Es ist definitiv schlimmer dieses Jahr. Ich mein, man verdrängt ja auch gerne, und für so manche Perversität, die man 2006 hinnehmen musste, ist die Zeit noch gar nicht reif. Aber man kann jetzt schon sagen: Es gab im Mai mehr von diesen Autofähnchen als im Vorvorjahreszeitraum, die Werbekampagnen sind wesentlich offener nationalistisch; viele Clips warben einst für Fernseher zum Fußballgucken, jetzt werben sie für den extraflachen nationalen Taumel.
Letztlich ist der Unterschied zu 2006 wohl, dass sich die Wirtschaft diesmal lange vorher drauf einstellen konnte. Jedes erdenkliche Produkt wurde spätestens seit März auch in Schwarzrotgold hergestellt, und jetzt liegt alles in den Regalen. Die Bäcker, die früher vom Stolz auf das Vaterland gepackt selbst schwarzen Zuckerguss anmischen mussten, um Berliner und Amerikaner entsprechend zu dekorieren, können nun, sofern ihnen das der Berufsethos nicht verbietet, auf Fertigmischungen zurückgreifen. Niemand muss mehr Angst haben, keine Fahne mehr zu bekommen, selbst beim Zweierpack Toblerone gibt es einen solchen Lappen dazu.
Der vermeintliche Vorteil, dass nämlich ein paar tausend Fans das Land verlassen, um ihren Helden zuzujubeln, ist im Endeffekt leider ein Nachteil. Es verlassen das Land Leute, die ein Spiel gern live sehen wollen, im Land bleiben solche, für die die EM weniger ein Sportereignis ist als eine Gelegenheit, ihren dummen Patriotismus auszuleben. Und die sind es, die mich so aufregen. Obwohl, die anderen regen mich eigentlich auch auf.

2 comments
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9. Juni 2008 at 11:53
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5. Juni 2008 at 07:50
Erik
Wie man wohl auf diesen positiven, polnischen Nationalstolz reagiert?
http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/EM-2008/2008/06/05/polen-deutschland-em-krieg/deutscher-gruppengegener-beginn-fussball-krieg,geo=4741212.html
Und nachher heisst es “Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen”…