Statistik und Berge

Zwei wunderbare Beispiele für falsche Benutzung von Statistiken:

1. Die schlicht dämliche Variante: “Wir sind sehr stolz darauf, dass es in Hamburg mehr Werder-Fanclubs gibt als es in Bremen HSV-Fanclubs gibt.
In Hamburg gibt es ziemlich viele Sachen öfter als in Bremen. Wundersamerweise oftmals gut drei Mal so viel wie in Bremen. Schuhe zum Beispiel. Oder Kochtöpfe. Autos. Friseure. Supermärkte. Balkone. Es gibt sogar über drei Mal soviele Hamburger wie Bremer! Aber sag das mal einer dem Dachverband Bremer Fanclubs.

2. Die tendenziöse Variante: ‘Golan belongs to the Jewish people’
Heads of Golan communities: We’ll keep building in Golan; 80% of Israelis against ceding Golan Heights.

Kurze Erklärung: Die Golanhöhen sind strategisch wichtig im Norden Israels gelegen, wurden 1967 erobert und Syrien abgenommen, später dann annektiert und besiedelt. Nun steht theoretisch wieder die Möglichkeit einer Rückgabe an Syrien im Raum, gegen die natürlich von der israelischen Rechten Front gemacht wird. Bei der Jerusalem Post sieht das dann so aus, dass diejenigen, die ein unmittelbares Interesse daran haben, dass der Golan israelisch bleibt, nämlich vor allem die Juden, die dort leben, ausführlich zu Wort kommen. So schafft es die Aussage, dass 80% der Israelis gegen eine Rückgabe seien, bis in den Teaser auf der Hauptseite. Im Text liest man dann, wie diese Zahl zustande kommt:

We have been living on Israel’s quietest border for many years and the Israelis who come here to visit say in opinion polls that 80 percent of them are not willing to make concessions on the Golan.

Es geht also gar nicht um “die Israelis”, die irgendeine Meinung haben, sondern um diejenigen Israelis, die den Golan besuchen und mit den dort lebenden Menschen sprechen. Dass das bereits eine wichtige Vorauswahl ist, die nur die am Leben auf dem Golan interessierten Menschen einschliesst und alle anderen Israelis aussen vor lässt, scheint der JPost nicht aufzugehen, so sie es nicht ganz oder halb bewusst weggelassen hat. Genauso gut könnte man alle Fans von Werder fragen, ob der SVW für immer Deutscher Meister sein soll und das Ergebnis hinter her mit “94% der deutschen Fussball-Fans wollen, dass Werder für immer Deutscher Meister ist.”

Übrigens halte ich die gerade ins Spiel gebrachte Rückgabe des Golan ohnehin für illusorisch. Die vernünftigen Bedingungen, die daran geknüpft sein müssen, wären im Rahmen eines Friedensvertrags mit Syrien u.a. ein Ende der Unterstützung für Terrorgruppen wie Hisbollah und Hamas, eine Einigung über das Wasser des Jordan und eine Demilitarisierung des Golan. Das alles kann sich Syrien als Juniorpartner des antisemitischen iranischen Regimes aber nicht erlauben.
Sollte Syrien sich in Zukunft aber tatsächlich anders orientieren, wäre es ein guter Tausch. Man gibt den Golan zurück und erhält damit einen Frieden im Norden, wenn die Hisbollah im Libanon nicht mehr durch Syrien gestützt wird. Mit dieser Perspektive vor Augen würde vermutlich eine überwältigende Mehrheit der Israelis einer Räumung zustimmen. Und nicht nur 20%.

Das alles ist aber so unwahrscheinlich, dass die jüdischen Siedler dort ruhig erstmal weiterbauen können, während in ihrer Nähe die Manöver von syrischer und israelischer Armee stattfinden. Vor ein paar Wochen sahen einige schon einen Krieg im Sommer kommen, nun gehen die Bedingungen eines Friedens durch die Medien, ohne dass zwischendrin irgendetwas passiert wäre. Der Nahe Osten wird nie langweilig.

Ich sehe das Thema Golanhoehen nicht so pessimistisch wie du. Syrien hat seit Jahren mehrfach seine Bereitschaft erklaert, im Austausch mit den Golanhoehen einen Friedensvertrag mit Israel zu schliessen. Ein solcher Friedensvertrag kann nur unter der Schirmherrschaft der USA geschlossen werden. Aehnlich wie im Falle Aegyptens, dass sich durch den Friedensprozess mit Israel von der Sowjetunion ab- und den USA zuwandte wuerde daher ganz automatisch eine engere Anlehnung Syriens an die USA mit einem Friedensabkommen einhergehen.

Da die USA in der Lage ist, den Syrern ganz andere wirtschaftliche Vorteile zu ermoeglichen als der Iran, duerfte Syrien ein solcher Schritt nicht wirklich schwer fallen.

Aus meinen Gespraechen mit Israelis habe ich jedoch den Eindruck, dass viele eher bereit waeren sich aus der West Bank zureuckzuziehen als auf den Golan zu verzichten. Der wird mittlerweile als fester Bestandteil Israels betrachtet, der dazu noch landschaftlich reizvoll ist und die Koeglichkeit bietet im Winter Ski zu fahren. Ausserdem wird die militaerische Bedrohung, die von Syrien ausgeht als eher gering betrachtet.

Ich stellte mir gestern noch genau die Frage, warum Syrien sich eigentlich weiter an den Iran anlehnt. Vernünftig ist das nicht. Ehrlich gesagt fiel mir auch keine Erklärung dafür ein. Es wird trotzdem Gründe haben, aber wie lange die noch halten kann ich so natürlich nicht beurteilen.

Die militärische Bedrohung durch Syrien selbst mag in der Tat relativ gering sein. Wenn man aber davon ausgeht, dass Hisbollah und Hamas ganz entscheidend von Syrien unterstützt werden, ist die Bedrohung, die man mit einem Frieden mit Syrien loswerden könnte, schon größer.

Skifahren ist aber natürlich auch super.

Syrian President Bashar Assad rejected Israel’s demand that Syria cut its ties with Iran and Hizbullah.

He said that detaching his country from the two was “irrelevant” to reviving peace talks.

Link

So wird das natürlich nicht gehen.

Glaubt man dieser Umfrage, lag ich ordentlich daneben.