“So ungefähr muss Hitler auch durch Wien gegangen sein” stellten wir kürzlich beim Anblick eines besonders elend und verzeifelt daherkommenden Mitbürgers fest. Kommt diese Feststellung zunächst ganz harmlos daher, so zieht sie doch gewaltige Konsequenzen nach sich. Angesichts der verheerenden Auswirkungen, die Hitlers Weiterleben nach seiner Wiener Postkartenmalerzeit hatte, stellt sich die Frage, wieviel Risiko man eingehen will. Soll man, um den Bürgerrechten genüge zu tun, Leute, die sich offensichtlich wie Hitler verhalten, einfach unbehelligt ihrer Wege gehen lassen? Oder ergibt sich da für jeden Antifaschisten eine klare moralische Handlungsanweisung?
Wir haben für uns entschieden, dass wir uns ganz bestimmt nicht dadurch mitschuldig machen werden, dass wir den nächsten Faschistenführer in dieser Stadt haben groß werden lassen. In der letzten Woche haben wir deshalb drei Mal beherzt eingegriffen. Nach einem selbst für uns völlig undurchsichtigen Verfahren wird die Wahrscheinlichkeit errechnet, mit der sich ein auffällig gewordener Passant zum Weltübel und millionenfachen Mörder entwickeln wird. Die in die Berechnung einfließenden Faktoren ergeben sich aus der historisch genauen Betrachtung Adolf Hitlers. Besonders deprimiert oder verzweifelt, jung, männlich - das macht verdächtig. Ergibt sich eine Hitler-Wahrscheinlichkeit von mehr als zweikommafünf Prozent, greifen wir ein. Kürzlich setzte ein von uns beobachteter junger Mann gerade dazu an, einer Frau eine selbstgemalte Postkarte zu verkaufen, da war für uns alles klar, und er verschwand wenig später in der Weser. Da, wo sie besonders tief ist.
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Ich werde mich bemühen, ab jetzt immer zu lächeln auf der Straße. Nicht, dass ich einem Missverständnis zum Opfer falle …
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enno, ab heute ist die sommerpause vorbei
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Onne,das ist doch wieder so eine fixe Idee von dir mit diesem Vergleich.
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Kürzlich besuchte ich mit Freunden ein Lokal im Viertel. Eine Dame aus unserem Kreis wurde in Russland geboren, der Einfachheit halber nenne ich sie Irina. Dieser Umstand ist normalerweise irrelevant, er spielt aber bei der folgenden Anekdote eine Rolle.
Einem aus unserer kleinen Runde, stellen wir uns vor, dass er Georg heißt, gelüstete es nach Wodka. Als die Bedienung kam, ein junger, vollbärtiger Mann, der noch intensiv damit beschäftigt war, etwas sehr Zähes zu kauen, orderte Georg das geistige Getränk. Der Kellner, immer noch damit beschäftigt, einer Masse im Mundraum mittels Zähnen Herr zu werden, signalisierte gestisch, dass es noch etwas zu klären gäbe, sobald er wieder in der Lage sei, sich verbal verständlich zu machen. Dieses etwas familiäre Verhalten suggerierte eine unkonventionelle Vertraulichkeit, die nicht unbedingt dem klassisch-gastronomischen Zusammenhang entsprach. Als der Kellner endlich geschluckt hatte, fragte er, welche Sorte des Schnapses gewünscht sei, es seien verschiedene vorrätig. In der Folge zählte er die Provenienzen auf, darunter auch eine polnische. Bei der Erwähnung des polnischen Wodkas verzog Georg etwas das Gesicht und blickte ironisch- entschuldigend-fragend Irina an. Eine etwas alberne Reaktion, die zum einen dem Umstand geschuldet war, dass Irina in ihrem unterstellten Stolz auf russische Spirituosen gekränkt sein könnte, wenn er polnischen Wodka ordern würde, zum anderen und wohl im ungleich größeren Maße war das Gebaren auf den zuvor genossenen Alkohol zurückzuführen. Der Kellner guckte recht böse und entfernte sich wortlos vom Tisch.
Das Rauchverbot im Etablissement ließ Georg und Tom, den Freund Irinas, aufstehen, um vor dem Servieren des Wodkas eine Zigarette vor der Tür zu rauchen. Kurz darauf erschien der Kellner mit den bestellten Getränken. Während er die Gläser auf den Tisch stellte, fragte er Irina und mich, ob wir etwas gegen Polen hätten. Auf unsere irritierte Frage hin entgegnete der junge Mann, dass wir so bedenklich bei der Nennung des polnischen Wodkas reagiert hätten, was doch „60 Jahre nach Kriegsende“ sehr fragwürdig sei. Irina erklärte, dass es sich um ein Missverständnis handele. Dadurch wendete sie offenbar eine weiterreichende Belehrung ab, der ich unter den gegebenen Umständen nicht gewachsen gewesen wäre. Ein bisschen fühlte ich mich an Bondes Nazi-Screening erinnert, möglicherweise bin ich diesem hiermit begegnet. Anschließend fragte ich mich, ob die politisch korrekte Servicekraft wohl in jeder Beziehung so couragiert auftreten würde, immerhin signalisierten meine Freunde und ich etwas eher Ziviles. Angesichts des Umstandes, dass das besagte Lokal gefühlt von 99% Menschen besucht wird, die sich selbst auf einer politischen Skala zwischen links-liberal bis links-radikal einordnen würden, erscheint die Aktion der Bedienung noch erstaunlicher. Ich bitte an dieser Stelle um Einschätzungen des geschätzten Publikums bzw. der verehrten Redaktion! -
Mein Rechtschreibprogramm ist auch ein Nazi. Ich verschrieb mich bei dem Wort hierarchisch und bekam “hier arisch” angeboten. Das kann, nein, das darf nicht sein.

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