Besitz

Gestern war ich mal wieder in Bergen-Belsen. Diesmal werde ich keinen langen Bericht darüber schreiben, sondern nur eine kleine Episode reflektieren.

Mehr als letztes Mal, sei es wegen des gerade vergangenen Jahrestages der Befreiung oder einfach, weil die Ausstellung einen in Deutschland ungewohnten (und ausgesprochen lobenswerten) Blickwinkel einnimmt, wurde mir gestern noch einmal neu klar, wie wundervoll es doch ist, dass Männer und Frauen aus aller Welt loszogen, um die Nazis zu besiegen, und dass sie das auch schafften.

Mir hatte es vor allem ein Foto angetan, und daher wollte ich es abfotografieren und hier posten. Es zeigt eine Gruppe sowjetischer Kriegsgefangener, die im Umland von Bergen Zwangsarbeit leisten mussten. Als die Deutschen kapierten, dass ihre Zeit abgelaufen war, fuhren sie davon und ließen die plötzlich freien Sklaven in der Heide stehen. Wenig später fanden die britischen Befreier sie am Wegesrand sitzend und gaben ihnen erst mal eine Runde Zigaretten aus, und diese Szene zeigt das Bild.

Ich habe mich auch ungeschickt angestellt, ich vergaß schlichtweg, den Blitz auszumachen. So stand augenblicklich ein kleiner dicker Mann neben mir und sagte mir, dass das Fotografieren mit Blitz verboten und Detailaufnahmen unerwünscht seien. Im Eingangsbereich bereits hatte ich gesehen, dass das Fotografieren nur für private, nicht aber für journalistische Zwecke erlaubt sei. Ich befand mich also in einem Wirrwar aus Grauzonen. Doch ziemlich klar erscheint mir im Nachhinein, dass ich das (dummerweise durch den Blitz leicht fehlbelichtete) Bild hier nicht posten darf.

Es gehört nämlich dem Imperial War Museum in London, und das hat der Gedenkstätte erlaubt, einige seiner Bilder zu nutzen, nicht aber mir. Das Museum hat die Bilder selbst irgendwann einmal gekauft oder geschenkt bekommen, und am Anfang gehörten sie entweder dem persönlichem Urheber oder einer Armeedivision, die für die Dokumentation der Befreiung zuständig war.

Diese Besitzverhältnisse machen sicher Sinn, wenn alles einen Besitzer hat, ansonsten würde keiner mehr professionell fotografieren. Aber gerade dieses Beispiel macht klar, wie schwachsinnig die Kategorie Besitz langfristig ist. Wenn man die Rechte an einem Bild besitzt, kann man sie auch weitergeben, das ist innerhalb dieser Logik absolut sinnvoll, ansonsten wäre der Besitz wertlos. Aber ist das wirklich gut so? Ich denke nicht. Wie löst man das nun? Entweder ganz oder teilweise. Wahrscheinlich ist Creative Commons für´s Erste eine feine Sache, aber das Problem liegt woanders.