Vor zwei Wochen war ich in Berlin. Da ist es interessant, da trifft man Leute. Ich traf also auf die Freundin einer Freundin, nennen wir sie mal Sabine, und unterhielt mich eine Weile ganz nett mit ihr, u.a. darüber, wie realistisch so ein an den Himmel geworfenes Batman-Zeichen eigentlich ist, über Filme, Geschichten und solche Scherze.
Heute sitze ich mit meinen Eltern im Café 100 Meter von hier entfernt, und wer setzt sich mit fünf Freunden an den Nebentisch? Genau, Sabine. Ab hier beginnen nun meine Überlegungen zu sozialer Verkrüppelung. Ich weiss nämlich gar nicht, wie sowas gesellschaftlich geregelt ist. Grüßt man sich in solchen Fällen? Oder unterhält man sich gar kurz, wenn man sich dann wieder trifft?
Von diesen Fragen abgesehen kann es natürlich auch noch eine unterschiedliche Wahrnehmung geben. Was dem einen eine nette Unterhaltung war, kann dem anderen auch der langweiligste Freitagabend aller Zeiten gewesen sein. Das macht die Sache noch komplizierter. Zumal andere Leute öfter mal gute Unterhaltungen haben, weil’s anderswo (Berlin!) auch zahlreiche interessante Menschen gibt. Solche sind hier erfahrungsgemäß rar.
Konkret hatte ich nun mehrere Möglichkeiten, die perfekte Junge-Leute-Im-Café-Idylle nebenan zu stören. Ein freudiges “Hallo Sabine, hast du das mit BATMAN eigentlich mal geklärt?????” bietet alle Chancen, eine peinliche Situation für sämtliche Anwesenden zu kreieren. Könnte aber auch ziemlich komisch sein. Abgekürzt ginge auch “Hallo Sabine!”, das könnte im Falle des Nichterinnerns ihrerseits noch viel peinlicher sein, schliesslich entfällt die Möglichkeit für mich, direkt auf entlaufener Behinderter zu machen, die ich bei der Batmanvariante immerhin schon gut vorbereitet hätte.
Für Leute, die nicht sozial behindert sind, wäre das wahrscheinlich das Selbstverständliche, einfach mal Hallo zu sagen. Aber wer ist das schon? Ich würde diesen Eintrag nicht schreiben, wenn ich nicht wüsste, dass es Vielen so geht. Und natürlicherweise auch nicht, wenn sie ihrerseits Hallo gesagt hätte.
Zum Glück hat man immer noch eine weitere Möglichkeit: Nach Hause gehen und alles ins Blog zu schreiben. Das ist zweifellos die peinlichste. Nein, noch peinlicher wäre es, im StudiVZ zu lügen: “Warst du das eigentlich im Café Wolf? Ich war mir nicht sicher! Wie gehts so?”
Falls sich jemand findet, der die Frage mit dem Batmanzeichen klären kann, wäre das super. Braucht es dafür Wolken, an die es geworfen werden kann? Und wie klar können die Konturen eigentlich werden? Ich habe da so meine Zweifel an der Machbarkeit.

18 comments
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http://www.verbrochenes.net/2008/06/25/soziokruppel/trackback/
25. Juni 2008 at 19:16
Wede
Is jetzt zwar eigentlich nicht das Thema, aber: Kannst du das Café Wolf empfehlen? Bin da ein paar Mal vorbeigekommen, aber war nie drin.
25. Juni 2008 at 19:16
Jascha
Try this:
http://www.kopfschuettel.de/
25. Juni 2008 at 19:22
Bonde
Da fehlt mir jetzt jeglicher Zusammenhang zu meinem Post, aber das macht nichts.
@Wede: Ich trank nur Cola, aber selbst da habe ich was zu meckern. Wenig Kohlensäure! Meine Eltern aßen etwas von der Mittagskarte und waren sehr zufrieden. Und sitzen kann man da auch ganz nett, gegenüber ist der Krankenhauseingang, da wirds in der Regel nicht langweilig. Sollte man also durchaus mal ausprobieren.
25. Juni 2008 at 23:41
Jascha
Ich postete wegen dem Verhältnis zwischen Mann und Frau, dass bei deiner Situation auch sicherlich mit hinein spielt; bei einem Mann hättest du vielleicht anders reagiert.
26. Juni 2008 at 00:10
Sarah
Ja wie nun, was nun, was ist denn passiert, im Café Wolf? Hallo oder nicht hallo? Nicht mal ein “ich weiß genau wer du bist, tue aber so als kenne ich dich nicht und gucke durch dich durch-Blick”? Weil, ja, warum eigentlich?? Klingt für mich ein bißchen nach “ich fand sie toll, hab mich aber nicht getraut, aus Angst mich lächerlich zu machen - wegen Batman.” Wegen Batman, also weißte…
26. Juni 2008 at 01:13
Bonde
Lass Batman in Ruhe.
26. Juni 2008 at 05:54
Peter Death Bredon Wimsey
Ich weiß nicht, wie es um das Verhältnis zwischen Dir und Deinen Eltern bestellt ist; wenn i c h mich in eine solche Situation hinein imaginiere, in der meine Eltern mich in ein Café begleiten würden, schrumpft der gefühlte Handlungsspielraum und tendiert stark gegen Null. Daran könnten wohl weder Bruce Wayne, Clark Kent noch Peter Parker etwas ändern.
26. Juni 2008 at 10:51
sabine lord von cornwell
ich hab dir doch schon gesagt, dass man nur einen besonders starken laserlampendingsda braucht, der dann bis in die wolken hoch undsoweiter. ohne wolken gehts nicht. denk doch mal nach, wo soll das denn sonst hin? einen film kannst du ja auch nicht einfach so in die luft projezieren.
und ein cafe wolf gibt es in berlin überhaupt nicht. ergo: da ich in den letzten tagen nicht außerhalb der agentur, und schon gar nicht bei tageslicht, gesehen ward, musst du wohl einem gespenst begegnet sein oder einer projektion vielleicht. an einem stuhl oder der wand. ABER NICHT IN DER LUFT, hörst du!
26. Juni 2008 at 11:44
der gert
ihr seid super…!
hat jetzt wirklich DIE “sabine” hier geantwortet? oder is das ein fake?
ich kenne solche situationen natürlich auch, zähle mich zu nem ziemlich ausgeprägten soziokrüppel, dementsprechend genüsslich hab ich den text gelesen…
du hast also nicht hallo gesagt? muss anstrengend gewesen sein die ganze zeit nicht in ihre richtung zu gucken und sich zu fragen ob sie dich denn schon gesehen hat etc… und dann noch die eigenen eltern vor der nase, lol!
26. Juni 2008 at 12:21
Bonde
Das spricht jetzt natürlich nicht mehr nur gegen meine sozialen Kompetenzen, sondern auch ganz massiv gegen mein Gehirn. Vielleicht sehe ich demnächst tote Prominente oder sowas Albernes.
Die aufrüttelnde Nachricht über die Bedeutungslosigkeit des Zwischenmenschlichen in der Postmoderne und soziale Verkrüppelung des Einzelnen, die ich hier an mir beispielhaft vorgeführt habe, bleibt trotzdem ein wichtiges Thema. Wer hier einen schmierigen Rosamunde-Pilcher-Eintrag vermutet hat, irrt natürlich. Mrs. Koehler, Lord (??) Cornwell!
Gerne male ich mir nun erneut die Szene aus, die sich ergeben hätte, wenn ich tatsächlich mal nach Batman gefragt hätte.
Zu Batman: Müssen das dann auch noch recht tiefhängende Wolken sein? Auf größere Entfernung dürften doch die Konturen nach und nach unscharf werden. Ausserdem muss das Bild sicher sehr groß sein, damit es überhaupt zu erkennen ist, aus demselben Grund.
Ich würde diesem Batmannotruf dann auch die Praxistauglichkeit absprechen. Man kann einen Superhelden nicht nur rufen, wenn es gerade bewölkt ist. Die Superschurken, mit denen er es zu tun hat, würden sich blitzschnell darauf einstellen und nur noch bei Sonnenschein ihr Unwesen treiben. Andererseits hatte ich auch den Eindruck, dass es über Gotham City immer bewölkt ist. Ich war da mal.
26. Juni 2008 at 12:39
sabine lord von cornwell
wieso koehler? bei rosamunde pilcher sind alle lord.
und mit knirschenden zähnen muss ich dir rechtgeben. praxistauglich ist der batmannotruf wirklich nicht. auf der premierenfeier des neuen films würde er sich dennoch bestens machen. wolken auch hier vorausgesetzt.
jetzt muss ich aber auch mal weiter im text.
26. Juni 2008 at 18:47
Peter Death Bredon Wimsey
Die ebenso interessante wie romantische Affäre ist mittlerweile um ein bemerkenswertes Detail bereichert worden- Ihre Ladyschaft schmückt sich mit einem maskulinen Titel! Im Übrigen ist Cornwall fraglos reizvoller als der Besitz meines Bruders in Denvershire.
26. Juni 2008 at 20:02
großbürger gurkensalat
ruhe bitte. es ist alles gesagt.
27. Juni 2008 at 00:46
Sarah
Die Vereinzelung des Individuums in postmoderner Gesellschaft, jaha, natürlich, nichts anderes hast du gemeint. Insofern spiegelt das Batman-Thema ja im übertragenen Sinne prototypisch die emotionale Vereinsamung des Menschen, welcher Kraft seiner Intelligenz und Technik zum Superhelden avanciert, seine sozial-emotionalen Bedürfnisse und Identität verbergen muss, um die Stadt vom Verbrechen zu befreien. Etwas mehr schmierige Pilcher-Attitüde täte all den Bruce Waynes da draußen vielleicht ganz gut!?
Haben so Großraumdiskotheken auf dem Land nicht auch solche Laser-Geschichten, die man aus der Ferne sehen kann? Da funktioniert’s ja auch, oder?
27. Juni 2008 at 15:01
sabine lord von cornwell
ja, genau, postmoderne gesellschaft, das nehm ich. also mein ich.
aber um jetzt vielleicht ein paar illusionen da draußen zu zerstören, mit rosamunde-romantik hatte das ganze nicht so viel am cape.
aus der ferne sehn schon. aber ja nur den lichtstrahl. für batman könnte man, wenn man denn technisch könnte, was man nicht kann, auf den strahl verzichten; denn es geht am ende des tages und lichtes nur um die projektion der fledermaus. die frage ist also, gibt es laserlights, die hoch genug an die wolken strahlen können? mit einem laserpointer für die hosentasche wäre es wohl eher nicht getan. (auch wenn sich diese als supermodern-pfefferspray sicher gut vermarkten ließen.)
punkt. erstmal.
27. Juni 2008 at 17:45
Bonde
Bei Rosamunde gibt es meistens Ladies. Aber:
The title is primarily taken by men, while women will usually take the title ‘lady’. However, this is not universal, as the Lord of Mann and female Lord Mayors are examples of women who are styled ‘lord’.
Auf dem oben verlinkten Bild wird übrigens eine schwarze Fledermaus projeziert, bzw. eben der helle Umriss derselben drumherum. Das erscheint mir unsinnig. Angenommen, man hat da eine schwarze Wolke, dann lässt die sich trotzdem nicht so hell anstrahlen, dass die dunkle Aussparung eine erkennbare Fledermaus abgibt. Oder doch?
Man braucht also weisse Wolken. Falls die Laserlights noch nicht stark genug sind, muss man vielleicht von einem Hubschrauber aus strahlen, also einfach näher an die Wolken rangehen. Ich gehe jetzt einfach mal von einem unbegrenzten Budget aus, ob für den echten Batmanruf oder für die Promo des neuen Films.
Im letzten haben sie es so gemacht:
The effect was achieved by projecting artwork against moving fiberfill clouds.
“Fiberfill” ist Kunststoffwatte.
Das wäre dann die nächste Option: Die Wolken oder etwas ähnliches hängt man einfach aus einem Hubschrauber. Oder schmeisst das Bild an ein Hochhaus, aber das wäre ziemlich billig.
Meinst du den Laserpointer als Taschengerät zum privaten Batmanruf? Das wäre nicht nur gut zu vermarkten, das wäre tatsächlich toll. Per Taschengerät schnell den Batman rufen, das ist gerade für die Pfefferspray-Klientel “ängstliche Frau” sicher total attraktiv. Braucht man nur noch echte Batmänner, schwierich, schwierich.
27. Juni 2008 at 21:26
Peter Death Bredon Wimsey
In den genannten Punkten hast Du Recht, Bonde. Im Falle Cornwalls handelt es sich aber um eine Grafschaft. Während der Titel des „Lord of Man“ derzeit von Elisabeth II. (unzweifelhaft eine Frau) geführt wird und sicherlich einige weibliche „Lord mayors“ in Amt und Würden sind, lässt sich das Adelsprädikat im Falle der reizvollen südenglischen Region bis auf Weiteres traditionell verstehen. Dass sich der Titel eines Herzogs von Cornwall auf eine Grafschaft bezieht, verweist auf die englische Besonderheit, dass Titel und Grundbesitz nicht zwangsläufig in Verbindung stehen. Tatsächlich führt der englische Thronerbe den Titel „Duke of Cornwall“. Wäre es entsprechend der klassischen Peerswürde ein eigenständiger Titel, würde die Bezeichnung „Lord of Cornwall“ gar nicht existieren, da das „of Cornwall“ dem Vorsteher bzw. der Vorsteherin des Hauses zu eigen wäre, dem Inhaber des genannten Vorrechts, einen Sitz im Oberhaus zu beanspruchen, in diesem Falle also dem Duke oder der Duchess. „Lord“ ist ein unspezifischer Titel, der teilweise ausschließlich eine Höflichkeitsform darstellt. Angehörige englischer Adelshäuser sind nicht automatisch durch die Familienzugehörigkeit adelig, Winston Churchill war beispielsweise Enkel des Herzogs von Marlborough, weder Churchills Vater noch er selber erbten aber den Titel. Sehr wohl ist es aber wahrscheinlich, dass Winston Churchill im Hause seines Großvaters als „Lord Winston“ angesprochen wurde. Bei weiblichen Mitgliedern hieße es dann entsprechend „Lady“, womit wir wieder am Anfang wären. Der Reiz der Verbindung zwischen Bonde und Sabine und der Charme der Batmandiskussion lassen aber schnell vergessen, dass es Ungereimtheiten in der Titelnutzung gibt. Im Übrigen möchte ich Bitten, die reizvolle Mischung aus Polemik und Belehrung in diesem Blog aufrecht zu erhalten!
1. Juli 2008 at 15:49
YHN
http://psycho3d.de/tutes/pdf/batspot.pdf
Billig, aber immerhin hab ich was gefunden!!!!!