Immer wieder stehe ich im Buchladen rum und frage mich, ob ich mir nicht mal das Buch Am Beispiel meines Bruders von Uwe Timm kaufen sollte. Der Autor hat sich mit dem Roman Kerbels Flucht durchaus empfohlen, und auch die Idee, die Geschichte des Bruders, der SS-Soldat war, niederzuschreiben, ist ja nicht von vornherein zu veruteilen. Warum man sie überhaupt verurteilen könnte? Die deutsche Literatur neigt dazu, sehr viel Verständnis für Naziverbrecher aufzubringen und sie nach Möglichkeit irgendwie als Opfer darzustellen.
Dass dies in Timms autobiografischer Familienrecherche nicht der Fall ist, versichert Hannes Heer im fünften Kapitel seiner quellenreichen, aber dennoch äußerst flüssig lesbaren und lesenswerten Geschichtsschreibungskritik “Hitler war´s”. Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit. In diesem Abschnitt beschäftigt er sich mit den Familenerinnerungen, die in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren den Markt geradezu überschwemmt haben und zweifelsohne häufig das Bedürfnis der Deutschen nach Verständnis für ihre Taten und nach Mitleid für ihr Leiden bedient haben. Und er sortiert den Markt ein wenig, mit guten Argumenten, wie ich finde, weshalb ich die Werke hier einfach mal in den Kategorien aufliste, in die Heer sie implizit einreiht - als Entscheidungshilfe vielleicht.
Konsequente Beschäftigung mit den Tätern in der eigenen Familie:
- Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders
- Stephan Wackwitz: Ein unsichtbares Land
- Wibke Bruns: Meines Vaters Land
- Dagmar Leupold: Nach den Kriegen
- Monika Jetter: Mein Kriegsvater
- Martin Pollack: Der Tote im Bunker
- Claudia Brunner und Uwe von Seltmann: Schweigen die Täter, reden die Enkel
Realistische Romane selbstverschuldeten deutschen Leids:
- Tanja Dückers: Himmelskörper
- Reinhard Jirgl: Die Unvollendeten
Typisch deutsche Geschichtsklitterei:
- Thomas Medicus: In den Augen meines Großvaters
- Ulla Hahn: Unscharfe Bilder
- Günter Grass: Im Krebsgang
- Arno Surminski: Vaterland ohne Väter
So sieht Heer das jedenfalls. Vielleicht können ja auch einige Leser näheres zu den genannten Büchern sagen.

5 comments
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10. Juni 2008 at 19:43
tyler duden
Es heißt liest.
10. Juni 2008 at 20:10
Joinsen
20:01:18 Bonde: lies?
20:01:34 Bonde: ach, steht da schon.
20:02:08 Joinsen: nein, da steht liest
20:02:14 Joinsen: und es war absicht
20:02:24 Bonde: wieso?
20:02:37 Joinsen: huchting crime talk
20:02:59 Joinsen: ich mein, richtiger imperativ und opfer geht einfach nicht
20:03:50 Joinsen: aber wenn du das schon nicht verstehst, komme ich ins zweifeln
20:05:40 Bonde: zu recht.
20:05:47 Bonde: der inhalt hat mit huchting crime auch so gar nichts zu tun.
20:06:01 Joinsen: nein, aber mit opfern
20:06:11 Bonde: ah.
20:06:14 Bonde: zu weit hergeholt.
In meinem Kopf liegt das alles sehr nah beieinander.
10. Juni 2008 at 20:39
Erik
Bonde und Huchting?
Lesen und Opfer?
Imperativ und Crime?
10. Juni 2008 at 20:42
tyler duden
lies, verdammt.
11. Juni 2008 at 19:29
ROxIN
crime und huchting
lesen und imerpativ
bonde und opfer