein Dummschwätzer, der selbst keinen blassen Schimmer hat, wovon er eigentlich redet.

Wie auf tagesschau.de nachzulesen ist, kritisieren einige Unionspolitiker die Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, die dieser anlässlich seines Besuchs in Deutschland zum Thema Integration gemacht hat. Zurecht, und doch völlig falsch.

Erdogan hatte beklagt, dass die türkischstämmigen Menschen in Deutschland assimiliert würden und dies als “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” bezeichnet. Außerdem hatte er türkische Schulen mit Lehrern aus der Türkei vorgeschlagen. Speziell dieser Vorschlag ist sachlich gesehen erst einmal einfach nur dumm. Den Schülern ist nicht geholfen, wenn sie die Sprache eines Landes lernen, in dem sie höchtswahrscheinlich nie leben werden, die meisten vermeintlichen Türken sind hier geboren und werden auch hier sterben. Dieses Argument wird aber bei Erdogan kaum auf Anerkennung stoßen, in seinen Augen sind und bleiben die Nachfahren türkischer Eltern Türken. Damit sind seine Äußerungen nicht nur nationalistisch, sondern obendrein noch rassistisch: Das Türkentum wird vererbt.

Politiker aus CDU und CSU kritisieren nun den türksichen Regierungschef wegen seines Nationalismus. Erwin Huber (CSU) sagte etwa: “Erdogan hat türkischen Nationalismus auf deutschem Boden gepredigt.” Aber halt, wo kommt denn plötzlich der deutsche Boden her? Leider ist dieser für Huber und Konsorten unglaublich wichtig. Man kann ihnen nämlich durchaus unterstellen, dass deutscher Nationalismus auf deutschem Boden für sie kaum ein Problem darstellt, wie sie es bei Erdogan jetzt erkennen. Das haben zuletzt der Wahlkampf in Hessen, davor die Debatten um Zuwanderung, das “Schicksal” der deutschen Vertriebenen und die ganzen anderen deutschen Themen gezeigt. Und dieser Tradition entsprechend wehrt sich Bosbach nun gegen türkische Einflussnahme bei der Integration. Deutscher Boden, deutsches Volk, deutsche Politik.

Wenn man sich von der Union aus noch ein Stückchen weiter nach rechts bewegt, wird man für eine weitere mögliche Deutung des Huber-Zitats Vertreter finden: Jedes Volk hat das Recht auf seinen Nationalismus, aber bitte nur im eigenen Land. In diesem Fall also türkischer Nationalismus auf türkischem Boden, deutscher Nationalismus auf deutschem Boden. Unter diesen Prämissen könnten sich die deutschen und die türkischen Dummköpfe doch prima verständigen.

Bessere Ergebnisse würde man allerdings erzielen, wenn die Deutschen den Türken erlauben würden, sich beim Thema Integration, das ihnen augenscheinlich wichtig ist, mitzuwirken, und diese die Mitwirkung ohne die oben kritisierten Populismen gestalten würden. Dann hätten jedoch beide aufgehört, als Nation zu existieren.

Es ist doch erstaunlich, wie lange sich der Mittelweg zwischen krassem Nationalismus und seiner Abschaffung hält. Und die Leute lieben es so. Klar sind Internetumfragen Müll, aber die von tagesschau.de signalisiert mir zumindest, dass ich mit meinen Wünschen nicht weit kommen werde.

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