November 2008

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Wir müssen feststellen, dass das Ende der Geschichte gekommen ist. Die Leistungen von Werder Bremen sind wieder ungefähr so, wie es sich für einen kleinen Club aus einer strukturschwachen Region gehört. Die Nazis ruhen sich gerade noch aus. Die Finanzkrise hat ohnehin jegliches Leben lahm gelegt. Der Nahe Osten wartet auf den Erlöser aus Amerika bzw. einen neuen Eiertänzer in Jerusalem. (Notiert euch das, in dem Satz steckt Israelkritik!)

Der Punkt ist, dass es nichts zu bloggen gibt. Wir verzweifeln also nicht etwa am eigenen Leben, obwohl es das härteste in Mitteleuropa ist, sondern an der Welt. Neue Alben von Guns n Roses und Britney Spears pfeifen es von den Dächern der Kulturindustrie: Es passiert einfach nichts Bemerkenswertes mehr, ein komischer Brei bedeckt die Erde. Und das Internet. Abzulesen in den – ironisch benannten – „Aktuellen Links“ ist, dass wir auch gar nicht mehr surfen. Denn wir haben schon alles gelesen. Die ungeheuerliche Bildung, die daraus resultiert, ist kaum zu ertragen.

Republikflucht ist eine Lösung, aber keine Möglichkeit. Vielleicht auch umgekehrt. Vielleicht muss man sich auch ab und zu ordentlich einen reinschütten. Ich weiß das wirklich nicht.

Neulich bin ich mit einem Tänzer aus Kuba Auto gefahren. Er behauptete, dass Fidel noch topfit sei und sein Tod gar nicht mal wünschenswert, denn er sei so eine Art Vaterfigur. Ich kann allen anderen Exilkubanern nur zurufen: Macht mal halblang, hey, da kann man auch mal ne andere Meinung haben. Und tanzen kann man auch. Das macht fröhlich und hält jung. Was ja wiederum echt wünschenswert sein kann.

Jedenfalls, ich bin auch mit einer Modistin Auto gefahren. Könnt ihr mal selber rausfinden, was das ist.

Listen, die ich machen möchte:

Liste schöner Wörter
Liste von Menschen, die ich bewundere
Liste skurriler Berufe
Liste von Antisemiten, die ich persönlich kennengelernt habe
Liste kluger Sätze, die Mama gesagt hat
Liste wünschenswerter Listen (x)

Was ich außerdem möchte, ist eine Liste wundervoller Sätze, die Peterlicht geschrieben oder gesungen hat. Vieles hat er auch geschrieben und gesungen, das zählt dann auch. Aber ich will das gar nicht als Liste, ich will das als Serie. Ich werde es „Der Peterlicht der Woche“ nennen und gleich damit anfangen. Immer Freitags dann. Hier.

Peterlicht war kürzlich wieder in Bremen. Er hat jetzt ein anderes Publikum. Da sitzen nun auch Leute, die sich die ganze Zeit unterhalten und nicht zuhören können. Es ist natürlich ganz ganz dumm, zu Peterlicht zu gehen, wenn man nicht zuhören kann. Vor der Bühne stand ein Haufen von Kirchentagsmaterial, das sich in Herzekstase begab. Geht gut mit dem Peter, ist aber echt doof gewesen, für uns so. Nächstes Jahr ist Kirchentag in Bremen, ich gehe aber nicht hin. Logisch.

Und jetzt ein Bild, es ist nicht schwarz-weiß.

Naja, bunt jetzt auch nicht. Aber schon ganz schön so. Wenn man genau hinguckt, ist es eine schwarze Hose.

Letztens hat es Hunde und Katzen geregnet. Sie hatten Glück und landeten in riesigen wolligen Bergen aus den Bindfäden, die es am Tag zuvor geregnet hatte. Dann jagten sie Wollmäuse, die sich schließlich in meinem Bauchnabel versteckten. So fand die Jagd ein gutes Ende.

Der DFB macht mobil, und zwar gegen einen Sportjournalisten. Der hatte Theo Zwanziger einen „unglaublichen Demagogen“ genannt und ihm wurde, trotz und wegen intensiver Bemühungen des DFB dagegen, das Recht, diese Aussage zu machen, vor Gericht zugestanden. Nachdem es also auf dem juristischen Wege nicht geklappt hatte, griff der DFB zu anderen Mitteln und versucht, Jens Weinreich anders – ja wahrscheinlich einfach, ihm anders zu schaden.

Der Kampagne des DFB entgegen steht derweil ein weites Feld von Einträgen im Internet. Die ganze Geschichte empfehle ich bei Stefan Niggemeier nachzulesen, er hat mehrere Einträge zum Thema gemacht. Oder natürlich bei Jens Weinreich selbst, der sie auch dokumentiert hat, oder im Interview bei Sportswire.

Selbst alten Hasen fährt der Schreck jedes Mal aufs Neue in die Glieder, wenn sie dieses Video sehen.

Der Gänsehaut-Oscar geht allerdings wider Erwarten an einen Vertreter der Lemuren:

Mit Dank an eine Bremer Geburtstagsgesellschaft.

Redensartensalat

Man sollte da nicht alles unter einen Tisch kehren. Ansonsten ist man ganz schnell auf dem Holzdampfer.

Wer von den beiden das Opfer war, geht aus der Bildunterschrift leider nicht hervor. Vielleicht ist das aber auch nur eine Verwechslung. Vielleicht.

Dort, wo man Bücher verkauft, verkauft man am Ende auch Menschen.


Too much candy von Capucha bei Vimeo.

Wikipedia:

Durch steigende Mietpreise können sich jedoch die Studierenden und Bürger mit alternativem Lebensstil immer weniger Wohnungen im Viertel leisten.

Ich kenne das. Ich habe bereits zwei meiner vormals fünf Wohnungen aufgeben müssen.

Gestern spielte der SV Werder in Bochum – mal wieder nicht wirklich erfolgreich, mal wieder begleitet von tausenden Fans. Unter diesen befanden sich auch Mitglieder der Nachwuchs-Hoolgruppe Nordsturm Brema. Wie bei Fanclubs und -gruppierungen üblich präsentierten sie zum Einlaufen der Mannschaften ihre Fahne. Auf dieser steht weiß auf schwarz NS HB, mit einer Totenkopf-Fußball-Flammen-Kombination in der Mitte.

Dass einem bei den ersten beiden Buchstaben Assoziationen kommen, die eher etwas mit deutscher Geschichte als mit dem Namen einer Gruppe von Hooligans zu tun haben, ist Kalkül. Denn bei den Mitgliedern des Nordsturm handelt es sich zumindest teilweise um Leute, die fest in der Bremer Naziszene verankert sind. Einige waren schon beim Überfall auf eine Party der Ultragruppierung Racaille Verte vor knapp zwei Jahren beteiligt; und man kann annehmen, dass ein Zusammenhang zur angekündigten Offensive der Freien Nationalisten besteht, deren Seite übrigens aktuell offline ist.

So war es absolut richtig, dass nach Ende des Spiels, bei der erneuten Präsentation der Fahne, umstehende Fans anfingen, die überwiegend ganz klassisch beglatzten Hools zu beschimpfen und „Nazis raus“-Rufe anzustimmen.

Zwar hätte eine solche Reaktion durchaus auch schon vor Beginn des Spiels kommen können. Doch spät ist besser als nie, umso mehr, wenn dann so entschlossen gehandelt wird. Sekunden später brüllten so gut wie alle Bremer Fans sowie einige der noch anwesenden Bochumer den Nazis ihren Unmut entgegen, von denen sich ihre entweder ängstlichen oder „unpolitischen“ Kameraden mittlerweile abgesetzt hatten. Viele Fans bewegten sich offensiv auf die Rechten zu und versuchten, sie direkt anzugreifen, was aber dank der schnell anwesenden Ordner nur wenigen gelang. Es flogen Bierbecher und andere Gegenstände. Auch nachdem die Polizei sich um die überraschte, aber weiterhin provozierende Gruppe postiert hatte, kam es immer wieder zu Vorstößen couragierter Fans, die sie meistens mit Knüppelschlägen und Tränengas in den Augen bezahlen mussten. Dabei waren es keinesfalls nur die als klar antifaschistisch bekannten Ultras, sondern auch Kuttenträger der älteren Generation sowie ganz normale Durchschnittsfans, die aktiv wurden.

Schließlich begleitete die Polizei die Nazis in den Innenraum des Stadions, von wo aus sie an den ratlosen Werder-Spielern vorbei ins Polizeigewahrsam gingen. Dort stellte die Polizei fest, dass sie mit den Männern schon mal zu tun hatte, in diesem Fall aber nichts weiter ausrichten könnte.

Der Vorfall zeigt zunächst einmal, dass es in Bremen nicht nur in der Ultraszene eine positive Entwicklung gibt, sondern dass der Widerstand gegen Nazis eine breite Basis hat. Man hat gesehen, wozu die Bremer Fans bereit sind, wenn es darum geht, eine Kurve zu schaffen, in der Nazis keinen Platz haben. Und auch, wie wenig sie dabei auf offizielle Instanzen angewiesen sind. Denn anders als von einigen Medien berichtet hatte Werders Mediendirektor Tino Polster mit der Angelegenheit herzlich wenig zu tun. Ebensosehr überschätzt sich wohl der Fanbeauftragte Dieter Zeiffer, der die Polizei gerufen haben will. Die dann ihrem Auftrag gemäß gegen die Fans arbeitete.

Und doch bleibt noch viel zu tun. Denn wer Nazis als Fotzen beschimpft, weiß zwar so in etwa, wo der Gegner steht, hat aber noch nicht so richtig verstanden, wo denn das Problem mit diesem Gegner liegt. Weder für die Fans noch für den Verein kann es darum gehen, immer nur gegen die Umstände vorzugehen, die ein negatives Image verursachen und gleichzeitig über Missstände hinwegzusehen, die (noch) eine gewisse gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Denn Rassismus und Diskriminierung sind ganz klar präsent in der Fanszene. Zu dieser gehören auch die Nazis von Nordsturm und Standarte – ob man das nun wahrhaben will oder nicht. Letzteren Weg beschreitet Werder in seinen offiziellen Stellungnahmen nach wie vor. So heißt es auf der Homepage: „Obwohl die Täter nach ersten Informationen aus Bremen stammen sollen, gab es kein (sic!) Hinweis darauf, dass sie der grün-weißen Fanszene entstammen.“

Bevor man das behaupten könnte, müsste zum Beispiel endlich einmal damit aufgehört werden, mit den Nazis zu reden. Solche Gespräche halten nämlich einige immer noch für unumgänglich, sei es, weil man die gut trainierten Hools in der Auseinandersetzung mit gegnerischen Fans braucht oder weil sie ja schon immer da waren und halt dazu gehören. In diesem Zusammenhang hört man dann immer wieder das schöne Wort von der „unpolitischen Kurve“. Selbst nach den gestrigen Vorfällen wurde antifaschistischen Fans angelastet, sie hätten mal wieder Politik ins Stadion gebracht. Kurioserweise kam dieser Vorwurf auch noch aus dem Umfeld des offiziellen Fanbeauftragten. Außer dessen Ersetzung durch einen sich deutlicher positionierenden Nachfolger könnte Werder eventuell mit Stadionverboten gegen den braunen Bodensatz der Szene vorgehen.

Die gestrige Aktion ist eine große Chance. Die Nazis werden sich nun im Klaren darüber sein, dass sie keine bekennenden Freunde mehr haben. Und doch haben sie Helfer. Die Fanszene muss jetzt erkennen, dass nur die ehrliche und konsequente Auseinandersetzung mit sich selbst helfen kann, das Naziproblem zu lösen. Die Ultras können sich deutlich und mit Verweis auf die offensichtliche Tatsache, dass sie nicht alleine sind, äußern. Und der Verein hat die Gelegenheit zuzugeben, dass es in Bremen Nazis gibt, wenn der Kampf gegen sie weiterhin konsequent geführt wird. Das alles wird kein Spaziergang, es ist nicht immer einfach, gegen die Angst vor Anabolikamonstern, das eigene Vereins- und Szeneego sowie wirtschaftliche Interessen zu handeln. Aber es lohnt sich.

Haifa, Couple

Steht zwar schon seit Jahren in den sogenannten „Aktuellen Links“, aber ich wollte es nicht rausnehmen, bevor es alle gesehen haben.

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