April 2008

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Nicht neidisch

Lizas Welt wird die nächsten gut zwei Wochen in Israel verbringen und sich dabei auf dem Golan an einem Gläschen Yarden-Wein erfreuen, im Negev die Grabstätte Ben Gurions besuchen und bei den Gedenkfeierlichkeiten zum Yom HaShoah in Yad Vashem sein. Und am 8. Mai natürlich gemeinsam mit vielen anderen den runden Geburtstag Israels in der israelischen Hauptstadt Jerusalem feiern.

So paradiert man nebenan mit seinen Reiseplänen herum. Aber wen soll das beeindrucken? Wir sind nicht neidisch und haben dafür gute Gründe.

1. Was ist das für ein Land, in dem Lothar Matthäus vom Tabellenzweiten als Trainer verpflichtet wird? Sicher kein schönes, sicher ist es dort sehr langweilig. Und bittesehr, soll Lizas Welt doch Maccabi gucken, hier ist Derby. Das ist auch nur zwei Mal im Jahr und diesmal sogar auf einen Mittwoch.

2. Was ist das für ein Wetter, das da für Jerusalem gemeldet wird? Die nächsten sechs Tage lang ungetrübter Sonnenschein bei 18-21 Grad. Die klare Luft im 700m hoch gelegenen Jerusalem reizt uns überhaupt nicht. Wir fühlen uns wohl bei Dauerregen und 10 Grad, wir mögen das und geniessen einfach mal die Zeit in Bremen.

3. Golan? Negev? Das ist sicher nichts, was man in Norddeutschland nicht auch an jeder Ecke geboten kriegt. Wir planen bereits Tagesausflüge auf den Weyerberg und in die Lüneburger Heide. Das ist auch nichts anderes.

4. 60 Jahre Israel? Ach bitte. Was haben die schon zu feiern, was haben die denn schon erreicht? Da werden dann ein paar Hände geschüttelt und Reden gehalten, viel mehr wird dort kaum geboten werden. Und in Deutschland wird schliesslich bald in den Mai getanzt! Das wird eine Sause, da wird mal richtig gefeiert. Mit ehrlicher Freude und einem tollen Anlass, dem Mai.

5. Bilddokumenten zufolge, die verbrochenes.net vorliegen, sind Lizas Reisepläne ohnehin von vorne bis hinten gelogen. Heute morgen wurde das dreiköpfige Lizas Welt Team (Helmut Markwort, ein Heilbronner Friseurslehrling und Justus Wertmüller) an der Nordseeküste gesehen, wie es gerade die Fähre nach Helgoland betrat. Nach Israel geht es anders, meine Herren! Offensichtlich handelt es sich bei den publizierten Reiseplänen also nur um einen weiteren verzweifelten Versuch, Kompetenz vorzutäuschen, um anschliessend aufrichtige Israelkritiker zu verleumden.

Zwei wunderbare Beispiele für falsche Benutzung von Statistiken:

1. Die schlicht dämliche Variante: „Wir sind sehr stolz darauf, dass es in Hamburg mehr Werder-Fanclubs gibt als es in Bremen HSV-Fanclubs gibt.
In Hamburg gibt es ziemlich viele Sachen öfter als in Bremen. Wundersamerweise oftmals gut drei Mal so viel wie in Bremen. Schuhe zum Beispiel. Oder Kochtöpfe. Autos. Friseure. Supermärkte. Balkone. Es gibt sogar über drei Mal soviele Hamburger wie Bremer! Aber sag das mal einer dem Dachverband Bremer Fanclubs.

2. Die tendenziöse Variante: ‚Golan belongs to the Jewish people‘
Heads of Golan communities: We’ll keep building in Golan; 80% of Israelis against ceding Golan Heights.

Kurze Erklärung: Die Golanhöhen sind strategisch wichtig im Norden Israels gelegen, wurden 1967 erobert und Syrien abgenommen, später dann annektiert und besiedelt. Nun steht theoretisch wieder die Möglichkeit einer Rückgabe an Syrien im Raum, gegen die natürlich von der israelischen Rechten Front gemacht wird. Bei der Jerusalem Post sieht das dann so aus, dass diejenigen, die ein unmittelbares Interesse daran haben, dass der Golan israelisch bleibt, nämlich vor allem die Juden, die dort leben, ausführlich zu Wort kommen. So schafft es die Aussage, dass 80% der Israelis gegen eine Rückgabe seien, bis in den Teaser auf der Hauptseite. Im Text liest man dann, wie diese Zahl zustande kommt:

We have been living on Israel’s quietest border for many years and the Israelis who come here to visit say in opinion polls that 80 percent of them are not willing to make concessions on the Golan.

Es geht also gar nicht um „die Israelis“, die irgendeine Meinung haben, sondern um diejenigen Israelis, die den Golan besuchen und mit den dort lebenden Menschen sprechen. Dass das bereits eine wichtige Vorauswahl ist, die nur die am Leben auf dem Golan interessierten Menschen einschliesst und alle anderen Israelis aussen vor lässt, scheint der JPost nicht aufzugehen, so sie es nicht ganz oder halb bewusst weggelassen hat. Genauso gut könnte man alle Fans von Werder fragen, ob der SVW für immer Deutscher Meister sein soll und das Ergebnis hinter her mit „94% der deutschen Fussball-Fans wollen, dass Werder für immer Deutscher Meister ist.“

Übrigens halte ich die gerade ins Spiel gebrachte Rückgabe des Golan ohnehin für illusorisch. Die vernünftigen Bedingungen, die daran geknüpft sein müssen, wären im Rahmen eines Friedensvertrags mit Syrien u.a. ein Ende der Unterstützung für Terrorgruppen wie Hisbollah und Hamas, eine Einigung über das Wasser des Jordan und eine Demilitarisierung des Golan. Das alles kann sich Syrien als Juniorpartner des antisemitischen iranischen Regimes aber nicht erlauben.
Sollte Syrien sich in Zukunft aber tatsächlich anders orientieren, wäre es ein guter Tausch. Man gibt den Golan zurück und erhält damit einen Frieden im Norden, wenn die Hisbollah im Libanon nicht mehr durch Syrien gestützt wird. Mit dieser Perspektive vor Augen würde vermutlich eine überwältigende Mehrheit der Israelis einer Räumung zustimmen. Und nicht nur 20%.

Das alles ist aber so unwahrscheinlich, dass die jüdischen Siedler dort ruhig erstmal weiterbauen können, während in ihrer Nähe die Manöver von syrischer und israelischer Armee stattfinden. Vor ein paar Wochen sahen einige schon einen Krieg im Sommer kommen, nun gehen die Bedingungen eines Friedens durch die Medien, ohne dass zwischendrin irgendetwas passiert wäre. Der Nahe Osten wird nie langweilig.

Wie die Polizei Bremen meldet, haben am Samstag in Bremen-Nord mehrere Nazis in des Führers Geburtstag reingefeiert. So eine Feier ist schnell organisiert: Hakenkreuzfahne aufgehängt, laute Musik angemacht und dann die 10 dümmsten Männer aus der Nachbarschaft eingeladen, dann kommen die „Sieg Heil Rufe“ schon von ganz allein. Wenn man das aber zu laut gestaltet, kommt auch die Polizei. Die haben in diesem Falle dann alle nach Hause geschickt und die Unterhaltungselektronik sowie die Fahne eingepackt. Das war zuviel für den Hausherren. Es ist nicht überliefert, aber ich schätze, dass er kurz bedauernd Richtung Himmel geschaut hat und dachte: „Und das an deinem Geburtstag!“
Dieses persönliche Elend wollte er keine Minute länger ertragen und unternahm den lustigsten Selbstmordversuch seines Lebens: Er biss in das Stromkabel der Anlage. Nachdem das erfolglos war, bat er die Polizisten darum, ihm Handschellen anzulegen. Dann war der Abend zuende.

Thomas Doll ist heute Vormittag ganz furchtbar böse gewesen. Wegen allem. Herausgekommen ist ein wunderbarer Monolog, der sich beim WDR vorzüglich und in voller Länge nachempfinden lässt.

Zwischen all den Emotionen bekommt man auch endlich den Beweis geliefert: Die Sprache des Thomas Doll kann mitunter etwas grob werden. Und dabei meine ich mit „grob“ keineswegs gemeine Beleidigungen, sondern eher die Qualität seines Referats. Es ist erschreckend zu hören, wie lange er braucht, um seinen kleinen Wortschatz in zumindest halbwegs sinnvolle Sätze einzusortieren. Aber ich möchte hier nicht weiter spotten. Schließlich ist sowas genau „das, was ihn so ärgert“. Ein Jammer.

Nachtrag: Dasselbe bei Youtube.

Infamous Youth lädt zum Jugend-Café:

Referat und Diskussion: Nazi-Ideologie kritisieren!

Wie wollen Nazis die Gesellschaft organisieren? Welches Welt- und Menschenbild steckt dahinter? Was bedeutet Faschismus? Und vor allem: Warum lehnen wir diese Ideen ab?

Antifaschismus will, wie jede andere Überzeugung auch, gut begründet sein. Die Vorraussetzung dafür ist das Verstehen und die Kritik von Faschismus und seiner deutschen Variante, dem Nationalsozialismus. Darüber und über unsere eigene Einstellung wollen wir sprechen.

Heute um 18 Uhr in der Friese, deren unglaublich coole Domain ich gerade das erste mal sehe.

Bei uns bleiben keine Wünsche offen. Deshalb ist nun auch hier Frühling, ein neues Headerbild ist da. Wie immer ist es noch schöner als das Alte. Und was ich letztes Mal sagte, nämlich, dass schon bald keine Flutlichtmasten zu sehen wären, hat sich auch als falsch herausgestellt. Denn die Pläne für den Weserstadionumbau werden immer kleiner.
Das Motiv, das ich einst relativ gedankenlos auswählte, weil es hübsch ist und das Stadion drauf ist, gefällt mir immer besser. Man sieht die Stadt, in der wir alle wohnen, von ihrer schönsten Seite, man sieht lebendige Menschen und natürlich ist das Stadion immer noch drauf.

Ausserdem ist jetzt wieder Zeit für ein kleines Rätsel. Aus dem Bild wurde etwas herausretuschiert. Man findet aber immer noch Hinweise darauf. Nicht auf die Retusche selbst, sondern auf das, was da mal war. Wer es errät, bekommt ein Bier. Ich verspreche das nur, weil hier eh nie jemand seinen Preis eingefordert hat.

Unser allergrößter Dank gilt wie immer Jan, der geduldig auf „sexy Wolken“ gewartet und dann das Bild gemacht hat. Ausserdem war auch Christoph noch ein wenig behilflich, dankefein!

Die Künstler bei MySpace.

Nur, dass ihr euch nicht wundert, wenn ich im Sommer ganz unvermittelt anfange, bewundernd über eure Mütter zu sprechen.

Warum auf verbrochenes.net im Moment alles etwas auf Sparflamme mit wenig Text läuft, weiss ich auch nicht. Fest steht aber, dass Joinsen und ich den Anspruch haben, das zu ändern und mehr eigene Inhalte zu liefern, also mehr tatsächlich interessanten Kram mit eigenen Gedanken zu schreiben. Mal sehen.

Das kann nur gelogen oder sehr alt sein, denn Wikipedia weiss weder beim jetzigen noch beim vorherigen Präsidenten von Ungarn davon. Anyway, ein schönes Bild.

Ich schreibe diesen Post zu spät. Vorhin wurde dieser Artikel bei FAZ.net noch prominenter platziert und etwa so oder so ähnlich kurz beschrieben:

Gericht: Lehrerbewertung überschreitet die Grenzen der Meinungsfreiheit nicht.

Jetzt ist diese Beschreibung weg und im Text wurde sie ohnehin nicht wiederholt. Interessant an der Formulierung ist, dass sie impliziert, die Meinungsfreiheit an sich habe Grenzen. Sozusagen ein Zaun, der um das Spielfeld gebaut ist, um es zu begrenzen. Das ist sicher nicht falsch. Es ist aber auch nicht richtig. Denn die Begrenzung der Meinungsfreiheit wie auch aller anderen Grundrechte bedarf eines guten Grundes. Der liegt nur dann vor, wenn das Recht eines Menschen durch die Ausübung des Rechts eines anderen Menschen beeinträchtigt wird. Das erkannte man bei der FAZ aber nicht. Richtiger wäre so etwas wie „Lehrerbewertung verletzt Persönlichkeitsrecht nicht“ Denn offenbar entschied das Gericht, dass überhaupt keine Rechte verletzt worden sind. Und selbst wenn das der Fall gewesen wäre, wäre immer noch zu entscheiden gewesen, ob das Recht auf Meinungsäusserung vielleicht höher zu bewerten ist als das Persönlichkeitsrecht. Von den „Grenzen der Meinungsfreiheit“ war man also denkbar weit entfernt.

Was deutsche Gerichte aber auch gerne machen, wenn sie derlei Rechte gegeneinander abwägen sollen, kann man bei Stefan Niggemeier nachlesen und dann je nach politischer Orientierung verwundert oder wütend sein. Zum besseren Verständnis folgt man am besten den Links im Text, es lohnt sich.

Budapest (1)

Am 4.4.1945 marschierten die Russen in Budapest ein und befreiten Ungarn so von den Deutschen. Bis 1944 hatte ein faschistisches ungarisches Regime mit den Deutschen zusammengearbeitet. Als sie gemerkt haben, dass sie schon wieder auf der falschen Seite stehen und dem abhelfen wollten, sind die Deutschen einmarschiert und begannen wie überall das große Morden, dem die Sowjets dann ein Ende setzten. Um sich gebührend zu feiern, haben sie dann diese Statue über die Stadt gesetzt, nebenan stehen ein paar Kanonen und jeder weiss bescheid.

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