Januar 2009

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Als Profiverein muss man sich immer wieder selbst überbieten. Wenn man jahrelang rote Karten gegen Rassismus verteilt hat, muss irgendwann eine Antidiskriminierungsrubrik auf der Homepage her. Und wenn die erstmal da ist, müssen die Meldungen natürlich immer besser werden. Das wird natürlich immer schwieriger, wenn man mit derart ambitionierten Meldungen loslegt wie Werder es seit 2007 tat.

Aber womit Tino einmal angefangen hat, damit dürfen die Praktikanten nicht aufhören. Also machen sie brav aus ganz normalem Vereinsgeschehen ein Engagement gegen Diskriminierung.

Doch dann gibt es da die ganz besonderen Tage, an denen sich die Praktikanten gegenseitig Briefbomben nach Hause schicken, auf dass sie den Entry schreiben dürfen. Das sind die Tage, an denen Werder wirklich mal was macht. Heute war mal wieder so ein Tag, die Bilanz bisher: Ein 21jähriger wachte am Morgen gar nicht mehr auf; die Lady, die ihn gestern verführte und wahrscheinlich die Mäusebutter zum Date mitbrachte, stolperte getroffen von einem Scharfschützen auf den Spuckstein auf dem Domshof; der heimtückische Mörder stürzte unmittelbar danach vom Turm des Doms und setzte sich zu Bismarck auf´s Pferd. Sein Mörder wiederum rutschte am Tiefer mit durchgeschnittenen Bremsleitungen in die Weser. So durfte also doch der Chef ran, um folgenden Text zu verfassen:

Solche Gelegenheiten bieten sich nicht oft für Werder-Fans. Zwei Werder-Profis werden am kommenden Dienstag, 03.02.2009, ab 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) ganz privat über ihre Heimat sprechen. Die beiden Österreicher Sebastian Prödl und Martin Harnik geben dann ganz persönliche Einblicke in ihre Welt im bergigen Nachbarland.

Wow, that was definitely worth it!

Heute vor vierundsechzig Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit.

Kunst

Frittenbude – Mindestens in 1000 Jahren

Mal wieder ein Foto von Jan, der jetzt langsam mal behaupten könnte, dass er zu den zehn besten Amateurfotografen Bremens gehört. Hier gibt´s mehr.

Gibt es hier jemanden, der Michael Jackson nicht für den größten Künstler aller Zeiten hält?

Ganz unten in der Sidebar findet ihr ab jetzt immer drei Links zu Beiträgen, die wir vor einem Jahr geschrieben haben. Das ist manchmal ganz lustig.

fahnen

Heute hat in Berlin eine Demonstration unter dem Motto „Solidarität mit Israel – Stoppt den Terror der Hamas“ stattgefunden. Verbrochenes.net hat keine Kosten und Mühen gescheut, um an der Gedächtniskirche präsent zu sein. Stilvoll zu spät kommend, erblickte die Delegation zunächst einen Haufen Antideutsche, die „Israel bis zum Kommunismus“ forderten. Das ist der Optimismus, der Deutschland ganz eindeutig fehlt. Meiner unfehlbaren Schätzung nach waren etwa 1500 Menschen auf der Demo. Nach dieser ersten Gruppe waren über den ganzen Platz verteilt Gruppen von Antideutschen zu sehen, die man meist am Style erkennen kann. Es waren auch viele Juden aus Deutschland da, die Jüdischen Gemeinden hatten mit aufgerufen. Unappetitlich dagegen die Bürgerrechten mit Bannern von „pi-news“ und „Pax Europa“, die ganz deutlich Präsenz zeigten. Einer mit einem Aufkleber „Islam = Frieden?“ krakeelte peinlich herum, als eine Rednerin, vermutlich Franziska Eichstädt-Bohlig (MdA, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen), defätistischen Blödsinn redete und behauptete, Israel könne militärisch nicht gewinnen und man müsse ja auch auf Präsident Obama hoffen. Dafür erntete sie auch vom Großteil der Demo Pfiffe und Buhrufe.
Eine Gruppe von jungen Israelis vertrieb sich die Zeit immer wieder mit Gesang, einer von ihnen saß in einem Baum. Offenkundig auf der falschen Demo waren Leute von Der Linken, wahrscheinlich der BAK-Shalom, ein trauriger Haufen. Die hätten heute eigentlich Luxemburg und Liebknecht gedenken sollen, wo es auch einen leckeren Palästina-Block geben sollte. Wollten sie aber offenbar nicht.
Nach der Grünen redete noch jemand von einer bürgerlichen Partei, der Israels Demokratie und freie Gesellschaft lobte, dafür gabs Applaus, war aber etwas langweilig. Dafür kam danach ein Exil-Iraner, der auch für Stop the bomb sprach. Er redete wohltuenden Klartext, wies auf menschenverachtenden Islamismus hin, auf die wirtschaftliche Unterstützung des Westens für das iranische Mullahregime, dem so die Atombombe in die Hand gegeben wird, während gleichzeitig vom Iran und seinen Handlangern der Krieg gegen Israel geführt wird. Diese Zusammenhänge und den Ernst der Lage abseits von Sonntagsreden deutlich dargestellt zu haben brachte ihm großen Applaus ein. Während seiner Rede nahm ich das pöbelnde Häuflein Gegendemonstranten wahr. Das waren keine zehn Leute, die von drei Mal sovielen Polizisten geschützt Plakate hochhielten und etwas riefen, was ich nicht verstand. Vor ihnen fanden sich viele Leute ein, die ihnen optisch die Show stahlen. Und wiederum ein paar Antideutsche, die mit „Lang lebe Israel“ und „Israel bis zum Kommunismus“ Rufen klar machten, dass das noch ganz schön lange dauern wird mit dem Kommunismus. Schade. Beinah zusammen konnten beide Lager rufen „Stoppt den Krieg!“. Woran man ganz gut sehen kann, dass die Gegenseite wirklich gar nichts verstanden hat.
Schließlich wurde die Hatikvah gesungen und die Veranstaltung beendet. Insgesamt war das ein spannendes Theater, ich staunte mal wieder sehr.

koerche

Der Hund

Ein Paar aus der Nähe einer großen Stadt zog es anlässlich der Weihnachtseinkäufe in ebendiese. Weil das eine längere Abwesenheit von zu Hause bedeutete, nahmen sie ihren alten Schäferhund mit.

Dieser verstarb rücksichtsloserweise in einem Elektronikmarkt, während sich Frauchen und Herrchen die tollen Geräte anschauten. In ihrer Not, wie der Kadaver aus dem Gebäude zu bringen sei, fragten sie beim Personal des Ladens nach einem Karton, welchen sie selbstverständlich bekamen. Er hatte vorher einen teuren Flachbildschirm enthalten und bot so ausreichend Platz für das tote Tier.

Die frisch gebackenen Hundekadaverbesitzer brachten den Karton mit dem Hund zum Auto, aber sie hatten noch was zu erledigen, also gingen sie noch in ein paar Läden.

Als sie wiederkamen, war die Scheibe eingeschlagen, und der Karton inklusive Hund war weg.

Die Oma

Ein anderes Paar hatte eine Mutter beziehungsweise Schwiegermutter, die in Ostpreußen aufgewachsen war. Als sie alt wurde, wurden plötzlich Reisen in die alte Heimat unverhofft einfach, und so beschloss das Paar, der alten Frau den Wunsch zu erfüllen, noch einmal die Orte ihrer Jugend zu sehen, bevor sie das Zeitliche segnete.

Das allerdings tat sie ausgerechnet in Ostpreußen. Ein Anruf beim Bestattungsunternehmer in Deutschland ergab, dass die Überführung des Leichnams sehr teuer werden würde. Das Paar dachte sich, dass auch die werte Mutter das Geld lieber einer kirchlichen Hilfsorganisation gespendet hätte und entschlossen sich kurzerhand, die Leiche selbst zu transportieren. Wie gemacht dafür erschien der Dachkoffer.

Da die Straßen damals eher schlecht waren, war an die Bewältigung der Strecke an einem Tag nicht zu denken, und so übernachtete das Paar in einem Motel an der Strecke.

Als sie am nächsten Morgen weiter fahren wollten, war das Auto weg, einschließlich des Dachkoffers.

Offener Brief

An den Vorstand der Schura, der Islamischen Religionsgemeinschaft Bremen

Sehr geehrter Herr Kilinc,

mit überraschender Direktheit beziehen Sie “ als Religionsgemeinschaft – eine politische Position, indem Sie für Freitag, den 9.1.2009 eine geschmacklose Veranstaltung als Protestaktion ankündigen, und dies nach unserem Versuch, Ihnen in einem klärenden Gespräch unser Unbehagen verständlich zu machen.
Wogegen protestieren Sie? Gegen „das Massaker in Gaza“? Eine sehr unzutreffende Bezeichnung “ es handelt sich um einen Krieg, kein Massaker. Und nicht, „um die palästinensische Bevölkerung zu dezimieren“, wie Sie auf der Demonstration am 3.1.2009 in Bremen behauptet haben, sondern um die militärische Fähigkeit der Terrorgruppe Hamas zu minimieren. Dass dabei auch Frauen und Kinder sterben, ist ein zynisches Kalkül der Hamas. Und das ist eine sehr traurige Tatsache, die uns ausgesprochen betroffen macht. Diese Opfer wären vermeidbar, wenn sie nicht zu Geiseln der Terroristen geworden wären.
Indem Sie sich bei den Aufrufen zu den Protestaktionen die propagandistischen Fälschungen und Unwahrheiten der Hamas zu eigen machen und medienwirksam verbreiten, gefährden Sie den Frieden in unserer Stadt. So haben Sie zwei Fotos, die zu den Klassikern der antiisraelischen Lügenpropaganda gehören, für die Herstellung der Plakate am 3.1.2009 verwendet. Auf dem einen werden Kinder gezeigt, die in großer Angst einen israelischen Soldaten anblicken. Das ist aber nur ein Fragment. Das komplette Foto zeigt, dass dieser Soldat diese Kinder vor der terroristischen Gefahr schützt. Auf dem anderen Foto werden Kinderleichen beweint, die vor Jahren von der Hisbollah von überall her zusammengetragen wurden, um ein angebliches Massaker zu inszenieren. Dieses Foto wird von Ihnen als aktuelles und wahres Abbild ausgegeben.
In der für den 9.1.2009 geplanten Aktion auf dem Bremer Marktplatz wollen Sie alle Opfer des Krieges auf der palästinensischen Seite als zivile Opfer sehen. In Ihrer Darstellung gibt es keine Terroristen, keine Charta der Hamas mit ihrem Hauptziel “ Vernichtung des Staates Israel, keine Tausenden von Raketen, die vom Gazastreifen aus auf die zivile Bevölkerung Israels abgeschossen wurden, keine unmittelbare Bedrohung für Millionen Israelis, keine israelischen Opfer. Sie, Herr Kilinc und die Vorstandsmitglieder der Schura, lassen sich instrumentalisieren von der islamistischen Propaganda des Terrors. Sie benutzen Trauer und das Elend der Palästinenser. Sie geraten gefährlich nah an die Grenze, die Toten zu missbrauchen und Antisemitismus zu schüren.
Zusätzlich zu den schrecklichen Bildern, die die Kriegsrealität tragischerweise schafft, wollen Sie neue Bilder medienwirksam erschaffen. Ihre Aktion steht einer Völkerverständigung entgegen. Sie stellt die Verbundenheit zu Deutschland, zur deutschen Gesellschaft und Geschichte in Frage. Sie verlässt den Rahmen des interkulturellen und interreligiösen Dialogs.
Wir erwarten selbstverständlich nicht, dass Sie unsere Sicht auf die momentanen Kriegshandlungen im Nahen Osten teilen. Wir verstehen sogar Ihre starke Betroffenheit. Doch wir bedauern zutiefst, dass Sie die von Ihnen unbedachten Folgen Ihrer Aktion nicht berücksichtigen und somit die verantwortungsvolle Beteiligung am sozialen Frieden in der Stadt aus den Augen zu verlieren scheinen.

Mit freundlichen Grüßen

Präsidium der Jüdischen Gemeinde Bremen

Hier ein kurzer Bericht von der Aktion, die heute stattgefunden hat.

In der Tagesschau (Video) vor eineinhalb Stunden hieß es, dass zwei UNO-Arbeiter, die heute Mittag getötet wurden, israelischem Beschuss zum Opfer fielen. Aktuell ist auf tagesschau.de zu lesen, dass der Hilfskonvoi „offenbar“ mit (israelischen) Panzergranaten beschossen wurde. Bei der Jerusalem Post steht seit 16:22h deutscher Zeit, dass Unsicherheit über die Art und Herkunft des Beschusses herrscht, der ein Palästinenser zum Opfer fiel.

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