Was viele ja nicht wissen: Unter Verbrechern herrscht eine Solidarität, wie man sie unter gesetzestreuen Menschen nur selten findet. Und so sei hier und heute auf den Verbrecher Verlag im Allgemeinen und auf zwei neue Bücher im Speziellen hingewiesen. Aus Berlin kommen die guten Menschen und verlegen linke oder zumindest irgendwie andere Literatur.
Unter beide Klassifikationen fällt jedenfalls das brandneue Bremenbuch, das sich in eine bereits zehnteilige Serie von Stadtbüchern im gleichen Verlag einreiht. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Texten und Bildern zu unserer schönen Stadt, in denen ein Blickwinkel eingenommen wird, den man bei den Veröffentlichungen von Schünemann und Edition Temmen nur selten abmessen kann. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, sondern nur angeguckt und angehört. Beim Angucken fällt auf, dass die Bilder schön, aber ein bisschen zu wenig sind. Beim Anhören, ich hatte die Gelegenheit, einige Autoren auf einer Werbestraßenbahnfahrt lesen zu hören, fällt auf, dass die Texte manchmal gut und manchmal nicht so gut sind. Vorgetragen wurde eine nette Studie der Befindlichkeiten der Bewohner des Viertels, die sich über die “Kommerzialisierung ihrer Geschäftsstraße” ärgern und jedes Silvester auf 1988 warten. Auch schön, aber viel zu kurz sind die persönlichen Erinnerungen von Sven Regener an 50 Jahre Neue Vahr, wo er 20 Jahre lebte. Eine weitere Geschichte handelt von einem Punker, der nur Gutes tun wollte, dafür in der Ausnüchterungszelle landete und dort Hafturlaub forderte, wegen Weihnachten. Etwas sinnlos erschien mir ein Brief an die BSAG, in der die neuen Bahnen gedisst werden. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dem Buch mit etwa 180 Seiten einen Wert von 13€ zuschreiben kann und soll.
Eine weitere Neuerscheinung ist nicht ganz eine, immerhin erschien Für immer Honig schon 2005 in einer kleineren Auflage. Autor ist Dietmar Dath, von dem es ein bisschen was auch auf der Verlagsseite zu lesen gibt. Das Werk hat 1000 Seiten und ist angeblich dennoch “relativ rasch runterzulesen”. Die Themenliste des historischen Romans ohne historische Vorlage klingt mit “Pädophilie, Hillary Clinton, Wölfen, Molekulargenetik, der NATO, den Schulden der Dritten Welt, süddeutschen Provinznestern, Schnee, Nazis, Islamismus” und vielem mehr tatsächlich alles andere als langweilig. Das Buch erscheint im Mai und kostet dann 32€, ein Buch für Reiche mit viel Platz im Regal.
Zwar habe ich die Broschüre, aus der ich fast alle meine Informationen gezogen habe, bei Thalia bekommen. Dennoch sei für den Kauf all der schönen Bücher doch abermals der Golden Shop im Fehrfeld wärmstens empfohlen. Wenn man Glück hat, bekommt man dort sogar noch einen der seltenen (das ist wahrscheinlich gelogen) und äußerst schicken (gesicherte Info) Verbrecher-Buttons zu seinem Kauf. Das entscheidende Argument, diesen Laden allen anderen vorzuziehe, ist allerdings folgendes: Als einziger Laden in ganz Bremen (mit einem Stichprobenumfang von 7) hat man hier Mein Katalonien von George Orwell immer vorrätig.

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