März 2008

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Referer

Zuletzt fanden Leute mal wieder über zwei bemerkenswerte Suchbegriffe auf unsere Seite.

1. Also, gestern hat man einen Taliban bei uns in der nähe zusammen geschlagen

2. Durchgefickte Islamisten

Für beide Suchbegriffe gibt es keine richtig passenden Ergebnisse, vielleicht sollten wir diese Lücke füllen und uns auf zusammengeschlagene Taliban und durchgefickte Islamisten spezialisieren.

Die Frage: Was zeigt die Grafik, die ich heute bei Wikipedia fand?

raetsel.jpg

Die erste richtige Antwort gewinnt eine Flasche Bier.

Dieser Tipp wird Ihnen locker-flockig präsentiert von der verbrochenes.net-Lebensberatung. Wer es damit immer noch nicht auf die Reihe kriegt, ist dumm.

Es steht wieder ein großes Fußballturnier vor der Tür, ein Sommer mit viel Fußball, ein Sommer mit viel Deutschland. Die Werbeindustrie hat sich natürlich längst schon drauf eingestellt.

Snickers fährt unter der Leitung von Elton, dem (ehemaligen?) Gehilfen von Stefan Raab, mit ALLEMANN INS FINALE. Natürlich denkt man bei der Sprache und dem Geschrei an Armee, wer will es Elton also übel nehmen, dass er mindestens zwei Dutzend Rekruten in ein viel zu kleines Auto packt und damit nach Wien fährt? Da war mal was? Ja, stimmt schon, aber das war einmal.

Wenn man Snickers diese Kampagne verübelt, dann kann man bei Pilsner Urquell gleich weitermachen. Dort wirbt man nämlich seit Neuestem mit dem Slogan „Müsste eigentlichaus Deutschland kommen …“ Na Mensch, dann lassen wir die Truppe doch da auch gleich mal vorbeifahren, das kriegen wir schon hin. Wär ja auch nicht das erste Mal.

Muss man das ernst nehmen? Nein. Ich hasse diese Menschen trotzdem.

Dietmar Dath veröffentlicht etwas Neues und zwar keinen Roman, sondern eine Streitschrift. Revolutionär wird es zugehen, glaubt man dem Verlagstext:

Wie soll man die Maschinen stürmen, um sie in Besitz zu nehmen? Kann man die moderne Arbeitsteilung beibehalten, aber die Hierarchien, Abhängigkeiten und das Unrecht loswerden, die an ihr kleben? Was haben die Industrie, der von ihr geschaffene Reichtum und der von ihr ausgeworfene Schmutz mit Freiheit zu tun?

Am schnellsten und bequemsten kommt man vermutlich durch eine Vorbestellung bei Amazon an dieses 10‚¬ billige Heft. Das schöne an Dietmar Dath ist, dass es selbst, wenn es sich als inhaltlicher Quatsch herausstellen sollte (unwahrscheinlich!), wunderbar zu lesen sein wird.

Der neue Nachbar von unten beendete meinen bitter nötigen Schönheitsschlaf gerade mit folgender Auswahl:

Absolute Beginner – Füchse
Absolute Beginner – Rock on
REM – Losing my Religion
REM – Unbekannter Titel
Genesis – I can´t dance (Wenn er wüsste, wie nah er dem Tod in diesen Minuten war…)
Alanis Morissette – Ironic
Robbie Williams – Rock DJ

Die weiteren Titel konnte ich am Bass nicht erkennen. Ich höre nämlich tatsächlich fast nur den Bass und bin erstaunt, dass ich Titel daran erkennen kann. Die Zusammenstellung ist wahrscheinlich so auch für ihn nur zu ertragen, weil ausser dem Bass kaum etwas zu hören ist. Angesichts von Wänden wie aus Seide leide ich aber sehr darunter. Erste Sanktion könnte das Abstellen des WLANs für ihn sein.

Eben lief noch Seeed, jetzt läuft „Word Up“, von wem auch immer.

Früher, in der Pubertät, war es irgendwie schick, sich vom Mainstream abzusetzen. Das äusserte sich dann zum Beispiel darin, dass man gute Rapper immer genau ein Album lang uneingeschränkt gut finden konnte. Danach hatten sie, weil sie gut waren, leider soviel Erfolg, dass man das zweite Album nicht mehr gut finden konnte, schliesslich fand das dann jeder gut. Und nichts ist schlechter als das, was alle gut finden. Was für erfolgreiche Rapper galt, galt für Pop natürlich von vornherein. Denn Pop ist so ziemlich genau das, was alle gut finden können. Mit der Abgrenzung davon konnte man sich selbst sehr einfach sehr cool finden. Um was für Freuden man sich brachte, wurde angestrengt ignoriert. Dabei macht Pop so glücklich.

Was die ehemals noch „echten“ Rapper anging, war natürlich das Geld der Faktor, der sie uncool machte. Wie konnte man denn sowas Heiliges wie eine Subkultur für Geld an den Pop verkaufen? Das war definitiv Hochverrat. Heute schaut man sich händeringend nach einer Möglichkeit, bequem möglichst viel Geld zu verdienen, um. Was könnte es Besseres geben, als Musik für Massen zu machen und dabei unfassbar viel Geld zu verdienen? Ich kann jeden Idealisten, der diese Möglichkeit hat und nicht nutzt, nur bedauern. Denn Geld macht glücklich. Lohnarbeit bietet ähnliche Möglichkeiten des Konsums. Sie ist viel anstrengender, hat aber denselben Effekt: Man kann konsumieren. Und da wird einem dann klar, wie glücklich Konsum macht. Einfach mal losgehen und irgendwas kaufen. Am besten ein glänzendes Markenprodukt, das nobel daher kommt und dessen Nutzwert auch für die Hälfte zu haben gewesen wäre. Um den Bogen zurück zum Sellout-Rapper zu schlagen: Der kann das alles jeden Tag haben und musste nicht einmal dafür arbeiten. Und alles, was ihm dafür einst vorzuwerfen war, war, dass er Musik gemacht hat, die vielen gefallen hat.

Und das auch noch völlig zu recht. Was für grossartige Dinge die Popkultur hervorgebracht hat! Ein Best Of von Madonna z.B. bietet diverse grossartige Tracks. Kürzlich hörte ich im Radio ein wundervolles Poplied, dass ich jetzt innerhalb weniger Tage tothören werde, was mich in dieser Zeit etwa 30x glücklich macht. Natürlich gibt es da auch viel Scheisse, aber der Punkt ist: Etwas abzulehnen, nur weil es alle gut finden, ist unfassbar dumm. Trotzdem halten es viele so. Und verpassen dabei so einiges.

Nun lässt sich dagegen argumentieren, dass es doch ziemlich primitiv ist, sich glücklich zu kaufen. Und dass man eigentlich dafür kämpfen müsste, dass wir uns nicht mehr über Arbeit und Konsum definieren. Klingt auf jeden Fall vernünftig, ist für die Praxis aber doch denkbar ungeeignet. Denn der Kampf für ein anderes Selbstverständnis, für ein anderes System, für andere Wege, glücklich zu werden, ist selbst eben kein Weg zum Glück. Vielmehr beinhaltet er ein Heilsversprechen für die Zukunft, in der dann alles besser wird. Bis dahin muss mehr oder weniger verbissen gearbeitet werden. Und wer für etwas Neues kämpft, sollte das Alte natürlich ablehnen und sich nicht noch daran erfreuen. Das Resultat ist dann erstmal Verbissenheit statt Konsumglück. Wie der Rapper, der keinen Ausverkauf betreibt, kann man damit arm, aber sexy sein. Ich bevorzuge das Instant-Glück aus dem Kaufhaus.
Nun wird man einwenden, dass Menschen, die weniger primitiv als ich sind, eben auch anders glücklich werden können. Das ist natürlich richtig, geht aber am Thema vorbei. Denn ich unterstelle einfach jedem, dass er gerne einen neuen Laptop, gemütliche Sneaker oder einen geilen MP3-Player hätte; dass ihn das – oder andere Waren – auf jeden Fall sofort glücklich machen würde. Das verhindert ja nicht, dass man am gemeinschaftlichen Karnickelzüchten Freude hat.

Wirklich störend ist der Glauben der Konsumkritiker, sie seien moralisch überlegen, weil sie lieber grübeln als zu feiern und zu kaufen. Lieber mal alle Menschen (und das System, natürlich) scheisse finden und darüber selbst depressiv werden, als den Spass mitzunehmen, den man so abgreifen kann. Als Lohn dafür verspricht man sich selbst die genannte moralische Überlegenheit. Die ist gratis und umsonst. Gerne kann man das auch verallgemeinern und zur umfassenden politischen Einstellung machen. Beispielsweise sind die Amerikaner, für die Konsum und Eigentum sehr wichtig sind, ein beliebtes Feindbild der Menschen mit dieser Einstellung. Dumm und primitiv sind sie, weil sie doch offensichtlich so wenig nachdenken, so viel einkaufen und sich dafür nicht einmal schämen. Scham und Demut sind hier doch deutlich angesehener, vielleicht hat das was mit Katholizismus zu tun?

Dieser Beitrag erscheint in der inoffiziellen Kategorie „Einfach mal lose subjektive Gedanken aufschreiben und wenn mir nichts mehr einfällt, den ganzen unstrukturierten Kram veröffentlichen“. Fielen nicht die meisten Beiträge in diese Kategorie, wir hätten verbrochenes.net schon längst für 2 Millionen Euro an Holtzbrinck verkauft.

Titeltrack (mp3)

Werder hat sich in der „Anti-Diskriminierung“ Rubrik auf der Homepage mal wieder selbst übertroffen.

Über Fußbälle und einen ganz besonderen Trikotsatz durfte sich die Breakthrough Sports Academy in Sambia freuen. Denn die Trikots aus der Saison 2000/2001, in denen die Kinder und Jugendlichen seit kurzem trainieren und spielen, gelten fast schon als Raritäten.

Sie haben also alte Trikots zu verschenken gehabt und diese nach Afrika geschickt. So weit, so gut. Wie eigentlich immer in dieser Rubrik ist die Frage, was das jetzt mit Anti-Diskriminierung zu tun hat. Hätte man diesen Eintrag gemacht, wenn man die Trikots in Deutschland verschenkt hätte? Oder nach Russland, oder sagen wir einfach: An Weisse? Nein, natürlich nicht.
Wenn ein reicher Verein alten Kram an Schwarze verschenkt und sich das als Aktion gegen Diskriminierung bescheinigt, dann zeigt sich darin nichts anderes als der eigene Rassismus. Was für ein peinliches Eigentor.

Alle Bilder sind in Tel Aviv entstanden. In Haifa gab es eine Wand mit Sachen, die nicht so superduper waren. In Jerusalem waren wir ja nur in der Altstadt und haben nichts relevantes entdecken können.

Interessant ist vielleicht noch, dass im ganzen Land zumeist blaue, relativ kleine Davidssterne mit kurzen, hebräischen Slogans (oder ist es immer der gleiche Slogan?) daneben zu sehen sind. Im zweiten Bild von oben sieht man einen solchen Stern am linken Bildrand. Laut unserem Guide wird damit die Unterstützung für die israelische Armee ausgedrückt.

Wir bekamen auch ein paar Tags der Ultras Hapoel zu Gesicht, die wir aber mit voller Absicht nicht fotografierten, weil sie nicht sonderlich schön waren.

Machen wir daraus doch mal ein Ratespiel: Von wem kommt dieses Zitat? Jede Wette, dass ihr auch beim tausendsten Versuch nicht drauf gekommen wärt: Es handelt sich um den Vorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Franz Pany, geboren 1957 in Heidelberg.

Der Satz bezieht seine Komik aus dem alljährlichen und intern wahrscheinlich sogar ganzjährigen Klagen über das, was diese Deutschen (oder zumindest ihre Vorfahren) vor über sechzig Jahren erleiden mussten, nachdem sie (in Kooperation mit den deutschen Volksgenossen) Elend über den ganzen Kontinent gebracht hatten. Und natürlich ist dieser Ausspruch nicht die Aufgabe der Ansprüche und Anklagen gegen Tschechien, lediglich die besten Freunde des „vierten Stammes der Bayern“ bekommen die Absolution. Der Fraktionchef der CSU im bayerischen Landtag, hatte es nämlich gewagt, die Sudetendeutschen mit „zugewanderten Muslimen“ zu vergleichen. Dafür wurde er scharf kritisiert, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung in der bayerischen Blutsbande.

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