April 2008

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Ab sofort bin ich bereit, jeden als meinen persönlichen Erlöser anzunehmen, der ein T-shirt für 65 Euro trägt.

Bremen an der Weser

Ja, das ist Schnee.

Irgendwie funktioniert das Bild in klein nicht so richtig. Also hier nochmal in groß.

Zitat des Tages

Für viele Ultras ist ein Gefängnisaufenthalt sogar die bessere Perspektive als das bisherige Leben.

Gunter A. Pilz im Interview.

Günni zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er bisher weder im Gefängnis war, noch das Leben eines Ultras gelebt hat. Das ändert aber natürlich nichts an der Wahrheit in seinem Satz. Ich, der ich bekanntermaßen das härteste Leben Mitteleuropas führe, kann diese Aussage nämlich nur bestätigen.

…beisst du besser nicht. Sollte man meinen. Im Gazastreifen sieht man das anders. Heute sind mehrere Terroristen von dort nach Israel eingedrungen und haben einen Terminal angegriffen, von dem aus Benzin in den Gazastreifen gebracht wird. Merkwürdigerweise versorgt Israel nämlich den ganzen Gazastreifen mit Benzin und Strom, während man de facto im Krieg mit Gaza ist. Mit der aus Israel gelieferten Energie arbeiten auch die offenbar zahllosen Terroristen, die dann Kassam-Raketen über die Grenze feuern. Kürzlich führte das zu der spannenden Situation, dass ein Krankenhaus in Ashkelon beschossen wurde, in dem gerade eine Araberin aus Gaza ihre Zwillinge bekommen hatte. Wäre das ein Volltreffer gewesen! Nun also ein Angriff auf die Spritversorgung, bei der man mutmaßlich Israelis entführen wollte. Das gelang nicht, zwei Israelis starben, anschliessend erwischten die IDF ein Auto der Terroristen, über die Anzahl der Getöteten wird noch gestritten.
Wer nun eigentlich nur noch den Kopf schütteln kann über die Dummheit der Hamas, liegt nicht ganz richtig. Sollte Israel nun konsequenterweise endlich die Lieferungen nach Gaza einstellen, wird das altbekannte Geheule von dort wieder lauter werden, und sämtliche Gutmenschen mit oder ohne Amt rund um die Welt werden Israel für seine Rücksichtslosigkeit verurteilen. Das wiederum ist für den Judenstaat offensichtlich noch weniger hinzunehmen als der ständige Beschuss seiner Bürger in der Gegend um den Gazastreifen. Also liefert man weiter, nimmt den Beschuss hin und tötet ab und zu ein paar Terroristen bei Operationen im Gazastreifen.

Mal sehen, wie lange das noch so weitergeht.

Nachtrag: Lozowick hats auch schon kommentiert.

In Schalke bläst man Trübsal. Das sieht man nicht unbedingt, weil manch einer seine Meinung hinter dick aufgetragenem Todesmut verschanzt:

Wenn wir lange ein 0:0 halten, warum sollen wir dann nicht auch mal einen Nadelstich in der Offensive setzen. Wir müssen Barcelona bekämpfen! (Mirko Slomka)

Aber auch das notdürftig zusammengeschusterte Motivationspaket der Königsblauen kann die nackte Wahrheit nicht vertuschen: Schalke 04 ist im Viertelfinale aus der Champions League ausgeschieden. Sie sind raus. Falls man das angesichts theoretischer Spielereien anzweifeln möchte, möge man sich doch bitte an das für Werder entscheidende Gruppenspiel in der Hauptstadt Kataloniens erinnern. Auch heute wird Barcelona, in der spanischen Liga zur Zeit wahrlich keine Übermacht, seinem Gegenüber keine Chance lassen. Jeder weiß das: Mirko Slomka, Andreas Müller, Marcel Reif und Franz Beckenbauer. Allein, sie machen einen Hehl draus, Gott weiß warum. Als ob es nicht ohnehin schon schwer genug geworden wäre, den künstlichen Funken Spannung am Leben zu erhalten, kündigt Leo Messi seine Rückkehr just für dieses Spiel an. Ich möchte euch deshalb ans Herz legen, den Fernseher rechtzeitig einzuschalten. Denn im Gegensatz zu Mirko Slomka ist meine Hoffnung echt und realitätsgebunden: drei Tore von Leo Messi unmittelbar nach seiner Einwechslung in der 60. Minute, eins davon nach dreifachem Umkurven sämtlicher Akteure einschließlich der Linienrichter, die er auf magische Weise ausdribbeln wird, ohne den Ball ins Aus zu katapultieren. Ich bin mir ganz sicher, das wird was.

Achja, sollte Schalke doch gewinnen, werde ich diesen Beitrag natürlich umgehend löschen. Ich meine, immerhin stürmt Kuranyi. Da weiß man nie.

In Berlin findet Anfang Mai eine Konferenz statt: “Bussines as usual? Das iranische Regime, der heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion” Die Liste der Vorträge ist recht interessant, und wer die Möglichkeit und das Interesse hat, sollte sich das mal angucken.

Die unter anderem von (ex-)Antideutschen organisierte Öffentlichkeitsarbeit gegen das Mullahregime scheint immer besser zu werden. Dabei liegt der Focus auf der Zusammenarbeit von Europäern mit dem Iran, besonders der von Österreich und Deutschland, aktuell nun auch noch der Schweiz. Denn während im Iran die Atombombe in Stellung gebracht wird, läuft die Wirtschaft dort mit europäischem Geld und Knowhow. Anstatt spürbaren wirtschaftlichen Druck auszuüben und so tatsächlich etwas für Israels Sicherheit zu tun, hat z.B. Angela Merkel in Jerusalem nur schöne Worte der Solidarität übrig gehabt.
All das wird in Berlin sicher Thema sein. Genaueres gibt es nach einem Klick auf dieses schöne Klickibunti:

MFFB

In Bloomfield spielen inzwischen drei Mannschaften, neben Hapoel noch Maccabi und Bnei Yehuda. Das Foto entstand aus unserer Jugendherberge in Jaffa und zeigt im Hintergrund einen Teil der Skyline von Tel Aviv, oder “TA”, wie wir Routiniers ab sofort schreiben, um uns auch als solche darzustellen.

Besonders beachtlich finde ich übrigens das Ambiente drumherum.

Als faszinierter Beobachter pyrotechnischer Aktionen hörte ich gespannt zu, als mir Samstag Abend erstmals von der Spielunterbrechung im Match Frankfurt gegen Nürnberg berichtet wurde. Der Bekannte, der mich mit den ersten Infos versorgte, erzählte von Bengalos sowie Raketen und Leuchtspur, die aufs Spielfeld geflogen seien.

Die Realität dahinter: Im Nürnberger Block explodierten drei Knaller, außerdem landete ein dank der Nahaufnahmen im TV eindeutig als fitzelig identifizierbares Fäckelchen auf der Torauslinie. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für 20 Minuten und pfiff es nur mit der Ansage wieder an, dass jeder weitere Verstoß zu einem Spielabbruch führen würde. Diese Message wurde von Club-Präsident Roth höchstpersönlich rübergebracht.

Was folgte, war eine Hysterie, der man das obligatorische “Medien-” vornedran entziehen muss, weil nicht nur Presse und Fernsehen mitmachten, sondern auch Vereine und Fans. Schon im Stadion waren Spieler und die sogenannten Verantwortlichen in ihren Betroffenheitsbekundungen einig wie die deutsche Bevölkerung bei der Betrachtung der US-Außenpolitik. Einzig Angelos Charisteas konnte die Aufregung nicht fassen angesichts der Dinge, die in seinem Heimatland gang und gäbe sind. Die Berichterstattung war entsprechend, und selbst in der berühmt-berüchtigten Viererkette im DSF fiel offenbar niemandem auf, dass es trotz Liveübertragung mit geschätzten 26 Kameras keine Bilder vom tödlichen Inferno gab. Auch der eigens per Telefon zugeschaltete Experte freute sich so sehr, dass er überhaupt gefragt wurde, dass der Anlass keine Rolle spielte. Spiegel Online bastelte sich sein Randale-Video einfach selbst, mit Schnipseln aus Italien und dem Verweis auf den Lazio-Fan Gabriele ,”der vor einem Ersligaspiel zu Tode gekommen” sei. Er wurde auf einem Rastplatz von einem Polizisten erschossen, aber hey! Italien ist doch soo gut geeignet zum Herstellen von Horrorszenarien, die die Ultras über die Welt bringen werden, da machen wir doch lieber einen Vergleich zu viel als zu wenig. Ebenfalls sehr populär ist die Aussage, die Szenen in Frankfurt hätten an den Spielabbruch des Mailänder Derby vor drei Jahren erinnert. Nun kann sich ja jedermann jederzeit erinnern, an was er will, aber hier wird zweifelsohne eine Mückenlarve zu einer Elefantenherde gemacht.

Viele Fans hielten es ähnlich. Im Forum der Fanszene Bremen wurde der zum Thema gehörige Thread unter den Titel “Feuerwerkskörper, Hassgesänge, Spielunterbrechung” gestellt, den Spiegel Online als Motto für die Hetzjagd vorgegeben hatte. Der Hass auf Menschen mit unangepasstem Verhalten im Stadion scheint auch bei einem User des offiziellen Werder-Forums die Triebfeder der Kritik zu sein, da man mit dem Verweis auf Frankfurt und nur mit logischen Schlüssen wohl kaum zu der folgenden Aussage kommen kann:

Von mir aus kann es Stadionverbote hageln gegen Ultras. Das ist ein Geschwür, was einfach rausgeschnitten gehört. Sie missbrauchen den Fußball in jeder Hinsicht, um ihre Show zu machen, ihre Stimmungssoße übers Stadion zu gießen, ihre Schwanzvergleiche durchzuführen - aber für den Fußball ist es eine Last. Ohne diese führergelenkten Kinderchöre waren die Kurven einfach authentischer und effektiver und näher an der Mannschaft.

Egal, was in den kommenden Wochen in deutschen Stadien passiert, das Medienecho wird die Sensationsgier wiederspiegeln, die nach den Vorfällen der letzten drei Tage aufgebaut wurde. Nicht nur das Zünden von Bengalos würde eine wahre Vernichtungsrhetorik gegen die Urheber auslösen, um die konkreten Vorfälle geht es nämlich gar nicht. Es geht um die mediale Verwertbarkeit, und die ist hoch, wenn es einigermaßen gute Bilder gibt und die Szenerie sich einfach in Gut und Böse aufteilen lässt. Bei Ereignissen, die live televised von Leuten begangen werden, die gesellschaftlich ungefähr die Anerkennung von Scheiße mit Senfsoße genießen, ist alles klar; wenn Bremer Polizisten die Menschen aus der gleichen Gruppe am Abend mit einem Gewaltexzess im Hauptbahnhof begrüßen, stehen die Chancen für die Skandalisierung, ja selbst für einen Nennung in den Medien, schlecht.

Für die Ultras geht es damit unaufhaltsam bergab. Jedes Wochenende wie dieses macht es schwieriger, den eigenen Lebensstil fortzuführen und auf der anderen Seite einfacher, ein weiteres Wochenende der Desinformation folgen zu lassen - mit wieder gleichen Folgen.

Was viele ja nicht wissen: Unter Verbrechern herrscht eine Solidarität, wie man sie unter gesetzestreuen Menschen nur selten findet. Und so sei hier und heute auf den Verbrecher Verlag im Allgemeinen und auf zwei neue Bücher im Speziellen hingewiesen. Aus Berlin kommen die guten Menschen und verlegen linke oder zumindest irgendwie andere Literatur.

Unter beide Klassifikationen fällt jedenfalls das brandneue Bremenbuch, das sich in eine bereits zehnteilige Serie von Stadtbüchern im gleichen Verlag einreiht. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Texten und Bildern zu unserer schönen Stadt, in denen ein Blickwinkel eingenommen wird, den man bei den Veröffentlichungen von Schünemann und Edition Temmen nur selten abmessen kann. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, sondern nur angeguckt und angehört. Beim Angucken fällt auf, dass die Bilder schön, aber ein bisschen zu wenig sind. Beim Anhören, ich hatte die Gelegenheit, einige Autoren auf einer Werbestraßenbahnfahrt lesen zu hören, fällt auf, dass die Texte manchmal gut und manchmal nicht so gut sind. Vorgetragen wurde eine nette Studie der Befindlichkeiten der Bewohner des Viertels, die sich über die “Kommerzialisierung ihrer Geschäftsstraße” ärgern und jedes Silvester auf 1988 warten. Auch schön, aber viel zu kurz sind die persönlichen Erinnerungen von Sven Regener an 50 Jahre Neue Vahr, wo er 20 Jahre lebte. Eine weitere Geschichte handelt von einem Punker, der nur Gutes tun wollte, dafür in der Ausnüchterungszelle landete und dort Hafturlaub forderte, wegen Weihnachten. Etwas sinnlos erschien mir ein Brief an die BSAG, in der die neuen Bahnen gedisst werden. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dem Buch mit etwa 180 Seiten einen Wert von 13€ zuschreiben kann und soll.

Eine weitere Neuerscheinung ist nicht ganz eine, immerhin erschien Für immer Honig schon 2005 in einer kleineren Auflage. Autor ist Dietmar Dath, von dem es ein bisschen was auch auf der Verlagsseite zu lesen gibt. Das Werk hat 1000 Seiten und ist angeblich dennoch “relativ rasch runterzulesen”. Die Themenliste des historischen Romans ohne historische Vorlage klingt mit “Pädophilie, Hillary Clinton, Wölfen, Molekulargenetik, der NATO, den Schulden der Dritten Welt, süddeutschen Provinznestern, Schnee, Nazis, Islamismus” und vielem mehr tatsächlich alles andere als langweilig. Das Buch erscheint im Mai und kostet dann 32€, ein Buch für Reiche mit viel Platz im Regal.

Zwar habe ich die Broschüre, aus der ich fast alle meine Informationen gezogen habe, bei Thalia bekommen. Dennoch sei für den Kauf all der schönen Bücher doch abermals der Golden Shop im Fehrfeld wärmstens empfohlen. Wenn man Glück hat, bekommt man dort sogar noch einen der seltenen (das ist wahrscheinlich gelogen) und äußerst schicken (gesicherte Info) Verbrecher-Buttons zu seinem Kauf. Das entscheidende Argument, diesen Laden allen anderen vorzuziehe, ist allerdings folgendes: Als einziger Laden in ganz Bremen (mit einem Stichprobenumfang von 7) hat man hier Mein Katalonien von George Orwell immer vorrätig.

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