April 2008

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BSAG

Nummero uno: Mit nicht zusammengebasteltem Semesterticket fahre ich Bahn und muss nun 7€ bezahlen, weil ich laut Protokoll das Ticket gar nicht bei mir hatte. Ich hätte ja genug Zeit gehabt das zusammenzubauen. OkOk. Hatte ich auch. Aber wenn ich eben nicht so gut basteln kann und meine Zeit brauche?!
Willi Willkür Kontroletti #1. 

Nummero duo: Mutter eines Freundes setzt sich. Ihr fällt auf, dass ihr Monatsticket vom Februar am 01.03 nicht mehr gilt. Sie steht auf und will ein Einzelticket abstempeln. Kontrolleur: Sie habe ja schon gesessen. Bahn fährt ‘52 Martinistraße ab, Protokoll von ‘53 - Protokoll: Sie sei 3 Minuten vorher, Domsheide eingestiegen. 40€.
Willi Willkür Kontroletti #2.

“Ich mach hier nur meinen Job!” Auf wen bin ich denn jetzt sauer?!

Soviel ist beim aktuellen Kurs das eine Prozent der 2200,65$ wert, die Diego an seinen “charitable trust GOL AMIGO” überweisen möchte, sobald er jemanden gefunden hat, der ihm so viel Geld für das Trikot gibt, das er gegen Glasgow trug. Was für ein armer Mensch.

Folgende Beispiele sind gültige Anwendungen des Wortes “schade”:

1. Schade, dass Van der Vaart nicht zu Valencia gewechselt ist.
2. Schade, dass du heute nicht kommen kannst.
3. Schade, aber das wird nichts mehr mit uns.

Ich wollte euch nur darin erinnern, was mit diesem Wort so alles möglich ist. Vielleicht könnt ihr euch mit Hilfe dieser Vorahnung der Lektüre des folgenden FAZ-Schnipsels hingeben:

Dariusz Wdowczyk, der Trainer des polnischen Fußball-Zweitligaklubs Polonia Warschau, hat nach Angaben polnischer Medien zugegeben, Schiedsrichter und Spielbeobachter bestochen zu haben.
Schade, es ist passiert“, sagte der Trainer nach seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Breslau. Nach Zahlung der Kaution wurde Wdowczyk entlassen.

Ja, Wdowczyk, so etwas ist wirklich äußerst schade. Die fremden Mächte, die sich deines Gehirns bemächtigt hatten, haben dich ausgenutzt, und nun stehst du plötzlich ganz allein da und bist sehr traurig. Es ist alles einfach so dumm gelaufen. Was soll jetzt bloß mit dem armen polnischen Fußball passieren. Dir wird ein bisschen schwindelig. Nicht schon wieder ein Skandal im Profifußball! Du weißt, du hättest es ahnen können. Zum Beispiel, als du dem Schiri Woche für Woche Geld und Anweisungen gegeben hast. Oder als du auf die Tribüne zum Spielbeobachter gegangen bist, um ihm mit hundert Euro beide Augen zuzudrücken. Aber du bist eben auch nur ein Mensch, ein kleines Zahnrad in einem unübersichtlichen Maschinensystem. Du konntest die Zusammenhänge einfach nicht erkennen, aber trotzdem fühlst du dich ein kleines bisschen schuldig und niedergeschlagen. Du warst bloß eine Marionette und hast das nicht kapiert. Wer würde bei soviel Schicksal nicht seinen Kopf betreten nach unten wenden, wer würde da nicht “Schade, es ist passiert” murmeln. Aber weißt du Wdowczyk, mach dir da nicht so viele Gedanken. Niemand wird dir einen Vorwurf machen. Diese bösen Mächte hätten schließlich jeden treffen können. Alles halb so wild. Aber schade ist es natürlich trotzdem irgendwie! Vielleicht sogar so schade, dass du dafür ins Gefängnis musst. Wir drücken dir die Daumen.

In der aktuellen konkret dokumentiert Hermann Gremliza eine Anfrage der Zeitung “Neues Deutschland” bei ihm. Es geht um einen Text über Kuba, wo “zwei konträre Positionen im “Pro/Kontra”-Stil gegeneinander halten”. Eine davon soll Gremliza liefern. Und dann lernt man was übers Zeitungsmachen:

Ich als Redakteur verändere die mir gelieferten Beiträge nicht. [...]
Ihre Position würde eine Öffnung Kubas befürworten. Das bedeutet nicht, daß Sie, ähnlich wie die USA oder analog zu ihr, das Ende der kubanischen Revolution fordern. Allerdings würden Sie sich eher kritisch zum bisherigen Kurs Kubas äußern und Veränderungen, möglicherweise wirtschaftlicher Art, in Betracht ziehen. Als ein möglicher Kontrapart zu Ihnen denk ich an jemanden aus der Kuba-Solidarität. Es empfiehlt sich meines Erachtens, eine eher orthodoxe Position, die ähnlich wie damals in der DDR, seine (sic!) Solidarität zum Karibikstaat ausdrückt, auszuwählen.

[...] und würde mich sehr freuen, wenn Sie mit der genannten Position an ihr teilnehmen könnten. Als Beispiel einer Debatte sende ich Ihnen zwei meiner letzten Seiten zur Orientierung als Anhang zu.

Man ahnt da, warum er die Beiträge hinterher nicht mehr verändern muss.

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