Neuer Hassgegner für Werders Fünfte

Out ist: Nazi sein. In ist: Deutschland gut finden, und Fußball gut finden. Das wissen natürlich auch Nazis, und sagen: Wir finden Deutschland und die Nationalmannschaft gut.  So gut, dass sie sich besonders besorgt zeigen um die rassische Reinheit des Teams, die sie als identitätsstiftend betrachten (und damit durchaus die deutsche Tradition fortführen).

In Bremen ist es zudem natürlich immer von Vorteil, für Werder zu sein. Auch die Freien Nationalisten Bremen sehen es als selbstverständlich an, ihren lokalen Club zu unterstützen. Analog zur Liebe der NPD zu einer nationalen Mannschaft liegt die lokale Mannschaft ihnen so sehr am Herzen, dass es ihnen ein Ekel ist, was da alles nicht im Sinne des Nationalen Sozialismus läuft: Ausländische Spieler, gewissenlose Spekulanten, antirassistisches Engagement bei Fans und Verein. Da sind sie dann beleidigt, packen eine Schrift aus, die nach 30er Jahren aussieht und fordern: “Schluss mit Kommerz!!!”

Nun gut, irgendwann merken auch Dummköpfe, dass der Zug abgefahren ist, dass Werder ein kommerzieller Verein ist, bei dem Ausländer spielen und dessen Fans und Vorstand Rassismus überwiegend für eine schlechte Idee halten. An der Schrift wird es nicht gelegen haben, die kann man später bei den Aufklebern nochmal verwenden, aber es muss ein ganz anderes Konzept her. Die Nazis sehen ein, dass bei Werder nichts mehr zu holen ist. Und dass der Kommerz nur so lange schlecht ist, wie er nicht der Nation dient. Sie merken, dass man große Namen braucht, um Big Business Großes Geschäft zu machen.

An großen – zumindest vorerst hinreichend großen – Namen mangelt es den beiden, um deren Vorhaben es hier gehen soll, nicht. Thomas Staab ist Rechtsanwalt. Das hat in Deutschland bislang immer gereicht, um Eindruck zu schinden. Sein Kompagnion Thorsten Schibblock ist KFZ-Meister. Soweit sind das die Informationen, die auf ihrer Internetpräsenz nachzulesen sind. Die sonstigen Qualitäten, mit denen Schibblock sich qualifiziert, liegen auf ganz anderem Gebiet und lassen sich bei der Antifa nachfragen. Er hat sich, ganz wie es modern ist, umfangreich ehrenamtlich engagiert. Schon 1992 musste er als Stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Front dessen Verbot hinnehmen. Doch einer wie Schibblock lässt sich nicht kleinkriegen. Ende 2008 nahm er an der gemeinsamen Jahresabschlussfeier von NPD und DVU teil, Anfang 2009 an einem obskuren Spaziergang im Sachsenhain. Eine Selbstverständlichkeit ist es für den guten Mann, seine Sprösslinge Gerold und M. gleich in die rechten Kreise einzuführen. M. ist übrigens auch zuständig für die Homepage von Nordsturm Brema, einer Hooligangruppe mit provokanter Abkürzung und Hang zu schwarz-weiß-rot. Und schließlich sind beide Begründer des Projekts Mitglied im ältesten Werder-Fanclub Herrmannsburg. Inzwischen (August 2009) ist noch ein weiterer Kamerad hinzugestoßen: Ralf Kosan, er hat einen Doktor und Unternehmenberater. Wenn es der Ralf Kosan ist, der auch Sachen erfindet und in seinem Xing-Profil was von Segeln, aber nichts von Fußball und der deutschen Volksgemeinschaft schreibt, dann wäre das tatsächlich eine erschreckende Bereicherung. Wichtiger erscheint dem versammelten nationalen Fußballsachverstand jedenfalls die Tatsache, dass er “gebürtiger Bremer” ist.

So überrascht es dann nicht weiter, dass es in den Beschreibungen ihres gemeinsamen Projekts mein-deutscher-fussballverein.de von völkischer Ideologie nur so wimmelt. Sie wollen einen Verein “von der 4. oder 5. Liga ganz nach oben führen”. Wie genau dieser Verein gestaltet wird, steht dann auf der zweiten Seite: Gegen hochbezahlte Spieler und abgehobene Vereinsführungen, gegen Bekleidungsverordnungen (gemeint ist das Verbot von Naziklamotten, wie etwa im Bremer Weserstadion), unberechtigte Stadionverbote und “Ehrencodexe” (sic!). Zentral soll eine gute Nachwuchsarbeit sein – freilich nur für deutsche Jugendliche. Bottom line: “Ein richtungsweisendes Signal gegen den derzeit vorhandenen Multi-Kulti-Aktionismus im Sport.”

Für vertrauenswürdig wird also nur derjenige die beiden Männer halten, wer selbst strammer Nazi oder zumindest ein sehr dummer und überzeugter Jünger des völkischen Gedankens ist. Denn neben der Tatsache, dass man sich hier auf ein nationalistisches Projekt einlässt, verhilft man den Betreibern noch zu einem leicht verdienten Zusatzgehalt. Laut AGB zahlt jedes Mitglied 49,95€ Jahresbeitrag. Doch nur 34,95€ davon sollen letztendlich dafür aufgewendet werden, den Verein zu kaufen, der dann zum Vorzeigeprojekt rein deutscher Fußballkunst werden soll. Die restlichen 15€ gehen an die “Verwaltung (Projektmanagement, Geschäftsführung, Verwaltung allgemein, Pflege und Wartung des Internetportals, Marketing, Werbung usw.)” der Firma. Sollte es tatsächlich nicht klappen mit dem eigenen deutschen Verein, bekommt jeder nur das zurück, was noch nicht in Kaffee und Bier die Verwaltung geflossen ist – ohne Zinsen versteht sich.

Am Ende der ganzen Bemühungen um gutbürgerliche Glaubwürdigkeit und Geld soll ein Verein nach dem Vorbild Hoffenheims stehen. Die Volkstümler wollen einen Verein in Norddeutschland übernehmen und ganz nach oben pushen. Als Opfer kommen laut Website “alteingesessene Vereine wie Bremer SV, VFL Oldenburg, Atlas Delmenhorst oder FC Bremerhaven” in Frage. Opfer wären diese Vereine nämlich zweifelsohne. Sie müssten es sich gefallen lassen, dass nationalistische Träumer alles diktieren: Geld, Stadion, Werbung, Spieler.

Es ist ziemlich einfach, dem Projekt in den Brei zu spucken. Zum einen ist das Vorhaben bisher schlichtweg nicht zulässig: Jede Fußballfirma muss zu mehr als 50% dem Verein gehören, aus dem sie hervorgegangen ist. Außerdem war die Aufkleberkratzantifa bisher so erfolgreich und die Werbebemühungen der Betreiber so lahm, dass nur knapp über 600 Menschen ihren Weg auf die Projekthomepage fanden. Und wer über das Internet zu ihnen findet, kann sich genauso gut auch bei uns informiert haben und unserem Ratschlag folgen: Nazis machen mit, lassen sich abzocken und zerstreiten sich. Alle anderen lachen sich über tolle Sätze kaputt: “Unsere finanziellen Mittel werden zwar am Anfang noch nicht so umfangreich sein wie die in Hoffenheim, dafür besitzen wir unseren gemeinsamen nicht zu unterschätzenden Fussballsachverstand!!” Wer in einem Verein ist, sollte ihn mit allen Mitteln davor bewahren, in die Fänge dieses dubiosen Projekts zu kommen, und alle Spieler sollten klarmachen, dass sie nie im Leben zum FC Deutsches Volk gehen würden. Dann ist diese Geschichte gegessen. Aber eben nur diese. Mit rechten Unterwanderungsversuchen wird auch in Zukunft zu rechnen sein. Die Nazis wollen in die Mitte der Gesellschaft. Fußball ist ein Symbol für diese.

  1. Aaah, sehr schön. Vielen Dank :)

  2. danke für diesen beitrag!
    dieser blog verdient sich einen platz in meiner stammelf!

  3. Danke zurück für das Lob!

    Ich habe grad noch ein Foto von einem der Aufkleber (bzw. dessen Resten) gemacht, mit denen für mein-deutscher-fussballverein.de geworben wird. Das Bild ist an entsprechender Stelle im Beitrag verlinkt.

  4. sehr guter beitrag. macht umbedingt weiter so!!

  5. “Zum einen ist das Vorhaben bisher schlichtweg nicht zulässig: Jede Fußballfirma muss zu mehr als 50% dem Verein gehören, aus dem sie hervorgegangen ist.”

    Das mag zwar so in den Büchern stehen. Dennoch lässt sich das mit verschiedenen Möglichkeiten untergraben. Frag nach in Ho$$€nh€im oder bei http://www.deinfussballclub.de bzw Fortuna Köln. Denn die Idee dieser Nazis ist nicht neu.

  6. Der Plan, sich an einem Verein zu beteiligen oder einen zu erwerben, ist schon anders. Hopp hat sich zum Präsidenten wählen lassen, der Verein gehört ihm nicht. Wie es bei Fortuna läuft, ist mir zwar auch nicht so ganz klar, aber gekauft haben sie den Verein auch nicht.
    Wahrscheinlich besteht der Plan bei den Nazis auch einfach darin, von ein paar Idioten die 15 oder 50 Euro einzusacken und das wars. Es ist ja jedem klar, dass das Projekt scheitert.

  7. 1A-Artikel, aber die Verlinkungen zu Nazi-Sites müssen nicht sein.

    Ein Screenshot von betreffenden Aussagen auf der Seite tuts auch.

  8. Wieso denn? Wer nicht draufklicken will, klickt halt nicht drauf.

  9. bremen.antifa.net hat es ganz treffend formuliert:

    Warum verlinkt ihr Nazi-Seiten?
    Wir haben lange überlegt, ob wir auf Nazi-Homepages verweisen sollen oder nicht. Aus den folgenden Gründen haben wir uns schließlich dafür entschieden:

    * Die in der Rubrik Enemy aufgeführten Seiten sind weder “geheim” noch besonders schwer zugänglich – wer sie finden möchte, findet sie (durch einfaches Ausprobieren, notfalls mit einer Suchmaschine).
    * Die Seiten sind eine informative Quelle für antifaschistische Arbeit. Sie berichten nicht nur über aktuelle Themenfelder der Nazi-Szene, sondern zeigen auch Argumentationsweise, “Taktik” und manches Gesicht.
    * Wir glauben nicht, dass nicht-rechte Menschen durch derartige Nazi-Propaganda-Scheiße zu beeindrucken sind.

  10. Ich habe noch ein paar Fakten ergänzt, die mir in den letzten paar Tagen über den Weg gelaufen sind. Die einen betreffen den Sohnemann von Thorsten Schibblock. Außerdem haben die zwei Betreiber des Unternehmens einen weiteren Kameraden hinzugewinnen können, Ralf Kosan. Alles weitere oben im Text.

    Außerdem sei auf einen Text des Hamburger Übersteigers verwiesen, der noch ein paar Informationen über den Fan-Club Herrmannsburg bereit hält: http://www.uebersteiger.de/ausgaben/94/text_3.html

    Wenn man erstmal anfängt zu suchen: “Einen Gefrierschrank spendete Thorsten Schibblock (Bildmitte), Inhaber eines KFZ-Meisterbetriebes in Bremen, für die Besatzung des in Grömitz stationierten Seenotkreuzers BREMEN. Nachdem das alte Kühlgerät im Stationsgebäude nach vielen Jahren der treuen Pflichterfüllung »seinen Geist aufgegeben hatte«, erklärte er sich spontan bereit, die notwendige Neuanschaffung für die Seenotretter zu übernehmen. Gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiter Horst Saade aus Bremen ließ es Thorsten Schibblock (Bildmitte) sich nicht nehmen, den Gefrierschrank persönlich an Vormann Guido Förster (zweiter von rechts) und seine Crew zu übergeben – und für eine essbare Erstausstattung des Gerätes hatte er auch bereits gesorgt!” (Quelle mit Bild: http://www.dgzrs.de/fileadmin/user_upload/PDF/3_2007.pdf)

  11. gute ergäzungen. macht (umbedingt) weiter so!

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