Bekifft Verstecken spielen

In Berlin habe ich mir das “Denkmal für die ermordeten Juden Europas” angeschaut. Vorher wurde mir davon erzählt, dass man darin wunderbar bekifft Verstecken spielen könne und das auch täte. Das macht Sinn. Denn dafür ist das Denkmal hervorragend geeignet, ich kann mir das lebhaft vorstellen. Und das zeigt das Problem, das dieses Denkmal hat. Es bringt einfach nichts von dem Grauen, das der Holocaust war, herüber. Im Stelenfeld kann man sich schon unwohl fühlen, wenn man nicht weiss, wer oder was um die nächste Ecke kommt, aber das ist kein Gefühl, das dem Thema des Denkmals gerecht wird. Verfolgung und Unsicherheit sind das eine, systematische Ermordung etwas anderes.

Vielleicht empfiehlt sich ein Besuch im Dokumentationszentrum darunter, vielleicht kann der das leisten, was das Denkmal selbst nicht schafft. Da das Denkmal aus sich selbst heraus nicht funktioniert, passt es so problemlos in die Stadt und lässt sich so gut umfunktionieren.
Es lässt sich eben gut darin Verstecken spielen, weil man den Hintergrund gut ausblenden kann. Das ist zweifellos einer der Gründe gewesen, warum man diesen Entwurf ausgewählt hat. Es ist eben nicht der Schandfleck im Herzen der Nation, als der es von den Neonazis beklagt wird und der völlig angemessen gewesen wäre. Es ist ein spannendes Stück Kunst mit Holocaust-Museum im Keller. Die Berliner und die Touristen merken das und benutzen es auch so. Weil das offenbar manchmal peinlich wird, gibt es ein paar Regeln:

Wer käme ernsthaft darauf, sich “in Badekleidung auf einer Stele zu sonnen”, wenn dieser Ort nur ansatzweise eine Stimmung erzeugen könnte, die an sechs Millionen Morde erinnert?

Ich erinnere mich an einen Zeitzeugenbericht, den es in Yad Vashem auf Video zu sehen gab. Da berichtete eine Frau, wie sie sich in Reihen vor einer Grube aufstellen mussten, um dann erschossen zu werden. In der Grube wimmerten diejenigen, die den Schuss überlebt hatten. Über ihnen lagen die Leichen derer, die nach ihnen kamen. Ab und zu kamen die Deutschen an die Grube und schossen noch einmal in Richtung der noch hörbar Lebenden. Der Bericht endet damit, dass die Frau erzählt, dass sie damals 6 Jahre alt war, als sie in dieser Grube voller Leichen lag.

Nun kann ein Denkmal dieses Grauen unmöglich einfangen. Es muss aber auch nicht so kläglich scheitern wie das Stelenfeld. Bessere Vorschläge gab es durchaus, zwei interessante seien hier erwähnt. Der Vorschlag “Leerstelle” hätte wohl genau das geleistet, was mir beim Stelenfeld fehlt, nämlich den Horror wiederzugeben, indem sich buchstäblich der Abgrund vor dem Betrachter auftut.
Der zweite Vorschlag “Überschrieben” wäre dem Thema auch nicht gerecht geworden, hätte aber die teils sinnlos und leichtfertig gewordene Gedenkkultur hierzulande bloß gestellt.

Aber beide hätten dem im Weg gestanden, worum es den Deutschen beim Erinnern doch hauptsächlich geht: Dem Zurückerlangen der Normalität. Das Stelenfeld ist längst genau dazu geworden, zu einem völlig normalen Teil des Berliner Lebens. Ein riesiges Loch hätte sich diesem Prozess widersetzt.

Neben dem Mahnmal stehen einige Landesvertretungen. Darunter auch die von Niedersachsen. Bei denen im Vorgarten steht ein Elefant und auf ihm steht “Wir sind die Niedersachsen…”. Das ist eine Zeile aus dem faschistoiden “Niedersachsenlied”, in dem man sich als “sturmfest und erdverwachsen” rühmt, weil man schon sovielen Feinden widerstanden habe. Glücklicherweise kamen dann 1945 Feinde, denen selbst die Niedersachsen nichts entgegen zu setzen hatten und befreiten unter anderem Bergen-Belsen. Eigentlich müsste man diesen geradezu offiziellen Bezug auf dieses Lied einmal skandalisieren, gerade in unmittelbarer Nähe eines Denkmals für Opfer des Nationalsozialismus.

Ein bisschen weiter entfernt kann man sehen, wie jüdisches Leben in Berlin heute aussieht. Dort steht das Gemeindezentrum der orthodoxen jüdischen Gemeinde unter Polizeischutz, den ganzen Tag.

Das Café daneben weist energisch daraufhin, dass es geöffnet hat.

Auch das scheint ein Stück Normalität zu sein: Juden, die mit der Bedrohung leben.

Gerade der Vorschlag mit dem Pflastern der Autobahn hat einige interessante Aspekte wie ich finde. Die Autobahnen, der Deutschen liebstes Kind - als eines der Vorzeigeprojekte des NS-Regimes quasi aus sich Selbst heraus mahnend, das ist ein guter Gedanke. Auf der anderen Seite hat es natürlich was von Erinnern “light”, von “Mc-Donaldisierung der Erinnerung” als Drive-In zu millionenfacher Vernichtung. Schwierig.

“Dort steht das Gemeindezentrum der orthodoxen jüdischen Gemeinde unter Polizeischutz, den ganzen Tag.”

Fragt sich nur, warum. Wegen geschätzten 100 Neonazis, oder vielleicht wegen der weitaus größeren Anzahl judenhassenden Muslime in Berlin? Wer hat vor einige Zeit noch gleich versucht, einen Rabbi auf offener Straße zu erstechen?

Nee, das fragt sich nicht. Das lässt sich nachlesen, unter dem letzten Link im Text.

Oh ja, lasst uns eine Rangfolge aufstellen, wer schlimmer ist. Der Punkt ist doch schlichtweg der, dass es in Deutschland immer noch Antisemitismus gibt. Ob die dann (deutsche) Nazis oder (mal deutsche, mal nichtdeutsche) Muslime sind, kann nur für Leute von vordergründigem Interesse sein, denen diese Unterscheidung auch sonst wichtig ist. Und die nennt man dann Fremdenhasser.

Bonde, Deine Eindrücke zum Stelenfeld kann ich gut nachvollziehen. Es ist schon irgendwie beklemmend, aber nicht grausam genug. Ich denke aber, dass fast jede Art von Denkmal nicht treffend genug gewesen wäre. Mehr Wagnis hätte der ganzen Sache aber wirklich gut getan.

So ein Quatsch. Antisemtismus ist unter Deutschen kaum noch verbreitet. Worüber man allerdings häufiger mal liest und hört, dass sind Übergriffe auf jüdische Schüler durch… na, Ihr wisst schon. Darf das nicht sagen, sonst bin ich ja fremdenfeindlich.

Du bist einfach zu dumm, um den Punkt zu kriegen.

Die Replik von Fragger hier und stumpfe Werbung für PI waren jetzt die ersten beiden Kommentare, die ich seit langem gelöscht habe. Mit weiteren Kartoffelstörungen wird genauso verfahren.
Die Kommentarfunktion hier ist nicht für Diskussionen mit Anders- oder Nichtdenkenden gedacht, sondern für Lobhudelei und Austausch unter netten Leuten mit einem gewissen Mindestbildungsniveau.

mindestbildungs.. was?!

Zu wenig Grauen.

Dazu fällt mir mein kleiner lieber Hausaufgabenschüler Knut (Name v. d. V. geändert) ein, der einen Text zu einem KZ-Bericht von Anne Frank zusammenfassen sollte. Er las ihn mir nach eifrigem Geschreibe freudig vor. Darin wurde die Verfolgung beschrieben, ein wenig Angst hier, ein wenig Elend da und als er fertig war, musste ich ihn darauf hinweisen, dass die Juden dort nicht nur Angst hatten, Hunger und Durst hatten, krank waren, eine Glatze bekamen und deswegen nicht so gut flüchten konnten, sondern dass sehr viele von ihnen vergast, also ermordet wurden und verhungerten. Da sagte er: “Ja, aber das kommt ja in Aufgabe 2″.

Seine Frage dann war, warum sie vergast wurden, denn das sei doch sicher ganz schön teuer gewesen, das ganze Gas.
Er ist Gymnasiast, sechste Klasse.

Nun stelle ich mir noch einen Besuch einer solchen Gedenkstätte vor und ja, diesen Schülern muss man vielleicht sagen, dass sie keine Gummibärchen essen, kriegen spielen und fröhlich herumgrölen sollen. Das könnte man sich allerdings sparen, wenn man sie vernünftig an dieses Thema heranführt.

Das Denkmal hätte tatsächlich besser konzipiert werden können. Diesen Betonklötzen fehlt etwas. Etwas markantes. Zwar mag diese “Anonymität” gut dazu passen, dass die Opfer der Nazis ihrer Persönlichkeit beraubt wurden. Allerdings sagen die Stelen nicht viel. Graue Tristess kann man auch auf alten DDR-Bildern sehen.
Ein Unterpunkt der Besucherordnung: man solle Vorsichtig sein, da die Kreuzungen unübersichtlich seien. Genau das dürfte viele Besucher zu sehr beschäftigen. “Mmmh….graue Klötze….hoffentlich stoße ich da vorn nicht mit jemandem zusammen.”
Das Dokumentationszentrum finde ich wesentlich gelungener. Es bietet Information. Interessant, aber nicht unterhaltsam. Denkmäler drüfen auch nicht unterhalten.

Was am Niedersachsenlied faschistoid sein soll, ist mir jedoch schleierhaft. Doch das gehört hier nicht her.

diese antideutsche hetze hier ist…….. unerträglich!

deutschland [...] buckelt selbst heute noch vor dem zdj.

ihr ultralinken [...] aber die mehrheit [...] und tragen an der ns-zeit keine schuld.


Ich habe zur besseren Kenntlichkeit ein bisschen gekürzt. Das passiert hier mit allen Kommentaren von erklärten “Deutschen” und anderen Antisemiten.

Bonde

na ja, vermutlich wird dieser beitrag auch wieder verstümmelt/zensiert.

Jep.

sehr traurig, was auf dieser seite abgeht.

Jep.

weltnetz suckz

Tatsache, irgendwas stimmt nicht an dem Denkmal. Wobei es mich schon (positiv) überascht, dass zwischen den Stelen nicht irgendwo der Addi sitzt. Halt so als Erinnerung und nicht als Ehrung. Ähnllich wie es gerad im neuen “madame taussads” geschieht. Klar wird die Abbildung des Addi von einer umfangreichen deutschen Debatte a la “darf man sich an solch einen massenmörder erinnern?” oder “diese schlimme historische begebenheit darf schließlich nicht in vergessenheit geraten”. was dabei in vergessenheit gerät ist, dass da noch so´n paar mehrere hundert tausende deutsche ein für sie wirtschaftlich und politisch vorteilhaftes system unterstützt, abgefeiert und getragen haben. addi hat gezwungen, aber nicht jedeN.
Daher fehlen dem denkmal die täterInnen.
So wie im Madame Taussauds die Abbildung deutscher massen feht, die den Antisemitismus feiern.

Vielleicht will “deutscher” ja mal was für deutschland tun und dafür posieren.