Oktober 2008

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Stochastik

Neulich hatten wir schon einmal FiveThirtyEight.com in den Aktuellen Links. Dort sammeln Menschen gewissenhaft ausgewählte Umfragen und Statistiken zu den amerikanischen Wahlen am 4. November und fügen sie zu einem brauchbaren Bild zusammen. Wie brauchbar? Nun ja, zu jedem Bundesstaat wird eine Wahrscheinlichkeit ausgerechnet, mit der die Kandidaten diesen Staat gewinnen. Delaware beispielsweise ist Obama nicht mehr zu entreißen, während Arizona schon für McCain gebucht ist. Obama wird mit 70% beziehungsweise 80% Wahrscheinlichkeit auch noch Ohio und Florida gewinnen, und selbst wenn er das nicht schafft, wird er noch mit 73,7% ins Oval Office gewählt. Als Zusammenfassung aller Daten kann man aktuell sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Barack Obama heißt, stehen bei 95,7%.

Damit ist man aber genau bei dem Problem, dass man immer hat, wenn man sich stundenlang durch die Stochastik kämpft und am Ende seine Ergebnisse anschaut. So richtig viel bringen einem diese Aussagen in der Praxis nicht. Denn es wird keine 1000 Wahlen geben, von denen Barack Obama um die 957 gewinnt. Es gibt genau eine Wahl, und einer der beiden (relevanten) Kandidaten wird sie gewinnen.* Man kann nur sagen, dass dieser Kandidat höchstwahrscheinlich Barack Obama heißt. Den errechneten Zahlenwert dafür kann man mit anderen Wahrscheinlichkeiten vergleichen, zum Beispiel der, die man noch vor ein paar Wochen hatte. Oder der Wahrscheinlichkeit, dass eine Glühbirne trotz Stichprobentests in der Fabrik kaputt aus der Packung kommt. Dort arbeitet man nämlich mit einem kalkulierten Fehler von 5% (mal mehr, mal weniger), damit man nicht alle Lampen durchtesten muss.

Ich habe noch nie eine kaputte Glühlampe gekauft. Vielleicht ist nächsten Dienstag das erste Mal. Ich würde mich dann schon auch ärgern.

*Na gut, ein Unentschieden hat die Wahrscheinlichkeit 0,21%, und selbst dann würde wohl Obama Präsident, wenn auch nicht unbedingt mit seinem Wunschvize Joe Biden.

Das Beste

Es läßt mich nicht ruhn
Wie kann ich wirklich was
für Europa tun?
Und wenn du mich einen
Landesverräter nennst:
Das Beste wäre für Europa
wenn Frankreich bis an die Elbe reicht
und Polen direkt an Frankreich grenzt

(Von Wolfgang Neuss. Der totale Neuss. Gesammelte Werke. Hrsg. von Volker Kühn. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1997.)

Mein Telefon

Mein Telefon ist einfach großartig. Es ist ein SonyEricsson K800i. Genau genommen ist es das beeindruckendste technische Gerät, dass ich je hatte.

Ich kann damit recht gute Fotos machen. Dank Blitz und 3 Megapixeln reicht es für meine Zwecke völlig aus, meine zwei Jahre alte Digitalkamera habe ich inzwischen verschenkt, weil sie überflüssig ist.

Meinen mp3-Player habe ich vor ein paar Monaten verloren. Erst da war ich klug genug, mir einfach für fünfzehn Euro eine 2GB Speicherkarte für das Telefon zu kaufen und damit Musik zu hören, anstatt Geld und Platz in meiner Tasche für ein neues Gerät zu investieren.
Und mobile 2GB Speicher lassen sich auch anderweitig verwenden, dank Bluetooth ist die Übertragung zu vielen Rechnern sehr einfach. Ein neues Headset, das kürzlich nötig war, kostete keine zehn Euro und die Kopfhörer sind besser als alles, was ich vorher für ähnliches Geld gekauft habe. Ach ja, ein Radio gibts natürlich auch und die Lautsprecher des Telefons, busfahrende Menschen wissen das, sind auch nicht so schlecht, fürs gemeinsame Fußballkonferenz am Deich hören taugt es jedenfalls.

Dank UMTS kann mein Telefon auch ins Internet. Das war zunächst mal klasse, als ich in einer neuen Wohnung auf DSL gewartet habe. Mit dem Telefon als UMTS-Modem konnte ich mit dem PC ins Internet, in annehmbarer Geschwindigkeit und nicht teuer.
Nun ist es vor allem mobil großartig. Mit dem Telefon lassen sich in Sekunden die eMails checken, egal wo ich bin. eMails sind übrigens etwas wunderbares, wer nur ab und zu seinen hässlichen Webmailaccount checkt oder im StudiVZ schreibt, sollte das ändern.

Als ich letztens in der Küche saß und zu faul war, zum Rechner zu gehen, den anzumachen und das Ergebnis der Bayernwahl nachzugucken, surfte ich eben kurz mit dem Telefon zu SpiegelOnline. Für kompliziertere Sachen ist das Display zu klein und die Eingabe eigentlich zu umständlich, aber wenn es tatsächlich mal sein muss, kann man sich natürlich auch auf irgendwelchen Webseiten einloggen und fast alle Sachen im Web machen.
Über die eMail-Funktion ließe sich auch sehr gut bloggen, einfach eine Mail an eine vorher in Worpress eingerichtete Adresse schicken und die Mail wird zum Blogeintrag. Aber das habe ich noch nie gemacht.

Und das ist der Punkt an den anderen Funktionen: Als damals die UMTS Lizenzen versteigert wurden und alle vom mobilen Internet redeten, konnte ich damit herzlich wenig anfangen. Jetzt, wo ich vor einem Jahr ohne mir über all diese Funktionen Gedanken zu machen zu diesem Telefon gekommen bin, merke ich selbst, wie großartig dieser technische Fortschritt eigentlich ist und wo er hinführen wird. An moderneren Geräten mit größerem Display kann man sehen, wie praktisch auch das Surfen dann funktioniert. So saß ich mal mit einem Freund in der Kneipe, wir redeten über einen Blogeintrag, den ich geschrieben hatte, und er guckte ihn einfach mal selbst an, das dauerte auch nur ein paar Sekunden.
Inzwischen gibt es auch Instant Messenger für Mobiltelefone, in Zukunft kann man also nonstop mit allen Leuten, mit denen man das möchte, vernetzt sein. Gleichzeitig verkleinern sich die Personal Computer und ermöglichen auch anständiges Arbeiten unterwegs.

Das Schöne und das Begeisternde an diesen Geräten, was mich zu der an sich ziemlich merkwürdigen Idee, in diesem Blog über mein Telefon zu schreiben, bringt, ist der tatsächlich fühlbare rasante Fortschritt der Technik. Und nicht irgendeiner Technik, die irgendwie spannend aussieht und in zwei Jahren vergessen ist, sondern einer, die mein Leben spürbar verbessert und unser aller Leben in der Zukunft ganz massiv verändern wird. Wenn ich Interviews mit Firmentypen lese, die das von ihrer Technik behaupten, gähne ich ganz ignorant. Wenn ich mein Telefon angucke, dann glaube ich selbst dran.

Leider kriege ich von Sony kein Geld für diesen Eintrag.

In Werders von uns immer wieder gerne besuchter Webseiten-Rubrik „Anti-Diskriminierung“ wird die neunte FARE-Aktionswoche angekündigt. Dort heisst es:

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und ihre Vereine beteiligen sich an der europaweiten Aktionswoche des Netzwerks „Football Against Racism in Europe“ (FARE), die vom 16.10. bis zum 28.10.2008 bereits zum neunten Mal durchgeführt wird. In mehr als 35 Ländern gibt es Aktionen, die eine möglichst breite Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren und aktivieren sollen. Zusätzliches (sic!) Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema „Homophobie“.

Die Anführungsstriche sagen hier: Wir haben keine Ahnung, was das ist. Wir zitieren FARE nur. Immerhin reden sie nicht von „Rassismus“, das Konzept haben sie nämlich inzwischen verstanden. Das beweisen sie durch die Bildauswahl und zeigen zwei Schwarze und einen Weißen, um zu beweisen, dass Hautfarbe wirklich gar keine Rolle spielt. Oder zeigen sie Aaron Hunt, weil dem mal vorgeworfen wurde, zwei schwarze Gegenspieler bei der U21 als „Affen“ beschimpft zu haben?

Werder setzt sich hier für Dinge ein, die sie für sich genommen überhaupt nicht interessieren. Interessant ist vor allem die Außenwirkung. Inhaltlich muss man solche Leute immer vor sich hertreiben, wie es FARE macht. Denn wie sollten sie selbst etwas Sinnvolles auf die Beine stellen, wenn die Verantwortlichen nicht wissen, worum es überhaupt geht und selbst bei inzwischen als Problem recht bekannten Erscheinungen wie Homophobie noch die Augenbrauen hochziehen?

Bei Wikipedia stößt man immer wieder auf interessante Dinge. Diesmal: Die Neue Deutsche Härte. Das hat weder was mit Abschiebungen zu tun noch mit erneuten Ambitionen in Osteuropa, sondern vielmehr mit Musik. Doch es steckt „deutsch“ im Namen, und wer angesichts der Härte Unheil vermutet, liegt richtig. So betitelt Stephan Lidke einen Artikel zum Thema mit „Der Tabubruch von heute ist der Mainstream von morgen – Die ‚Neue Deutsche Härte‘ als ästhetisches Spiegelbild der wiedererstarkten Nation“. Auch wenn es sicher sinnvoll ist, das Label „faschistoid“ erst nach eingehender Prüfung zu vergeben, die Liste der Bandnamen, die geboten werden, spricht eine klare Sprache: Fleischmann, Leichenwetter, Metallspürhunde, Niederschlag, Rammstein, Richthofen, Riefenstahl, Schwanensee, Schweisser, Sonnengott, Stahlhammer, Unheilig, Weissglut. Ganz bewusst (oder auch nicht*) wird hier auf deutsches Herrenmenschentum, deutsche Mordlust und deutsche Selbstinszenierung verwiesen. Gleich zwei Band schreiben sich mit Doppel-s, wo der Duden sich ein ß wünscht. Und doch scheinen weniger organisierte Nazis die Zielgruppe zu sein als vielmehr arme kleine Deutsche, die sich jetzt endlich mal wieder ihrem Volkswesen gemäß gebärden wollen. Dass die Musik mainstreamfähig ist, ist zu bezweifeln. Die dahinter stehenden Motive sind es mehr und mehr.

*Nachtrag, 24.10.2008: Die von mir angenommene Beziehung zwischen der Deutschheit der neuen Härte und faschistoiden Tendenzen wird offenbar nicht von allen Musikanten nachvollzogen, die sich dieser unter diesem Genre zusammenfassen lassen. So haben die Metallspürhunde per Mail geschrieben, dass sie sich seit jeher „AUSDRÜCKLICH von rechtem Gedankengut“ distanzieren. Das sei hier also vermerkt. Daran, dass ich die ganze Schublade Neue Deutsche Härte, in die die Band nach eigener Aussage „musikalisch ganz gut“ reinpasst, für höchst zweifelhaft halte, ändert das nichts. Es steht jedem frei, eine andere Meinung zu entwickeln.

Stephen Colbert hat in seiner gestrigen Sendung mal wieder zu Wikipedia-Vandalismus aufgerufen, wenn auch indirekt, als er behauptete, er habe seinem Vorbild Bill O´Reilly einen Nobelpreis in der Online-Enzyklopädie verschafft. Das Ergebnis:

In October of 2008 O’Reilly was awarded the 2008 noble prize for Economics, this award created division amongst journalistic circles as many believed his economic journals had been „too good“.

Da hat sich jemand Mühe gegeben. (Wobei der Link wohl nicht lange als Beweis funktionieren wird. Aber Screenshot lohnt jetzt echt nicht.)

Aktuelle Links

Wie angekündigt gibt es jetzt eine neue Rubrik unter den Links, nämlich „Aktuelle Links“. Dort werden wir regelmäßig neue Links einfügen, die uns gerade über den Weg gelaufen sind und die wir für interessant halten. Damit werden einige Beiträge, die sowieso nur Links oder belanglose Youtube-Videos zum ziemlich unkommentierten Inhalt hatten, entfallen.

Achtung: Wenn mir die Statistik sagt, dass ihr da sowieso nicht draufklickt, verschwindet dieses tolle neue Feature wieder und wir sind beleidigt.

In Bremen gibt es eine lebhafte Naziszene, die personell eng mit den Bremer Hooligans verbunden ist. Mit der Entwicklung mitten in die Gesellschaft, die der Fußball genommen hat, sind die Hooligans allerdings auch in Bremen weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Man muss die Gesichter schon kennen, um einige von ihnen vor dem Stadion zu erkennen, im Stadion selbst treten sie gar nicht mehr in Erscheinung. Stattdessen prügelt man sich heutzutage meist bei abgemachten Sportlertreffen in Feld, Wald und Wiese, jedenfalls abseits vom Stadion.

So treten die Hools nur noch selten in die Öffentlichkeit, und wenn sie das tun, dann meist in ihrer Eigenschaft als Nazis. Das zunehmende Engagement der Ultragruppen in Bremen vor allem gegen Rassismus und Nazis ist ihnen natürlich unangenehm, und so wurde die Stimmung zunehmend feindseliger, vor zwei Jahren gipfelte das in einem Überfall auf die Party von Racaille Verte, eine der beiden Ultragruppen in Bremen. Danach wurde es wieder weitgehend ruhig.

Soweit die Vorgeschichte. Jetzt haben sich bekennende Bremer Nazis auf ihrer Website kurz zu Wort gemeldet. Dass es sich dabei zumindest um Leute handelt, die mit den Hooligans eng verbunden sind, dürfte klar sein. Inwiefern hinter fn-bremen.org dieselben Leute stehen, die auch als Hooligans aktiv sind, weiß ich nicht. Entstanden ist nun ein denkwürdiges Dokument rechtsradikalen Wahns.

Mit linksextremen Choreographien, Flugblättern und Aufklebern missbrauchen sie [die Ultras] den Sport als Plattform für ihre menschenverachtende und verbrecherische Lügen-Propaganda, zur Denunzierung und Brandmarkung von Andersdenkenden.

Natürlich haben Nazis nie etwas dagegen gehabt, beim Fußball neue Anhänger für ihre Polit-Aktivitäten zu gewinnen. Auch ist Nationalismus beim Fußball ganz „normal“, im Gegensatz zu den Aktivitäten gegen (deutschen) Nationalismus, die dann wieder böse politisch sind, beziehungsweise einfach „Lügen“. Mit dieser Einstellung stehen sie allerdings mitten in der Gesellschaft, denn vom normalen Stadionbesucher bis zum deutschen Allesfahrer ist man sich einig: Diese Linken nerven und lenken vom Sport ab.

Die selbsternannten „autonomen“ Fußballfans, sind ein fester Bestandteil des Systems und von diesem finanziell und existenziell abhängig. Und anders herum gilt dasselbe. Woche für Woche schmeißen sie den Bonzen von Werder und Co Unsummen in den Rachen, machen jede Lächerlichkeit mit, unterstützen Werder-Projekte und sorgen so für die rein profit-orientierte Kommerzialisierung des Sports.

Offenbar sind die „Freien Nationalisten“ nicht finanziell und existenziell „vom System“ abhängig, sie säen Obst und schlachten noch selbst. Sie arbeiten nicht bei Betrieben, die Geld von Banken leihen, und sie fahren nicht auf den Straßen, die die BRD gebaut hat. Oder wie?
Begeistert wird der ein oder andere selbsterklärte Linksradikale aber aufnehmen, dass „das System“ von ihm abhängig ist. Da werden alle Allmachtsphantasien wahr, die in der Realität so oft enttäuscht werden. Ein paar Jugendliche bewegen „Unsummen“ und leben nicht etwa nur in diesen Zuständen, sondern sorgen erst für sie. Man fühlt sich ein wenig an die Mär erinnert, nach der Hitler eine Marionette des Kapitals gewesen sei, nur andersrum und ohne Machtergreifung.

Wir sprechen uns ganz deutlich und konsequent gegen diese perversen Zustände aus; wir wollen unseren Sport erhalten “ in ehrlicher und reiner Form.

Verraten tut sich der Unsinn hier am deutlichsten im schönen Wort „erhalten“. Als ob es einst einen „reinen“ Fußball gegeben hätte, der irgendwie ausserhalb des Kapitalismus existiert hätte. „Ehrlich“ kann hier getrost als „deutsch“ übersetzt werden.

Aus diesem Grunde werden wir “ in Zusammenarbeit mit befreundeten Fußballgruppen – in den nächsten Wochen und Monaten verschiedene Aktionen gegen die fortschreitende Politisierung und Kommerzialisierung des Fußballs im und vor dem Weserstadion veranstalten. Denn: Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik!

Weil Politik Politik ist und Fußball Fußball, gehen wir jetzt mal zum Stadion und machen da politische Aktionen. Okay. Nun wird es aber auch abseits von der Kritik dieses Schwachsinns interessant.
Was haben die vor? Für Nazis ist es unmöglich, im direkten Fußballumfeld politisch aktiv zu werden. Flyer oder Plakate würden direkt von der bürgerlichen Antinazifront, allen voran aus Werder und der Polizei, verboten, die Aktivisten eingesammelt. Und selbst wenn das nicht so wäre, könnten die Nazis beim durchschnittlichen Stadionbesucher nicht landen. Das liegt nicht an ihren Inhalten, die sind wie gesagt teilweise zustimmungsfähig, sondern an dem Label „Nazi“, das sie sich selbst gegeben haben. Denn: Anständige Deutsche sind keine Nazis.
So bleiben nur wenige andere Möglichkeiten für die angekündigten „Aktionen“. Die wahrscheinlichste ist Gewalt gegen die Adressaten ihrer Anklagen, gegen Ultras. Das wäre nichts Neues, aber das liegt daran, dass Hooligans eben nicht viel anderes können. Wahrscheinlich haben wir es hier also mit einer Drohung zu tun, die sich als leere herausstellen kann oder eben nicht.

Selbstverständlich ist nicht nur der Fußball von diesen Zuständen betroffen; in jeder anderen Sportart, von der Kreisliga bis zu den internationalen Top-Ligen, wurden die olympischen, ehrvollen Attribute durch den undurchschaubaren und habgierigen Kommerz ersetzt.

Deshalb habe ich auch nur in der Kreisklasse gespielt. Da ist es noch so richtig olympisch und „ehrvoll“, auch wenn das gar kein Wort ist.

Wir wollen, dass unsere Jungs von Werder wieder ehrlichen Fußball spielen, wir wollen, dass der deutsche Nachwuchs “ junge engagierte Talente aus Bremen “ gefördert wird und endlich der Sport wieder im Vordergrund steht.

„Kinder statt Inder“ nennt man das bei der CDU, oder eben Schmidt statt Özil. Die wiederholte Erwähnung von „Ehrlichkeit“ bleibt irgendwie hängen. Es bedeutet hier, dass etwas mit Geld nichts zu tun haben darf und, dass man nichts für sich selbst tun darf. Sondern nur für „die Sache“, die natürlich im Endeffekt immer die deutsche ist.

Gegen die Politisierung und Kommerzialisierung des Fußballs “
Fördert den deutschen Sport!!!

So endet der Aufruf und wirft die Frage auf, was denn „der deutsche Sport“ ist. Vorgeschlagen wurden bisher: Kegeln, Kartoffelweitwurf und: Panzerfahren nach Osten und zu Fuß wiederkommen.

Schnell ist man derzeit überall in der Szene mit Scherzen über diesen Nazitext bei der Hand. Dabei könnten sich so einige Sätze auch in Flyern aus der Ultraszene finden, andere wiederum bei deren Kritikern. Und das obwohl sie sich doch alle von Nazis immer so überzeugend distanzieren. Wenn die Veröffentlichung nun dazu taugt, dass einige mal über ihre eigene antikapitalistische Einstellung und deren Parallelen zur Nazi-Denke reflektieren, dann war es doch für etwas gut.

Im Hintergrund bleibt die Gefahr einer gut organisierten Bremer Naziszene, die niemand ausser den betroffenen Opfern tatsächlich wahrnimmt. Wenn die nun ihre Drohung wahr macht, so wird sie das natürlich nicht wie angekündigt am oder im Weserstadion tun, sondern unbemerkt im Umfeld.

Jörg Haider hätte es sicher gefreut, dass seine Todesnachricht von bundesdeutschen Zuhörern im österreichischen Radio gehört wird. Er hat sich das aber sicher anders vorgestellt als so:

Jörg Haider has been killed in a car accident.

fm4 ist Kulturimperialismus in seiner schönsten Form.

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