Regenwürmer

Der Krieg in Gaza wirkt auf die Antisemiten hierzulande wie Regen auf Regenwürmer: Jetzt kommen sie alle aus dem Boden gekrochen, wo sie, als noch gutes Wetter war, ihr dunkles Dasein fristeten. Und obwohl klar war, dass Antisemitismus ein wahrhaftig existierendes Problem ist – wahrscheinlich sogar eins, dass sich eher im Wachsen befindet – sind doch Form und Umfang der Ausbrüche erschreckend.

Am vergangenen Samstag kam es in der Bremer Innenstadt zu einer Großdemonstration mit bis zu 7000 Teilnehmern – nur der 1. Mai und eine Nazidemo vor gut zwei Jahren konnten zuletzt so viele Leute mobilisieren. Die vermeintliche Friedensdemo war eine reine Hassdemo gegen Israel, und es verwundert nicht, dass einige sie als eine “gegen Juden” wahrnahmen: Vom Lautsprecherwagen aus wurden offensichtlich antisemtische Motive (Kindermörder – Israel!) transportiert, gegen das “Verbrennen von Gegenständen” gingen die Veranstalter nur deshalb vor, weil sie annahmen, dass ansonsten der ganze Marktplatz abbrennen könnte. “Die Linke” in Bremen zitiert in ihrem Bericht den Sprechchor “Israel – vom Opfer zum Täter” und war lediglich darüber enttäscht, dass sich nicht mehr “Deutsche” auf der Demo eingefunden hatten.

Das jedoch ist nicht weiter verwunderlich: Deutsche sind statistisch gesehen seltener Moslems, und auf einer offensichtlich islamistischen Demo ist man als Ungläubiger vielleicht fehl am Platz, wenn man nicht gerade einer der Intoleranz- und Terrorismusversteher vom Friedensforum oder vom Arbeitskreis Süd-Nord ist. Erstgenannte hatten zusammen mit zahlreichen muslimischen Verbänden zu der Demo aufgerufen, letztere hatten Flyer verteilt. Und dann gab es da noch ein paar besonders deutsche Deutsche: Die Freien Nationalisten Bremen “unterstützten” die Demo mit ein paar Kameraden und einigten sich mit den Ausländern darauf, “dass jedes Volk seine Heimat und seinen verwurzelten Lebensraum hat und sich in fremden Landen friedlich und respektvoll verhalten muss.”  Wichtiger sei derzeit “das weltweite Problem des Zionismus und der von ihm ausgehenden Versklavung aller freien Völker dieser Erde! So lange Israel wehrlose Menschen, Kinder, Frauen und Greise misshandelt und tötet, so lange Zionisten mit Hilfe ihres hörigen Vasallens USA die Existenz der letzten freien Völker dieser Erde vernichten, so lange werden wir mit unseren muslimischen Brüdern gemeinsam kämpfen!”

Der Mobilisierungsflyer des Demobündnisses zeigte unter anderem ein Bild des vermeintlichen Massakers in Kana, inklusive des Manns mit dem grünen Helm.  Eben dieses Verhalten, das Verweigern jeglicher Informationen und die intensive, ja fast obsessive Verwendung von Bildern blutverschmierter Kinder und aufgeplatzter Köpfe (bei denen es noch nicht mal stört, dass die beteiligten Soldaten scheinbar Amerikaner sind) lässt sich gar nicht anders deuten als als Ausdruck tief sitzenden Antisemtismus. Wer geflissentlich die Tatsache überhört und dann verschweigt, dass die vielen Opfer in einer von den IDF beschossenen Schule in Wahrheit Opfer ihrer eigenen Führer sind, verfolgt andere Ziele als Frieden.

Das bedrückende ist, dass diese Haltung so einfach ist. Jeder findet die Bilder aus Gaza und Israel (1, 2) schrecklich, kein vernünftig denkender Mensch braucht den immer wiederkehrenden Verweis, jedes Opfer sei ein Vater, eine Mutter, ein Sohn, eine Tochter. Es ist das einfachste, anzunehmen, dass der Schütze der Mörder ist. Und wenn dann das Palituch noch im Schrank hängt, dass vor ein paar Monaten noch hip war und jetzt bei der Schweinekälte nicht nur wärmt, sondern auch als ein Statement für den Frieden und gegen das ganze Elend in der Welt taugt, ist der Gelegenheitsantisemit fertig, europaweit und auch speziell in Deutschland, in der Türkei jagte der Mob eine israelische Basketballmannschaft vom Platz. Das funktioniert ganz ohne religiöse Verblendung, wobei etwas Allahu akbar natürlich nicht schaden kann.

Morgen geht es in Bremen weiter. “Muslimische Künstler und Friedensaktivisten planen eine Aktion, bei der der Marktplatz mit 600 Leichen ausgelegt werden soll, die von echten, lebenden Menschen gespielt werden. Die Hetzer Künstler haben nach eigenen Angaben nämlich Angst, dass vergessen würde, dass hinter jedem Toten ein Einzelschicksal steckt. Wesentlich wahrscheinlicher ist wohl, dass sich ihre Angst eher um die Beschäftigung der Leute mit dem dreht, was die Opfer eigentlich verursacht: Ein dummer, menschenverachtender Islamismus, dessen eingebauter Antisemitismus seine Vertreter in eine endzeitliche Schlacht gegen die angenommenen Volksfeinde treibt.

  1. Im Moment weißt du bei Berichten echt nicht mehr, ob du was von der DVU/ NPD oder “Der Linken” ließt. Erschreckend.

    Aber man darf nicht den Fehler machen, den ich euch nicht unterstelle, den viele “Anti-Deutschen” machen. Kritik an israelischer Politik gleich in Antisemitismus ummünzen. Solange sie nicht das grundsätzliche Existenzrecht Israels anzweifeln. Aber im Moment ist einfach sehr wenig zu kritisieren, was Israel angeht. Eigentlich gar nix.

  2. Momentan ist diese sowas von offensichtliche Hetze die von allen Parteien und durch alle Gesellschaftsschichten betrieben wird einfach nur wiederlich.

    Warum gibt es hier nie Demonstrationen wenn in Israel Raketen einschlagen und Menschen sterben? …

  3. gibts doch manchmal..aber das sind so wenige, dass das von den medien nicht wahrgenommen wird

  4. Warum ziehen jetzt Vertreter vieler gesellschaftlicher Gruppen gegen Israel ins Feld? Kaum ein anderer Gegenstand ermöglicht es, politisches Engagement so einfach und reibungslos zu suggerieren. Dass dabei gleich noch unbewusste Schuldkomplexe mit abgeräumt werden können, trifft sich ganz hervorragend. Lag „Bommel Fischer“ eigentlich mit auf dem Marktplatz (www.bommel-fischer.de)? Zusammen mit seinen BDM-Hausfrauen vom Friedensforum? Auf seiner Webrepräsentanz rühmt sich der Politkünstler auch dessen, dass seine Bilder im Staatsbesitz seien, und dass er vom Bundesverband Bildender Künstler aufgenommen worden sei. Gleichzeitig kritisiert er das System, wo er kann.
    Wie löst er wohl diesen Widerspruch dereinst auf? Als mutmaßlicher Nazi-Nachfahre kompensiert er jetzt das drückende Erbe über Mahnwachen und Aktionen, was erwartet wohl die Woltmershauser und gesamtbremische Öffentlichkeit, wenn zukünftig sein Erinnerungs- und Gefühlssumpf weitere Gasblasen nach oben treibt?
    Die Indifferenz und Wurschtigkeit des Handelns dieser Person ist exemplarisch für die Haltung vieler.

  5. versteh gar nichts mehr??????????????????????

  6. wo ist mein kommenta??????????????
    und warum wird der rausgefiltert?????????
    bitte um erklärung

  7. “Anti-Deutschen”, wenn ich das lese denk ich echt: wie dumm und ignorant können menschen sein. habt ihr denn nichts aus der geschichte gelernt, von den antisimiten, die uns (ja ich bin jude) schon immer verfolgen. ein “Anti” ist niemals gut wenn es sich auf eine ganze gruppe bezieht.
    ich meine, wie kann man anti-deutsch sein, wenn man: in deutschland lebt, (ausschließlich) deutsch spricht, deutscher staatsbürger ist, deutsche freunde hat, deutsche eltern hat, eine deutsche schule besucht bzw. HARTZ IV empfangt (einen beruf hat die minderheit) und und und…
    das heißt: ihr “Anti-Deutschen” seit in der regel deutscher/genau so deutsch als/wie die normalen deutschen.
    wie kann man denn gegen (anti=gegen) etwas sein, was man selber ist.
    das ist genau so absurd wie wenn ich antisimit wäre.
    natürlich bin auch ich kritisch gegenüber deutschen, aufgrund der schwierigen vergangenheit, insbesondere des holocausts, aber das, was ihr hier verzapft ist echt ganz großer mist…

  8. Du hast ganz wenig verstanden und ich keine Lust, den Erklärbär zu geben. Für den Anfang kannst Du vielleicht den Wikipedia-Artikel über Antideutsche lesen.

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