Mai 2008

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Dass in Deutschland etwas falsch läuft, merkt man mittlerweile bei jeder Fahrt zur Tankstelle.

Das teilte mir eben irgendein Politiker im Radio mit, wohl einer von der FDP. Ich würde ihn gerne fragen, wo man hinfahren muss, um das nicht zu merken.

Über Paul Dirac in der Frage, die hier neulich schon Thema war:

„Er war der einzige von uns, der die Vorläufigkeit unseres Wissens ertragen konnte. Selbst die Vermutung der großen Zahl war eher ein Spiel, eine Veranstaltung mit offenem Ende als ein Programm, das einen Abschluss will. Strenger Formalist, nie auf Abschluß aus, immer nur das nächste Puzzlestück finden, einpassen. Er wollte kein Gott werden, er wußte, anders als Einstein, Bohr, Heisenberg, daß es nicht unsere Aufgabe als Vernunftmenschen ist, die Religion zu ersetzen, sondern die Leute an einen Ort zu führen, wo sie merken, daß sie das nicht mehr brauchen: ein System von Aussagesätzen, das bereits das Ganze enthält. Die vorab gewusste, offenbarte Wahrheit: Darauf müssen wir verzichten.“

Oppenheimer in Dirac von Dietmar Dath

Stylefaschist

Pfeilstatist

Das ist n Popsong an alle Kinder, yeah!
Ihr solltet eure Eltern töten,
weil das ist die wahre Rebellion,
und dann geht die Ordnung flöten, ha!

Schlitzt euren Eltern den Bauch auf,
ich bitte euch so sehr darum,
und ich hab Vorbildfunktion, drum tut es!
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Yeah!

von Saalschutz

Im Vorwort zur zweiten Auflage des Buches The Strategy of Conflict im Jahr 1980 erzählt der Autor Thomas C. Schelling eine Episode, die zeigen soll, welch unerwartete Früchte das Schreiben eines Buches manchmal mit sich bringt:

But the response that warms me most after twenty years is the late John Stratchey´s. John Stratchey, whose books I had read in college, had been an oustanding Marxist economist in the 1930s. After the war he had been defense minister in Britain´s Labor Government. Some of us at Harvard´s Center for International Affairs invited him to visit because he was writing on a book on disarmament and arms control. When he called on me he exclaimed how much this book had done for his thinking, and as he talked with enthusiasm I tried to guess which of my sophisticated ideas in which chapters had made so much difference to him. It turned out it wasn´t any particular idea in any particular chapter. Until he read this book, he had simply not comprehended that an inherently non-zero-sum conflict could exist. He had known that conflict could coexist with common interest but had thought, or taken for granted, that they were essentially seperable, not aspects of an integral structure.

Dieser Mensch war also Marxist gewesen und sogar in der Kommunistischen Partei, aber es war ihm nicht klar, dass es Konflikte gibt, bei denen der Gewinn des einen nicht einen Verlust gleicher Größenordnung beim anderen mit sich führt. Wenn man so denkt, kann man Sozialismus aber doch gar nicht denken. Dann kann man gesellschaftliche Veränderung nämlich nur als Umverteilung denken und landet schließlich bei einem Modell, dass je nach Sättigungsgrad Sozialdemokratie oder Soziale Marktwirtschaft heißt. So erging es ja auch Strachey.

Was dieses Beispiel ganz gut zeigt, ist die Unzulänglichkeit unseres Wissens und noch mehr des Wissens unserer Vorgänger, die sich Gedanken über die Gesellschaft gemacht haben. Es reichte schlichtweg noch nicht, um darauf tatsächlich eine funktionierende sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Und es wird wohl auch noch eine Weile dauern.

Referat mit Diskussion zu „Kredit und Börse“ in Bremen am Donnerstag, 22.05.08 um 19:30 Uhr

Dem Finanzkapital wird seit jeher weitreichende Macht und großer Einfluss zugesprochen; ebenso wird es verantwortlich gemacht für alles, was den Leuten nicht passt an dem, was sie sich unter Kapitalismus vorstellen. Die wenigsten wissen jedoch genau, was sich hinter Kreditgeschäften und Finanztransaktionen wirklich verbirgt. Wir wollen einen Einstieg in das schwierige Thema Finanzmärkte bieten (Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig!) und fragen: Was ist und wie funktioniert der Kredit zwischen den Unternehmen und zwischen Banken und Unternehmen? Was ist spekulativer an Finanzgeschäften als an „normalen“ Unternehmungen? Warum landen viele Menschen bei Betriebsinsolvenzen immer wieder zielstrebig beim Finanzkapital als Ursache und nicht etwa bei den unternehmerischen Konkurrenten? Und: Lässt sich in dieser Denkweise die alte Unterscheidung von „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital aus der Nazi-Propaganda gegen das „internationale Finanzjudentum“ wieder finden?

Ort: Infoladen Bremen St.Paulistr. 10-12 (Ostertor)

Eine Veranstaltung von Kritik im Handgemenge Bremen

Linktipp (4)

Was sagt ihr eigentlich zum Himmel oben im Header? Da ich weiß, dass er reinmontiert ist, frage ich mich immer, ob der nicht irgendwie verdreht ist, so um 40° gegen den Uhrzeigersinn. Das ist dann jedenfalls Jans Schuld, genau wie alle anderen Sachen im Bild, auch die tollen.

Man kann aber auch wirklich ganz große Fehler machen bei der Bildbearbeitung. Beine verschwinden lassen, sie unglaublich anwachsen lassen, Arme hinzufügen, sie ekelig zusammenschrumpeln lassen. Oder eindrucksvoll illustrieren, was der übermäßige Konsum von irgendwelchen Rinderhormonen so anrichten kann. Drüber lachen kann man bei PhotoshopDisasters.

Ach so, auch an diesem Linktipp ist natürlich Jan Schuld. Danke.

Ich werde demnächst neue Israel-Buttons bestellen. Wer auch einen möchte und mich ohnehin irgendwann trifft, meldet sich bitte in den Kommentaren. Die Kosten dürften bei 1‚¬ pro Stück liegen, ansonsten wird umgeplant. Und so sehen die aus.

Von den Spielern des SV Werder hört man derlei Ausrufe wohl nur, wenn Tino Polster gerade ganz in ihrer Nähe ist. Auf der Homepage des Vereins ist er quasi zu Hause. Und deshalb klingt es dort noch etwas euphorischer: „Jede Menge PS! Viele windschnittige Typen! Und richtig gute Laune!“ Und alle glauben es dir. Vorausgesetzt, die Nasenscheidewände halten.

Gestern war ich mal wieder in Bergen-Belsen. Diesmal werde ich keinen langen Bericht darüber schreiben, sondern nur eine kleine Episode reflektieren.

Mehr als letztes Mal, sei es wegen des gerade vergangenen Jahrestages der Befreiung oder einfach, weil die Ausstellung einen in Deutschland ungewohnten (und ausgesprochen lobenswerten) Blickwinkel einnimmt, wurde mir gestern noch einmal neu klar, wie wundervoll es doch ist, dass Männer und Frauen aus aller Welt loszogen, um die Nazis zu besiegen, und dass sie das auch schafften.

Mir hatte es vor allem ein Foto angetan, und daher wollte ich es abfotografieren und hier posten. Es zeigt eine Gruppe sowjetischer Kriegsgefangener, die im Umland von Bergen Zwangsarbeit leisten mussten. Als die Deutschen kapierten, dass ihre Zeit abgelaufen war, fuhren sie davon und ließen die plötzlich freien Sklaven in der Heide stehen. Wenig später fanden die britischen Befreier sie am Wegesrand sitzend und gaben ihnen erst mal eine Runde Zigaretten aus, und diese Szene zeigt das Bild.

Ich habe mich auch ungeschickt angestellt, ich vergaß schlichtweg, den Blitz auszumachen. So stand augenblicklich ein kleiner dicker Mann neben mir und sagte mir, dass das Fotografieren mit Blitz verboten und Detailaufnahmen unerwünscht seien. Im Eingangsbereich bereits hatte ich gesehen, dass das Fotografieren nur für private, nicht aber für journalistische Zwecke erlaubt sei. Ich befand mich also in einem Wirrwar aus Grauzonen. Doch ziemlich klar erscheint mir im Nachhinein, dass ich das (dummerweise durch den Blitz leicht fehlbelichtete) Bild hier nicht posten darf.

Es gehört nämlich dem Imperial War Museum in London, und das hat der Gedenkstätte erlaubt, einige seiner Bilder zu nutzen, nicht aber mir. Das Museum hat die Bilder selbst irgendwann einmal gekauft oder geschenkt bekommen, und am Anfang gehörten sie entweder dem persönlichem Urheber oder einer Armeedivision, die für die Dokumentation der Befreiung zuständig war.

Diese Besitzverhältnisse machen sicher Sinn, wenn alles einen Besitzer hat, ansonsten würde keiner mehr professionell fotografieren. Aber gerade dieses Beispiel macht klar, wie schwachsinnig die Kategorie Besitz langfristig ist. Wenn man die Rechte an einem Bild besitzt, kann man sie auch weitergeben, das ist innerhalb dieser Logik absolut sinnvoll, ansonsten wäre der Besitz wertlos. Aber ist das wirklich gut so? Ich denke nicht. Wie löst man das nun? Entweder ganz oder teilweise. Wahrscheinlich ist Creative Commons für´s Erste eine feine Sache, aber das Problem liegt woanders.

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