Dezember 2008

You are currently browsing the monthly archive for Dezember 2008.

Eigentlich…

… könnte man diesen ganzen Kram mal gehörig wegwerfen:

Vergeltung

Wenn man derzeit die Reaktionen auf den Krieg in Israel und Gaza liest, fällt ein grundsätzliches Problem in der Wahrnehmung der israelischen Militäraktionen auf. Nicolas Sarkozy wird mit der Äußerung übersetzt, die Aktionen seien „disproportionate“, also frei übersetzt etwa unangemessen oder übertrieben. Die New York Times hält die Angriffe in Gaza für „retaliation“, also Vergeltung oder auch Heimzahlung.

Dabei orientieren sie sich an den Raketenangriffen auf Israel, die für den ständigen Kriegszustand gesorgt haben, der nun notwendigerweise eskaliert. Das ist schon einmal besser als die Ansicht vieler Leute, Israel mache das aus purer Bösartigkeit und mit vorgeschobenen Gründen. Aber falsch ist es trotzdem. Israel hat ein klares und gerechtes Ziel, nämlich die Beendigung der Angriffe auf seine Bürger. Militärische Aktionen sind Mittel zu diesem Zweck. Sie haben nichts damit zu tun, etwas zu vergelten oder heimzuzahlen. Somit können sie auch nicht „disproportionate“ sein, weil sie sich eben nicht an den Aktionen der anderen Seite und deren Zerstörungskraft orientieren, sondern an den militärischen Notwendigkeiten. Wie das Ziel erreicht werden kann, ist derzeit noch unklar. Reicht es, die Hamas militärisch zu schwächen und für Abschreckung zu sorgen? Oder muss ihre Herrschaft in Gaza gänzlich beendet werden? Die Antwort auf diese Fragen ist auch die Antwort darauf, ob die Lage weiter eskalieren wird.

Leider handelt es sich bei oben genanntem Problem nicht etwa um ein Mißverständnis, das sich aufklären ließe. Dem jüdischen Staat ein alttestamentarisches „Auge um Auge“ zu unterstellen ist die moderne Variante eines antijüdischen Ressentiments, das sich – wir kennen das Muster – nicht mehr auf einzelne Juden sondern auf Israel richtet.

Um die Frage der Rechtmäßigkeit von Rache und Vergeltung dreht es sich auch in Yaacov Lozowicks Buch „Israels Existenzkampf“, das hier erneut empfohlen sei. Um die aktuelle (englischsprachige) Berichterstattung zum Krieg geht es in seinem exzellenten Blog. Aktuelle Nachrichten, die die in deutschen Medien geflissentlich vernachlässigten Gründe und Ziele der Israelis beleuchten, lese ich bei der Jerusalem Post. Andere englischsprachige israelische Medien sind Ynet und Haaretz.

„Eintausend“ ist in diesem Fall keine Zahl, sondern ein Lebensgefühl.

kbydz5

Geht richtig nach vorne. Wer sich jetzt fragt „Was sind denn das für Leute???“, der fragt den Falschen. Besser mal bei der Regierung nachfragen, die sagt:

Die Mitglieder der Infamous Youth tragen generell schwarze Kleidung. Nahezu alle Mitglieder dieser Gruppe sind in die Kategorie -B- eingestuft.

Da bleibt kein Auge trocken.

Jahresrückblick

Joinsen empfahl es hier schon einmal, aber das macht nichts. Im Blog „The Big Picture“ finden sich massenweise großartige Fotos, und es lohnt sich für jeden, sich zum Beispiel mal durch den Jahresrückblick zu klicken.

Teil1, Teil2, Teil3

Die einseite Darstellung des Nahostkonflikts kann der routinierte Betrachter vielleicht einfach übersehen.

Ja, dieser Eintrag deutet die kommende Liquidierung der „Aktuelle Links“ Rubrik bereits an.

Nationalisten sind, so lustig sich ihre Meinungsäußerungen manchmal lesen, ziemlich langweilig. Sie haben nämlich nur ein Thema: die Nation. Doch eigentlich stimmt das noch nicht mal. Die Nation ist eher der Glaube der Nationalisten, als dass sie ihr Thema ist.

Ginge es Nationalisten nämlich darum, die Nation als Thema zu behandeln, kämen einige Probleme auf sie zu:  Zunächst müssten sie sich damit abfinden, dass ihr Bezugssystem nicht seit schaurigen Urzeiten da ist, sondern eine Erfindung der Moderne darstellt. Im Anschluss daran müssten sie sich untereinander einigen, welchen Begriff sie ihrer Diskussion zugrunde legen wollen: Sind sie alle eine Nation, weil ihre Väter auch schon alle eine Nation waren? Und was ist mit denen, deren Mütter Väter hatten, die einer anderen Nation angehörten? Was machen Kinder von Antifaschisten? Spielt vielleicht doch nur die Kultur eine Rolle? Die Sprache? Das Essen? Der Musikgeschmack? Mal angenommen, sie würden diese Diskussion mit einem Ergebnis beenden können, ohne die Mehrheit aufgrund von Minderheitenmeinungen abzuschlachten, so könnten sie sich nun ihrem eigentlichen Thema zuwenden: Was bringt uns die Nation? Zweifelsohne ist die Idee der Nation konstituierend für den modernen Staat. Außerdem kann man sich über gemeinsame Sportteams freuen und sich in den entsprechenden Sportarten sowie in Sachen Bier(konsum), Exporte und Krieg mit anderen Nationen messen. Finden das Nationaisten alles toll? Nunja, sie nehmen es in Kauf, aber eine echte Beschäftigung mit den Folgen ihrer Idee findet eben nicht statt.

Stattdessen ist die Nation für  Nationalisten ein Mantra, dass sie bei jeder Gelegenheit runterbeten müssen: Geburtstage, politische Probleme jeglicher Art, soziale Phänomene, wirtschaftliche Fragen, Krieg. Und in der Form, in der sie die Nation gebrauchen, tut sie ihnen immer gute Dienste. Freilich weniger als Problemlöser, eher als Garant, Recht zu haben. Ein Gesetz, ein Rat, ein Plan, eine Gruppe, eine Kameradschaft muss gut sein, wenn sie national ist.

Das Schöne ist: Da die Nationalisten sich nicht mit der Nation beschäftigen, sondern ihre schiere Existenz immer wieder für potenziell falsche Entscheidungen verwenden, werden sie ihre Nation früher oder später zugrunde richten. Falls sie das noch rechtzeitig merken, haben sie zwei Optionen: Entweder sie weichen von ihren nationalistischen „Argumentationen“ ab – damit wäre das Probleme gelöst. Oder sie beschäftigen sich mal mit ihren Argumenten. Sofern die Grundannahme gilt, dass alle Menschen vernunftbegabt sind, ist auch dann das Problem bald gelöst. Dann wird die Welt vielleicht mal etwas weniger langweilig.

Neulich in einem Laden für Bücher und Tonträger. Ich stehe vor einem Regal und schaue mir Bücher an. Der Laden ist voll, aber still – keine Musik. Ich muss mich ständig umschauen, wem ich gerade im Weg stehe und was ich daran ändern kann.

Hinter mir läuft ein Kundenberatungsgespräch.

Kundin: Guten Tag, ich suche CDs mit schöner Weihnachtsmusik. Können Sie mir da weiterhelfen?

Verkäuferin: Ja, sicher. (zögert kurz) Da ist natürlich die Frage, was Sie unter schöner Weihnachtsmusik verstehen…

Kundin: Ja schön weihnachtlich halt.

Verkäuferin: Ja, davon gibt´s viel – aber was genau Sie schön finden, das müssen Sie wissen. Können Sie nicht näher beschreiben, was Sie wollen?

Kundin: Ich suche eben so schöne Weihnachtsmusik.

Verkäuferin: Okay. Schauen wir mal hier so rum. Es gibt amerikanische Weihnachtsmusik…

Kundin: Oh nein, nicht amerikanisch!

Verkäuferin: Dann haben wir hier so Kirchenmusik…

Kundin: Nee, keine Kirche bitte.

Verkäuferin: Hm…

Kundin: Haben Sie denn keine deutsche Weihnachtsmusik?

Verkäuferin: So Weihnachtsvolkslieder? Ja, das müssten wir auch noch was da haben. Ich geh mal ins Lager.

Das ist er also: Der gut sortierte Fachhandel.

Die CDU fragt, der Senat informiert, wir dokumentieren in Auszügen:

Der Kategorie -B- sind ca. 50 Personen, überwiegend aus der Ultra-Szene, zuzurechnen. Je nach Spiel, beispielsweise gegen die Vereine Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Hannover 96, oder aus besonderem Anlass, müssen aufgrund ihres konkreten Verhaltens weitere 30 bis 50 Personen dieser Gruppe zugerechnet werden.
In die Kategorie -C- sind derzeit 60 Personen, überwiegend Hooligans, eingestuft.

Mit Stand vom November 2008 sind 120 Personen mit der Vereinszuordnung „Werder Bremen“ in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeichert.

In der Hooliganszene Bremen im Stadtgebiet Bremen gibt es drei polizeibekannte Gruppierungen: Standarte Bremen, City Warriors und Nordsturm Brema. Während die Standarte Bremen bereits seit ca. 20 Jahren existiert und dieser Gruppierung überwiegend ältere Personen angehören, können die beiden anderen Gruppierungen als sog. „Nachwuchsgruppen“ bezeichnet werden. Die Mitglieder dieser Gruppen sind deutlich jünger als die der Standarte Bremen, sie sind dem rechten Spektrum zuzuordnen. Mitglieder der Standarte Bremen weisen ebenfalls rechtsextremistische Tendenzen auf. Dies gilt jedoch nicht für die gesamte Mitgliedschaft der „Standarte Bremen“.

Aus den oben angegebenen drei Gruppierungen und mit ihnen sympathisierenden, nichtorganisierten Personen entsteht ein Potenzial von ca. 60 Bremer Hooligans. Darüber hinaus gibt es Freundschaften sowie Koalitionen zu bzw. mit C-Fans anderer Standorte. Bei bestimmten Spielpaarungen handeln die Hooligans gemeinsam und auf Bremer Seite können dann 80 bis 90 Hooligans gezählt werden.
Hooligans suchen von vornherein die gewalttätige Auseinandersetzung in der Regel mit ihresgleichen bzw. verabreden sich dazu. Dementsprechend werden sie der Kategorie -C- zugeordnet. In Stadien kommt es nur selten zu Zwischenfällen durch Hooligans. Sie suchen vielmehr körperliche Auseinandersetzungen mit Hooligans anderer Spielorte an so genannten Drittorten, die abgesetzt vom Stadion und den üblichen Anmarschwegen liegen. Auf diese Weise versuchen sie sich den polizeilichen Interventionsmöglichkeiten zu entziehen.
Die polizeilichen Erkenntnisse und die Lageeinschätzung zu den Hooligans haben sich über die Jahre nicht wesentlich verändert. Die Anzahl der Hooligans ist im wesentlichen konstant geblieben. In jeder Saison sind maximal zwei bis drei Fußballbegegnungen von besonderem Interesse für Hooligans und werden mit hoher Beteiligung „begleitet“.
Zurzeit ist zu beobachten, dass die Bremer Hooligans sich durch das Wirken von Ultras provoziert fühlen. In der Folge sind Provokationen und Aktionen durch Hooligans am Rande von Fußballspielen vermehrt festzustellen.
In Bremerhaven gibt es keine Hooliganszene.

In der Bremer Ultraszene gibt es mehrere bekannte Gruppierungen. Die Gruppennamen lauten: Infamous Youth, Racaille Verte, Wanderers, Roland€™s Erben, UTB (Ultra Team Bremen). Die Gruppen haben jeweils zwischen 15 und 30 Mitglieder. Dazu kommen etliche nichtorganisierte Personen, die sich den Aktivitäten von Fall zu Fall anschließen. Insgesamt umfasst die Bremer Ultra Szene bis zu 200 Personen.
Bis auf die Gruppierung Infamous Youth tragen alle anderen Ultragruppierungen Fanutensilien. Die Mitglieder der Infamous Youth tragen generell schwarze Kleidung. Nahezu alle Mitglieder dieser Gruppe sind in die Kategorie -B- eingestuft.
Ultras treten öfter als Hooligans polizeilich in Erscheinung. Von ihrer Einstellung her sind die Ultras gegen die Polizei eingenommen und lehnen den Kontakt zur Polizei ab. Für den Umgang mit Polizeibeamten haben sie Verhaltensregeln festgelegt. Durch szenekundige Beamte ist ihr Verhalten grundsätzlich nicht zu beeinflussen.
Beim möglichen polizeilichen Einschreiten solidarisiert sich regelmäßig der gesamte „Ultra-Block“. Die einschreitenden Beamten werden grundsätzlich bedroht und auch angegriffen. Diese Solidarisierung geht soweit, dass größere Ultra-Gruppen versuchen, auf polizeiliche Einsatzmaßnahmen Einfluss zu nehmen. So wurde in der Vergangenheit versucht, in Gewahrsam genommene Gruppenmitglieder „freizupressen“ oder identifizierte Straftäter in den eigenen Reihen vor polizeilichen Zugriffsmaßnahmen zu schützen.
In der vergangenen Saison 2007/08 kam es im Anschluss an Auswärtsspiele auf der Sielwallkreuzung zu Fußballspielen Bremer Ultras. Dabei wurden einschreitende Polizeibeamte angegriffen.

Die polizeibekannten Ultras sind eher der linken Szene zuzuordnen. In ihrem Auftreten und Verhalten wenden sie Strategien an, die bisher aus dem linksautonomen Spektrum bekannt sind. So sind Ansätze für die Bildung so genannter „schwarzer Blöcke“ zu beobachten.
Bremer Ultras suchen nicht die Drittortauseinandersetzung, sondern eher die Provokation und Auseinandersetzung im Umfeld der Stadien mit dem „rechten Gegner“ oder der Polizei. Im Weser-Stadion erhöhen sie den Druck auf die im Stadion befindlichen Hooligans, um das Weser-Stadion „nazifrei“ zu machen. Gefahren für Unbeteiligte gehen von ihnen grundsätzlich nicht aus. Sie suchen nicht von vornherein die gewalttätige Auseinandersetzung, sind aber ständig zur Ausübung von Gewalt bereit. Damit entsprechen sie der Definition der Kategorie -B-.
Die Entwicklung der Ultras ist noch nicht abgeschlossen und wird aufmerksam verfolgt. Ein zahlenmäßiges Anwachsen der Mitgliedschaft wird von der Polizei Bremen erwartet.

In Bremerhaven gibt es keine Ultraszene.

Under Siege

Am Freitag ist der sogenannte „Waffenstillstand“ zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen zuende gegangen. Das bedeutet, dass jetzt wieder mehr Raketen im Süden Israel einschlagen und die IDF häufiger gegen die Terroristen, die sie abschießen, vorgeht. Vor allem aber ist es die Zeit der starken Worte. Man werde den Raketenbeschuss beenden, auf die eine oder die andere Art, heißt es. So wollen israelische Politiker Stärke demonstrieren, während in der Bevölkerung der Unmut über die Untätigkeit der Regierung wächst. Denn die tut im wesentlichen gar nichts, und das aus gutem Grund. Der Beschuss aus Gaza ist eigentlich nur auf einem Wege zu beenden: Mit einer groß angelegten Militäraktion in Gaza, womöglich der Wiederbesetzung des ganzen Streifens. Doch nach Jahren der palästinensischen Selbstverwaltung wird das nicht einfach sein. Der Gazastreifen ist das Paradebeispiel für einen „Terror State“, in dem alles für den Kampf gegen Israel getan wird. Berichte darüber, dass der Streifen, in dem 1,5 Millionen Menschen leben, inzwischen zu einer Festung ausgebaut wurde, scheinen glaubwürdig, ein erneuter Einmarsch der Israelis als das Ziel der herrschenden Hamas. Das ist auf den ersten Blick absurd, geht es den Palästinensern angeblich doch um ein Ende der Besatzung. Tatsächlich geht es ihnen aber um den Krieg gegen Israel, der so lange geführt werden soll, wie es Israel gibt. Und in diesem Krieg gibt es für die Hamas vieles zu gewinnen, wenn die IDF, provoziert durch die Raketenangriffe, endlich massiv eingreift. Es werden viele palästinensische Zivilisten sterben, was die Hamas stets ganz großartig findet, bringt es doch eine Menge Aufmerksamkeit für die palästinensische Sache. Für Israel ist das schlecht, denn sie werden wie immer als die Schuldigen dastehen. Das kennt man und wahrscheinlich ist es vielen inzwischen egal. Viel schwerer wiegen die Verluste, sprich die toten israelischen Soldaten, mit denen bei einem Einmarsch in großer Zahl zu rechnen ist. Trotzdem ist klar, dass die derzeitige Situation nicht mehr hinnehmbar ist. Ein Ergebnis der Wahlen im nächsten Jahr wird sein, dass die neue Regierung sich mit der Hamas auseinandersetzen wird, wenn Olmert und Barak es nicht schon vorher tun.

Die Aufrüstung der Hamas, die die neue Eskalation nötig macht, wird in erster Linie vom Iran betrieben. Der sponsort die Hamas im Süden und die Hizbullah im Libanon, die sich seit dem Sommerkrieg 2006 ebenfalls auf den nächsten Krieg gegen Israel vorbereitet. Dabei ist sie inzwischen in der Regierung vertreten und eine bestimmende Kraft im Libanon. Der nächste Krieg wird so viel mehr als der letzte ein Krieg gegen den Libanon sein, weil der Staat und die Terrormiliz nicht mehr voneinander zu trennen sind. Auch das wird zu Lasten der Zivilisten gehen, von denen viele einerseits gerne mit den Feinden Israels Paraden abfeiern, andererseits aber ungern israelische Raketen aufs Dach kriegen wollen. Das macht nichts, denn die Weltöffentlichkeit ist grundsätzlich auf ihrer Seite, weil auf der anderen die Juden stehen.

Ein weiterer Verbündeter des Iran ist Syrien. Derzeit gibt es Friedensverhandlungen mit Israel und Pläne, Syrien vom Iran zu trennen, indem man es näher an den Westen bindet. Wie erfolgreich das sein kann, wird sich zeigen. Einstweilen bleibt Syrien ein Feind und unterstützt tatkräftig die fanatischen Handlangerbanden nördlich und südlich von Israel.

Derweil arbeitet der Iran weiter an seinem Atomprogramm. Aus Washington hat Barack Obama angekündigt, zunächst einmal eine neue Runde Verhandlungen vorzuschlagen und mit „carrot and the stick“, also Zuckerbrot und Peitsche, die Theokraten zur Vernunft bringen zu wollen. Das ist kein sonderlich origineller Vorschlag, aber er kommt eben von Obama. Seit Monaten wird darüber spekuliert, wann ein israelischer Angriff auf das iranische Atomprogramm erfolgen könnte und wie die USA zum Thema stehen. Ein solcher Angriff könnte erfolgreich sein, auch ohne amerikanische Hilfe, aber das Echo wäre gewaltig. Denn er würde sehr wahrscheinlich dazu führen, dass Krieg mit Gaza und dem Libanon geführt werden muss, den Zöglingen Irans.

Israel ist in einer denkbar schlechten Position. Die Frage ist, wie lange es die hässliche Eskalation verschieben kann. Dass die kommen wird, daran gibt es wie immer keinen Zweifel. Ebensowenig daran, dass sie zu vermeiden wäre: Wenn der Westen entschlossen gegen den Iran vorgehen würde, wenn die UNO die von ihr selbst verfügte Entwaffnung der Hizbollah durchsetzen würde und wenn die Menschen in Gaza sich entscheiden würden, ihr eigenes Elend endlich zu beenden.
Man kann es eigentlich kaum glauben: Ein langer Strand am Mittelmeer, eine Grenze zum fortschrittlichsten und wirtschaftlich stärksten Land im Nahen Osten, eine Grenze zu Ägypten; und alles, was sie daraus machen, ist ein bis an die Zähne bewaffnetes Dreckloch.

Befürworter direkter Demokratie fordern jetzt die Demokratisierung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Das würde viele Probleme zugunsten der Mehrheit lösen und ein besseres Leben ermöglichen, argumentieren sie. Problematisch wird das natürlich bei der Auswahl der Stimmberechtigten. Die Demokraten haben sich aber immer vor der Lösung dieses Problems gedrückt und einfach jedem das Wählen ermöglicht. Im zwischenmenschlichen Bereich könnte das nun beispielsweise dazu führen, dass Petra Peter heiraten muss, weil das so abgestimmt wurde. Von Demokratisierung zur Zwangsheirat, so einfach ist das.

Früher konnte Peter das alles einfach über ein Gedicht regeln. Das ist heute nicht mehr möglich. Heute fragt ein Mann wie Justin Timberlake:

If I wrote you a lovenote,
and made you smile at every word i wrote
What would you do?
Would that make you wanna change your scene
And wanna be the one in my team?

Das muss er wirklich noch fragen? Was soll er denn sonst noch alles machen? Timberlake wirft aber noch eine andere Frage auf: Kann ein Liebeslied, bei dem der Hörer immer wieder rufen muss „BOAH IST DAS GEIL PRODUZIERT BOAH KRASS“, kann so ein Liebeslied auch als Liebeslied funktionieren? Ich denke nicht.

Bei anderen Anlässen geht einem manchmal das Herz auf, und dann guckt man so rein und wundert sich, es ist ein großes Staunen. Ich staune auch oft. Wenn man erstmal rausgeht, dann passieren die verrücktesten Sachen. Das ist eine banale Erkenntnis, und für Leute, die schon länger beinah jeden Tag leben ist das wohl auch ganz normal. Aber wer sind diese Leute?

Kürzlich war ich in Düsseldorf. Stimmt alles, was ihr je über Düsseldorf gehört habt. Zurück bin ich rückwärts gefahren. Wenn man von irgendwo zurück fährt, heißt das, dass man den Akt des Hinfahrens rückgängig macht. Fährt man rückwärts zurück, ist es aber so, dass man ihn ungeschehen macht. Man dreht alles wieder zurück und ich war doch nicht mehr in Düsseldorf. Man muss das wahrscheinlich erlebt haben, um es zu verstehen. Anderswo ist auch mehr los.

Die Arbeitgeberverbände starten jetzt eine Image-Offensive. Unter ihrem Logo wird dabei fest der Schriftzug „Tut uns leid!“ installiert. Wenn man dann so morgens rausgeht, läuft man öfter vor eine Plakatwand, auf der steht: „Tut uns leid, dass Sie jetzt schon aufstehen mussten.“ Oder abends: „Tut uns leid, dass wir Ihnen soviel Arbeit geben.“
Die Arbeitnehmerverbände haben angekündigt, nicht locker zu lassen, und sie wollen sich jetzt in „Arbeitgeberverbände“ umbenennen. Sie fordern ihr Gegenüber zum umgekehrten Schritt auf. Der gelernte Industriemechaniker Peter Schröder sagt: „Wir müssen den Kapitalismus vom Kopf auf die Füße stellen. Und die Arbeiter von den Knien auf den Hintern setzen.“ Außerdem forderte er Benimmunterricht an den Schulen.

Heute habe ich in der Wikipedia gelesen, dass der Mensch nur sieben Liter Tränen zur Verfügung hat. Sind die alle, ist Schluss mit dem Geheule. Der letzte Liter schmeckt dann schon ganz bitter. Amerikanische Wissenschaftler wollen jetzt künstliche Tränendrüsen produzieren, die das Leben der Ausgeheulten verbessern sollen. Ihren Untersuchungen zufolge bevorzugen siebenundsechzig Prozent der Befragten Traurigkeit gegenüber Bitterkeit und können sich gut vorstellen, mit künstlichen Tränen ihr Leid zu verbessern.

In the daytime, you will find me by your side,
trying to do my best, trying to make things right.

Wie wird man eigentlich Kolumnist? Ich wäre nämlich gerne einer und will einen Plan ausfeilen, um das hinzukriegen.

Neuer Claim für leckeres Bier: Richtiges Leben in Flaschen.

« Older entries