Vorbild

Ich wäre gerne so ein bisschen wie Christian Kracht. So mega-arrogant, halbschwul, reich und totales Arschloch. Vielleicht schreib ich morgen mal was über sein Buch “Faserland”. Das ist ganz großartig.

Ich finde, daß Du Dir schon Mühe gibst.
Das halbschwul Ding ist wahrscheinlich schwer zu erreichen, obwohl ich mich da nicht auskenne. Reich wirst Du bestimmt auch, ganz toll.

Peter Death Bredon Wimsey

Die im Video gezeigte Haltung des Herrn Kracht ist zum Teil beeindruckend- reduziert und entschieden, ebenso wie sein Dresscode. Faserland habe ich bislang nicht gelesen, ich hörte, dass dieses Werk als einziges aus der Reihe der sogenannten Popkulturwerke deutscher Sprache wirklich lesenswert sei, weil es eigentlich nicht dazu gehöre. Was gegen den Kracht spricht ist, dass er unter anderem für die Welt am Sonntag schreibt, ein widerwärtig elitär-konservatives bis reaktionäres Blatt, das augenscheinlich dazu dient, die Popliteraten aufzufangen, die es aus der Erfolgsbahn geworfen hat. Snobismus und Dandytum müssen unterschieden werden! Krachts folkloristische Anklänge (siehe Foto im Wikipedia-Eintrag) in Verbindung mit einer sehr strengen Frisur stellen eine kokette Annäherung an faschistoides Auftreten dar. Möglicherweise handelt es sich um einen ausschließlich schwulen Code, fragwürdig bleibt es aber dennoch. Und Kracht hat sich in der Vergangenheit nicht entblödet, mit Leuten wie Benjamin von Stuckrad-Barre zusammenzuarbeiten, eine der Witzfiguren des sogenannten Kulturbetriebs der letzten Jahre. In ebenso fader wie unangenehmer Erinnerung ist mir Tristesse royale, das Protokoll einer Jeunesse dorée, die den Ekel an der Welt und damit letztlich auch vor sich selbst zum Thema macht und dabei kaum über mehr oder minder provokantes Geplapper hinauskommt. Im Video-Interview wirkt zudem die Schuhangelegenheit unangenehm aufgesetzt, teure Schuhe mit Champagner zu polieren ist zu offensichtlich als bewusst dekadente Geste zu entlarven. Dass Schmidt sich begeistert zeigt, ist wohl dessen kleinbürgerlichen Herkunft geschuldet. Ein Gentleman und Dandy trägt vielleicht Schuhe für 4000 € und poliert sie möglicherweise auch mit französischem Schaumwein, er macht das aber niemals zum Thema öffentlicher Auseinandersetzung.
Das ganze „Gegen-den-Strich-bürsten“ hat in der Pose faszinierende Aspekte, allein: Es fehlt an Substanz. Und auch die Ernst-Jünger-Begeisterung der Literatenriege, der Kracht mehr oder weniger zuzuordnen ist, bleibt oberflächlich und zielt zu durchschaubar darauf ab, linksliberale Spießer zu brüskieren.
Ich bin sicher, dass es nicht solcher Vorbilder bedarf, Bonde!

Ich finde, dass du eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm hättest, lieber Laurentius, wenn du dich rasieren und ein wenig abnehmen würdest.
Dass ich mir Mühe gebe ist unzweifelhaft, aber habe ich denn ein bißchen Erfolg?

Hey Bonde, ich kenne Dich kaum und den Autoren gar nicht.
Ich wollte Dir nur viel Glück wünschen auf dem Weg zu “mega-arrogant, halbschwul, reich und totales Arschloch”.

Übrigens:
Rasiert bin ich, der Rest ist eine Frage der Perpektive.

Achtelschwul,

L.