Am vergangenen Freitag fand die erste Debate zwischen John McCain und Barack Obama statt. Dabei ist zwar auch interessant, dass in Deutschland meist von einem “Duell” die Rede ist, wenn es um solche Gegenüberstellungen von Politikern geht, doch ist dies nicht der entscheidende Unterschied. Im ersten Abschnitt redeten die beiden Kandidaten, wie sollte es anders sein, auch über die Finanzkrise.
Der zentrale Disput bei diesem Thema, das mutmaßlich die Wahl entscheiden wird, wurde über die Deutung der Ursachen und somit auch in der langfristigen Wahl der Mittel geführt, die Amerika (und mittelbar der Welt) nun aus diesem Schlamassel helfen sollen. (Über das 700 Milliarden-Programm waren sich die beiden ja eigentlich einig.) Obama versprach, den Leuten auf der Main Street, also den Lohnabhängigen zu helfen, die von der aktuellen Krise ebenso betroffen seien wie die Investoren an der Wall Street. Sein Konzept ist es demzufolge, die Lohnabhängigen zu entlasten und zu unterstützen, er erhofft sich davon neuen Schub für die Wirtschaft. McCain hingegen verteidigte seine Position, nach der man gute Bedingungen für die Unternehmen schaffen muss, was dann letztlich auch den Arbeitern und Angestellten zu Gute kommt.
Keiner von beiden musste das Glaubensbekenntnis “I believe in the free market” ablegen, denn es ist völlig klar, dass der freie Markt die unbestrittene Grundlage der amerikanischen Vorstellung von Wirtschaft ist. Im Streit zwischen Obama und McCain geht es lediglich darum, an welchem Ende des freien Marktes ein wenig korrigiert werden muss, oben oder unten. Dass alle zusammen zur Glaubensgemeinschaft des Kapitalismus gehören, steht für sie außer Frage. Daraus folgt logischerweise, dass alle eine Mitschuld an der derzeitigen Krise tragen, weil es eine Krise des Systems ist, von dem alle profitieren, oder zumindest profitieren wollen.
Wirtschaftlich gesehen ist es in Deutschland nichts anderes: Kaum einer macht sich Gedanken, warum wir so wirtschaften, wie wir es tun, grundsätzliche Kritik wird selten laut. Ein jeder versucht sein bestes, macht irgendwie Geld, und zwar so viel wie es eben geht. Damit ist Deutschland eigentlich Teil des Zaubersystems Kapitalismus, und in Deutschland wiederum jeder einzelne, Main Street hin, Wall Street her.
Doch traditionell hat man damit hierzulande so seine Probleme. Erst recht, wenn es krisenhaft wird. So sagte der haushaltspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Steffen Kampeter zu Überlegungen, auch die deutsche Bundesregierung sollte ein Rettungsprogramm auflegen: “Die Amerikaner haben die Finanzkrise hervorgerufen, ihre Risikogeschäfte bringen die gesamte Welt in Bedrängnis und von daher glaube ich, dass vor allem die amerikanischen Steuerzahler und Steuerzahlerinnen gemeinsam an der Lösung dieser Probleme arbeiten sollten.” Gemeinsam, aber nur die anderen mit den anderinnen. Und zwar die Amerikaner, die sind nämlich Schuld an der Krise. Was ihnen konkret vorzuwerfen sei, konkretisierte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß: “Die Amerikaner können jetzt nicht für ihr Versagen und ihre Arroganz Deutschland in die Haftung nehmen.” Davon, dass deutsche Unternehmen wohl kaum ein Problem hätte, wenn sie nicht auch gern mitgespielt hätten, sagt keiner was.
Was im großen Maßstab mit dem Paar “arrogante Amerikaner” - “Deutschland” funktioniert, macht sich auch im Kleinen ganz gut. Dann heißt das Pärchen “Spekulanten” - “ehrliche Bürger”. So ist etwa Martin Schulz, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Europaparlament der Überzeugung, es sei ein “ausgerasteter Finanzkapitalismus”, der an die Kette gelegt werden müsse. Damit macht Schulz den Split komplett. Nein, es ist kein Gesamtsystem, dass hier in Probleme geraten ist, sondern es sind die Spekulanten, die mit dem Verleihen von Geld Geld verdienen und so den anderen schaden. Dass ohne die Investoren der Kapitalismus ohne das Finanz- vornedran nicht funktionieren würde, verschweigt er. Ebenso wenig wird erwähnt, dass jeder, der sich von der letzten Regierung zum “Riestern” hat ermutigen lassen, ein vitales Interesse an Investmentbanking hat. Nur mit den hohen Renditen aus Risikogeschäften könnte sich eine Privatisierung der Altersvorsorge rechnen.
Dass die deutschen Politiker, durchaus ermuntert von ihrem Wahlvolk, die Verantwortung für die Krise des Systems, das auch ihres ist, in Amerika und beim Finanzkapital suchen, führt am Ende nur dazu, dass die deutschen Banken am Ende hinterherhinken, weil ihnen niemand hilft. Neues Futter für deutsche Minderwertigkeitskomplexe.

6 comments
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1. Oktober 2008 at 15:08
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30. September 2008 at 22:28
jos
Aus demselben Artikel: “Kurzfristig Geld ins Feuer zu werfen, das halte ich für den falschen Weg. Das legt nur das Fundament für die nächste Krise in einigen Jahren”, sagte er [CDU-Vize-Fraktionsvorsitzender Michael Meister] dem Sender n-tv.
Das muss man sich mal vorstellen.
Toll!
14. Oktober 2008 at 00:15
Joinsen
NPD-Blog zum Thema: http://npd-blog.info/?p=2303
17. Oktober 2008 at 15:05
Bonde
Die Ursachen der Finanzkrise sind jetzt auch klar: Gott interveniert für Gaza.
19. Oktober 2008 at 21:38
Joinsen
Haniyeh muss einen echt guten Draht zu Gott haben, woher sonst weiß er, dass sich die Krise weiterverbreitet? Meine Prognose: Manchmal ist Gott auch ungerecht, und auch die Wirtschaft der arabischen Staaten wird leiden. Was ich aber auch schon weiß: Haniyeh und Konsorten werden das nicht glauben wollen. Vermutlich gibt es nur eine Crew, die dafür verantwortlich gemacht werden kann: Die Juden.
20. Oktober 2008 at 12:01
Bonde
Ich stelle mir die internationalen Finanzmärkte sowieso wie ein großes Tauziehen vor. Einerseits das mächtige Finanzjudentum, das sie eigentlich fest in der Hand hat, andererseits kommt jetzt auf einmal GOTT mit dazu, der natürlich völlig gegenläufige Interessen hat. Wobei sie mit dem ehrlichen deutschen Arbeiter ein gemeinsames Opfer haben.