Wenn man eine Vereinbarung trifft und diese bricht, redet man wohl kaum von einer Gefährdung der Vereinbarung, sondern von Wortbruch. Wenn freilich der Islamische Dschihad vier Raketen in Richtung Israel abfeuert und dabei immerhin einen Menschen verletzt, ist dies für tagesschau.de (Man achte auf die URL!) lediglich eine Gefährdung des vor einigen Tagen verabredeten Waffenstillstands zwischen Israel und den Palestinensern im Gazastreifen, vertreten durch die Hamas. Das liegt keineswegs daran, dass diese eine gute Begründung haben; der vermeintliche Anlass, die Razzia bei zwei Terroristen im Westjordanland, bei der einer zu Tode kam, ist mit dem Waffenstillstand absolut vereinbar, wie auch aus dem Artikel hervorgeht. Der Bruch der Waffenruhe ist deshalb nur eine Gefährung für die Waffenruhe, weil man wie fast immer damit rechnen kann, dass Israel nicht mit Waffengewalt reagieren wird. Das ist gut so. Aber man könnte das auch ruhig mal so schreiben.
Und in Israel fühlt sich das dann so an.

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25. Juni 2008 at 07:29
Peter Death Bredon Wimsey
Deine zutreffenden Anmerkungen, lieber Joinsen, werfen noch einmal ein besonderes Licht auf die Frage der Nation. Einerseits gehen führende Strategen immer von einem palästinensischem Staat als Ziel der roadmap aus, andererseits heißt es, Herr Abbas als Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde sei nicht für die Vorgänge im Gaza-Streifen verantwortlich, da dort die Hamas die Oberhand habe. Dass der Wortbruch jetzt vom Dschihad vollzogen wurde und die Distanzierungen von der PLO u n d der Hamas erfolgten, macht die Sache nicht besser. Ein quasi staatliches Gebilde mit dem Anspruch, als völkerrechtlich akzeptierte Nation wahrgenommen zu werden, sollte meines Erachtens gewissen Ansprüchen genügen. Wenn dort Gruppen militärisch aktiv werden, die (angeblich) nicht im Sinne der Führung handeln, wirft das ein groteskes Licht auf die administrative Organisation dieses Gebietes. Vor dem Hintergrund, dass sich diese multipolare Machtverteilung innerhalb des palästinensischen Gebietes immer wieder nutzen lässt, um je nach Bedarf Verantwortung anderen zuzuweisen, stellt einen unglaublichen Missstand dar. Allein die Existenz paramilitärischer Verbände auf palästinensischem Gebiet, die sich (vorgeblich) nicht an etwaige Weisungen der Autonomiebehörde halten, ist ein Affront. Dass diese Gruppen in der Lage sind, regelmäßig Raketen abzufeuern, stellt meines Erachtens die Autonomiebestrebungen gänzlich in Frage. Der Eindruck, dass hier gezielt mit der unübersichtlichen Situation Politik betrieben wird, drängt sich auf. Dass darüber hinaus das Gesamtphänomen „Nahost-Konflikt“ immer wieder unter dem Nenner „Israel“ subsummiert wird, zeigt die Parteilichkeit der hiesigen Berichterstattung. Konflikte innerhalb Palästinas, ja sogar innerhalb der gesamten arabischen bzw. gar muslimischen Welt werden immer in einen Zusammenhang mit Israel gestellt. Erstaunlich, dass der derzeit hohe Benzinpreis meines Wissens nach bislang noch nicht von den einschlägigen Antisemiten und Verschwörungstheoretikern auf die Existenz Israels zurückgeführt wurde.
25. Juni 2008 at 19:04
Bonde
Das wird doch sicher gemacht. Also, der Benzinpreis mit der “Situation im Nahen Osten” begründet, und an der gibt es ohnehin nur den einen Schuldigen.
Toll finde ich, dass die Hamas jetzt die erneute Schliessung der Übergänge durch Israel als Bruch der Waffenruhe bezeichnet.
Die PA spielt in Gaza schon keine Rolle mehr, es will dort nicht einmal mehr jemand den Anschein von Staatlichkeit wecken. Die Hamas erklärt offen, dass sie niemanden daran hindern wird, Raketen abzuschiessen. Dass sie es könnte, leugnet sie gar nicht. So hatte es Arafat noch gemacht, sich tatsächlich distanziert und gesagt, er wolle alles dagegen tun. Da ist die Hamas ehrlicher. Nur komisch, dass man überhaupt einen Waffenstillstand ausmacht.
Ich würde mir als nächste Schlagzeile wünschen:
“Hanija, Zahar und Maschaal von IDF und Mossad getötet”
25. Juni 2008 at 22:10
Peter Death Bredon Wimsey
Heute kam mir etwas in den Sinn, was in gewisser Weise die Umkehrung der sehr schön ausgeführten Zeppelinfantasie war, die an anderer Stelle Erwähnung fand. Ein junger Mensch entwarf zunächst in meiner Gegenwart die idiotische Idee einer „Großtürkei“ unter Einbeziehung Turkmenistans. Er befragte mich, wie dies völkerrechtlich zu werten sei, gesetzt den Fall, dass beide Nationen sich einig seien. In der Folge führte er dann aus, dass Dank Ahmadinedschad jetzt die Möglichkeit gegeben sei, „endlich den Staat Israel auszulöschen“. Ich war so vor den Kopf geschlagen, dass ich zunächst kaum Worte fand. Es blieb mir in diesem Rahmen nur, sehr deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass dies hoffentlich niemals der Fall sein würde. Und das ich s e h r viel daran setzen würde, solche Pläne zu verhindern. Insgeheim wünschte ich mir ein Mossad-Kommando, das sich unvermittelt aus einem Heißluftballon abseilt, um dem jungen Antisemiten die Scheiße aus dem Leib zu prügeln. In dieser Person verbinden sich Intelligenz, Antisemitismus, Islambegeisterung und Affinität zu westlichen Standards (vorehelicher Geschlechtsverkehr, teure Markenkleidung und Alkohol)- wahrscheinlich genau die Mischung, die in ihrer Widersprüchlichkeit den Keim des Terrorismus in sich trägt. Weiß jemand aus der geschätzten Redaktion oder unter den Leserinnen und Lesern, wie es sich mit der JDL verhält? Die Informationen, die Wikipedia preisgibt, sind sehr diffus- die englische und die deutsche Version unterscheidet sich stark in der Aussage, was vielleicht kein Wunder ist.