März 2009

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Wer richtig Kohle machen will, möge sich bitte jetzt Deutschlandflaggen in fünfstelliger Stückzahl bestellen oder fertigen. Sie sind gerade günstig zu haben, da dieses Jahr kein internationales Männerfußballturnier stattfindet. Und sie werden in schätzungsweise sieben Monaten einer rasanten Nachfragesteigerung unterliegen. Dann nämlich wird „die muslimische Welt“ von Dieter Nuhrs gestrigem Auftritt im ZDF erfahren, bei dem er unter anderem aus dem Koran vorlas. Also: Achmed Schlüter zuvorkommen und reich werden!

Zur Begründung, warum den deutschen Vertriebenen eine „gesamtgesellschaftliche Erinnerung“ zuteil werden sollte, sagte Angela Merkel bei Anne Will gestern: „Wir haben 15 Millionen Vertriebene in Deutschland, die etwas für dieses Land geleistet haben, die zum Aufbau diesen Landes mitgetan haben.“ Und offenbarte damit, dass sie entweder bei Vertriebenen ähnliche Rechenmodelle verwendet wie die Konservierer des palästinensischen „Flüchtlingsproblems“ – oder eine Politik für Tote macht.

Wenn man mal Daten der Bayerischen Staatsregierung nimmt, haben auf dem Gebiet der Bundesrepublik zu keinem Zeitpunkt mehr als 12,75 Millionen Vertriebene gelebt. Man kann nun davon ausgehen, dass die Leute gleichmäßig wegsterben, also leben davon heute vielleicht noch drei Millionen. Eine Möglichkeit, auf Frau Merkels Zahl zu kommen, besteht in der Einbeziehung aller Nachfahren. Natürlich ist es Quatsch, dass jemand ein Vertriebener ist, nur weil er an einem anderen Ort geboren worden wäre, wenn ihre Eltern oder Großeltern nicht vertrieben worden wären. Auch ist die Aufbauleistung dieser Nachkommen höchstens zu verstehen, wenn man sich auf das Gengebäude des deutschen Volkes bezieht.

Aber wesentlich rationaler ist auch die wahrscheinlichere Erklärung für die Zahl nicht: Auf 15 Millionen Vertriebene kommt man nämlich auch, wenn man die im Zuge der Vertreibung Getöteten mitzählt. Dann bestünde die Gruppe, auf die die Kanzlerin sich bezieht, aus rund 3 Millionen Lebenden und 12 Millionen Toten. Eigentlich ist Merkels Aussage hier noch viel weniger schlüssig: Das Präsens ist nicht die angebrachte Zeitform, außer man zählt allen Ernstes Leichen mit. Und auch die Beteiligung der Toten beim Aufbau ist nur über nationalistische Konstruktionen möglich. Zum Beispiel: In Erinnerung an ihre deutschen Männer klopften die Trümmerfrauen die Steine in unseren zerbombten Städten.

Wahrscheinlich hat sich Merkel aber schlichtweg keine Gedanken gemacht, als sie die 15 Millionen in ihre Rhetorik zur Vertriebenenpolitik aufnahm. Als Begründung für eine weinerliche Erinnerungspolitik ist eine große Zahl auch einfach nur praktisch. Nachfragen wird niemand – das verbietet die Pietät, und natürlich die große Leistung dieser vielen Menschen.

Schon vor gut einem Jahr stellten wir klar:

verbrochenes.net ist kein JU-Watchblog, sondern ein Fanzine für Inkompetenz

Und als solches gehört es nach wie vor zu unseren Aufgaben, die Junge Union im Auge zu behalten, denn wo sonst findet man so viele motivierte junge Menschen, die nichts besseres zu tun haben, als einem Chef nachzueifern, der zwecks Medienpräsenz mal alten Menschen das Recht auf eine neue Hüfte abspricht und mal befürchtet, dass HartzIV-Bezieher mit der Verwaltung der ihnen anvertrauten Unsummen überfordert sein könnten.

Die Bremer Vertreter dieser putzigen Organisation haben sich nun mal wieder etwas ganz besonderes einfallen lassen: Sie wollen das Gymnasium retten. Dort fordern sie mit schniekem Logo inklusive Rotstern „Bildung statt Sozialismus“ und stellen eindrucksvoll unter Beweis, dass sie offenbar weder von Bildung noch von Sozialismus eine blasse Ahnung haben.

Ihr Bild vom Sozialismus ist nur aus Sicht einer privilegierten Schicht zu verstehen. Denn gegen „Zwangseinheit“ unter Kindern kann wohl nur sein, wer seine Sprösslinge als nicht den Schmuddelkindern zugehörig sieht. Letztlich geht es dann auch ziemlich offen um den Erhalt des Gymnasiums, weil dieses Freiräume schafft, „um Bildung und Erziehung zu stärken, Verantwortung zu fördern und Qualität zu entwickeln!“ All das ist an guten Gymnasien sicher gegeben, aber eben per definitionem nur für Gymnasiasten. Den anderen wird an ihrer anderen Schule mit ihren Begabungen, Talenten (ja, Begabungen und Talenten) sowie Interessen eine optimale Förderung zuteil. „Und dafür ist Schule schließlich da!“ Vielleicht sollte die Junge Union einfach eine Privatschule für alle mit einer Liebe zu Ausrufezeichen gründen!

In Bezug auf Bildung laufe die JUler wie viele deutsche Liberale und im Gleichschritt mit ihrer verkrusteten Mutterpartei in die Falle, Individualität mit Exklusivität zu verwechseln. Es ist schlichtweg nicht haltbar, die Einsortierung in eine von zwei Schulformen als individuelle Förderung zu verkaufen. Von der ganz antiliberalen Ungerechtigkeit, die man damit Zehnjährigen antut, einmal ganz zu schweigen.

Toll, wie der Stern es elegant schafft seine Leser ganz nebenbei zu bilden:

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Wirrköpfe, die im Namen Werder Bremens mit nach Südfrankreich gereist waren, wussten, dass die Stadt Saint-Etienne einst für ihre Waffenproduktion berühmt war. Bereits im 15. Jahrhundert waren hier Handwerker mit der Herstellung von Schusswaffen beschäftigt, in beiden Weltkriegen spielte die Stadt mit seiner Montanindustrie eine bedeutende Rolle bei der Versorgung der französischen Armee mit Waffen und Munition. Das entschuldigt nicht, dass einige Bremer Chaoten während des Uefa-Cup-Spiels des SV Werder beim AS St. Etienne (2:2) im Stade Geoffroy-Guichard teilweise kriegsähnliche Zustände ausriefen.

Gegenvorschlag:

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Wirrköpfe, die im Namen Werder Bremens mit nach Südfrankreich gereist waren, wussten, dass in der Stadt Saint-Etienne 1830 von Barthélemy Thimonnier die Nähmaschine erfunden wurde. Das entschuldigt nicht, dass einige Bremer Chaoten während des Uefa-Cup-Spiels des SV Werder beim AS St. Etienne (2:2) im Stade Geoffroy-Guichard teilweise kriegsähnliche Zustände ausriefen.

Bringt bei Jauch wahrscheinlich sogar mehr…

Was er da redet, interessiert mich eigentlich nicht. Was er da macht, ist einmalig.

Via Wooster Collective.

Es ist doch so, dass man irgendwie richtig leben muss. Wenn das einfacher wäre, würde ich es auch machen. Aber so läuft das nicht. Da lebt man ein bisschen hier und da, aber wer würde jetzt behaupten, dass das alles so schon ganz richtig ist? Irgendwo hakt es doch, irgendwo fehlt ein Häkchen in der Checkliste. Das fängt bei „Haufen Geld auf dem Konto“ an und hört bei „Zeit und schöne Idee zum Bloggen“ noch lange nicht auf. Die Summe der fehlenden Häkchen nennt man „Die Gesamtscheiße“. Besonders intellektuelle Typen haben auch herausgefunden, dass das eine verkürzte Darstellung ist. Denn Die Gesamtscheiße, das ist in Wirklichkeit die Summe der Ursachen der fehlenden Häkchen. Hier liegt ein Stolperstein vergraben. Weil er vergraben ist, stolpert nur drüber, wer ihn vorsätzlich ausbuddelt: Wer Der Gesamtscheiße auf der Spur ist, lebt nicht richtig. Na gut, das macht nichts, sagt der versierte Gräber, denn wer es nicht tut, lebt auch nicht richtig. Manche schütten auch, aufgrund einer Ahnung ganz tief drinnen, einen großen Haufen Sand auf den ohnehin vergrabenen Stolperstein. Gruß an Annika, wie geht es Dir?

Es hilft alles nichts. Also Geld schon. Aber das Nachdenken, das hilft doch wirklich nicht weiter. Aufschreiben hilft, wenn Nachdenken schon angefangen hat. Verbrochenes zu lesen hilft auch, zweifellos. Immer wenn ich morgens aufstehe – scheiße, ja, morgens – stolpere ich erstmal und leg mich schööön auf die Fresse.
Das war gelogen. In Wirklichkeit habe ich mir vorhin auf die Lippe gebissen, als ich Brot mit Zeug aß. Hat mit Der Gesamtscheiße nichts zu tun, tut aber weh.

Ein paar Worte zu Bremen: Keine Stadt, in der man jetzt leben sollte.

Warum so larmoyant? Es wird schon alles immer besser. In Bremen gibt es eine kleine Politsekte, die Anhänger der „Theorie des kritischen Optimismus'“. Das heißt, dass Die Gesamtscheiße schon vorhanden ist, aber doch alles immer besser wird. Wichtig natürlich: Kritischer Optimismus. Ohne den Kritiker gibt es keinen Grund zum Optimismus, weil die Übel nicht erkannt werden. Ich bin ja selbst mein größter Kritiker, was ich meinen anderen Kritikern auch gehörig anlaste. Was könnt Ihr eigentlich? Bis drei zählen und eine Banane schälen, reimt der Pöbel zurück. Immerhin.
Conclusio: Ich werde immer besser. Musste ich das wirklich noch ausbuchstabieren? Ich will nicht, dass hier irgendwer mit weniger rausgeht, als zum Mitnehmen bereit liegt. Alles für alle. Und zwar umsonst. Verbrochenes.net ist mehrere tausend Dollar wert. Werbeeinnahmen von mehreren Dollar pro Tag sind möglich, aber nicht denkbar. Spenden sind kontraproduktiv, wir haben alle mehr Geld, als wir ausgeben können, was nicht heißt, dass es genug ist, aber dass mehr unseren Charakter verändern würde. Neue Menschen.

Im Ernst: Kann mich bitte jemand für diesen Quatsch bezahlen?

Ich verfolge jetzt den Staat. Er ist langsam und ein dankbares Ziel. Ehrgeiz ist mir ohnehin fremd. Aggressiv-kämpferisch bin ich. Die Älteren erinnern sich: Wir werden freilich unbequemer werden. Vergesst das nicht.

kleiner

Seit jeher ist es uns ein Anliegen gewesen, Euch auf bestimmte Veranstaltungen hinzuweisen. Seit jeher haben wir überprüft, ob jemand hingeht, und fast immer sind wir enttäuscht worden. Das hindert uns aber keineswegs, weiterhin gute Veranstaltungen zu empfehlen. Weil wir aber doch etwas faul sind, wird das in Zukuft standardmäßig in Form eines Links geschehen, den ihr unter den ganzen anderen Links rechts findet.

Dabei wären die beiden Veranstaltungen, die da den Anfang machen, durchaus ein paar Worte wert, also schreibe ich sie auf: Heute und morgen tritt Gerd Dembowski in Bremen auf. Er ist Aktivist im Kampfgebiet Fußball und setzt sich dort auf verschiedenen und häufig sehr hohen Ebenen für eine bessere Fußballwelt ein: Weniger Rassismus, weniger Dummheit, weniger Repression. Das ist bei dem, was man sonst so erlebt in diesem Gebiet ausgesprochen erquickend und ist für mich einer der Gründe, warum ich noch nicht in den Fanruhestand gegangen bin.

Manch einer mag sich jetzt fragen, wieso ich ausgerechnet auf werder.de verlinke, obwohl Fanprojekt und Heinrich-Böll-Stiftung doch auch Werbung machen. Tja, die Heinrich-Böll-Stiftung erwähnt die Veranstaltung morgen nicht, und die Internetpräsenz des Fanprojekts leidet unter einem Technologiedefizit: sie lässt es schlichtweg nicht zu, zielgenau auf einen bestimmten Beitrag zu deuten.

Warum die neue Kategorie so einen seltsamen Namen hat? Das hat mit dem Alphabet zu tun, und einer Unzulänglichkeit von WordPress, sonst würde es natürlich einfach „Veranstaltungshinweise“ heißen. Falls uns jemand helfen kann, möge er oder sie einfach Bescheid sagen.

Als ein Blog, in dem von vielen als antideutsch identifizierte Positionen vertreten werden, bekommen wir häufig die als Vorwurf gemeinte Analyse zu hören, wir wären so sehr gegen Deutschland und würden „so krass“ für die Rechte der Juden argumentieren, weil wir infolge unserer Nationalität und der unterstellten Verwicklung unserer Großeltern mit einem Schuldgefühl kämpften, dass wir in der oben beschriebenen Form verarbeiteten.

Es wurde hier schon einmal versucht zu erklären, und wird eigentlich mit jedem Beitrag, der sich mit Politik beschäftigt, warum unsere Sicht der Dinge richtig ist. Heute soll Thema sein, warum die oben beschriebene Begründung für unsere Position falsch ist und erklären, wie ich sie stattdessen begründen würde – abgesehen von der Tatsache, dass wir schlichtweg überzeugt sind von unserem Standpunkt.

Es ist richtig, dass wir Deutsche sind, und daran kann man leider nichts ändern, da das Deutsch-Sein nun einmal rassisch definiert ist. Wenn von Deutschen die Rede ist, sind auch wir gemeint, ob uns das gefällt oder nicht. Es steht auch außer Zweifel, dass unsere Großeltern in die Verbrechen des Nationalsozialismus verwickelt sind, die einen mehr, die anderen weniger. Auch leben wir in und von einem Staat, dessen Reichtümer auch auf die Politik des Dritten Reiches zurückzuführen sind. Das ist traurig, ja: beschämend, aber eine psychologische Disposition ist kein solider Grund für eine politische Meinung, und daher streite ich sie rundweg ab.

Eine politische Stellungnahme zum Thema Deutschland wird uns vielmehr aufgezwungen, weil von allen verabscheungswürdigen Ismen der Nationalismus der einzige ist, der in der Öffentlichkeit noch einen guten Ruf hat. Von klein an wird einem vermittelt, dass die eigene Nation eine gute Sache sei, wie die eigene Familie oder die eigene Nachbarschaft. Für einen Deutschen gehört es sich, sich über deutsche Wimbledonsiege zu freuen, oder, je nach sportlicher Lage, deutsche Teilnehmer im Hauptfeld – ob man sich nun für Tennis interessiert, es zu tun wünscht oder lieber Fußball guckt. Bei einem internationalen Fußballturnier als Unternehmer auf Beflaggung zu verzichten, scheint ernsthafte finanzielle Einbußen mit sich zu bringen. Und wer nicht mitmacht, kein positives Verhältnis zur Nation entwickelt, muss sich erklären.

Häufig wird einem dann zugestanden, dass die vorgebrachte Kritik durchaus berechtigt sei, die Nation doch aber auch Gutes brächte: sozialen Zusammenhalt, einen Staat mit umfangreichen Dienstleistungen,eine gute Infrastruktur. Selbst wenn man sich irgendwas davon wünscht: Die moralisch falsche Idee Nation, die in Deutschland ja zu allem Überfluss auch immer eine völkische ist, kann einfach nicht aufgewogen werden durch etwaige Vorteile, die sie bestimmten Menschen bringt. Eine schmackhafte Menschengulaschsuppe möchte auch keiner essen. Deswegen kotzen wir hier ständig rum. Das ist keine Psychose, sondern der gesunde Menschenverstand in einem kranken Land.