Mai 2009

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jol

Und jetzt wieder da. Morgen geht´s weiter. Oder übermorgen. In der Zwischenzeit: Fotos angucken.

tagesschau.de hat völlig den Faden verloren.

Führende Vertreter waren von Papst Benedikt XVI. wieder in die Kirche aufgenommen worden, obwohl sie, wie der Geistliche Richard Williamson, den Antisemitismus geleugnet hatten.

Angesichts Knoblochs fahrigen Auftretens kann man dann fast die Angst vor der eiskalten, allmächtigen und zutiefst bösartigen Israel-Lobby verlieren.

Nachtrag:

Und wie man Zitate fälscht lernt man bei Spiegel Online in einer Agenturmeldung.

In der ARD wurde Knobloch noch deutlicher: „Es ist ein Graben zwischen den Juden und dem Vatikan“, sagte sie.

Sie antwortete damit nur auf die Frage „Wie tief ist der Graben zwischen den Juden und dem Papst?“. Und die Betonung lag insofern auf Vatikan, nicht auf Graben. Siehe Video.

An seiner Dienststelle in Frankfurt am Main sagte ein Mitarbeiter, man glaube nicht, dass der Polizist als sogenannter Agent provocateur eingesetzt gewesen sei, um Autonome zu Straftaten anzustacheln. „Für solche Aufgaben gibt es andere Dienste in der Bundesrepublik“, sagte ein Beamter.

SZ Bericht

Stellt sich natürlich die Frage, welche Dienste solche Aufgaben erledigen. Wobei sie das Geld am 1. Mai wahrscheinlich auch sparen können.

hamburg

Out ist: Nazi sein. In ist: Deutschland gut finden, und Fußball gut finden. Das wissen natürlich auch Nazis, und sagen: Wir finden Deutschland und die Nationalmannschaft gut.  So gut, dass sie sich besonders besorgt zeigen um die rassische Reinheit des Teams, die sie als identitätsstiftend betrachten (und damit durchaus die deutsche Tradition fortführen).

In Bremen ist es zudem natürlich immer von Vorteil, für Werder zu sein. Auch die Freien Nationalisten Bremen sehen es als selbstverständlich an, ihren lokalen Club zu unterstützen. Analog zur Liebe der NPD zu einer nationalen Mannschaft liegt die lokale Mannschaft ihnen so sehr am Herzen, dass es ihnen ein Ekel ist, was da alles nicht im Sinne des Nationalen Sozialismus läuft: Ausländische Spieler, gewissenlose Spekulanten, antirassistisches Engagement bei Fans und Verein. Da sind sie dann beleidigt, packen eine Schrift aus, die nach 30er Jahren aussieht und fordern: „Schluss mit Kommerz!!!“

Nun gut, irgendwann merken auch Dummköpfe, dass der Zug abgefahren ist, dass Werder ein kommerzieller Verein ist, bei dem Ausländer spielen und dessen Fans und Vorstand Rassismus überwiegend für eine schlechte Idee halten. An der Schrift wird es nicht gelegen haben, die kann man später bei den Aufklebern nochmal verwenden, aber es muss ein ganz anderes Konzept her. Die Nazis sehen ein, dass bei Werder nichts mehr zu holen ist. Und dass der Kommerz nur so lange schlecht ist, wie er nicht der Nation dient. Sie merken, dass man große Namen braucht, um Big Business Großes Geschäft zu machen.

An großen – zumindest vorerst hinreichend großen – Namen mangelt es den beiden, um deren Vorhaben es hier gehen soll, nicht. Thomas Staab ist Rechtsanwalt. Das hat in Deutschland bislang immer gereicht, um Eindruck zu schinden. Sein Kompagnion Thorsten Schibblock ist KFZ-Meister. Soweit sind das die Informationen, die auf ihrer Internetpräsenz nachzulesen sind. Die sonstigen Qualitäten, mit denen Schibblock sich qualifiziert, liegen auf ganz anderem Gebiet und lassen sich bei der Antifa nachfragen. Er hat sich, ganz wie es modern ist, umfangreich ehrenamtlich engagiert. Schon 1992 musste er als Stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Front dessen Verbot hinnehmen. Doch einer wie Schibblock lässt sich nicht kleinkriegen. Ende 2008 nahm er an der gemeinsamen Jahresabschlussfeier von NPD und DVU teil, Anfang 2009 an einem obskuren Spaziergang im Sachsenhain. Eine Selbstverständlichkeit ist es für den guten Mann, seine Sprösslinge Gerold und M. gleich in die rechten Kreise einzuführen. M. ist übrigens auch zuständig für die Homepage von Nordsturm Brema, einer Hooligangruppe mit provokanter Abkürzung und Hang zu schwarz-weiß-rot. Und schließlich sind beide Begründer des Projekts Mitglied im ältesten Werder-Fanclub Herrmannsburg. Inzwischen (August 2009) ist noch ein weiterer Kamerad hinzugestoßen: Ralf Kosan, er hat einen Doktor und Unternehmenberater. Wenn es der Ralf Kosan ist, der auch Sachen erfindet und in seinem Xing-Profil was von Segeln, aber nichts von Fußball und der deutschen Volksgemeinschaft schreibt, dann wäre das tatsächlich eine erschreckende Bereicherung. Wichtiger erscheint dem versammelten nationalen Fußballsachverstand jedenfalls die Tatsache, dass er „gebürtiger Bremer“ ist.

So überrascht es dann nicht weiter, dass es in den Beschreibungen ihres gemeinsamen Projekts mein-deutscher-fussballverein.de von völkischer Ideologie nur so wimmelt. Sie wollen einen Verein „von der 4. oder 5. Liga ganz nach oben führen“. Wie genau dieser Verein gestaltet wird, steht dann auf der zweiten Seite: Gegen hochbezahlte Spieler und abgehobene Vereinsführungen, gegen Bekleidungsverordnungen (gemeint ist das Verbot von Naziklamotten, wie etwa im Bremer Weserstadion), unberechtigte Stadionverbote und „Ehrencodexe“ (sic!). Zentral soll eine gute Nachwuchsarbeit sein – freilich nur für deutsche Jugendliche. Bottom line: „Ein richtungsweisendes Signal gegen den derzeit vorhandenen Multi-Kulti-Aktionismus im Sport.“

Für vertrauenswürdig wird also nur derjenige die beiden Männer halten, wer selbst strammer Nazi oder zumindest ein sehr dummer und überzeugter Jünger des völkischen Gedankens ist. Denn neben der Tatsache, dass man sich hier auf ein nationalistisches Projekt einlässt, verhilft man den Betreibern noch zu einem leicht verdienten Zusatzgehalt. Laut AGB zahlt jedes Mitglied 49,95‚¬ Jahresbeitrag. Doch nur 34,95‚¬ davon sollen letztendlich dafür aufgewendet werden, den Verein zu kaufen, der dann zum Vorzeigeprojekt rein deutscher Fußballkunst werden soll. Die restlichen 15‚¬ gehen an die „Verwaltung (Projektmanagement, Geschäftsführung, Verwaltung allgemein, Pflege und Wartung des Internetportals, Marketing, Werbung usw.)“ der Firma. Sollte es tatsächlich nicht klappen mit dem eigenen deutschen Verein, bekommt jeder nur das zurück, was noch nicht in Kaffee und Bier die Verwaltung geflossen ist – ohne Zinsen versteht sich.

Am Ende der ganzen Bemühungen um gutbürgerliche Glaubwürdigkeit und Geld soll ein Verein nach dem Vorbild Hoffenheims stehen. Die Volkstümler wollen einen Verein in Norddeutschland übernehmen und ganz nach oben pushen. Als Opfer kommen laut Website „alteingesessene Vereine wie Bremer SV, VFL Oldenburg, Atlas Delmenhorst oder FC Bremerhaven“ in Frage. Opfer wären diese Vereine nämlich zweifelsohne. Sie müssten es sich gefallen lassen, dass nationalistische Träumer alles diktieren: Geld, Stadion, Werbung, Spieler.

Es ist ziemlich einfach, dem Projekt in den Brei zu spucken. Zum einen ist das Vorhaben bisher schlichtweg nicht zulässig: Jede Fußballfirma muss zu mehr als 50% dem Verein gehören, aus dem sie hervorgegangen ist. Außerdem war die Aufkleberkratzantifa bisher so erfolgreich und die Werbebemühungen der Betreiber so lahm, dass nur knapp über 600 Menschen ihren Weg auf die Projekthomepage fanden. Und wer über das Internet zu ihnen findet, kann sich genauso gut auch bei uns informiert haben und unserem Ratschlag folgen: Nazis machen mit, lassen sich abzocken und zerstreiten sich. Alle anderen lachen sich über tolle Sätze kaputt: „Unsere finanziellen Mittel werden zwar am Anfang noch nicht so umfangreich sein wie die in Hoffenheim, dafür besitzen wir unseren gemeinsamen nicht zu unterschätzenden Fussballsachverstand!!“ Wer in einem Verein ist, sollte ihn mit allen Mitteln davor bewahren, in die Fänge dieses dubiosen Projekts zu kommen, und alle Spieler sollten klarmachen, dass sie nie im Leben zum FC Deutsches Volk gehen würden. Dann ist diese Geschichte gegessen. Aber eben nur diese. Mit rechten Unterwanderungsversuchen wird auch in Zukunft zu rechnen sein. Die Nazis wollen in die Mitte der Gesellschaft. Fußball ist ein Symbol für diese.

Anders als ich hier im Vorfeld behauptet hatte, war niemand vom Ultra-Team Bremen bei der im betreffenden Beitrag beschriebenen Party. Das UTB legt sehr viel Wert darauf, dass es nichts mit Nazis zu tun hat. Darauf will ich hier gern aufmerksam machen.

Bilder von den Feierlichkeiten gibts übrigens hier zu sehen. Besonders schön dabei die Ehrung der Toten mit interessanten Runen. Aber das will ich jetzt hier nicht hochsterilisieren!